Denkmal Ludwig Mauthner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal Ludwig Mauthner

Das Denkmal Ludwig Mauthner wurde zwischen 1896 und und 1898 von Rudolf Weyr für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen. Es steht heute zwischen der Stiege 7 der Universität Wien und dem Denkmal für Ernst Wilhelm von Brücke.

Beschreibung

Abb. 2: Denkmal Ludwig Mauthner von Rudolf Weyr

Das Denkmal ist eine Zusammensetzung von Sockel und Büste des Ophthmalogen Ludwig Mauthners (Abb. 1). Der Sockel ist in weißem, geädertem Marmor ausgeführt. Nach einer dreistufigen Basis erhebt sich ein ionischer, kannelierter Pilaster. Beachtenswert ist hier die Ausführung des Sockels in Marmor mit dekorativen Elementen aus Bronze wie etwa dem Eierstab des ionischen Kapitells. Außerdem befestigte Rudolf Weyr auf dem Pilaster einen Lorbeerzweig, in dessen Mitte ein Medaillon angebracht ist. Das Medaillon (Abb. 3)zeigt die alttestamentarische Heilung Tobits durch seinen Sohn Tobias, der auf Aufforderung des Erzengels Rafaels seinem blinden Vater Fischgalle über die Augen rieb und ihn somit von seiner Blindheit heilte (Buch Tobit, 11). Die Einbringung dieses Medaillons ist ein Verweis auf die Tätigkeit von Ludwig Mauthner, der Doktor der Augenheilkunde war.

Abb. 3: Medaillon auf dem Denkmal von Ludwig Mauthner


Auf diesem Sockel ruht schließlich die Büste Mauthners in weißem Marmor (Abb. 2). Rudolf Weyr polierte die Basis der Büste glatt und gravierte auf diese rechteckige Fläche die Inschrift DR. LUD. MAUTHNER. o.ö. Prof. der Augenheilkunde ein.

Weyr zeigt den Arzt in seiner Kleidung als Professor mit Jacke, Weste, Hemd und Krawatte. Die Büste ist schmal gehalten, dadurch, dass sie vor den Schultern schräg abgeschnitten ist. Mauthners Kopf ist nach rechts gewendet und sein Blick geht in die Ferne. Er trägt hier einen Schnurrbart und Vollbart, den er jedoch zu Lebzeiten nicht immer trug. Weyr hat das Bildnis Mauthners einer Idealisierung unterzogen. Die Ähnlichkeit zwischen Denkmal und überlieferten Fotografien hat keinen großen Wiedererkennungswert. Weyrs Aufmerksamkeit lag eher darin, den Arzt würdevoll darzustellen. Hierzu zählen auch die Falten im Augenbereich und auf der Stirn. Vor allem die Stirnfalte gehörte zur Tradition des Gelehrtenbildnisses und wird hier beim Bildnis aufgegriffen. Die Büste ist an der linken Seite mit R. Weyr sculp. = 1898 signiert (Abb. 4).

Abb. 4: Signatur Rudolf Weyrs

Notizen zur dargestellten Person

Ludwig Mauthner war ein in Wien und Innsbruck tätiger Ophthalmologe, der auch mit Eduard Jäger von Jaxtthal zusammenarbeitete. Zu seinen wichtigsten Verdiensten zählt die Einführung der Sklerotomie beim Glaukom. Sein Lehrbuch der Ophthalmoskopie von 1868 galt lange Zeit als Standardwerk für die Lehre in der Augenheilhunde. Für ausführlichere Informationen zum Leben und Schaffen von Ludwih Mauthner, siehe: Ludwig Mauthner.

Entstehungsgeschichte

Die Initiative zum Denkmal von Ludwig Mauthner geht auf seine Frau Rebecca Mauthner zurück. Schon sehr bald nach seinem Tod am 20. Oktober 1894 machte sie einen Antrag an den Senat für ein Bildnis ihres Mannes, das sie der Universität widmen wollte. Die Senatssitzung vom 14. Dezember vertagte jedoch die Angelegenheit auf das kommende Jahr.[1] Erst im Juli 1895 beschloss man in einer Senatssitzung, dass dem Antrag der Witwe Rebecca Müller stattgegeben werden soll,[2] dem die artistische Komission im November 1895 nochmals zustimmte.[3] Rebecca Mauthner hatte sich hierbei bereit erklärt sämtliche Kosten für die Anfertigung und Aufstellung des Denkmals zu übernehmen. Die Form dieses Denkmals war jedoch noch festgelegt, da die Witwe in ihrem Schreibem am 9. Oktober 1895 an das Dekanat noch von einer Büste oder Gedenktafel spricht.[4] 1896 lag jedenfalls schon ein “Modell einer Herme” vor.[5]

Jedoch wurde das Denkmal erst im September 1898 vollendet, da Weyr zu diesem Zeitpunkt um die Ausweisung eines genauen Platzes im Arkadenhof bittet. Hierbei weist er darauf hin, dass er vom Vorsitzenden der artistischen Kommission Benndorf bereits einen Platz neben dem Denkmal Josef Hyrtl gezeigt bekommen hätte und dass er die Büste für diesen Platz an der rechten Seite des Arkadenhofs angefertigt hätte.[6] Somit muss man die Wendung des Kopfes der Büste nach rechts als eine bewusste Gestaltung auffassen, als eine Wendung von Ludwig Mauthners zum Eingang des Arkadenhofs. Obwohl Weyr auf eine Aufstellung vor Beginn des Semesters und vor Beginn der kalten Jahreszeit drängte,[7] wurde die Aufstellung verzögert und erfolgte Ende Dezember 1898 oder Anfang Januar 1899.[8] Beschlossen wurde als Aufstellungsplatz derjenige neben dem Denkmal Theodor Billroth.[9]


Schließlich wurde das mit Palmen umgebene Denkmal mit musikalischer Begleitung des Gesangsvereins und mit einer Festrede von Isidor Schnabel am Sonntag mittag, 19. März 1899 enthüllt. [10] Die Feier begann im kleinen Festsaalund wurde dann vom Pedell mit dem Universitätsszepter in den Arkadenhof geführt, wo die Büste Mauthners dem Publikum enthüllt wurde. [11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal zeigt Mauthner in einem stark idealisiertem Porträt. Zwar wurden die typischen Erkennungsmerkmale von der Person Mauthner beibehalten wie etwa der Typus des Bartes und die nach oben frisierten, kurzen Haaren (Abb. 5), die Gesichtszüge erscheinen jedoch stärker idealisiert. So wurden die Stirnfurche und die Falten um die Augen stärker betont. Die Nase erscheint außerdem am Denkmal kürzer.

Abb. 5: Ludwig Mauhtner

Es ging Rudolf Weyr hier nicht darum ein detailgetreues Porträt des verstorbenen Augenarztes wiederzugeben, sondern ihn zu charakterisieren. Hierzu dienen die betonten Falten, aber auch das Bronze-Medaillon mit der Darstellung der Heilung Tobits, die die Tätigkeit Mauthners hervorhebt.


Vergleicht man diese Beobachtungen mit einem weiteren Büsten-Denkmal für Johann Joseph von Prechtl (1778-1854) im Resselpark in Wien (Abb. 6), das Weyr etwas später schuf, so lässt sich ähnliches feststellen.

Abb. 6: Porträts von Johann Joseph von Prechtl als Lithographie, Ölgemälde und Bronze-Büste

Weyr übernimmt hier auch die charakteristischen Merkmale von Prechtl: die Augensäcke, die dichten Augenbrauen, die an den Seiten nach vorne und vorne schwungvoll gekämmten Haare sind in allen drei Medien vorhanden (Abb. 6), wobei die Haare bei Weyrs Büste zugunsten einer dramatischeren Erscheinung kräftiger gestaltet sind. Sonst ging Weyr bei der Umsetzung freier um: die Augen liegen bei seiner Büste deutlich tiefer als bei der Lithographie und beim Gemälde, die Falten an Stirn und zwischen den Augenbrauen sind ebenfalls tiefer gesetzt.

Weyr betonte hier also die besonderen Erkennungsmerkmale wie die Haare, Augensäcke, verfolgte jedoch keine detailgetreue Wiedergabe der Gesichtszüge. Er brachte sogar Merkmale wie die Falten an der Stirn hervor, die man nicht in anderen Porträts wiederfindet, die jedoch typisch für das Gelehrtenporträt ist.


Ein weiteres Denkmal von Rudolf Weyr ist das für den Maler Hans Canon im Stadtpark von Wien. Auch hier beschränken sich die Übereinstimmungen von Bronze-Denkmal, Selbstporträt als Ölgemälde und Porträt in Druckgraphik auf den langen Bart, die weite Stirn, sowie die schweren Augenlider und Augensäcke (Abb. 7).

Abb. 7: Canon-Denkmal von Rudolf Weyr, Selbstporträt von Weyr und Porträt Canon als Druckgraphik

Sonst wurde das Gesicht des Malers von Weyr idealisiert wiedergegeben.

Weyr unternimmt also bei Denkmälern stets eine Idealisierung, die dem Dargestellten eine Wirkung geben. Hierbei geht Weyr nicht einer detailgetreuen Gestaltung nach, sondern arbeitet vor allem die charakteristischsten Merkmale wie etwa Haartracht, Nase oder Augenform hervor. Auch beim Denkmal Mauthners ließ sich dies feststellen. Unklar bleibt weshalb Weyr die sonst in allen anderen Porträts sichtbare Brille mit den ovalen Gläsern nicht übernahm.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

1939 wurde das Denkmal Mauthners aufgrund der NS-Rassegesetzen abmontiert.[12] Die Büste hat Schäden an der Nasenspitze erlitten, sowie am rechten Ohr. Diese sind in der Publikation von Richard Meister aus dem Jahr 1934 noch nicht sichtbar (Abb. 8). Zu vermuten wäre, dass die Büste entweder bei der Demontierung oder durch Gewaltakte während der NS-Herrschaft beschädigt wurde.

Abb. 8: Denkmal Ludwig Mauthner vor der Demontierung 1939

Quellen

  • UAW, Senat 95.7, Amtsbemerkung des Rektors Laurenz Müllner, 19.12.1894.
  • UAW, Senat 95.7, Amtsbemerkung des Rektors Laurenz Müllner, 14.7.1895.
  • UAW, Senat 95.7, Brief von Rebecca Mauthner an das Dekanat der medizinischen Fakultät, 9.10.1895.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Anton Menger an den Obmann der artistischen Kommission, 10.10.1895.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Anton Menger an Rebecca Mauthner, 11.10.1895.
  • UAW, Senat 95.7, Brief von Benndorf an den Herr Director, 29.11.1896.
  • UAW, Senat 95.7, Brief des Rektors Carl Toldt an die artistische Kommission, 20.9.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Toldt an Rudolf Weyr, 20.9.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Brief von Rudolf Weyr an den Rektor, 15.9.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Toldt an die Universitäts-Gebäude-Inspektion, 20.9.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefs von der artistischen Kommission an Rudolf Weyr, 3.11.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Brief des Rektors Julius von Wiesner an den Obmann der artistischen Kommission, 9.11.1898
  • UAW, Senat 95.7, Wiedergabe eines Briefs von Rudolf Weyr an das Rektorat, 12.11.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefs des Vorsitzenden der artistischen Kommission an Rudolf Weyr, 13.12.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Amtsbemerkung des Rektors Wiesner, 22.12.1898.
  • UAW, Senat 95.7, Brief des Rektors Wiesner an die Universitäts-Gebäude-Inspektion, 13.1.1899.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Wiesner an den Dekan, 7.2.1899.
  • UAW, Senat 95.7, Brief des Dekans an den akademischen Senat, 11.2.1899.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an Prof. Isidor Schnabel, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Schreiben des Rektors Wiesner an Prof. Isidor Schnabel, 25.2.1899.
  • UAW, Senat 95.7, Brief des Rektors Wiesner an Prof. Isidor Schnabel, 21.3.1899.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an den Dekan der medizinischen Fakultät, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an Prof. Isidor Schnabel, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an Rebecca Mauthner, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an den Gesangsverein, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an das Pedellenamt, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Konzept eines Briefes des Rektors an die Universitäts-Gebäude-Inspektion, o.D.
  • UAW, Senat 95.7, Einladungskarte zur Enthüllungsfeier am 19.3.1899.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, 20.3.1899, Abendblatt, Nr. 12420, S. 1. [1]

Der Zeitungsartikel gibt eine kurze Zusammenfassung der Denkmalenthüllung vom 19.3.1899 und einige Auszüge der gehaltenen Reden. Interessant ist hier vor allem die Dankesrede des Bruders von Ludwig Mauthner, Direktor der Österreichischen Kreditanstalt Gustav Ritter von Mauthner. Er bedankt sich insbesondere bei Rudolf Weyr für die Darstellung von Ludwig Mauthner in lebensvoller Wahrheit, den der Künstler zudem nicht kannte.


Weitere Zusammenfassungen der Denkmalsfeier finden sich in folgenden Zeitungsartikeln:

  • Neues Wiener Journal, 20.3.1899, Nr. 1943, S. 2. [2]
  • Wiener Abendpost, 20.3.1899, Nr. 65, S. 6. [3]

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 95.7, 19.12.1894
  2. UAW, Senat, S 95.7, 14.7.1895.
  3. UAW, Senat, S 95.7, 5.11.1895.
  4. UAW, Senat, S 95.7, 9.10.1895.
  5. UAW, Senat, S 95.7, 29.11.1896.
  6. UAW, Senat, S 95.7, 12.11.1898.
  7. UAW, Senat, S 95.7, 12.11.1898.
  8. UAW, Senat, S 95.7, 13.1.1899.
  9. UAW, Senat, S 95.7, 22.12.1898.
  10. UAW, Senat, S 95.7, 19.3.1899.
  11. Neues Wiener Journal, 20.3.1899, Nr. 1943, S. 2.
  12. Maisel 2007, S. 15.

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 93.
  • Meister 1934: Meister, Richard: Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien 1934, S. 116.

Weblinks



Cigdem Özel, 2013SS; Marlene Schweinschwaller, 2014SS