Denkmal Ludwig Boltzmann

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Denkmal für Ludwig Boltzmann, Arkadenhof der Universität Wien.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 153, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Denkmal für Ludwig Boltzmann, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1912
Abb.4: Inschrift am Sockel des Boltzmann-Denkmals


Das Denkmal für den Physiker Ludwig Boltzmann (1844-1906) wurde von dem Künstler Leopold Brandeisky für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. Dezember 1912 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal des Physikers ist eines der letzten, die sich auf der rechten Seite des Arkadenhofes befinden, direkt neben dem Eingang ins Universitätsgebäude (Maisel 2007, Nr. 153) (Abb.2). Neben dem Monument befindet sich das Denkmal des Theologen Denkmal Karl Werner.Die Büste Ludwig Boltzmanns ist in Bronze ausgeführt, und von A.J.Selzer in Wien 1100 gegossen worden. Boltzmann ist überlebensgroß dargestellt mit Maßen von ca.75 x 55 cm. Der Sockel ist aus Marmor mit den Maßen 50,5 x 50,5 x 150 cm, in der oberen Hälfte ist die Inschrift eingraviert und in gold ausgefüllt. Es fällt auf, dass die Zahlen der Mathematik-Professur nachträglich von 1863-1866 auf 1873-1876 geändert wurden. Boltzmann ist in fortgeschrittenem Alter dargestellt, er trägt eine Sakko mit einer Weste und einem Hemd darunter. Auf Wunsch der artistischen Kommission wurde die Brille weggelassen. Boltzmanns Gesichtszüge sind sehr prägnant und sehen im sehr ähnlich, was die Arbeit anhand einer Fotographie nahe legt. Auffällig ist auch die präzise Ausführung des Vollbarts, der sich realistisch über seinen Hals erstreckt. Eine Signatur ist nicht erkennbar. Möglicherweise findet man sie auf der Rückseite im ausgehöhlten Teil der Büste.

Notizen zur dargestellten Person

Ludwig Boltzmann (* 20. Februar 1844 in Wien; † 5. September 1906 in Duino bei Triest) war einer der bedeutendsten österreichischen Physiker und Philosoph. Er gilt als einer der Begründer der klassischen statistischen Physik; seine bedeutendsten Arbeiten gehören in das Gebiet der kinetischen Gastheorie, der Thermodynamik und der Strahlungstheorie.

Entstehungsgeschichte

Am 11. Mai 1912 stellen die Professoren der philosophischen Fakultät einen Antrag an den Senat in dem sie um die Aufstellung eines Denkmals zu Ehren von Ludwig Boltzmann bitten. Anbei sind Fotos des Gipsmodells der Büste, von Leopold Brandeisky gefertigt, sowie die Information, dass die Fakultät genügend Geldmittel aufgebracht hätte. [1] In der Sitzung vom 17. Mai 1912, genehmigt der akademische Senat die Errichtung des Denkmals und übergibt die Causa der artistischen Kommission.

Die Kommission trifft am 14. Juni 1912 zusammen und bewilligt die Büste unter den Voraussetzungen, dass die Brille wegfällt, die Plinte eine Höhe von 32 cm hat, die Büste ausgehöhlt wird an der Rückseite um Bronze und damit Kosten zu sparen, die Inschrift zur heutigen Form verändert wird und die Büste neben der Tür auf der Philosophenseite aufgestellt wird, links oder rechts vom Petzval-Denkmal. [2]

Im November 1912 soll die Büste zur Aufstellung gebracht werden. Man setzt sich mit dem Bildhauer in Kontakt um die Übernahme der Büste zu verienbaren. Als Aufstellungsort wir rechts neben dem Petzval-Denkmal geplant. [3]

Die feierliche Aufstellung und Enthüllung des Denkmals soll am 7. Dezember 1912 stattfinden, dem Dekanat und auch dem Bildhauer Brandeisky werden Einladungen zur Verteilung übermittelt. Die Festlichkeiten finden am 7. Dezember im Festsaal der Universität statt. Friedrich Hasenöhrl hält eine Gedenkrede. [4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 4: Ehrengrab Ludwig Boltzmanns am Wiener Zentralfriedhof.
Abb. 5: Porträt Ludwig Boltzmann.

Ein weiteres Denkmal für den Physiker Botzmann, befindet sich am Zentralfriedhof Wien. Boltzmann wurde zunächst auf dem alten Döblinger Friedhof (Strauß-Lanner-Park) bestattet und erhielt später ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof (Gr.14C/01). Das Ehrengrab Ludwig Boltzmanns entstand gut zwanzig Jahre nach seinem Tod, dies ist auch in der Ausführung seines Konterfeis sichtbar.

Die Porträtbüste des Ehrengrabes von dem Bildhauer Gustinus Ambrosi läßt den Verstorbenen jünger erscheinen und hat deutlich mehr Dynamik. Sein Blick ist forsch und seine Haltung leicht nach vorne geneigt- in der Bewegung eingefangen. Sein Kleidungsstil ist zwar dem des Arkadenhof-Denkmal ähnlich, wirkt durch die unbehauene Schulterpartie jedoch legerer. Boltzmann windet sich scheinbar aus dem Fels, behält jedoch Haltung und Form dabei; der Stein verleiht dem Denkmal sogar ein gewalttätiges Moment. Der Gesichtsausdruck Boltzmanns ist am Ehrengrab ebenfalls konzentrierter und fokussierter. Bart und Kopfhaar verstärken durch die klare Linienführung diesen Eindruck des stechenden Blickes noch weiter. Zu bedenken ist dabei jedoch, dass das Denkmal im Arkadenhof in einer Höhe angebracht ist, wo es über die meisten Besucher wohl hinwegschaut, mit starrem Blick nach vorne; während die Büste des Ehrengrabes weiter unten platziert ist und eine leichte Drehung nach rechts aufweist, was für den Effekt der Skulptur sehr relevant ist. Sehr auffallend ist quadratische Sockel.Darauf ließ Max Planck die von Boltzmann gefundene Formel der fundamentalen Beziehung eingravieren.

Weiters ist ihm im 9. Wiener Bezirk ist ihm die Boltzmanngasse gewidmet, und an seinem Wohnhaus in Wien 18, Haizingergasse 20, sowie am ehemaligen Physikalischen Institut, Wien 9, Türkenstr. 3 wird seiner gedacht. Eine Kopie befindet sich im Institut für Experimetalphysik in Wien 9, Strudlhofgasse 4.

Quellen

Abb.5: Einladung zur feierlichen Aufstellung des Boltzmann-Denkmals am 7.Dezember 1912.
UAW= Universitätsarchiv Wien
  • UAW, Senat S.93.10, Antrag vom 11.5.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Brief vom 20.6.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Brief an Brandeisky vom 13.11.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Brief vom 13.11.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Brief mit Einladungen an den Dekan vom 26.11.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Brief mit Einladungen an Brandeisky vom 26.11.1912
  • UAW, Senat S.93.10, Einladung zur feierlichen Aufstellung

Rezeption in der Presse

  • Wiener Zeitung: Boltzmann-Denkmal, in: WZ, 7.Dezember 1912, Seite 7 Spalte 2.
  • Neue Freie Presse: Aufstellung und feierliche Enthüllung des Boltzmann-Denkmals an der Wiener Universität, in: NFP, 7.Dezember 1912, Seite 10-11 Spalte 3-1.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S.93.10, 11.5.1912.
  2. UAW, Senat S.93.10, 20.6.1912.
  3. UAW, Senat S.93.10, 13.11.1912.
  4. UAW, Senat S.93.10, 26.11.1912.

• Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Wien / Köln / Weimar 2007.

• Thomas Maisel: Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen. Wien 1990.

Literatur

  • Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Wien / Köln / Weimar 2007.
  • Thomas Maisel: Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen. Wien 1990.
  • Ilse M. Fasol-Boltzmann, Karl Heinz Fasol, Walter Höflechner: Ludwig Boltzmann – Notizen und Gedanken aus seinen letzten Lebensjahren, ÖGW Mitteilungen (18), 1998, S. 87-124.
  • Ilse M. Fasol-Boltzmann, Gerhard Ludwig Boltzmann (Hg.): Ludwig Boltzmann (1844-1906) – Zum hundertsten Todestag, Springer, Wien - New York 2006, ISBN 3-211-33140-9 (mit vollständigem Werkeverzeichnis und umfangreicher Bibliographie)

Quellen

http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Boltzmann%2C_Ludwig, abgerufen 16.6.2014.

Marlene Schweinschwaller

Darstellungen