Denkmal Ludwig Barth von Barthenau

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Ludwig Barth von Barthenau, Büste: Heinrich Natter(1844-1892), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 47, enthüllt 1892.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 47, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Chemiker Ludwig Barth von Barthenau (1839-1890) wurde von dem Bildhauer Heinrich Natter (1844-1892) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 26. Juni 1892 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 2: Heinrich Natter, Denkmal Rudolf Ludwig Barth von Barthenau, Detail.

Die Büste wurde aus Bronze gegossen und auf einem langen, schmalen Sockel aus Marmor gesetzt (Abb.1). Ausgehend vom Gesims wird der Stähle nach unten verjüngt. Diese Verschlankung nach unten erinnert an den klassischen Hermentypus. Der Sockel ist, bis auf die vergoldete Inschrift, ebenfalls völlig schlicht und ornamentlos gehalten. Das Fußgesims des Sockels ist profiliert. Der aus schwarzem Marmor mit hellgrauen Einsprengseln gefertigt Sockel, hat einen fast quadratischen Querschnitt. Aufgrund des dunklen Sockels ist beinahe keine Zäsur zwischen Sockel und Büste wahrzunehmen. Allein die Marmorierung des Sockels hebt sich von der Farbgebung der Büste ab. Die Büste bestehend aus dem Kopf und dem oberen Drittel des Torsos. Sein Kopf, wie sein Blick, sind streng nach vorne gerichtet. Sein Kopf ist nach oben gerichtet und der Blick schweift somit über den Betrachter in die Ferne hinaus. Barthenau wird mit nacktem Oberkörper dargestellt. Natter wählte demnach einen geraden Büstenabschluss mit nackter Brustpartie (Abb.2). Die Büste ist unten gerade abgeschnitten. Der Anschnitt ist gerade, sowie bei der Brust, als auch bei den Armen. Unter der Brust schließt der Sockel an.

Die Oberflächenstruktur des Sockels ist glatt. Als Postament dient der Büste ein Sockel mit rechteckigem Grundriss, welcher die Büste mit dem Boden verbindet. Der Sockel befindet sich direkt an der Wand, wodurch nicht alle Seiten des Denkmals dem Betrachter ersichtlich sind. Das Haar trägt Barthenau schwungvoll nach hinten gekämmt und sein dichter Vollbart verdeckt die Mundpartie. Die Strenge der Darstellung wird durch den ausgewählten Büstenausschnitt, dem nackten Korpus, unterstützt. Barthenau blickt streng nach vorne und zieht dabei seine Augenbrauen hoch, wobei eine tiefe und stark ausgebildete Stirnfalte sichtbar wird.

Die Büste ist sehr detailliert dargestellt, es lassen sich leicht hängende Augenlider, sowie Abzeichnungen von Tränensäcken und Pupillen ausmachen. Auch auf der Wangenpartie zeichnet sich eine tiefe Falte ab. Die nach hinten gekämmten Haare und der Bart bringen eine gewisse Dynamik in die Darstellung. Der nackte Oberkörper suggeriert Stärke und auch einen gewisse Art von Wildheit. Die Büste befindet sich nicht auf Augenhöhe des Betrachters, sondern Barthenau blickt streng über den Betrachter in den Raum. Von den Seiten aus betrachtet, sieht man die naturalistisch ausgearbeiteten Ohren.

Notizen zur dargestellten Person

Ludwig Barth von Barthenau war Chemiker und Professor an der Universität Wien. Barth ist der Entdecker des Resorzin (Stoffgruppe der Phenole), ein wichtiger Grundstoff zur Farb- und Kunststoffherstellung.[1] Er war Mitbegründer der Zeitschrift Monatshefte für Chemie. Außerdem war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und des Obersten Sanitätsrates. Desweiteren war Barth auch als Alpenforscher tätig.[2]

Entstehungsgeschichte

Im Jänner 1891, ein Jahr nach dem Tod von Barthenau, richtet Dr. Lieben ein Schreiben an den akademischen Senat. Daraus geht hervor, dass sich ein Komitee mit der Aufgabe, ein Denkmal für Barthenau zu schaffen, gebildet hat. Das Komitee wünsche, dass die geplante Marmorbüste im Arkadenhof der Universität Wien Aufstellung findet. Das Schreiben richtet sich demnach mit der Bitte um Genehmigung dieser Aufstellung, an den akademischen Senat.[3] Am 26. Juni 1892 wurde das Denkmal enthüllt.[4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 3: Ludwig Barth von Barthenau um 1870
Abb.4: Ludwig Barth von Barthenau um 1880
Abb.5: Denkmal Franz Exner im Arkadenhof Wien
Abb.6: Denkmal Franz Exner im Arkadenhof Wien

Heinrich Natters Anliegen war es, alle Personen so darzustellen, dass das Porträt so nah wie möglich an die Natur herankam und dass auch der Charakter getroffen wurde. Bei einem Werk, bei dem er keine Porträtähnlichkeit erreichen konnte, war Natter zumindest bemüht, alles kennenzulernen und zu studieren, was Hinweise auf die Persönlichkeit geben konnte. Besonders deutlich wird dies an seinem Haydn Projekt. In diesem Fall wurde alles, was von Haydn aufzutreiben war, herbeigeschafft. Er besuchte alle Konzerte, in denen Haydns Musik dargeboten wurde. Natter betrieb ungewöhnlich großen Aufwand, um seine Figuren möglichst authentisch zu gestalten.[5] Natter hat sich demnach mit dem Aussehen, dem Wesen und der Rolle des darzustellenden Menschen auseinandergesetzt. So spielte auch in der Büste Barthenaus die individuelle Persönlichkeit des Porträtierten eine wichtige Rolle. Der Vergleich mit zwei Fotos Barthenaus (Abb.3, Abb.4) zeigt genau dies. Neben den physiognomischen Details, wie den kräftigen Augenbrauen, der Knollennase, dem auffälligen und voluminösen Bart und dem streng nach hinten gekämmten Haar, ist sowohl in der Fotographie, als auch in der Porträtbüste, der gleiche Ausdruck von Barthenaus Wesen zu finden (Abb.2). Ludwig Barth von Barthenau wirkt streng und grübelnd. Jedoch wirkt er nicht verklärt und in seiner eigenen Gedankenwelt versunken. Er scheint gedanklich präsent zu sein. Er ist nicht nur körperlich stark dargestellt, seine geistige Kraft und Stärke spiegelen sich auch in seiner Mimik und seinem Gesichtsausdruck.

Das Denkmal Franz Exner wurde gemeinsam mit dem Denkmal Leo Graf Thun und Hohenstein und dem Denkmal Hermann Bonitz von dem Bildhauer Carl Kundmann für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen. Es befindet sich im süd-westlich gelegenen oktogonalen Eckraum der Arkadengänge und wurde am 24. Mai 1893 enthüllt. Ihm wurde von Thomas Maisel die Nummer 57 zugeteilt. [6] Alle drei Denkmäler von Kundmann sind zeitlich mit dem Denkmal des Barthenau gleich und weisen Parallelen auf. Die Büste des Franz Exner besteht aus einem markant ausgeführten Kopf und den oberen Brustbereich, wobei die Schultern nicht mehr dargestellt sind. Exners Kopf ist leicht nach rechts gerichtet, zeigt aber eine aufrechte Haltung. Die Augen sind hier nicht ausgeführt und so blickt das Denkmal leer in den Hof der Arkaden. Die dichten Locken sind nach hinten gekämmt, umrahmen das Gesicht und zeigen eine hohe Stirn. Es ist keine Kleidung dargestellt - wie auch bei Ludwig Barth von Barthenau-, nur der bloße obere Brustbereich. Gegenübergestellt (Abb. 6) sind die Parallelen deutlich. Die wesentlichen Gemeinsamkeiten liegen bei der Stähle, die nach unten verjüngt wird. Beide Denkmäler erinnern an den typisch klassischen Hermentypus (Abb. 7). Dieser kubisch abschließende Portrait-Typus hat sich als Reduktion der antiken griechischen Herme entwickelt. Unter den Denkmälern des Arkadenhofes finden sich einige weitere Beispiele für die Anwendung des Hermen-Typus. So haben bereits Heinrich Natter sowie Carl Kundmann zu Beginn der 1890er-Jahre darfau zurück gegriffen.

Abb.7: klassische Herme des Demosthenes auf dem Marktplatz von Athen, Werk des Polyeuktos, um 280 v. Chr.© Wikipedia

Heinrich Natters Tätigsbereich liegt meist in München. Es ist nicht auszuschließen, dass die Monumentalfigur Parallelen mit den Figuren der Gedenkstätte Walhalla in Bayern finden lassen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind hier keine Ereignisse zur Aufstellung im Arkadenhof bekannt.

Quellen

UAW= Universitäts Archiv Wien

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 54
  2. [1]. Website des Austria Forums. Abgerufen am 2.12.2013
  3. UAW Senat S 93.5 Brief vom 14.Jänner 1891
  4. UAW Senat S 93.5
  5. Lillie 1998, S.32
  6. Maisel, 2007 S. 59.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Lillie 1998: Urusla Lillie, Standbilder und Denkmäler von Heinrich Natter, Wien 1998.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • Schörner 1987: Georg Schörner (Hrsg.)Der österreichische Realismus am Beispiel eines Künstlerlebens, Wien 1987.

Weblinks

http://austria-forum.org/af/AEIOU/Barth_zu_Barthenau%2C_Ludwig



Veronika Preisinger, Marlene Schweinschwaller