Denkmal Lorenz von Stein

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb.1: Fritz Steger, Denkmal Lorenz von Stein, 1891 aufgestellt, Arkadenhof der Universität Wien.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 15, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal für den Juristen und Nationalökonomen Lorenz von Stein (1815-1890) wurde von dem Bildhauer Friedrich Steger für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen, die Datierung ist ungeklärt, diese wird mit um 1890 angenommen.

Beschreibung

Die Büste für Lorenz von Stein ist in eines der aufwendigeren Rahmenwerke des Arkadenhofes installiert. Da der Rahmen erst knapp unter dem Blickniveau des Betrachters endet ist der Standpunkt der Büste relativ hoch. Die Sicht des Porträts gleich die räumlich Distanz jedoch aus. Diese richtet sich nämlich leicht nach rechts unten zum Betrachter. Insgesamt sind Kopf und Büste eigentlich frontal ausgerichtet. Der Abschluss der Büste ist etwas unter der Brusthöhe. Unter dem übergeschlagenen Mantel sieht man ein Hemd beziehungsweise am Hals einen hohen Kragen und eine Masche. Der Dargestellte trägt seitlich am Gesicht einen Bart und das Haar ist wellig dargestellt. Die Nase ist sehr ausgeprägt, die Augen sind betont; genauso der Mund, also die weit auseinander gezogenen Lippen. Da die Haut glatt und faltenlos ausgeführt wurde, wirkt das Gesicht jugendlich. Die Rahmenarchitektur lässt sich in drei Teile gliedern: Ein hochrechteckiges Hauptfeld, das seitlich von zwei Säulen flankiert wird. Oben ein Dreiecksgiebel mit Rankenumrahmung. Das Giebeldreieck beinhaltet ein Tympanonfeld mit einem Wappen, welches von geschwungenen Bändern umgeben ist. Unten ein etwa halbrundes Feld. Der mittlere Bereich führt einerseits zum Teil optisch in die Tiefe, zum Teil ist die Wand tatsächlich ausgehöhlt. Der zuerst genannte Teil trägt die Namensinschrift in zartem Gold: LORENZ V. STEIN. Sehr auffallend ist die Signatur zwischen mittleren Bereich und Giebel, da sie nicht die Lebensdaten, sondern die berufliche Laufbahn an der Universität Wien enthält: MDCCCCV-MDCCCLXXXVII (1855 - 1887). Weiters inhaltlich bedeutsam ist das im unteren Bereich in Verbindung mit dem Postament der Büste stehende Wappen.

Notizen zur dargestellten Person

Lorenz von Stein war ein bedeutender Jurist und Nationalökonom, dessen Werke bei den Debatten über wirtschaftliche und politische Systemfragen von ab ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert bis heute eine wichtige Rolle spielen. Lorenz von Stein setzte sich in den Anfangsjahren des Sozialismus mit den gesellschaftlichen Folgen der beginnenden Industrialisierung auseinander. Er versuchte das Verhältnis von Staat und den einzelnen Menschen zu klären. 1843 habilitierte sich Von Stein, und wurde 1855 als Professor des Staats- und Verwaltungsrechts an die Universität Wien berufen, wo er über dreißig Jahre als akademischer Lehrer tätig war. Er besaß großes rhetorisches Geschick und gab japanischen Studenten Unterricht im Verfassungs, Staats- und Verwaltungsrecht, wofür ihm in Japan große Verdienste um die Entstehung der Verfassung 1889 zugebilligt wurde.[2]

Entstehungsgeschichte

Aus einem Schreiben der "Gesellschaft österreichischer Volkswirthe" an den akademischen Senat der Universität Wien:

„Die Gesellschaft österreichischer Volkswirthe, welche sich durch die Widmung der Familie des verstorbenen Universitäts-Professor Dr. Lorenz von Stein in dem Besitze einer meisterhaft gearbeiteten Marmorbüste desselben befindet, hat in ihrer Sitzung vom 10. November letzen Jahres den Beschluss befasst, für die würdige Aufstellung dieser Büste in dem Arkadenhofe der k.k. Universität Sorge tragen zu wollen.“ Wien, 14. November 1890. (gezeichnet Adolf Exner)

Daraufhin wurden die üblichen Prozesse der Aufstellung durchlaufen, wobei leider sehr viel Unklarheit über die Datierung der Büste herrscht. Der Bildhauer Friedrich Steger wird nicht erwähnt. Dass er eine Büste des Lorenz von Stein anfertigte, geht jedoch aus der Sekundärliteratur hervor, die im Eintrag zum Künstler angegeben wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 3: Denkmal Karl Braun von Fernwald von Theodor Charlemont, enthüllt 1894.
Abb.4: Friedrich Steger, Reste der figuralen Fassadenaustattung des Ringtheaters, 1872. (heute im Pötzleinsdorfer Schlosspark)

Die Büste Lorenz von Stein ist in eines der aufwendigeren Rahmenwerke des Arkadenhofes. Das Reliefmonument besteht aus einer besonderen aufwendigen Verzierung und einen Stil, der an Renaissance erinnern lässt. Sie kann kaum mit einem anderen Relief des Arkadenhofes verglichen werden. Ein Relief zeigt doch Parallelen auf; im Speziellen bei der Rahmung. Das Denkmal für den Gynäkologen Carl Braun von Fernwald im Arkadenhof der Universität Wien wurde von dem österreichischen Bildhauer Theodor Charlemont angefertigt.

Die Fläche des Hauptfeldes setzt sich aus dem Medaillon in der oberen Hälfte, und der darunter liegenden Inschriftentafel zusammen. Umrandet wird die Fläche von verzierenden Elementen aus Lorbeerzweigen in den Längsseiten und Blüten in den Ecken. Die gesamte Tafel wird von Trägerkonsolen getragen. Das Giebeldreieck beinhaltet ein Tympanonfeld mit einem Wappen, welches von geschwungenen Bändern umgeben ist. Ein wesentlicher Unterschied ist beim Vergleich des Denkmal Fernwalds, dass es aus einer Reliefplatte besteht und nicht wie bei Stein um eine Büste. Die Gliederung der Rahmung ist ähnlich.

Noch bezeichnender für einen Vergleich sind die Parallelen zur früheren Renaissance; insbesondere florentiner Renaissance. Den Aufenthalt 1875 in Venedig und zeitlichen Wohnort des Bildhauers Friedrich Steger bestätigt die Annahme und den Einfluss der italienischen Architektur beziehungsweise Malerei. Auch zum späteren Historismus sind Parallelen zu finden. Für das Wiener Ringtheater schuf er kolossale Figuren für die Fassade. Diese wurden nach dem Brand des Ringtheaters 1881 wurden die Figuren im Pötzleinsdorfer Schlosspark aufgestellt.

Krause nennt Steger und seine Werke als seiner Zeit vorausweisend und meint, dass er als erster Wiener Bildhauer, internationale Entwicklungen nach Wien brachte. Dieses würde den internationalen Stil des Denkmals erklären. Beim "Denkmal Lorenz Stein" sind jedoch keine genauen Daten für die Fertigstellung und Auftrag bekannt. Wenn der Aufenthalt früher war, würde dies durchaus den florentiner Stil erklären. Der Kunsthistoriker vergleicht ihn mit dem Maler Hans Makart. Außerdem sieht er in Steger monumentalen Figuren Vorläufer von Viktor Tilgners Burgtheater-Arbeiten. [3]

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keinerlei Ereignisse nach der Aufstellung bekannt.

Quellen

Senat S 96.7 GZ 525 aus 1890/91, GZ 966 aus 1890/91, GZ 1198 aus 1890/91, GZ 1549 aus 1890/91, GZ 2643 aus 1890/91, GZ 1316 aus 1906/07

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Weblinks

http://scopeq.cc.univie.ac.at/Query/detail.aspx?ID=38724

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007.
  2. Maisel 2007
  3. Krause 1980

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, Nr. 15.

David Berger, Marlene Schweinschwaller