Denkmal Leopold Oser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Carl Wollek, Porträtbüste Leopold Oser (1839-1910), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 146, 1887. unidam

Die Porträtbüste Leopold Osers von Carl Wollek befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien an der rechten Seite. Sie wurde vermutlich 1917 enthüllt. Finanziert durch die Witwe Osers, Amelie Oser. In der Katalogisierung Thomas Maisels, 2007 wird die mehrteilig aufgebaute Relieftafel durch die Nummer 146 gekennzeichnet (Abb. 2).[1] Die Porträtbüste befindet sich rechts vom Arkadenhof zwischen dem Denkmal Joseph Maximilian Petzval und dem Gynäkologendenkmal Ignaz Philipp Semmelweis.


Beschreibung

Das Denkmal für Leopold Oser (Abb. 1) besteht aus weißen Mamor, das den Verstorbenen in einer Frontalansicht zeigt. Der Auftrag erfolgte von seiner Frau ein paar Jahre nach dem Tod Leopold Osers, und wurde realistisch gestaltet. Die Büste zeigt das ernste Gesicht Leopold Osers, der mit prüfendem und ernstem Blick auf den Betrachter herabschaut. Die reliefplastische Teildarstellung Osers, ist nach unten durch Schulter und Brust, beziehungsweise Körpermitte begrenzt. Die Büste schließt im unteren Teil mit einer verzierten Leiste ab. Sie sitzt auf einem rechteckigen Sockel aus grau- melierten Stein. Der Sockel beinhaltet in der Mitte die Inschrift über die Professur und den Lebensdaten des Verstorbenen in goldenen Großbuchstaben: LEOPOLD OSER; PROFESSUR DER INTERNEN MEDIZIN; 1839 - 1910 (Abb 2). Trotz Anfragen und Bitten des Senates an Carl Wollek auf eine goldene Innschrift zu verzichten, wurde sie trotz der Aufforderung in Gold ausgeführt[2] (Abb 3)[3].

Abb.2: Plan der Aufstellung der Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Maisel 2007, Nr. 146.
Abb.4: Schreiben an Carl Wollek, akademischer Senat der artistischen Kommission k.k. Univeristät Wien, 27. Juni. 1917, UAW

Die Büste steht in frontaler Ansicht. Der Blick ist nach vorne zum Betrachter gerichtet und weist eine gewisse Strenge auf. Die etwas in die Ferne blickenden Augen und die leicht hochgezogenen Braue verleihen ihm einen starken Ausdruck. Tiefe Falten im Stirnbereich und der lange, nach unten verlaufende Schnurrbart zeigen ein realistisches Bild des Verstorbenen Osers. Die Haare sind streng zur Seite gescheitelt. Die Form des Unterbartes schließt mit der Struktur des Kragens und des Hemdes ab. Dadurch entsteht ein symmetrischer Einklang. Weiterführend trägt die Figur einen Anzug mit Masche. Die Masche ist eng um den Hals umschlungen, wobei sie etwas von der Länge des Bartes verdeckt wird. Der Oberkörper ist ohne Ausbildung der Arme dargestellt. Den unteren Abschluss bildet ein rechteckiger Streifen mit Blättern und Knospen verziert. Er wirkt etwas heller, wie der Rest; dies wahrscheinlich an der Ausarbeitung liegt. Der Abschluss ist schlicht und geradlinig. Es rundet das schlichte und strenge Gesamtbild des Leopold Osers gut ab.

Das gesamte Denkmal ist circa 240 cm hoch und hat eine Grundfläche von 60 x 60 cm. Die Höhe des schwarzen Marmorsockels beträgt 146 cm, Fuß und Kranzgesims sind 60 cm breit, der schmalere Mittelteil 45 cm. Die Büste selbst ist circa 75 cm hoch, die Höhe des Piedestals beträgt 19 cm.

Notizen zur Dargestellten Person

Leopold Oser (*27. Juli 1839 in Mikulov/Tschechische Republik; † 22. August 1910 in Gainfarn/Niederösterreich) war ein österreichischer Internist. Leopold Oser studierte 1856-1861an der Universität Wien Medizin und promovierte 1862 zum Dr.med. Dr.chir. und Mag.obstet..[4] 1872 habilitierte er sich für Innere Medizin und wurde 1885 zum außerordentlichen Professor (1902 tit o. Prof.) ernannt.[5] Oser förderte durch zahlreiche Untersuchungen, besonders die Lehre von den Erkrankungen des Magens und der Bauchspeicheldrüse. Er war seit 1872 Primararzt des Spitals der israelitischen Kulturgemeinde und seit 1873 Mitglied des niederösterreichischen Sanitäterrates, später auch dessen Vorsitzender.[6]

Entstehungsgeschichte

Im Dezember 1915 hatte Carl Wollek dem Akademischem Senat der Universität Wien bereits einen Entwurf des Denkmals vorgelegt, dieser blieb jedoch ohne Antwort des Senats.[7] Auf Wunsch der Witwe Amelie Oser sollte das Werk bis Juni 1916 fertig sein. Der Bildhauer Carl Wollek hatte bereits eine Skizze angefertigt und wartete auf Antwort des Rektors, ob es genehmigt wird.[8] Das Werk sollte an einem Gedenktag im Juni aufgestellt werden, Wollek wartete auf den Bescheid um mit der Ausführung in Marmor beginnen zu können, da das Vorhaben sehr langwierig ist.[9] Wollek bekam keine Zustimmung für den Entwurf vom Obmann der artistischen Kommission des akademischen Senates, er sollte daraufhin einen neuen Entwurf vorlegen.[10] Die artistische Kommission des akademischen Senates der k.k. Universität Wien hat in der Sitzung vom 21.Juni 1917 das von Wollek im Arkadenhof aufgestellte Denkmal des verstorbenen Hofrates Prof. Dr. Leopold Oser berechtigt und genehmigt. Er wurde jedoch verpflichtet, aus der Inschrift das Gold entfernen zu lassen (Abb 3).[11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5: Denkmal für Karl Theodor von Inama-Sternegg im Arkadenhof, Büste
Abb.6: Büste von Anton Menger
Abb.7: Büsten Verleich, Leopold Oser, Karl Theodor von Inama-Sternegg und Anton Menger

Carl Wollek hat mit seinem Spätwerk für die Gestaltung seines Büsten-Portraits einen schlichten Stil gewählt. Unter den Denkmälern des Arkadenhofes finden sich zwei weitere Beispiele, die im selben Jahre - eine spätere Periode - entstanden sind. Sowohl das Ehrendenkmal Karl Theodor von Inama-Sternegg (Abb.5), im Jahre 1915 von dem Bildhauer Edmund Klotz als auch das Denkmal für Anton Menger (Abb.6) von Richard Kauffungen zählen zu den späteren Werken des Arkadenhof der Universität Wien.

Beide Portrait-Büsten zeigen den leicht überlebensgroßen, allansichtig dargestellten Kopf der Gelehrten in streng frontaler Ansicht. Der konzentrierte ernste Blick in die Ferne, zeichnet eine Gemeinsamkeit der Monumentalfiguren von Sternegg und Oser. Der Blick des im Jahre 1919 entstandene Büste des Anton Menger ist zur Seite gerichtet. Durch den angestrengten Gesichtsausdruck treten die Augenbrauen mit deutlichen Wülsten hervor und lässt die Mimik umso strenger wirken. Alle drei Denkmäler-Portraits sind ernst und starr nach vorne gerichtet. Wenn man alle drei gegenüberstellt lassen sich die Parallelen dieser drei Figuren noch besser ausmachen: Die Dargestellte wurden von den Künstlern bis zum Brustbereich ausgeführt, der Oberarm- und Schulterbereich wurde jedoch nicht vollständig verwirklicht, sondern durch einen klaren Schnitt begrenzt. Alle drei Firguren zeigen sich dem Betrachter im fortgeschrittenen Alter. Im Gegesantz zu Sternegg, der nackt abgebildet ist, zeigen sich Oser und Menger dem Betrachter mit Kleidung, die weicher und nicht so detailliert ausgeführt wie der Kopf sind. Alle drei Figuren präsentieren sich stark und realistisch. (Abb.7)

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse bekannt.

Quellen

UAW Senat S 95.15

Oser, Leopold, In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Bd. 7 (Lfg. 33, 1977), S. 258


Einzelnachweise

  1. Maisel 2007
  2. UAW Senat S 95.15 Schreiben des Obmanns der artistischen Kommission der k.k. Universität Wien an Carl Wollek
  3. UAW Senat S 95.15 Schreiben des Obmanns der artistischen Kommission der k.k. Universität Wien an Carl Wollek
  4. Oser, Leopold, In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Bd. 7 (Lfg. 33, 1977), S. 258
  5. Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 105. , S. 99
  6. Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 105. , S. 99
  7. UAW Senat S 95.15 Schreiben Wolleks an den akademischen Senat der k.k. Universität Wien vom 10. Februar 1916
  8. UAW Senat S 95.15 Schreiben Wolleks an den akademischen Senat der k.k. Universität Wien vom 10. März 1916
  9. UAW Senat S 95.15 Schreiben Wolleks an den akademischen Senat der k.k. Universität Wien vom 10. Februar 1916
  10. UAW Senat S 95.15 Schreiben des Obamns des akademischen Senat der k.k. Universität Wien an Carl Wollek
  11. UAW Senat S 95.15 Schreiben des Obamns der artistischen Komission der k.k. Universität Wien an Carl Wollek

Darstellungen