Denkmal Kastalia-Brunnen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1.: Kastalia-Brunnen von Edmund Hellmer, Arkadenhof der Universität Wien, aufgestellt 1910, Quelle: UNIDAM
Abb. 2.: Lage des Denkmals, Nr. K, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Der Kastalia-Brunnen von Edmund Hellmer (1850-1935) steht seit 1910 an der zentralsten Stelle im Arkadenhof der Universität Wien. Von dem Beschluss zur Errichtung der Brunnenfigur vergingen 16 Jahre.

Beschreibung

Abb. 3.: Kastalia-Brunnen, Ansicht von hinten, Foto: Julia Guger

Der Kastalia-Brunnen befindet sich im Zentrum der Mittelachse im Arkadenhof der Universität Wien. Auf einer Bodenplatte und einem daraufstehenden Sockel aus Stein sitzt die Nymphe Kastalia stoisch auf einem Thronsessel. Ihre Haltung ist aufrecht, die Hände sind im Schoß gefaltet und der Blick ist geradeaus in die Ferne gerichtet. Genau so starr erscheint das dem Körper angepasste Gewand, dessen Faltenwurf zurückhaltend modelliert ist. Es gibt keine Anzeichen einer Bewegung, was sich auch bei der Ausführung der aus Bronzeguss gefertigten Schlange bemerkbar macht, die den Flussgott Acheloos repräsentieren soll. Sie befindet sich zu Füßen der Nymphe und kann auf den ersten Blick leicht übersehen werden.

Die gesamte Skulptur ist aus weißem Marmor gefertigt.

Abb. 4.: Kastalia-Brunnen, Inschrift an Seite, Foto: Julia Guger

Auf der rechten Seite des Thronsessels befindet sich eine Inschrift in griechischer Sprache, auf der steht: "Ich bin Kastalia, die Tochter des Acheloos." Auf der gegenüberliegenden linken Seite sagt eine weitere Inschrift, frei übersetzt: "Schlaf ward mir zu Traum, Traum zu Wissen".[1] Dieser Text stammt von Hans Arnim, Professor der Klassischen Philologie an der Universität Wien, der sich damit auf die Erda in Richard Wagners Siegfried (3. Akt) beruft.[2] Auf der Hinterseite des Thronsessels befindet sich das Bild eines Mannes, der mit einer Schlage ringt. Damit wird auf den griechischen Mythos der Quellnymphe Kastalia hingewiesen.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 5.: Kastalia-Brunnen, Schlange Python Detail, Inschrift, Foto: Julia Guger

Kastalia (griechisch Κασταλία / Kastaleia) war die Tochter des Flussgottes Acheloos und Gemahlin von Apollons Sohn Delphos. Auf der Flucht vor den Zudringlichkeiten Apollons, stürtze sie sich in eine Quelle bei Delphi. Nach ihrem Tod, wurde die Stelle heilig gesprochen und Kastalia zur Heiligen der Musen (auch: Kastalische Jungfrauen) erkoren. Pythia, die Priesterin des Orakels zu Delphi trank von dem Wasser bevor sie ihre Offenbarungen und Prophezeiungen machte.[3] Die Figur im Zusammenhang mit dem Brunnen repräsentiert den mythologischen Ursprungsort der Inspiration.

Entstehungsgeschichte

In den ersten Plänen Heinrich Ferstels zur Gestaltung des Arkadenhofes war ein Reiterstandbild von Rudolf IV in der Mitte des Hofes vorgesehen.[4] Diese Idee wurde allerdings mit der Errichtung eines Denkmals für den Universitätsgründer im großen Festsaal wieder verworfen. Stattdessen überlegte man eine symbolische Monumentalfigur aufzustellen, die der Universität Wien als Bildungsort ikonographisch entsprechen sollte. Im November 1894 legte der Wiener Bildhauer Anton Paul Wagner dem "Ministerium für Cultus und Unterricht" einen Entwurf für eine Brunnenfigur der Nymphe Kastalia vor. [5] Bevor es allerdings zur Ausführung kommen konnte, starb Wagner überraschend an einem Schlaganfall. Am 12. Juli 1895 wurde der Bildhauer und Professor Edmund Hellmer offiziell beauftragt, die Brunnenfigur nach den Entwürfen Wagners zu realisieren.[6] Die Fertigstellung des Modells erfolgte im März 1901 und stand im Atelier Hellmers zur öffentlichen Besichtigung bereit.[7] Ohne das Brunnenensemble wurde die Monumentalfigur 1905 bei der XXII. Ausstellung der Wiener Secession gezeigt.[8] Die tatsächliche Ausführung erfolgte im Sommer 1906. Obwohl der Kastallia-Brunnen vollendet war, verhinderten Unstimmigkeiten über den Aufstellungsort sowie einige finanziell und baulich bedingte Konflikte eine sofortige Aufstellung: erst 1910 wurde das Monument installiert.

Der Kastalia-Brunnen ist das einzige Denkmal im Arkadenhof, das mit öffentlichen Geldern finanziert wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Als nach dem ersten Weltkrieg der Siegfriedskopf in der Mittelachse der Aula aufgestellt wurde - zum Gedenken an die gefallenen Angehörigen der Universität - entstand ein kompositorisches Ensemble mit dem Kastalia-Brunnen. Vor dem Hintergrund des Brudermordes in der Nibelungensage wurde das Totendenkmal im Laufe der Zwischenkriegszeit und dem wachsenden Antisemitismus mit negativen Assoziationen behaftet. Auch der Kastalia-Brunnen bekam im Zusammenhang mit der Kontroverse um den Siegfriedskopf eine andere Bedeutungperspektive, die u.A. eine germanische Physiognomie in ihr heraufbeschwor. [9] Im Zuge von Renovierungsarbeiten der Universitätsaula im Jahr 2006, wurde der Sigfriedskopf in den Arkadenhof verlegt und die Kastalia von zweideutigen Interpretationsmöglichkeiten entbunden.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

1911 - ein Jahr nach der endgültigen Aufstellung des Kastalia-Brunnens - wurde die gärtnerische Ausgestaltung um die Brunnenfigur beschlossen. [10] Neben allgemeinen ästhetischen Gründen, erklärt sich der Beschluss auch aus dem Wunsch den Lüftungsschacht hinter der Statue zu verdecken. Am 17. Mai 1915 wurde im Rahmen von Renovierungs- und Malerarbeiten im Arkadenhof auch entschieden die Wasserversorgung des Kastalia-Brunnens in Betrieb zu nehmen. [11] Es lässt sich vermuten, dass die Entscheidung entweder zurückgenommen wurde oder die Wasserversorgung zwischenzeitlich kaputt ging, da im Studienjahr 1937/38 die Inbetriebnahme des Brunnens in einer Senatssitzung erneut angesprochen wurde. [12] Der Kastaliabrunnen befindet sich genau am Scheitelpunkt zwischen der Rasenfläche und einer Pflasterung, die im Zuge einer Umgestaltung des Arkadenhofes im Jahr 2006 hinzugefügt wurde.

Seit 2009 interagiert der Kastalia Brunnen mit einem Kunstprojekt von Iris Andraschek, das den Namen "Der Muse reicht's" trägt (siehe: Denkmal Der Muse reicht's). Für den von Andraschek entworfenen Schatten aus Pflastersteinen, der den Umriss einer Frau in kämpferischer Pose zeigt, dient der Kastalia-Brunnen als Urprungsort.

Einzelnachweise

  1. Ash/Wimmer 2011, S.1148
  2. Mühlberger 2007, S. 106.
  3. http://www.archive.org/stream/ausfhrlichesle0201rosc#page/n511/mode/1up
  4. Mühlberger 2007, S. 105.
  5. Brief des Ministeriums für Kultus und Unterricht an das Rektorat der Universität Wien, UAW Senat 94.16
  6. Erlass des Ministeriums für Kultus und Unterricht am 12. Juli 1895, UAW Senat 94.16
  7. Erlass des Ministeriums für Kultus und Unterricht am 19. März 1901, UAW Senat 94.16
  8. Ash/Wimmer 2011, S. 1148.
  9. Ash/Wimmer 2011.
  10. Senatsbeschluss und Einholen von Kostenvoranschlägen für die "Bebüschung" um den Kastalia-Brunnen, UAW Senat 94.16.
  11. UAW RS 94.16, Studienjahr 1914/15.
  12. UAW RS 91.16, Studienjahr 1937/38.

Quellen

  • UAW Senat 94.16, Kastalia-Brunnen im Arkadenhof, 1894-1911
  • UAW Senat 87.3.12, Kommissionssitzung, 27.06.1906
  • UAW Senat 87.3.19, Kommissionssitzung, 21.11.1906
  • UAW Senat 87.3.25, Kommissionssitzung, 21.04.1907
  • UAW Senat 91.16, Diskussion über Inbetriebsetzung des Kastalia-Brunnens, 21.02. 1938

Rezeption in der Presse

  • NFP, Nr.11468, 28.7.1896, S.5, Sp.3.[1]
  • NFP, Nr.14350, 6.8.1904, S.6, Sp.2. [2]
  • NFP, Nr.15930, 25.12.1908, S.13, Sp.2-3.[3]
  • NFP, Nr.16085, 3.6.1909, S.1, Sp.1-2.
  • NFP, Nr.16505, 4.8.1910, S.8, Sp.1.[4]
  • Neues Wiener Journal, Nr.6028, 4.8.1910, S.5, Sp.2 u. 3.[5]
  • Wiener Bilder, Nr. 38, 21.9.1910; Artikel mit großer Abbildung.[6]

Literatur

  • Ash/Wimmer 2011: Mitchel G. Ash, Mario Wimmer, Kastalia: Zur Interpretation einer Statue im Arkadenhof der Universität Wien im Kontext der wiener moderne, aus: Mitteilungen des österreichischen Staatsarchivs, 55, Beruf(ung): Archivar, Bd2, 2011
  • Maisel 2007: Thomas Maisel: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 96-97.
  • Meister 1932: Richard Meister, Die Denkmäler im Arkadenhofe der Universität Wien, Wien 1932
  • Mühlberger 2007: Kurt Mühlberger, Palast der Wissenschaft: ein historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphen Vindobonensis, Wien 2007.
  • Stoll 1894: Heinrich Wilhelm Stoll: Kastalia. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 2,1, Leipzig 1894.

Weblinks

  • [7], abgerufen am 13.6.2014
  • [8], abgerufen am 13.6.2014

Darstellungen


Julia Guger