Denkmal Karol Kuzmány

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 121, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Schriftsteller und Theologen Karol Kuzmány (1806-1866) wurde von der slowakischen Bildhauerin Ľudmila Cvengrošová (*1937) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gleichzeitig mit dem gegenüber ausgestellten Denkmal für Ján Kollár am 27. Mai 1998 enthüllt. Diese zwei Denkmäler gehören zu den wenigen Denkmälern des Arkadenhofs (wie z.B. Denkmal für Heinrich Siegel, Hans Horst Meyer, Eduard Jäger von Jaxtthal), die von einer Frau gefertigt wurden.

Beschreibung

Karol Kuzmány, Lithographie von Josef Kriehuber (1800-1876), 1866.

Das Bronzedenkmal befindet sich auf einem der Pfeiler der 7. Arkade vom Eingang. Das ist jene Arkade, die sich beim Verlassen der Stiege VIII. an der rechten Seite befindet.

Das Denkmal weist die Form eines Büstenreliefs auf. Unter dem eigentlichen Porträt in der oberen Hälfte befindet sich eine Tafel mit folgender Inschrift:

"KAROL KUZMÁNY/PROFESSOR/ DER PRAKTISCHEN THEOLOGIE 1849-1859/ GEB. 1806/GEST.1866".

Der unterste Teil des Denkmals ist ebenso von einer weiteren in die Tiefe gezogenen Tafel geprägt, auf der eine zweite Inschrift steht: "DEM BERÜHMTEN LANDSMANN GEWIDMET VOM/ ZENTRUM FÜR SLOWAKISCHE LITERATUR/ IN BRATISLAVA- SLOWAKISCHE REPUBLIK - 1998".

Das Porträt Kuzmánys wird von der Tafel mit einem plastich dargestellten, leicht schräg gelegten Lorbeer getrennt.

Kuzmány wird in einer Frontalansicht, sein Kopf und Blick richten sich nach rechts (von der Seite des Betrachters gesehen) dargestellt. Er trägt einen Anzug mit Weste und Hemd mit hohem Kragen. Seine Kleidung wird von einer mächtigen Fliege dominiert. Bei der Darstellung Kuzmánys und seiner Physiognomie hielt sich die Künstlerin an die bekanntesten überlieferten Darstellungen Kuzmánys, wie z.B. die Lithographie von Josef Kriehuber (siehe Abb.) . Typisch für Kuzmány sind seine Koteletten und Brille, die auch in dieser Darstellung zu sehen sind.

Notizen zur dargestellten Person

Karol Kuzmány (* 16. November 1806 in Brezno/Bries (Slowakei); † 14. August 1866 in Turčianské Teplice/Bad Stuben (Slowakei)) war ein bedeutender slowakischer Schriftsteller, Dichter und Journalist. Sein Leben und Schaffen wurde ab den 1830-er stark von dem zunehmenden Konflikt mit den Magyaren beeinflusst. Des Panslawismus (eine allslawische Bewegung, deren Ziele vom kulturellen Austausch bis zur Errichtung eines homogenen slawischen Staates reichten) verdächtigt, musste er nach Wien übersiedeln. Hier studierte er 1836/1837 an der Wiener Protestantisch-Theologischen Lehranstalt und arbeitete in der Kommission für slawische juristisch-politische Terminologie. Zwischen 1849 und 1859 wirkte er als Professor für Praktische Theologie und Kirchenrecht an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. Nach dem Tod von Ján Kollár (†1852) arbeitete Kuzmány als Vertrauter der Regierung und Vertreter der Slowaken in Wien [1].

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal wurde von dem Zentrum für slowakische Literatur (damals “Národné literárne centrum”, heute “Literárne informačné centrum”) im Jahre 1998 gestiftet. Das Enthüllungsjahr 1998 war ein großes Jubiläumsjahr. In der Slowakei (und auch in der anderen europäischen Ländern) wurde das 150. Jubiläum der Revolutionsjahre 1848/1849 gefeiert. Das Zentrum für slowakische Literatur, das seinen Sitz in Bratislava hat, hat am Ende der 1990-er Jahre zahlreiche ähnliche Denkmäler, welche die wichtigsten Persönlichkeiten dieser Epoche darstellen, initiiert und (ko-)finanziert.

Das Zentrum hat die slowakische Bildhauerin Ľudmila Cvengrošová mit mehreren Denkmälern beauftragt, zwei davon wurden am 27.Mai 1998 in dem Arkadenhof der Universität enthüllt.[2] Das Denkmal Karol Kuzmány und Denkmal Ján Kollár haben daher die gemeinsame Entstehungsgeschichte, stammen von einer Autorin und stehen sich, nicht nur in ihrer Aufstellung in einer Arkade, sondern auch in ihrer künstlerischen Auffassung sehr nahe. Man könnte also diese zwei Denkmäler in einem breiteren Sinne als ein Doppeldenkmal bezeichnen.

Die Aufstellung der beiden Denkmäler wurde von der Kunstkommission des Akademischen Senats am Anfang des Studienjahres 1997/1998 behandelt. In dem Sitzungsprotokoll der Kommission (vertreten durch ihren Vorsitzenden Prof. Wolfgang Greisenegger und den Prof. Reingrabner, Brein, Brandstätter, Staudinger, Krause und Skacel) vom 16.Oktober 1998 wurde folgendes berichtet:

Die Anbringung der Ehrentafeln für Jan Kollar und Karol Kuzmany ist gerechtfertigt und wird von der Geisteswissenschaftlichen sowie der Evangelisch-theologischen Fakultät unterstützt. (…) Nach Einlangen der Modelle würde sich als Anbringungsort die Pfeiler der 7. Arkade vom Eingang anbieten. Das ist jene Arkade, die sich beim Verlassen der Stiege VIII gleich rechts befindet. Gegenüber der Arkade befindet sich das Denkmal von Bruecke. Die Ehrentafeln sollte (sic) so angebracht werden, daß die Köpfe in den Gang blicken.[3]

Am Tag der Enthüllung, den 27. Mai 1998, fand auch ein Symposion mit dem Titel “Ján Kollár und Karol Kuzmány im Kontext der österreichisch-slowakischen Beziehungen im 19.Jh.” statt.[4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Arpád Račko, Pavol Merjavý: Denkmal Karol Kuzmány, Stein und Bronze, überlebensgroß, 1984, Košice.

Die künstlerische Auffassung des Denkmals ist am besten mit seinem Pendant- dem Denkmal Ján Kollár vergleichbar. Beide Denkmäler sind aus Bronze gefertigte Büstenreliefs, die in ihrer unteren Hälfte aus einer Tafel mit Inschrift bestehen. Die Professorenporträts sind von den Tafeln mittels einem plastisch dargestellten Ast getrennt (bei Kollár handelt sich um eine Lindenast, Kuzmány wird mit einem Lorbeer dargestellt). Cvengrošová versuchte die Personen möglichst realitätsgetreu zu verewigen und nutzte als Vorbilder die bekanntesten Porträts beider Professoren aus dem 19.Jh.

Das berühmteste Denkmal Kuzmánys befindet sich in der Kuzmány-Siedlung in der zweitgrößten slowakischen Stadt Košice/Kaschau. Das Denkmal ist aus Stein und Bronze gefertigt. Kuzmánys überlebensgroße Bronzebüste trägt seine typischen Gesichtszüge und ist auf der Rückseite des Denkmals, das mit seiner Form an ein geöffnetes Buch erinnert, aufgesetzt. Das Kasschauer Denkmal stammt von dem Bildhauer Arpád Račko und dem Architekten Pavol Merjavý und wurde 1984 enthüllt. [5]

Einzelnachweise

  1. Gothas 2007, S. 380.
  2. UAW, Senat S 216.537 Sitzung vom 25.6.1998, Beilage 1.
  3. UAW, Senat S 216.537 Nr. 5: Protokoll der 1. ordentl. Sitzung im Studienjahr 1997/1998 vom 16.Okt.1997, Beilage 8.
  4. UAW, Senat S 216.537 Sitzung vom 25.6.1998, Beilage 1.
  5. http://www.kosice.sk/static/history/pamatniky/kuzmany.htm (Stand 18.2.2014).

Literatur

  • Gottas 2007: Gottas: Kuzmány Karol. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 380.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S.90.

Quellen

UAW = Universitätsarchiv Wien

UAW, Senat S 216.537 Sitzung vom 25.6.1998, Beilage 1.
UAW, Senat S 216.537 Nr. 5: Protokoll der 1. ordentl. Sitzung im Studienjahr 1997/1998 vom 16.Okt.1997, Beilage 8.
UAW, Senat S 216.537 Sitzung vom 25.6.1998, Beilage 1.


Barbora Trebichalska, A0507553

redigiert von Theresa Rosner, Sommersemester 2014