Denkmal Karl von Littrow

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Bitterlich 1892
Lage des Denkmals, Nr. 96, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Doppeldenkmal für die beiden Astronomen Littrow - Joseph Johann von Littrow (1781-1840) und Karl von Littrow (1811-1877) - wurde von dem Bildhauer Hans Bitterlich (1860-1949) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 26. Juni 1892 enthüllt.[1]

Beschreibung

Das Denkmal für die beiden Astronomen ist eines von insgesamt nur zwei Doppeldenkmälern im Arkadenhof der Universität Wien . Es befindet sich auf der Rechten Seite am Ende des rechten Ganges des Arkadenhofs (Plan Maisel 2007, Nr. 95/96) [2] (Plan Meister 1936, Nr.66) [3] Das Monument misst ca. eine Breite von 206 cm und eine Höhe von ca. 220 cm. Das zweite Doppeldenkmal wurde dem Internisten Johannvon Oppolzer und dem Astronomen Theodor von Oppolzer gewidmet und befindet sich im selben Gang des Arkadenhofes, links des Littrow-Denkmals. Eine flache Architektur bildet das Grundgerüst des Littrow-Denkmals und trägt gleichzeitig die beiden aus Bronze gefertigten Büsten (Bronze-Hohlplastik). Aufbauend auf ein breites, sich nach unten verjüngendes, mehrfach abgestuftes Band bilden sich zwei in den Betrachterraum hin entstehende Verkkröpfung. Darauf wurde die Büsten mit Sockel platziert. Über dem Band, jeweils seitlich und in der Mitte, befindet sich jeweils eine Säule aus rotem Kunststein mit Eierstabornament im Kapitel. Dahinter verläuft ein flacher Wandspiegel mit angedeutetem Kapitel. Die Säulen tragen Rundbögen. Die Wandfläche darüber wird von zwei schmalen Bändern geziert. Im Zentrum, zwischen zwei abschließenden Gibelsegmenten, erhebt sich ein Sockel, der einen Globus mit applizierten goldenen Sternen trägt und rechts und links von einem Loorbeerzweig umgeben ist. Diese Zweige bilden eine Verbindung zum Mauerwerk. Es besteht die Möglichkeit, dass der Künstler hier einen Himmelsglobus und eines Demonstrationsglobus kombinierte. In der jeder Rundbogenarchitektur ist jeweils eine schwarze Steintafel als Hintergrundfläche eingelassen. Rechts ist die Bronzebüste von Joseph Johann von Littrow und links die Bronzebüste von Karl von Littrow den schwarzen Steinplatten vorgestellt. Der Name des jeweiligen Dargestellten ist vergrößert angegeben, wobei die jeweiligen Vornamen von dem Nachnamen durch die Köpfe der Büste getrennt sind. Unter dem Vornamen, in kleineren Zifferen, ist der Geburtsort und das Geburtsdatum und links unter dem Nachnamen ist der Sterbeort und das Sterbedatum der jeweiligen Person angegeben. Getrennt werden diese Angaben wiederum von der dazugehörigen Büste, die der Steinplatte vorgestellt ist.

Die Inschriften sind mit goldenen Antiqua auf schwarzem Grund in Latein verfasst und lauten

bei Joseph Johannes von Littrow:

rechts von seiner Büste: "IOSEPHVS IONNES NATUS BISCHOFTEINITZII DIE XIII MARTII MDCCLXXXI"

Übersetzung: Joseph Johannes von Littrow geboren in Bischofteinitz am 13. März 1781

links von seiner Büste: "DE LITTROW MORTVVS VINDOBONAE DIE XXX NOVEMBRIS MDCCCXXXX"

Übersetzung: gestorben in Wien am 30. November 1840

Bei Karl von Littrow steht geschrieben:

rechts von seiner Büste: "CAROLVS NATVS CASANI DIE XVIII IVLII MDCCCXI"

Übersetzung: Karl geboren in Kasan am 18.Juli 1811

und links von seiner Büste: "DE LITTROW MORTVVS VENETIIS DIE XVI NOVEMBRIS MDCCCLXXII"

Übersetzung: Littrow starb in Venedig am 16. November 1872

Am breiten Band, unter den Steintafeln mit den Inschriften, zwischen den nach sich nach vorne bildenden Verkröpfungen ist eine weitere Inschriftentafel aus dem selben, schwarzen Stein angebracht. Auf dieser ist auch in goldener Antiqua folgender Text zu lesen:

"ASTRONOMIAE PROFESSORES ET NATURAE ET DISCIPLINAE VINCVLIS CONIVNTI QUORVM IOSEPHVS HAEC STVDIA APVD NOS IN PRISITINVM SPLENDOREM REVOCAVIT ET SINCVI ARI PERITIA IN MAIVS PROVEXIT CAROLVS DOTRINAM A PATRE ACCEPTAM STRENVE AVXIT AVCTAM AT MIRACVLORVM CAELE STIVM ILLVSTRI DESCRIPTIONE AB ILLO INCOHATA ET FELICI DISCIPVLORVM SCHOLA LATIVS PROPAGAVIT EIQVE DIC NISSIMVM AMPLISSIMVMQVE OBSERVATORIVM PRAVIT"

Übersetzung: Die Professoren der Astronomie durch die Bande der Natur und der Lehre verbunden deren Joseph hat diese Studien in einstigem Glanz wiederhergestellt und ist durch einzigartige Erkenntnis wesentlich vorgerückt Karl die vom Vater empfangene Lehre fleißig vermehrt und der von jenem begonnenen Beschreibung der Wunder des Himmels als auch durch die fruchtbare Belehrung der Schüler weiter ausdehnte und sich diesem in seinen äußerst wertvollen und bedeutenden Beobachtungen anglich.

Eine weitere goldene, farblich Akzentuierung erfährt das Denkmal durch die heute nur mehr teilweise erkennbaren Vergoldung an den Regulae und Gutae, den Kannelüren an der Verkröpfung sowie dem Eierstab im Bereich des Giebelsegmentabschlusses. Es ergibt sich so ein bewusst gesetzter Farbenkontrast zwischen den hellen, sandsteinfarbigen Kunststein, den roten Säulen aus Kunststein sowie den schwarzen Steinplatten und Büsten sowie den goldenen Akzentuierungen.

Die Büsten selbst wurden im Hohlgussverfahren aus Bronze hergestellt. Die Plastik von Joseph Johann von Littrow ist ohne Sockel 78 cm hoch (mit Sockel 97cm). Die Büste Karl von Littrows misst ca. die selbe Höhe. Die Büsten sind auf niedrigen Sockel positioniert. Joseph Johannes von Littrow ist im mittleren Alter, frontal auf den Betrachter blickend, dargestellt. Er trägt idealistische Züge. Sein Haar fällt kurz in breiten, nach hinten fallenden Strähnen. Gemeinsam mit den idealisierten Zügen verleiht dies der Büste einen jugendlichen, bewegten Charakter. Er trägt zeitgenössische Kleidung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dies wird durch das angedeutet Sakko und das Hemd mit hoch nach oben gezogenen Kragen ersichtlich. Darüber, von der linken zur rechten Schulter, fällt ein Tuch in tiefen Falten. Dies verleiht der Büste einen in die Vergangenheit verweisenden, ehrwürdigen Charakter. Karl Ludwig von Litrrow ist im hohen Alter dargestellt. Er dreht seinen Kopf leicht auf die rechte Seite. Vom Seitenscheitel links fällt sein bereits dem Alter entsprechend leicht schütteres Haar auf die rechte Seite. Die seitlichen Haarpartien trägt er nach vorne. Sie gehen in einen vollen Bart über. Die gelockten, breiten Strähnen des Bartes verbreiten sich zum Kieferknochen hin, wobei das Kinn vollkommen frei bleibt. Er trägt zeitgenösische Kleidung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Notizen zur dargestellten Person

Joseph Johann von Littrow, um 1819, ©ÖNB.

Joseph Johann von Littrow (*13. März 1781 in Bischofteinitz in Böhmen; † 30. November 1840 in Wien) 1819 übernahm er eine Professur für Astronomie an der ersten Universitätssternwarte Wien, welche sich in am Dach der alten Universität befand (heute: Akademie der Wissenschaften, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, 1010 Wien). Diese Sternwarte reorganisierte er von Grund auf. Er versuchte mehrmals vergebens einen Neubau außerhalb der Stadt durchzusetzen. 1836 wurde Littrow durch den österreichischen Kaiser Ferdinand I. in den erblichen österreichischen Adelstand erhoben.[4]

Karl von Littrow, 1856, ©ÖNB.

Karl von Littrow (* 18. Juli 1811 in Kasan; † 16. November 1877 in Venedig) ) war Professor für Astronomie an der Universität Wien. Er führte die Arbeiten seines Vaters weiter und setzte den Neubau der Universitätssternwarte Wien im Jahr 1872 an der Türkenschanze durch, deren Fertigstellung er allerdings nicht mehr erlebte (Türkenschanzstraße 17, 1180 Wien). Die Universität Wien wählte Littrow für die Studienjahre 1849/50, 1857/58 und 1864/65 zum Dekan und für das Studienjahr 1870/71 zum Direktor.[5]

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal wurde von Hans Bitterlich geplant. Da den Akten des Archives ein eigener, jedoch unsignierter Entwurfsplan für die Architektur beiliegt, indem die Bronzebüsten sowie die Inschriften und der Globus mit den Zweigen noch nicht im Detail eingetragen sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Planung des "architektonische Grundgerüst" des Denkmals der Herstellung der Büsten vorausgegangen ist.[6] Finanziert wurde das Denkmal von der Familie Littrow.[7] Gleichzeitig zur Enthüllung des Doppeldenkmals wurde auch das Denkmal Ludwig Barth von Barthenau (Chemiker) und das Denkmal Melchior Neumayr (Paläontologe) enthüllt. Es gab davor eine Feier im kleinen Festsaal der Universität. Die Festrede hielt der damalige Direktor der Sternwarte Dr. Edmund Weiß. In "Der Presse" wird Hans Bitterlich aus ausführender Künstler der Büsten und sein Sohn Heinrich Littrow (Schriftsteller und Linienschiffskapitän) als Gast genannt.[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Doppeldenkmal von Joseph Johannes von Littrow und Karl von Littrow sowie das Denkmal Theodor von Oppolzer und Johann von Oppolzer bestehen aus einer flachen, auf die Antike verweisende Grundarchitektur. Diese wurde auf die Wand des Arkadenhofes montiert. Die Büsten der beiden Denkmäler werden durch Säulen bzw. säulendarstellende Elemente voneinander getrennt. Olivenzweige zieren beide Denkmäler. Somit weisen beide Denkmäler eine auf die Antike verweisende Struktur und Dekor auf.

Ein Vergleich der Büste zu einem überlieferten Stich des Astronomen Johann Joseph Littrow zeigt, dass der Bitterlich den Astronomen um 1819, im Alter von ca. 38 Jahren darstellte. Ein Stich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt, dass der Künstler vor allem die Mund- und Kinnpartie sowie die Haare beließ um seine individuellen Züge zu betonen und andere Bereiche wie zum Beispiel die Augen, die Augenbrauen und die Stirn "idealisierend" darstellte um der Büste mehr Würde zu Verleihen. Diese Würde wird nochmals durch das Tuch, das über seine Schultern fällt, unterstrichen. Ein Stich kleineren Formats der Büste selbst hat sich im Bildarchiv erhalten. Weiters befindet sich in der Universitätssternwarte im Südwesten des Rundsaales eine Kopie der 97 cm hohe Büste von Joseph Johann Littrow. [9]

Joseph Johann von Littrow, Büste in der Akademie der Wissenschaft

Eine zweite Kopie gleichen Formats aber aus weißem Stein befindet sich heute in der Akademie der Wissenschaften in Wien.[10]

Ein Vergleich zu einer erhaltenen Abbildung des Astronomen Karl von Littrows aus dem Jahre 1856 zeigt, dass der Bildhauer sich an dieser oder einer ähnlichen Abbildung orientierte. Sowohl die Körperhaltung wie die Kleidung weißen eine große Ähnlichkeit auf. Karl Ludwig scheint jedoch ein Jahrzehnt älter als in der Darstellung. Der Bart ist voller. Die unteren Augenlieder und die Stirn ist markanter ausgeprägt dargestellt. Insgesamt scheint die Büste von Joseph Johann von Littrow mehr in der Vergangenheit verhaftet, heroischer und idealisiert, während die Darstellung Karl von Littrows der zeitgenösischen Darstellung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entspricht. Durch den für den Betrachter sofort erkennbaren Altersunterschied sowie den körperlichen und modischen Unterschiede scheint Karl von Littrow als ein in die ehrwürdige Geschichte der Universität versetzter Gelehrter, Professor und Denker.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse und Veränderungen seit der Denkmalenthüllung bekannt. Jedoch lassen sich auf Grund der in Richard Meisters publizierten Werk zur Geschichte der Wiener Universität erkennen, dass eine Reinigung vorgenommen worden sein muss. Da die Abbildungen im Bereich der Verkröpfungen Spuren von der Bronze bzw. im Giebelbereich und im Bereich der Verkröpfung Zeichen von Verwitterung bzw. Verschmutzung aufweisen. Heute befinden sich unter dem Doppeldenkmal die Büsten des Kunsthistorikers Julius Schlossers und des Psychologen Sigmund Freuds.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007 S.78.
  2. Maisel 2007 S.10.
  3. Meister 1934 S.126.
  4. "Ferrari d'Occhieppo 1972" S.251-252.
  5. "Ferrari d'Occhieppo 1972" S.252.
  6. "UAW: Senat S 95.4."
  7. "Maisl 2007" S.78.
  8. "Die Presse 1892" S.1.
  9. "Posch 2010" S.149.
  10. Lenius 2011.

Quellen

  • UAW ' Universitätsarchiv Wien: Senat S 95.4 Littrow, Carl v., Denkmal im Arkadenhof, 1892 (Akt)

Literatur

  • Ferrari d'Occhieppo 1972: Konradin Ferrari d'Occhieppo, Littrow Joseph Johann von, in: Österreichische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 5, Wien 1972, S. 251-252.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Wien u.a. 1934.
  • Posch 2010: Thomas Posch u.a., Die Geschichte der Universitätssternwarte Wien. Dargestellt anhand ihrer historischen Instrumente und eines Manuskripts von Johann Steinmayr, Frankfurt am Main 2010.
  • Die Presse 1892: Die Presse, Neue Monumente auf der Universität, in: Die Presse, Nr.177, Wien 1892, S.1.

Ines Oswald, Constanza Trofaier, Theresa Rosner