Denkmal Karl Theodor von Inama-Sternegg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal für Karl Theodor von Inama-Sternegg im Arkadenhof
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 11, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Staatswissenschaftler Karl Theodor von Inama-Sternegg (1843-1908) wurde von dem Bildhauer Edmund Klotz (1855-1929) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 23. April 1917 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Inama-Sternegg stellt die Büste des Gelehrten als Hermen-Typus dar, die von einem 155 cm hohen Postament getragen wird. Als Material hat der Künstler hellgrauen Marmor gewählt, der fleckig von dunkleren Tönen durchzogen ist (Abb. 3). Die Portrait-Büste zeigt den leicht überlebensgroßen, allansichtig dargestellten Kopf des Gelehrten in streng frontaler Ansicht. Der konzentrierte ernste Blick ist mit bildhauerisch sorgfältig ausgebildeten Pupillen in die Ferne gerichtet. Durch den angestrengten Gesichtsausdruck treten die Augenbrauen mit deutlichen Wülsten hervor, auch auf der Stirn zeigen sich tiefe Querfalten. Die beidseits der Nasenflügel schräg nach unten verlaufenden tiefen Falten erwecken ebenso den Eindruck einer äußerst angespannten Physiognomie. Das volle Kopfhaar ist rechtsseitig sorgfältig gescheitelt, der Mund mit schmalen Lippen fest geschlossen und von einem Oberlippen- und kurzem Kinnbart umgeben. Im Gegensatz zum Bildnis des Gelehrten, das diesen mit entspanntem freundlichem Blick im Halbprofeil darstellt (Abb. 6), ist das Denkmal-Portrait ernst und starr nach vorne gerichtet, so dass angenommen werden könnte, es wäre vom ausführenden Künstler einer Totenmaske nachgebildet worden.

Der unbekleidete Oberkörper ist bis zum Brustansatz dargestellt. Die Halsadern und die Schlüsselbeine treten deutlich hervor. Diese Körperpartie ist am vorderen Rand senkrecht abgeschnitten. Die Schultern kommen nicht zur Darstellung, stattdessen endet die Büste zu beiden Seiten mit vertikalen Flächen. Auf diese Weise bildet sich ein für den Hermen-Typus charakteristischer kubischer Block mit einer quer-rechteckiger Grundfläche von 45 x 32 cm.

An diese Fläche schließt unmittelbar ein Pfeiler mit identischem Querschnitt und 90 cm Höhe an. Die Tönung dieses Pfeilers ist gegenüber den anderen Elementen des Denkmals um einige Nuancen heller. Den unteren Abschluss des Pfeilers bildet ein flach-konkav gewölbtes Sockelgesims von 38 cm Höhe, das von einer um 8 cm verbreiterten und 27 cm hohen Plinthe unterfangen ist. Diese Gliederung des Postaments ist nur an der Vorderfront und an beiden Seiten ausgebildet, wohingegen die Rückseite über die volle Höhe des Postaments plan abgeschnitten ist. Auf diese Weise konnte das Denkmal eng an die Wand des Arkadenganges platziert werden, wodurch die identischen Höhen von Plinthe und Sockelleiste der Arkadenwand augenfällig werden.

Der Pfeiler trägt im obersten Bereich direkt unter der Büste in goldenen Versalien die 6-zeilige Inschrift in der Formensprache des Jugendstils mit den Lebensdaten und der Funktion des Gelehrten an der Universität Wien wie folgt: "KARL THEODOR | VON INAMA-STERNEGG | 1843-1908 | PROFESSOR DER | STAATSWISSENSCHAFTEN | 1881-1906" (Abb. 4). Das mit Füllungen ergänzte Schriftbild erscheint wie in einen rechteckigen Rahmen gesetzt und schließt damit optisch an die blockhafte Gestaltung des gesamten Denkmals an.

Das Denkmal wurde in schlichten und einfachen Formen ausgeführt und zeigt auch keinerlei Attribute, die auf die Tätigkeit des Dargestellten hinweisen könnten. Es wurde vom ausführenden Künstler an der rechten Seitenfront der Büste mit 15 mm groß eingemeißelten und braun eingefärbten Versalien mit "EDMUND | KLOTZ | FECIT 1915" signiert (Abb. 5).

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 3: Denkmal für Karl Theodor von Inama-Sternegg im Arkadenhof, Büste

Karl Theodor von Inama-Sternegg (* 20. Jänner 1843 in Augsburg, † 28. November 1908 in Innsbruck) studierte in München Jurisprudenz sowie Volkswirtschafts- und Staatslehre, promovierte 1865 und habilitierte sich dort im Jahr 1867 (Abb. 6). Daneben betrieb er philosophische und historische Studien. Im Jahr 1868 folgte Inama-Sternegg einem Ruf an die Universität Innsbruck, wo er zunächst außerordentlicher und bald ordentlicher Professor der Staatswissenschaften war. 1881 nahm er ein Angebot aus Wien als Direktor des Büros für administrative Statistik an. Ab dem gleichen Jahr wirkte er auch als Honorarprofessor der Staatswissenschaften an der Universität Wien, welche Lehrtätigkeit er bis 1906 ausübte. Inama-Sternegg schuf bedeutende statistische und historische Publikationen und organisierte im Jahr 1890 erstmals eine zentrale österreichische Volkszählung mit Hilfe von elektrischen Maschinen. Dem Gelehrten und zugleich Praktiker wurden zahlreiche Ehrungen zuteil.

Entstehungsgeschichte

Abb. 4: Denkmal für Karl Theodor von Inama-Sternegg im Arkadenhof, Inschrift
Abb. 5: Denkmal für Karl Theodor von Inama-Sternegg im Arkadenhof, Signierung
Abb. 6: Portrait von Karl Theodor von Inama-Sternegg, Radierung von August Steininger, s.d.

Am 7. März 1914 beschließt das Professorenkollegium der juridischen Fakultät "beim akademischen Senat den Antrag zu stellen, dem am 28. November 1908 verstorbenen Geheim-Rate Professor Dr. Theodor von Inama-Sternegg, Präsidenten der statistischen Zentralkommission und Herrenhausmitglied, ein Denkmal in den Arkaden zu errichten und die Mittel hiefür beim Ministerium für Kultus und Unterricht anzusprechen". Der Antrag findet seine Begründung "in der allgemein bekannten hohen wissenschaftlichen Stellung, die weiland v. Inama-Sternegg als bahnbrechender Forscher in Gebieten eingenommen hat, die erst durch ihn der wissenschaftlichen Erkenntnis eröffnet worden sind, und in der äußerst fruchtbaren und hervorragenden Tätigkeit, die der genannte Gelehrte auf allen Feldern seiner Lebensarbeit entfaltet hat“.[1].

Mit seinem Schreiben vom 24. März 1914 stellt der Rektor der k.k. Universität einen entsprechenden Antrag an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht und bittet "in Würdigung der besonderen Verdienste des genannten Gelehrten die Mittel für das zu errichtende Denkmal zur Verfügung zu stellen". [2]

Am 4. Mai 1915 teilt das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht dem Rektorat der k.k. Universität seinen Beschluss mit, gemäß Ansuchen der Universität ein Denkmal in den Arkaden des Universitätsgebäudes im Wege eines staatlichen Kunstauftrages herstellen zu lassen. "Behufs Erlangung eines geeigneten Entwurfes" werde eine beschränkte Konkurrenz ausgeschrieben und dazu die akademischen Bildhauer Ernst Hegenbarth, Wilhelm Heyda, Edmund Klotz und Karl Wollek zur Teilnahme eingeladen. Das Rektorat wird gleichzeitig ersucht, einen Delegierten des Akademischen Senats für die Jury, die ständige Kunstkommission des k.k. Ministeriums, zu nominieren.[3]

Mit selbem Tag werden die ausgewählten Künstler vom Ministerium um Abgabe eines plastischen Entwurfs in der Größe 1:5 bei sonst völliger Gestaltungsfreiheit bis 30. Juni laufenden Jahres gebeten. Die Ausführungskosten des Denkmals werden mit 6.000 Kronen festgesetzt, wobei jene Künstler, denen der Ausführungsauftrag nach Juryentscheid nicht übertragen wird, ein Abstandshonorar von 300 Kronen erhalten.[4]

In seiner Sitzung vom 17. Mai 1915 wählt der akademische Senat den Vorsitzenden der Artistischen Kommission, Herrn Hofrat Prof. Dr. Friedrich Frh. von Wieser als Delegierten in die Jury des k.k. Ministeriums für Kultus und Unterricht. [5]

Auf Anregung des akademische Senates wird am 22. Juni 1915 der akademische Bildhauer Walter von Hopfgartner vom k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht zur Teilnahme am Künstlerwettbewerb nachnominiert. [6]

Der Minister für Kultus und Unterricht, Max Hussarek von Heinlein, teilt mit Schreiben vom 24.11.1915 dem Rektorat der k.k. Universität mit, dass er "sich bestimmt finde, nach Anhörung der Ständigen Kunstkommission des k.k. Ministeriums für Kultus und Unterricht die Herstellung eines im Arkadenhofe der Wiener Universität in Form einer Herme zu errichtenden Denkmales für den verstorbenen Professor der juridischen Fakultät der k.k. Universität Wien, Präsidenten der k.k. Statistischen Zentralkommission und Herrenhaus-Mitglied Geheimen Rat Dr. Theodor von Inama-Sternegg dem akademischen Bildhauer Edmund Klotz in Wien nach dem von ihm vorgelegten Entwurfe zu übertragen". Der Minister informiert in seinem Schreiben ferner, dass er für die Kosten dieses Denkmals einen Gesamtbetrag von 6.000 Kronen bewilligt habe, wovon ein Teilbetrag von 1.500 Kronen dem Künstler sogleich flüssig gemacht werde, während die Anweisung eines weiteren Teilbetrages von 3.000 Kronen nach Fertigstellung des naturgroßen Hilfsmodelle und jene des Restes von 1.500 Kronen nach Vollendung und Aufstellung des Denkmales in Aussicht genommen sei.[7]

Der Rektor setzt mit seiner Mitteilung vom 29.11.1915 die "verehrliche Artistische Kommission" von der Entscheidung des Ministers mit gleichlautenden Ausführungen in Kenntnis.[8]

Mit seinem Schreiben vom 18. Mai 1916 teilt Edmund Klotz dem "Hochlöblichen Rektorat" mit, dass die für den Arkadenhof bestimmte Büste des Herrn von Inama-Sternegg im Tonmodell fertig sei und in seinem Atelier im nördlichen Pavillon des Amateurs im Prater besichtigt werden könne.[9]

Nach der am 26. Mai 1916 erfolgten Besichtigung des Inama-Sternegg-Modells durch die Mitglieder der Artistischen Kommission wird Edmund Klotz vom Ministerium für Kultus und Unterricht eröffnet, dass die Staats-Zentral-Kasse angewiesen wurde, die II. Honorarrate im Betrage von 3.000 Kronen auszuzahlen..[10]

In ihrer Sitzung vom 17.11.1916 legt die Artistische Kommission den Text der Inschrift fest und gibt deren Wortlaut Edmund Klotz mit Schreiben vom 23.11.1916 bekannt.[11]

Am 25. April 1917 teilt der Rektor dem k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht mit, dass das vom akademischen Bildhauer Edmund Klotz hergestellte Denkmal für Exzellenz Dr. Theodor von Inama-Sternegg am 23. April 1917 in den Arkaden der k.k. Universität Wien zur Aufstellung gelangt sei. [12]

Die Denkmalsaufstellung blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, da von einer bei derartigen Anlässen üblichen Enthüllungsfeier in Anbetracht der herrschenden Kriegsverhältnisse - das Gebäude der Universität diente zu dieser Zeit als Lazarett [13] - abgesehen wurde. Gemäß eines Schreibens des Rektors an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht vom 25.4.1917 sei die feierliche Enthüllung des Denkmals für „die Zeit nach Friedensschluss" vorgesehen.[14] Die ins Auge gefasste Zeremonie dürfte jedoch niemals stattgefunden haben, da darüber keinerlei Dokumentation nachweisbar ist.

Mit Schreiben vom 19.Mai 1917 wird Edmund Klotz vom Ministerium für Kultus und Unterricht davon verständigt, dass die Staats-Zentral-Kassa angewiesen wurde, das restliche Honorar von 1.500 Kronen flüssig zu machen.[15]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Edmund Klotz hat mit seinem Spätwerk erstmals für die Gestaltung eines Büsten-Portraits den römischen Hermen-Typus gewählt. Dieser kubisch abschließende Portrait-Typus hat sich als Reduktion der antiken griechischen Herme entwickelt, die über einem Steinpfeiler als abstrakter Stellvertreter des Leibes den Kopf trug. Der nun reduzierte würfelförmige Block, aus dem Kopf und Hals herauswachsen und der an der Vorderseite einen Teil der Brustoberfläche wiedergibt, wird seitlich von vertikalen, die Schultern abschneidenden Flächen begrenzt. [16] Die von Edmund Klotz Zeit seines Lebens vertretene Kunstauffassung für eine schlichte und kompakte Formensprache wird somit am Denkmal für Inama-Sternegg besonders deutlich erkennbar.

Unter den Denkmälern des Arkadenhofes finden sich einige weitere Beispiele für die Anwendung des Hermen-Typus. So haben bereits Heinrich Natter sowie Carl Kundmann zu Beginn der 1890er-Jahre - also in der Anfangsphase der Denkmalsaufstellungen in den Arkaden - mit den von ihnen gestalteten Denkmälern für Ludwig Barth von Barthenau, Hermann Bonitz und Franz Exner auf diese Darstellungsform zurückgegriffen. Auch Josef Müllner folgte 1930 mit seinem Wagner-Jauregg-Denkmal diesem Typus und sogar noch im Jahr 1984 stellte Ferdinand Welz den Physiker Erwin Schrödinger in dieser Formensprache dar.

Literatur

  • Gall 1965: Franz Gall, Kleiner Führer durch die Universität Wien, Wien 1965
  • Kanz 1993: Roland Kanz, Dichter und Gelehrte im Portrait, München 1993
  • Merkel 1995: Ursula Merkel, Das plastische Portrait im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Berlin 1995
  • Keune 2000: Keune Angelika, Gelehrtenbildnisse der Humboldt-Universität in Berlin, Berlin 2000
  • Jordanova 2000: Ludmilla Jordanova, Defining Features, London 2000
  • Katalog 2001: Hauptsache Köpfe. Katalog zur Ausstellung der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vom 21. Dezember 2001 bis 3. April 2002 im Albertinum, Dresden 2001
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze, Wien/Köln/Weimar 2007
  • Mühlberger 2007: Kurt Mühlberger, Palast der Wissenschaft, Wien/Köln/Weimar 2007

Einzelnachweise/Fußnoten

  1. UAW Senat S 94.10, Protokoll vom 7.3.1914 des Professorenkollegiums des juridischen Fakultät
  2. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 24.3.1914 des Rektors an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht
  3. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 4.5.1915 des k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht an das Rektorat der k.k. Universität
  4. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 4.5.1915 des k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht an die am Wettbewerb teilnehmenden Künstler
  5. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 3.6.1915 des Rektors der k.k. Universität an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht
  6. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 22.6.1915 des k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht an den akademischen Bildhauer Walter von Hopfgartner
  7. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 24.11.1915 des k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht an das Rektorat der k.k. Universität in Wien
  8. UAW Senat S 94.10, Mitteilung vom 29.11.1915 des Rektors an die Artistische Kommission
  9. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 18.5.1916 von Edmund Klotz an das Rektorat
  10. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 10.6.1916 des Ministeriums für Kultus und Unterricht an den Akademischen Maler Edmund Klotz
  11. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 29.11.1915 von Friedrich Wieser an Edmund Klotz
  12. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 25.4.1917 des Rektors an das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht
  13. Geschichte der Universität Wien/Kriegswirren und Wiederaufbau (abgerufen am 19.4.2014), URL: http://www.univie.ac.at/universitaet/geschichte/
  14. (UAW Senat S 94.10)
  15. UAW Senat S 94.10, Schreiben vom 19.5.1917 des Ministeriums für Kultus und Unterricht an den Herrn akademischen Bildhauer Edmund Klotz
  16. Merkel 1995, S. 38-39

(UAW: Archiv der Universität Wien)


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