Denkmal Karl Stoerk

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal für Karl Stoerk im Arkadenhof
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 129, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Die Büste für den Mediziner Karl Stoerk (1832-1899) wurde von dem Bildhauer Johannes Benk (1844-1914) laut der Signatur auf dem Werk im Jahr 1900 gefertigt und war ursprünglich für den Privatbesitz der Familie Stoerk bestimmt. Im Jahr 1905 wurde von der Witwe des Dargestellten die Büste für die Aufstellung in der Universität gestiftet, welche schließlich am 6. Juni 1907 im Arkadenhof der Universität Wien feierlich enthüllt wurde.

Beschreibung

Das Denkmal befindet sich in der fünften Travee im rechten Gang des Arkadenhofes der Universität Wien (Abb. 2).[1] Die nicht ganz lebensgroße Portrait-Büste aus Carrara-Marmor zeigt den Kopf und das obere Drittel des Torsos von Karl Stoerk (Abb. 3). Der Bildhauer Johannes Benk achtete auf eine genaue und detailreiche Ausarbeitung im zeitgenössischen Stil. So sind bei den Kopf- und Barthaaren einzelne Haarsträhnen sichtbar. Durch die genaue Ausarbeitung der Haare wirkt die Büste sehr dynamisch und bewegt. Bei genauerer Betrachtung des Gesichts erkennt man auf der linken Stirnhälfte eine dunkel gefärbte runde Fläche, die möglicherweise einen Leberfleck andeuten soll. Der Kopf ist leicht nach links gewandt, die Pupillen sind bildhauerisch nicht ausgearbeitet, so dass der Blick ohne bestimmtes Ziel in die Ferne gerichtet wirkt. Stoerk trägt ein Jackett mit doppelter Knopfleiste und eine Fliege. Die Büste weist eine leichte Beschädigung auf, da die linke Kragenspitze abgebrochen sein dürfte. Die Büste wirkt sehr heroisch, welcher Eindruck durch den am Stützelement der Büste dargestellten Lorbeerzweig - wohl gedacht als Symbol für Leistung, Erfolg und Ruhm - unterstrichen wird. Am linken Oberarm befindet sich seitlich die Signatur des gestaltenden Künstlers mit seinen Namen und dem Entstehungsjahr „J.BENK 1900“.

Als Postament, für das Johannes Benk lediglich den Entwurf lieferte, dient der Büste ein aus einem kostengünstigen Stein angefertigter Sockel mit heller Färbung. Er nimmt in der Höhenerstreckung unterschiedliche Formen an. Als Basis dient eine Plinthe mit quadratischem Grundriss von 60 cm Seitenlänge. Darauf folgt ein mit 42 cm Seitenlänge schmalerer Block mit einer Höhe von 23 cm. Den nächsten und größten Teil des Postaments bildet ein Schaft mit einer Höhe von 107 cm, der an der Basis lediglich 30 cm in der Breite misst, die nach oben hin bis auf 42 cm zunimmt. Dieses Element trägt an der Vorderseite des oberen Bereichs eine fünfzeilige Inschrift mit dem Namen, den Lebensdaten, der Funktion des Geehrten und die Zeit seines Wirkens an der Universität Wien wie folgt: "KARL STOERK | 1832 - 1899 | PROFESSOR DER | LARYNGOLOGIE | 1875 - 1899" in Lapidarschrift (Abb. 4). Oben und unten wird dieser Block zu den angrenzenden Elementen jeweils mit einem schmales gesimsartiges Zwischenstück optisch verbunden. Den obersten Teil des Postaments bildet erneut ein Block von 46 cm Breite und 10 cm Höhe, auf dem die Büste ruht.

Notizen zur dargestellten Person

Karl Stoerk (* 17.September.1832 in Ofen/Ungarn, † 13.September 1899 in Wien) vollbrachte herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Laryngologie. Er spezialisierte sich auf die chirurgische Therapie von Kehlkopferkrankungen. Für seine Operationen verwendete er von ihm selbst konstruierte Instrumente.[2] 1858 präsentierte Stoerk den von ihm und seinem Lehrer, Ludwig Türck, entwickelten Spiegel, welcher zur Erkennung von Krankheiten im Halsraum diente und Operationen erleichterte. Der Fortschritt gegenüber der bisher nahezu ausschließlich in Anwendung gestandenen Inhalationsmethode war epochal und öffnete der Entwicklung der Lehre neue Bahnen. [3]

Entstehungsgeschichte

Abb. 3: Büste am Denkmal für Karl Stoerk
Abb. 4: Denkmal für Karl Stoerk im Arkadenhof, Inschrift

Die von dem Bildhauer Johannes Benk - gemäß Signatur im Jahr 1900 gefertigte - ursprünglich für den Privatbesitz der Familie Stoerk bestimmte Portrait-Büste von Prof. Dr. Karl Stoerk wurde im Jahr 1905 von der Witwe des Dargestellten der Universität zwecks Aufstellung in den Arkaden testamentarisch gestiftet. Für das dafür notwendige Postament lieferte derselbe Künstler den Entwurf.

Dazu berichtet der Rektor dem Dekan der medizinischen Fakultät in seinem Schreiben vom 23.4.1907, dass die im Jahr 1905 verstorbene Witwe von Professor Dr. Karl Stoerk, Frau Bertha Stoerk, testamentarisch verfügt habe, die in ihrem Besitz befindliche und von Johannes Benk angefertigte Porträtbüste ihres verstorbenen Gatten "gebührenfrei" der Universität Wien zu überlassen. In ihrem Testament habe sie ferner den Wunsch geäußert, dass die Büste einen "würdigen" Platz im Arkadenhof der Universität Wien finden möge und die finanziellen Mittel für ein zu schaffendes "stilvolles" Postament aus ihrem Nachlass zu entnehmen seien. Nach testamentarischer Aussage von Frau Stoerk sei ihr verblichener Gatte mit der Portraitbüste von Johannes Benk gut charakterisiert und getreu portraitiert worden. Der Rektor informiert ferner, dass der Akademische Senat nunmehr in seiner Sitzung vom 9.3.1907 das Vermächtnis von Frau Stoerk angenommen und die Aufstellung der Büste im Arkadenhof genehmigt habe, soferne seitens der Artistischen Kommission kein Einwand erhoben werde [4]

Die Aufstellung des Denkmals wurde von der Artistischen Kommission befürwortet und Johannes Benk beauftragt, einen Entwurf für die Gestaltung eines geeigneten Postaments vorzulegen. Nach dessen rascher Fertigstellung wurde die Enthüllungsfeier für den 6. Juni 1907 festgelegt und der Nachfolger von Prof. Dr. Karl Stoerk, Herr Prof. Dr. Ottokar Chiari, gebeten, die Festrede zu halten.[5]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5: Porträtbüste für Moriz Kaposi, Arkadenhof der Universität Wien

Von dem Bildhauer Johannes Benk stammen insgesamt drei Professoren-Denkmäler für den Arkadenhof der Universität Wien. Neben jenem für Karl Stoerk auch das für den Pflanzenphysiologen Josef Böhm und jenes für den Dermatologen Moriz Kaposi. (Abb. 5). Die Büste für Kaposi wurde ebenso wie jene für Karl Stoerk von der Witwe des Gelehrten der Universität gewidmet und auch im gleichen Jahr, nämlich 1908, enthüllt.

Wegen der typologischen Ähnlichkeit bietet sich ein Vergleich der Büsten von Stoerk und Kaposi an, der einige auffällige Gemeinsamkeiten zutage bringt. Beide Gelehrte sind nicht ganz lebensgroß mit dem oberen Drittel des Torsos dargestellt. Der Kopf ist bei beiden im leichten Seitenprofil dargestellt, der Blick dabei in die Ferne gerichtet, wobei jedoch die Pupillen von Kaposi im Gegensatz zu jenen von Stoerk bildhauerisch ausgearbeitet sind. Benk stellt die beiden Mediziner jeweils in zeitgenössischer Kleidung dar. Der realistische Einfluss ist in beiden Darstellungen spürbar, da der Künstler um eine detailreiche Darstellung bemüht war. Zu den Postamenten beider Denkmäler ist jedoch festzustellen, dass sie sich hinsichtlich Formgebung, Farbe und Material völlig voneinander unterscheiden. Der Sockel des Kaposi-Denkmals wurde aus dunklem Stein gefertigt, während der Sockel des Stoerk-Denkmals aus hellem Stein besteht. Die beiden Denkmäler befinden sich heute in Nähe zueinander an der Wand des rechten Arkadenganges.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

1938 wurde die Büste Karl Stoerks und weitere Denkmäler auf Anordnung des damaligen Rektors Fritz Knoll in ein Depot verlagert. Grund hierfür war neben der im Vorfeld der "Langemarck"-Feier verübte Vandalenakt von Studenten der NS-Partei an diesen Denkmälern, sondern auch die damit verbundene Angst vor irreparablen Schäden. In der Folge einer Überprüfung betreffend der Konformität der dargestellten Professoren mit den NS-Rassegesetzen wurden insgesamt 17 Denkmäler abmontiert und eingelagert. 1945 wurde in einer Sitzung des Akademischen Senats der Universität Wien die Wiederaufstellung der 1938 entfernten Denkmäler, so auch jenes für Karl Stoerk, an ihren früheren Plätzen beschlossen.[6] 1947 waren alle entfernten und beschädigten Denkmäler wieder im Arkadenhof aufgestellt.

Rezeption in der Presse

  • "Wiener Zeitung" vom 7. Juni 1907, S. 5 (Gedenkfeier)
  • "Neue Freie Presse" vom 7. Juni 1907, S. 10 (Stoerk-Feier an der Wiener Universität)
  • "Wiener Medizinische Wochenschrift", Abendausgabe vom 20. Juli 1907, Nr. 22, Spalte 1492

Literatur

  • Wurzenbach 1897: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, k.u.k. Hof-und Staatsdruckerei, Wien 1879
  • Czeike 1997: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5, Wien 1997
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 94

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10, 94, 95; Standort Nr. 3
  2. Czeike 1997, S. 354
  3. Wurzenbach 1879, S. 122-123
  4. UAW Senat S 96.8, Schreiben des Rektors an den Dekan der medizinischen Fakultät vom 23.4.1907
  5. UAW Senat S 96.8, Schreiben des Rektors an den Dekan der medizinischen Fakultät vom 14.5.1907
  6. UAW, Protokoll der Sitzung des Akademischer Senats vom 12.5.1945, G.-Z.454, 1944/45

Sibylle Zelger, Herbert Kreiser