Denkmal Karl Schenkl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Denkmal für Karl Schenkl im Arkadenhof, Stefan Schwartz, 1919 enthüllt
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 75, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Altphilologen Karl Schenkl (1827-1900) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Stefan Schwartz (1851-1924) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 27. Juni 1919 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Karl Schenkl ist als Bronzeplakette mit einem Porträtrelief und einer dazugehörigen Inschrift gestaltet. Es befindet sich am äußerst rechten Pfeiler an der Stirnseite des Arkadenhofes der Universität Wien (Abb. 2: Maisel 2007, Nr. 75). Die Plakette hat ein hochrechteckiges Format von 97 x 67 cm.

In der oberen Hälfte der Plakette tritt das Profil Karl Schenkls aus einer runden, konkaven Vertiefung plastisch heraus. Der Kopf ist in strenger Profilansicht nach rechts wiedergegeben. Die Vertiefung ist sehr knapp um das Portrait Schenkls geschnitten, wodurch der Kopf plastischer wirkt und stark hervorzutreten scheint. Die Signatur des Künstlers "ST. SCHWARTZ" befindet sich unterhalb des Halsansatzes des Porträtierten (Abb. 3). Der Künstler hat den Altphilologen sehr naturalistisch wiedergegeben, was etwa an den für das Relief übernommenen Falten am Hals, an der Andeutung von Adern an der Schläfe sowie an der feinen Ausarbeitung des Oberlippenbartes ersichtlich ist. Durch die weit geöffneten Augen wird zudem der Eindruck eines sehr wachen Blickes erweckt.

Die im unteren Drittel der Plakette leicht hervortretende, 6-zeilige Inschrift nennt in Blockschrift die lateinische Form des Namens von Karl Schenkl: "CAROLVS SCHENKL". Darunter sind in kleinerer Schriftgröße Geburts- und Sterbejahr des Porträtierten in römischen Ziffern angegeben: "NATUS MDCCCXXVII MORTUS MDCCCC" (geboren 1827 / gestorben 1900). Des Weiteren gibt die Inschrift Auskunft über die Funktion des Dargestellten sowie die Dauer seiner Lehrtätigkeit an der Universität Wien: "PROFESSOR PHILOLOGIAE CLASSICAE | IN HAC UNIVERSITATE | A SAECVLI UNDEVICESIMI ANNO LXXV | VSQUE AD ANN-XCVIII" (Professor der klassischen Philologie | an dieser Universität | vom Jahr 75 bis zum Jahr 98 des 19. Jahrhunderts).

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 3: Denkmal für Karl Schenkl, Signatur

Karl Schenkl (* 11. Dezember 1827 in Brünn; † 20. September 1900 in Graz) war Professor für Klassische Philologie und lehrte an den Universitäten Innsbruck, Wien und Graz. Er war Mitbegünder der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Wiener Studien", die sich mit Klassischer Philologie, Patristik und lateinischer Tradition beschäftigt. Von den zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Werken Schenkls sind insbesondere seine Lehrbücher für den griechischen sowie lateinischen Unterricht an Gymnasien als herausragend zu erwähnen. Karl Schenkls Forschungen waren zudem auch interdisziplinär ausgerichtet, vor allem galt sein Interesse auch archäologischen Studien.

Entstehungsgeschichte

Aus einem Schreiben des Rektors vom 2. März 1911 an das Ministerium für Kultus und Unterricht geht hervor, dass am 16. Dezember 1910 ein Professoren-Kollegium einen Antrag für die Errichtung eines Denkmals für den im Jahr 1900 verstorbenen Karl Schenkl vorgelegt hat. Im gleichen Schreiben wird die Zustimmung des Akademischen Senats zu diesem Denkmals-Projekt bekanntgegeben und das Ministerium um finanzielle Unterstützung dafür gebeten.[1]

Am 9. Mai 1911 setzt der Rektor der Universität das Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Schenkl über die Zustimmung des Senats zur Anfertigung des Denkmals in Kenntnis. Ferner wird bereits erwähnt, dass das Ministerium für Kultus und Unterricht sich am 13. April 1911 bereit erklärt hat, für das Denkmalprojekt entsprechende Subventionen zu leisten.[2]

Ein Schreiben von 1. Mai 1914 an den Akademischen Senat gibt genauere Auskunft über die Bildung des Denkmal-Komitees und das Vorgehen bei der Denkmalsplanung. Es wird erklärt, dass bereits im Frühsommer 1911 eine Gruppe von Universitätsprofessoren und Schulmännern ein Komitee bildeten, um dem Professor und Hofrat Schenkl ein Denkmal zu errichten, um seine Leistungen an der Grazer, Innsbrucker und Wiener Universität zu würdigen. Mitglied des Komitees ist unter anderem der Universitätsprofessor und Altphilologe Hans von Arnim, der zu späterer Zeit ebenso ein Denkmal im Arkadenhof erhalten wird. Für die Finanzierung des Denkmals wurden finanzielle Mittel von Freunden sowie Schülern von Professor Schenkl gesammelt, wodurch eine Summe von mehr als 3.000 Kronen aufgebracht werden konnte. Zusätzlich steuerte auch die philosophische Fakultät in Graz mehrere hundert Kronen bei. Im Folgenden wurde der Bildhauer Stefan Schwartz mit dem Entwurf eines Denkmals betraut. Erst der zweite Entwurf von Schwartz wurde vom Komitee angenommen. Im Anschluss daran galt es, ein Modell anzufertigen, welches den Beifall des Komitees und der Artistischen Kommission fand. Erwähnt wird ferner, dass für die Deckung der Gesamtkosten in Höhe von 5.000 Kronen noch etwa 1.250 Kronen ausstehend sind, die gemäß Zusage des Ministerium für Kultus und Unterricht von diesem zu übernehmen wären.[3]

Am 25. März 1914 erklärt der Rektor in seinem Schreiben an das Denkmal-Komitee, dass der Akademische Senat am 20. März 1914 ein vom Bildhauer Stefan Schwartz vorgelegtes Modell für das Denkmal Schenkels genehmigt habe. Es wird in dem Schreiben mehrfach betont, dass das von Schwartz präsentierte Modell vor allem aufgrund seiner Schlichtheit Gefallen fände. Es wird weiter der Aufstellungsort zur Sprache gebracht. Die Plakette, die in Bronze gegossen werden soll, möge auf einem Pfeiler gegenüber dem Arlt-Denkmal angebracht werden, ein Vorschlag, der - wie man heute noch sehen kann - Umsetzung fand. Interessant ist zudem, dass bezüglich der Inschrift eine Ausnahme dahingehend gestattet wird, dass sie in lateinischer Sprache verfasst werden kann.[4] Aus einem Schreiben des Rektors an den Künstler Stefan Schwartz vom gleichen Tag geht hervor, dass die Wahl des Aufstellungsorts gegenüber dem Arlt-Denkmal ein Vorschlag des Künstlers war, dem der Rektor in diesem Schreiben nun zustimmt.[5]

Vom 6. Juni 1914 ist ein Gesuch des Denkmal-Komitees zur Errichtung eines Schenkl-Denkmals an das Ministerium für Kultus und Unterricht überliefert, in dem um eine Subvention gebeten wird. [6] Aus einem späteren Schreiben an das Ministerium geht erneut hervor, dass sich die Kosten des Denkmals nach Einschätzung des Denkmal-Komitees auf 5.000 Kronen belaufen werden. 3.783 Kronen wären bereits durch Sammlungen eingenommen worden, für den Restbetrag von ca 1.200 Kronen möge das k.k Ministerium die Deckung übernehmen, wofür es ja bereits eine grundsätzliche Zusage geleistet habe.[7]

Am 23. Oktober 1914 geht allerdings aus einem Schreiben des Ministers für Kultus und Unterricht an das Rektorat der Universität Wien hervor, dass man derzeit nicht in der Lage sei, Subventionen für das Denkmal Schenkls aufzubringen.[8]

Bereits am 27. Oktober 1914 setzt der Rektor das Denkmal-Komitee über die ausbleibende Unterstützung des Ministeriums für Kultus und Unterricht in Kenntnis. Das Rektorat will sich allerdings zu einem späteren Zeitpunkt erneut damit befassen.[9] Nach dieser Absage für eine finanzielle Unterstützung des Ministeriums für Kultus und Unterricht im Jahr 1914 finden sich bis zum Jahr 1919 in den Akten keine weiteren Äußerungen zu dem Denkmalprojekt für Schenkl.

Erst am 18. März 1919 gibt ein Schreiben des Rektors der Universität an das deutsch-österreichische Staatsamt für Unterricht Auskunft über die ausstehenden Restkosten des Denkmals. Einerseits habe sich das Ministerium für Kultur und Unterricht seinerzeit bereit erklärt, eine Subvention für die Denkmalserrichtung bereitzustellen, andererseits erbittet der Rektor in jenem Schreiben im Namen des Denkmal-Komitees nunmehr vom deutsch-österreichischen Staatsamt für Unterricht eine finanzielle Unterstützung von 1.200 Kronen.[10]

Kurze Zeit darauf folgt die positive Antwort des deutsch-österreichischen Staatsamtes für Unterricht an den Akademischen Senat der Universität Wien, in dem die Subvention in Höhe von 1.200 Kronen zugesagt wird [11] Von dieser Zusage setzt der Rektor sodann das Denkmal-Komitee in Kenntnis.[12]

Am 19. Juni 1919 unterrichtet der Rektor den Dekan der philosophischen Fakultät davon, dass die Enthüllungsfeier des Denkmals für Karl Schenkl für den 27. Juni desselben Jahres festgesetzt worden sei.[13] Für diese Enthüllungsfeier wird reichlich Blumenschmuck für den Arkadenhof bestellt.[14] Darüber hinaus wird der akademische Gesangsverein gebeten, nach der Festrede einen Choral zu intonieren.[15] Die Festrede für die Enthüllung des Schenkl-Denkmals hält Univ.-Prof. Dr. Josef Mesk von der Universität Graz.[16]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die hier ausgeführte Darstellung des Altphilologen Karl Schenkl in Form eines Porträtmedaillons steht in der Tradition antiker Münz- und Medaillenbildnisse und bildet zudem einen Typus, auf den in den Denkmälern des Arkadenhofes oftmals zurückgegriffen wird. Die Gedenkplakette, von der im Arkadenhof zahlreiche vergleichbare Beispiele existieren, ist in diesem Fall äußerst schlicht gehalten. Diese Einfachheit und Klarheit - so geht aus den Korrespondenzen des Rektors mit dem Denkmal-Komitee hervor - fand allerdings durchaus Gefallen.

Dass die Inschrift so überaus schlicht gehalten wurde ist sicherlich ebenso auf die mangelnde Finanzierung zurückzuführen. Anstatt also beispielsweise eine goldene Inschrift zu wählen, hat man die Inschrift auf der Plakette leicht erhaben und unverziert gestaltet. Da Schwartz ein ausgezeichneter Medailleur war, stellte die Anfertigung einer derartigen Portraitplakette für ihn keine Neuerung dar. Vielmehr scheint Schwartz hier eine großformatige Version eines Münzbildnisses ausgearbeitet zu haben.

Nachdem so lange Zeit die Frage der finanziellen Unterstützung für ein Denkmal Schenkls ungewiss blieb, scheint in der Tat ein finanzieller Mangel ausschlaggebend für die Errichtung eines derart schlichten Denkmals gewesen zu sein. Dass der Bildhauer Stefan Schwartz durchaus handwerklich fähig gewesen wäre, dem Geehrten eine vollplastische Büste zu errichten, beweist die von ihm geschaffene Büste für Siegmund Exner, welche sich im Physiologischen Institut Wien befindet. Im Falle des Denkmals für Schenkl wurde somit einer solchen Büste die kostengünstigere Variante einer Bronzeplakette vorgezogen.

Damit reiht sich dieses Denkmal in den zu dieser Zeit, also 1919, bereits bestehenden Denkmalstypus im Arkadenhof ein. Interessant ist, dass - wie bei der Entstehungsgeschichte angemerkt - darauf geachtet wurde, das Denkmal an dem Pfeiler schräg gegenüber dem Denkmal für Ferdinand von Arlt von 1896 anzubringen. Damit wird das Denkmal Schenkels einem Denkmal gegenübergestellt, das 23 Jahre früher bereits dem selben Typus folgt. Ähnlich wie bei Schenkl tritt das Profil von Arlt aus einer, diesmal nur seichten und ovalen, Aussparung heraus. Das Denkmal für Ferdinand von Arlt zeigt besonders deutliche antikisierende Züge, was vor allem durch den Lorbeerzweig, der sich über dem Porträtrelief windet, betont wird.

Ein weiterer Vorläufer dieses Typus ist das Denkmal für Leopold von Dittel aus dem Jahr 1908. Auch hier wurde jene Denkmalsform gewählt, bei welcher der Kopf des Dargestellten im Profil plastisch aus einer konkaven Aussparung innerhalb einer Tafel herausragt. Das Denkmal für Schenkel ist allerdings schlichter gehalten, da der Porträtausschnitt nur bis zum Hals reicht und damit auf die Darstellung von Kleidung verzichtet wird, wodurch in der Darstellung eine sehr puristische Wirkung erzielt wird. Im Gegensatz dazu wird Leopold von Dittel bis zum Brustansatz und unter Einbeziehung seiner Kleidung präsentiert, was den Gelehrten realistisch, greifbarer und weniger abgehoben erscheinen lässt.

Die Darstellungsform, wie sie beim Denkmal für Karl Schenkl realisiert wurde, stellt in der Herstellung wohl eine kostengünstige Variante dar und wird in der Folge innerhalb des Arkadenhofs der Universität im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vermehrt aufgegriffen, wie etwa in den Denkmälern für Rudolf Chrobak von 1927, Jakob Schipper von 1928, Carl Menger von 1929, Rudolf Pöch aus dem Jahr 1932 und Ernst Ludwig aus dem gleichen Jahr.

Quellen

UAW, Senat S 95.20, Akt zur Errichtung des Denkmals für Karl Schenkl


Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht vom 2.3.1911
  2. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das Komitee zur Errichtung eines Schenkl-Denkmalesvom 9.5.1911
  3. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Gymnasialdirektors Heidrich an den Akademischen Senat vom 1.5.1914
  4. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das Denkmal-Komitee vom 25.3.1914
  5. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an den k.k.Professor Reg.Rat. Stephan Schwartz vom 25.3. 1914
  6. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Denkmal-Komitees an das Ministerium für Kultus und Unterricht vom 6.6.1914
  7. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Denkmal-Komitees an das MInisterium für Kultus und Unterricht vom 8.6.1914
  8. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Schreiben des MInisters für Kultus und Unterricht an das Rektorat der Universität Wien vom 23.10.1914
  9. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das Denkmal-Komitee vom 27.10.1914
  10. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das deutsch-österreichische Staatsamt für Unterricht vom 18. März 1919
  11. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des deutsch-österreichischen Staatsamtes für Unterricht an den Akademischen Senat der Universität Wien vom 3.4.1919
  12. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an das Denkmal-Komitee vom 22.4.1919
  13. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an den Dekan vom 19.6.1919
  14. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an die Universitäts-Gebäude-Inspektion vom 19.6.1919
  15. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an die Pedellen-Kanzlei vom 19.6.1919
  16. UAW, Senat S 95.20, Schreiben des Rektors an Dr. Josef Mesk vom 19.6.1919

(UAW: Archiv der Universität Wien)

Literatur

  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 100.
  • Czeike 1997 : Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5, Wien 1997, S. 77.
  • Maisel 2007 : Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 100.



Caroline Mang, Herbert Kreiser