Denkmal Karl Popper

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 104, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Philosophen Sir Karl Popper (1902-1994) wurde von der Bildhauerin Christine Pillhofer (*1954) für den Arkadenhof der Universität Wien angefertigt. Im Zuge des "Karl Popper Centenary Congress", der anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Popper veranstaltet wurde, fand am 7. Juli 2002 die feierliche Enthüllung statt. [1]

Beschreibung

"Er lächelt weise und hält den Kopf leicht schief. So kannte man den österreichisch-britischen Philosophen und [...] so hat ihn die Bildhauerin Christine Pillhofer in Bronze verewigt."[2] Das waren die Worte eines Presse-Artikels vom 8. Juli 2002, dem Tag nach der Enthüllung des Denkmals. Sie treffen den Charakter der Büste - wie wohl auch den des Dargestellten - in ihrem Kern. Die aus Bronze gegossene Büste ist auf einem hohen rechteckigen Marmorsockel platziert dessen Basis ein weiterer rechteckiger, ca. 20 cm hoher Marmorsockel bildet. Die Oberfläche des Steins ist weiß und glatt. Im oberen Drittel des Podestes ist in goldenen Lettern der volle Name des Dargestellten sowie seine Lebensdaten: "Sir Karl Popper, 1902 – 1994" eingraviert. Die Büste ist auf dem Sockel aufgestellt. Bei dem Bruststück sind die Schultern abgeschnitten, so dass man sich nur auf den Kopf des Dargestellten konzentriert. An der Seite der rechten Schulter kann man die Signatur der Künstlerin erkennen. Die Oberfläche der Büste wirkt grob bearbeitet, jedoch naturalistisch, die Furchen und Falten sowie die charakteristischen großen Ohren des Dargestellten sind sorgfältig herausgearbeitet.

Ins Auge fällt zudem die Wahl des Aufstellungsortes: Zu Seiten des Denkmals für Karl Popper stehen die Denkmäler für Theodor Ritter von Sickel und Ferdinand Ritter von Hebra.

Notizen zur dargestellten Person

Karl Popper, Copyright Franz Votava

Karl Popper war österreichisch - britischer Philosoph und Begründer des kritischen Rationalismus. Der von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1969 an der London School of Economics lehrende Popper wurde 1963 von der englischen Königin Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben. Obwohl er selbst nie als Professor an der Universität Wien tätig war blieb er der Universität Wien und der Stadt sehr stets verbunden und wurde anlässlich seines 90. Geburtstages aufgrund seiner außerordentlichen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.[3]

Entstehungsgeschichte

Im Jahr 2000 gab das Karl Popper Institut erstmals eine Büste Karl Poppers bei der Bildhauerin Christine Pillhofer in Auftrag. Am 13. November des folgenden Jahres erhielt Dr. Erhard Oeser aus dem Institut für Wissenschaftstheorie und Forschung ein Ansuchen zur Bewilligung der Aufstellung des Denkmals in den Arkaden der Universität Wien.[4] Am 10. Dezember desselben Jahres beschloss das Fakultätskollegium einstimmig die Errichtung der Büste. Rechtfertigungsgrund für die Ehrung des Betreffenden seien seine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen.[5] Am 15. Januar 2002 wies Dr. Jörg Hoyer den Rektor der Universität Wien, Dr. Georg Winckler, in einem Schreiben darauf hin, dass man anlässlich des 100sten Geburtstags Karl Poppers von der sonst üblichen Jahresfrist für die Errichtung eines Denkmals für verdiente Gelehrte der Universität Wien absehen könne.[6] Die für die Anfertigung und Errichtung der Büste anfallenden Kosten übernahm das Karl Popper Institut. Als Aufstellungsort wurde der Platz zwischen Theodor Ritter von Sickel und dem Mitbegründer der Wiener Medizinischen Schule, Ferdinand Ritter von Hebra, gewählt.[7] Die feierliche Enthüllung am 7. Juli 2002 vollzogen der Rektor der Universität und Melitta Mew, die langjährige Sekretärin und Nachlassverwalterin Karl Poppers. Dr. Georg Winckler beendete die Festrede mit den Worten "Karl Popper möge der studierenden Jugend ein Vorbild sein, in seiner intellektuellen Redlichkeit, Bescheidenheit und Fleiß und dieser Kongress möge der Beginn einer Popper-Renaissance werden."[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Sir Karl Popper

Im Vergleich der Gipsform der Popper-Büste mit einem Foto das den Dargestellten etwa in dem selben Alter zeigt, wiederholt sich das für Popper charakteristische "weise Lächeln" und die leicht schiefe Kopfhaltung. Beides Eigenschaften die auch in der Büste gut zur Geltung kommen. Obwohl die Büste im direkten Vergleich stärker stilisiert wirkt als das Gipsmodell, das durch seine raue Oberfläche lebendiger erscheint. Zudem sind solche starken Affektausdrücke eher selten bei Büsten zu finden.

Die Gipsform der Büste Karl Poppers im Atelier Christine Pillhofers

Als weitere dieser Ausnahmen kann hier eine andere Büste Christine Pillhofers angeführt werden. Es handelt sich um eine Büste mit dem Titel „der Mann“, die ihren Vater Josef Pillhofer in jungen Jahren darstellt. Gleich wie bei der Büste Karl Poppers ist die grobe Struktur welche der Büste Charakter verleiht. Die Falten an der Stirn sind zusätzlich herausgearbeitet, sowie diese um den lächelnden Mund ihres Vaters. Auch hier ist der Kopf in einer leicht schiefen Haltung die auf den Betrachter freundlich und gutmütig wirkt. Auch Josef Pillhofer, ein ehemaliger Schüler Wotrubas, stellte 1995 eine Büste von Karl Popper her. Sie wurde bei dem Besuch von Dr. Thomas Klestil, Bundespräsident von Österreich, am 9. Februar 1995 der LSE (London School of Economics and Political Science) geschenkt. Professor Josef Pillhofer's Büste von Sir Karl Popper befindet sich heute im dritten Stock des Lakatos Gebäude an der LSE in England.[9] Die bronzene Büste ähnelt der Büste Poppers die seine Tochter gefertigt hat stark. Allerdings wirkt sie weniger akzentuiert ausgeführt. Die Augen und das Lächeln strahlen, trotz des schiefgelegten Kopfes, nicht die selbe Freundlichkeit aus. Sie hat Wiedererkennungswert, ist jedoch nicht im gleichen Maße portraithaft wie die Büste von Christine Pillhofer, der die materielle Grobheit einen stärkeren Charakter verleiht. Mit einem Ausdruck zufriedener Selbstvergessenheit scheint sich die Büste bescheiden zwischen ihre beiden Standesgenossen in den Arkaden einzureihen. Die großen Ohren, der weite Kragen und die spärliche Haarpracht scheinen sehr genau übernommen und umgesetzt worden zu sein. Die hier abgebildete Photographie könnte als Vorlage für die Büste gedient haben. Auffallenderweise wirkt das Denkmal im Gegensatz zu seiner Vorlage jedoch Alters- und Zeitlos. Die tiefen Falten des beinahe 90-Jährigen sind geglättet; einzig die markanten Mundwinkel sind hervorgehoben. Möglicherweise hat die Künstlerin genau diesen Effekt beabsichtigt: einen Karl Popper darzustellen, dessen Geist und Philosophie unabhängig von seinem jeweiligen Kontext die Zeit überdauern und so tatsächlich zu einem Vorbild für die studierende Jugend wird.

Quellen

  • UAW Senat GZ 140 ex 2001/02

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Erhard Oeser, Karl Popper( 1902 - 1994). Lebensdaten und wissenschaftlicher Werdegang mit besonderer Berücksichtigung seines Bezuges zu Wien, Wien 2001, in: UAW Senat GZ 140 ex 2001/02

Einzelnachweise

  1. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  2. Die Presse, Titelblatt am 8.Juli 2002
  3. Oeser 2001, S.1/2
  4. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  5. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  6. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  7. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  8. UAW Senat GZ 140 ex 2001/02
  9. http://www.lse.ac.uk/philosophy/karlpoppermemorialfund/home.aspx

Darstellungen


Teresa Czernin. redigiert von Carina Schaffer, 2014SS