Denkmal Karl Luick

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal für Karl Luick im Arkadenhof
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 105, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Etymologen und Philologen Karl Luick (1865-1935) wurde von dem Bildhauer Heinz Satzinger (*1921) nach einer Reliefplastik aus Gips (die sich im Besitz der Witwe des akademischen Bildhauers Prof. Gustav Jekel befand) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 24. Mai 1956 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal besteht aus einer hochrechteckigen, 86 x 65 cm großen, hellen Marmortafel, aus deren oberer Hälfte das nach rechts gerichtete Profil des Gelehrten in einem stark erhabenen Relief plastisch hervortritt. Infolge der Platzierung des Denkmals weist der Blick des Dargestellten in den Arkadengang. In der unteren Hälfte der Platte ist in goldfarbigen eingravierten Versalien eine 4-zeilige Inschrift angebracht, die den Namen des Gelehrten, dessen Funktion und den Zeitraum seines Wirkens an der Universität Wien wiedergibt: „KARL LUICK | PROFESSOR DER | ENGL. PHILOLOGIE | 1908 1935“.

Dem ausführenden Künstler Heinz Satzinger stand als Vorlage für die Gestaltung des Marmor-Portraits eine Gips-Plastik aus Händen des Bildhauers Gustav Jekel vom Jahr 1936 zur Verfügung, dessen Urheberschaft unterhalb des Halses in zart eingravierter Schrift mit "JEKEL 1936" dokumentiert ist (Abb. 3). Satzinger hat das Portrait-Relief mit Hilfe eines rechteckigen Trägerelements nahezu nahtlos in die rahmende Marmorplatte eingefügt.

Die Gesichtszüge des Dargestellten wirken sehr naturalistisch (Abb. 4). Die Stirn weist Denkfalten auf. Auch um die Augen sind Ansätze von Falten sowie an der Stirn eine senkrecht herausragende Ader zu erkennen. Ein zarter Backenbart wird ergänzt durch einen kurz geschnittenen straffen Kinnbart sowie einen buschigen Oberlippenbart. Das Gesicht wird von einer markanten Nase geprägt. Die Gesichtszüge wirken sehr streng, der Blick ist starr nach vorne gerichtet.

Das gesamte Relief ist sehr klar gestaltet, wobei die in Gold gehaltene Inschrift mit dem in besonders großen Lettern geschriebenen Namen deutlich hervorsticht.

Abb. 3: Denkmal für Karl Luick im Arkadenhof, Signatur Gustav Jekel

Notizen zu dargestellten Person

Karl Luick (* 27. Januar 1865 in Floridsdorf bei Wien; † 20. September 1935 in Wien) war Philologe mit Schwerpunkt Anglistik und lehrte an den Universitäten Wien und Graz. 1888 legte Luick die Lehramtsprüfung ab und wurde ein Jahr später zum Dr.phil. promoviert. 1890 habilitierte er sich mit seiner Arbeit über „Die englische Stabreimzeile im XIV., XV. und XVI. Jahrhundert“. Die Forschungen Karl Luicks waren insbesondere der Metrik, der Syntax und der Phonetik gewidmet. Besondere Berühmtheit erlangte sein Werk „Deutsche Lautlehre mit besonderer Berücksichtigung der Sprechweise Wiens und der österr. Alpenländer“. Internationales Ansehen gewann Karl Luick durch sein Lebenswerk „ Historische Grammatik der englischen Sprache“.

Abb. 4: Denkmal für Karl Luick, Detail Kopf

Entstehungsgeschichte

Am 15.6.1955 ersucht das Seminar für englische und amerikanische Sprache und Literatur das Bundesministerium für Unterricht im Wege des Dekanats der philosophischen Fakultät um Ankauf einer Reliefplastik für Professor Dr. Karl Luick zur Aufstellung im Arkadenhof der Wiener Universität und verweist darauf, dass sich dieses Bildwerk – allerdings in Gips - im Besitz der Witwe des akademischen Bildhauers Prof. Gustav Jekel befindet, die bereit wäre, die Plastik an das Bundesministerium zu verkaufen. Es wird ferner angeregt, dass das Bundesministerium Verhandlungen wegen des Preises mit Frau Jekel führen und einen Bildhauer mit der Übertragung der Arbeit in Stein beauftragen möge [1]

Aus einem Schreiben des Bundesministeriums für Unterricht an Frau Marianne Jekel vom 13.12.1955 geht hervor, dass dieses bereit ist, das Gipsrelief „Portrait Professor Dr. Karl Luick“ für 3.000 Schilling zu erwerben. Des Weiteren wird Marianne Jekel darum gebeten, diese Gips-Plastik dem Künstler Heinz Satzinger zu übermitteln, der die Aufgabe habe, das Portrait-Relief in Untersberger Marmor zu übertragen. [2] In diesem Dokument wird erstmals der ausführende Künstler Heinz Satzinger genannt.

In der Sitzung des Professorenkollegiums der Philosophischen Fakultät vom 28.1.1956 wird einstimmig der Wunsch geäußert, dass die Reliefplastik für Professor Dr. Karl Luick im Arkadenhof aufgestellt werde. [3] Diesem Anliegen stimmt der Akademischen Senats in seiner Antwort zu. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass wegen der Festlegung des Ortes in den Arkaden sowie Besichtigung des Gipsreliefs der Kunstausschuss befasst werde. [4]

In seinem Schreiben vom 30.3.1956 an die Gebäudeverwaltung weist der Rektor darauf hin, dass der Kunstausschuss in seiner Sitzung vom 25.3.1956 den Aufstellungsort des Marmorreliefs bestimmt habe. Das Marmorrelief soll seinen Platz an der Gegenseite jenes Pfeilers bekommen, an welchem sich das Relief von Professor Schrötter von Kristelli befindet.[5]

Nach Fertigstellung des Marmorreliefs durch Heinz Satzinger wird eine Gedenkfeier für Professor Dr. Karl Luick und die Enthüllung seines Denkmals für den 24.5.1956 festgesetzt. [6]

Aus den verfügbaren Dokumentationen gehen weder das Verfahren noch die Kriterien für die Auswahl Satzingers zur Denkmalsgestaltung hervor. Als möglicher Grund für die Beauftragung scheint die Tatsache denkbar, dass die Gattin Heinz Satzingers zur Zeit der Auftragsvergabe am Englisch-Amerikanischen Institut der Universität als wissenschaftliche Hilfskraft beschäftigt war [7] und auf diese Weise eine vermittelnde Rolle für die Gestaltung des Denkmals für den ehemaligen Instituts-Professor durch ihren noch am Beginn seines künstlerischen Schaffens stehenden Gatten eingenommen haben könnte. Die Aufgabe Satzingers, lediglich eine bereits vorhandene Gipsvorlage in Marmor zu übertragen und mit einer Marmortafel zu rahmen, dürfte wohl damit zusammenhängen, den Kostenrahmen für das Denkmal möglichst gering zu halten.

Abb. 5: Portrait-Foto von Karl Luick mit Rektorenkette 1925.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Heinz Satzingers Kunst besteht aus einer Vielfalt an Themen, Techniken und Materialien, wobei sein Stil meist sehr abstrakt ist. Er reduzierte seine Figuren auf ein Minimum. Seine menschlichen Gestalten weisen meist keine Gesichtszüge auf oder lassen Details wie Kleidung oder Mimik kaum erkennen.

Bei der Gestaltung des Denkmals für Karl Luick bestand die Aufgabe Satzingers hingegen darin, einen schon vorhandenen Gipsabdruck des Gelehrtenprofils exakt in Marmor zu übertragen und in eine rahmende Tafel mit Inschrift einzufügen. Wie aus den Akten des Archivs der Wiener Universität hervorgeht, war ein Gipsmodell für das Profil von Karl Luick bereits vorhanden, den der akademische Bildhauer Gustav Jekel längere Zeit vorher gestaltet hatte. Satzinger ist es gelungen, nach diesem Gipsmodell ein Portraitrelief aus Marmor von hoher Qualität und Genauigkeit herzustellen, bei dem die Gesichtszüge sehr fein herausgearbeitet sind.

Ein Vergleich des Marmorreliefs mit einem verfügbaren Portrait-Foto von Karl Luick (Abb. 5) zeigt Folgendes: Im Portrait-Foto sitzt der Gelehrte in seiner Eigenschaft als Rektor an einem Schreibtisch, den Blick nach unten auf ein Dokument gerichtet. Abgesehen von der Kopfhaltung, welche in dieser fotografischen Abbildung leicht nach unten geneigt ist, erscheinen die Profile in beiden Darstellungen ziemlich identisch, insbesondere der weit hinten liegende Haaransatz, die an der Stirn heraustretende Ader und die markante Nase. Ein kaum erkennbarer Unterschied besteht lediglich im Wangenbart, der auf dem Relief äußerst zart angedeutet ist, jedoch im Portrait-Foto nicht zu erkennen ist. Nicht im Relief dargestellt ist die zarte Brille, außerdem ist der Blick im fotografischen Portrait nicht so starr und streng wie im Relief dargestellt. Luick wirkt in diesem Foto zwar in sich gekehrt, jedoch auf das vor ihm liegende Dokument konzentriert.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 222.29, Schreiben des Seminars im Weg des Dekanats an das Bundesministerium für Unterricht vom 15.6.1955
  2. UAW Senat S 222.29, Schreiben des Bundesministerium für Unterricht an Frau Marianne Jekel vom 13.12.1955
  3. UAW Senat S 222.29, Schreiben des Dekans an den Akademischen Senat vom 10.2.1956
  4. UAW Senat 5.222.29, Schreiben des Akademischen Senats an den Dekan vom 22.3.1956
  5. UAW Senat S 222.29, Schreiben des Rektors an die Gebäudeverwaltung vom 30.3.1956
  6. UAW Senat 5.222.29, Einladungskarte von Rektor und Dekan
  7. Katalog 1988, S. 6

(UAW: Archiv der Universität Wien)

Literatur

  • Katalog 1988: Heinz Satzinger. Skulptur und Holzschnitt. Katalog zur 122. Wechselausstellung der Österreichischen Galerie, Wien 1988
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007

Autorin: Stappers Isabelle

redigiert von Kreiser Herbert