Denkmal Karl Ludwig Arndts von Arnesberg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg im Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 20, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen Karl Ludwig Arndts von Arnesberg (1803-1878) wurde von dem Bildhauer Theodor Charlemont (1859-1938) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Mai 1899 feierlich enthüllt

Beschreibung

Abb. 3: Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg, Detail Inschrift

Das Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg besteht aus einer Bronzebüste des Gelehrten, die auf ein aus rotem Marmor gefertigtes Postament gesetzt ist. Dieses Postament wirkt im Vergleich zur Büste deutlich monumentaler, hat über die volle Höhe einen quadratischen Querschnitt und ruht auf einer mehrfach abgestuften Basis, auf die ein hoher Sockel gesetzt ist, der sich nach oben etwas verjüngt. Auch der obere Abschluss des Postaments zeichnet sich durch mehre Abstufungen aus. Diese sind verglichen mit der Basis jedoch feiner und übertreffen sie in Hinblick auf ihre Anzahl, zeigen darüber hinaus jedoch auch deutliche Abrundungen im Gegensatz zu den kantigen Formen an der Basis. In die obere Hälfte der Sockelfront wurde eine 7-zeilige Inschrift eingraviert, die wie folgt lautet: „LUDWIG ARNDTS | RITTER VON ARNESBERG | 1803–1878 | PROFESSOR | DES ROEMISCHEN RECHTS | IN WIEN | 1855–1874“ (Abb. 3).

Die Büste setzt sich aufgrund ihrer dunklen Farbigkeit deutlich vom Postament ab. Der Rechtsgelehrte wird in Form eines Bruststücks dargestellt (Abb. 4). Die Büste ist mit einem quer-rechteckigen Bronzesockel abgestützt, mit dem sie am Postament aufsitzt. Arndts von Arnesberg trägt zeitgenössische Kleidung in Form einer offen getragenen Jacke sowie Hemd und Fliege. Aufgrund der zahlreich dargestellten Faltenwürfe an den Ärmeln und am Stehkragen wird vom ausführenden Künstler Lebendigkeit transportiert. Der Kopf des Rechtsgelehrten ist leicht nach rechts gewandt, sein Blick ist ruhig und nachdenklich wirkend in die Ferne gerichtet. Das Gesicht ist von feinen Falten durchzogen, das Haar gewellt dargestellt, besonders augenfällig ist das an den Schläfen buschig nach vorne gezogene Kopfhaar.

Die Tatsache, dass nur Kopf, Schulterbereich und Brustpartie der Büste voll ausgearbeitet wurden, die Rückenpartie hingegen keine besondere Gestaltung erfahren hat, lässt darauf schließen, dass das Denkmal von Anfang an ausschließlich für eine frontale Betrachtung konzipiert war (Abb. 5). Auf der Rückseite der linken Schulter hat der ausführende Künstler sein Werk mit "Theodor Charlemont“ signiert (Abb. 6).

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4: Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg, Detail Büste

Karl Ludwig Arndts von Arnesberg (* 19. August 1803 in Arnsberg/Westfalen; † 1. März 1878 in Wien) war Jurist, Universitätslehrer und Politiker. Er galt eher als Dogmatiker denn als Rechtshistoriker.[1] Bekanntheit erlangte er insbesondere durch das von ihm verfasste „Lehrbuch der Pandekten“. Der Rechtsgelehrte war ein Befürworter moderner Kodifikationen im Zivilrecht.[2]

Entstehungsgeschichte

Abb. 5: Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg, Detail Büste Seitenansicht

In seiner Sitzung vom 18.3.1897 beschließt das Professorenkollegium der juristischen Fakultät einstimmig, die Universität möge beim k.k. Ministerium für Cultus und Unterricht einen Antrag auf Herstellung eines Denkmals für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg stellen. [3]

Am 19. Juli 1897 teilt der Minister für Cultus und Unterricht dem Rektorat der k.k. Universität mit, dass der Bildhauer Theodor Charlemont mit der Ausführung eines Denkmals für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg auf Rechnung der staatlichen Kunstkredite beauftragt wurde. Bis Ende des laufenden Jahres sollte die Arbeit fertiggestellt werden. [4]

Am 6. November 1897 ersuchte der Rektor der Universität die Artistische Kommission um Vorschläge für die Inschrift der Büste sowie für einen geeigneten Platz derselben. [5] Die zunächst geplante Inschrift wurde von der Artistischen Kommission abgelehnt. Als Begründung wurde angeführt, dass die Schriftart nicht der entspreche, die die Kommission für Denkmäler im Arkadenhof empfiehlt. Darüber hinaus wäre „die Anbringung einer Inschrift auf der Büste nicht üblich, vielmehr ist es Gepflogenheit, den Namen und die Zeit der Wirksamkeit auf dem Sockel oder der Console“ anzubringen. [6]

Am 8. April 1898 übermittelt Theodor Charlemont zwei Zeichnungen für ein Postament inklusive Kostenvoranschlag (ohne Inschrift) an den hohen Akademischen Senat. Die Kosten würden demnach für Entwurf A etwa 480 Kronen betragen, für Skizze B ungefähr 895 Kronen. Als Material war Sterzinger Marmor gedacht. Die Lieferzeit gab der Bildhauer mit etwa 7 Wochen an. [7]

Bereits am 11. Juli 1898 legt Charlemont eine veränderte Skizze des Sockels vor. Diesmal handelt es sich beim Material um Untersberger Marmor, die Lieferzeit wurde mit 12 Wochen angesetzt. Die Kosten berechnete der Bildhauer mit 488,72 Kronen [8]

Der Grund für diese Änderungen war der Antrag der Artistischen Kommission „dem Postamente des Arndts-Denkmals im Verhältnis zur Büste und der Plinthe eine etwas schlankere Proportion zu geben“ [9]

Darüber hinaus verlangte man ein solches Material für das Postament zu wählen, so dass dieses mit der patinierten Bronzebüste harmoniert.[10]

Ende Februar des Jahres 1899 war das Denkmal fertiggestellt. [11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg, Detail Signatur

Im Vergleich zu einer mit 1861 datierten Lithographie von Josef Kriehuber (Abb. 7) zeigen sich auffällige Übereinstimmungen in Bezug auf die Physiognomie, Kleidung und Haltung des Juristen. So scheint es, als hätte diese oder eine ähnliche Darstellung als Vorlage für Theodor Charlemont bei der Ausführung der Büste für den Arkadenhof der Universität Wien gedient. In beiden Fällen wird der Rechtsgelehrte in äußerst ähnlicher Weise frontal mit einer offen getragenen Jacke, einem Hemd sowie mit einer Fliege dargestellt. Auch der zur Seite gedrehte Kopf der Büste erinnert an die Haltung des Juristen in der Lithographie, auch wenn diese Drehung dort etwas stärker dargestellt wurde. Weiters zeigen die Gesichtszüge, die Haare und der in die Ferne gerichtete Blick vergleichbare Übereinstimmungen. Daraus schlussfolgernd kann angenommen werden, dass die Büste im Arkadenhof der Universität Wien keine rein ideale Darstellung des Juristen zeigt, sondern porträthafte Züge aufweist.

Ein weiterer Vergleich der Büste für Arnesberg bietet sich mit dem Denkmal für Ferdinand von Arlt im Arkadenhof von Hans Bitterlich an. Schon Maria Pötzl-Malikova betont 1976 die Ähnlichkeit der Portrait-Gestaltungen. Ihr zufolge achteten sowohl Theodor Charlemont als auch Hans Bitterlich in besonderer Weise auf die Wirkungen des Lichtes. So erkennt sie in der Modellierung der Gesichtszüge eine Abstimmung auf die Wirkung der Lichtreflexe, wobei dieser Effekt beim Denkmal für Arnesberg stärker zum Ausdruck kommt als beim jenem für Ferdinand von Arlt, wo sich die Gesichtszüge beinahe in Licht auflösen.[12]

Ebenso kann die Gegenüberstellung mit dem Denkmal für den Techniker Adam von Burg vor dem Hauptgebäude der Technischen Universität Wien (Abb. 8), das ebenso von Theodor Charlemont gestaltet wurde, als aufschlussreich erachtet werden. So zeigt das Gesicht von Arnesberg deutlich tiefere und markantere Falten als bei Adam von Burg. Dies erscheint aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Arnesberg plausibel, da die Büste vor der Technischen Universität Adam von Burg in jüngeren Jahren wiedergibt. Dennoch fällt bei der Oberflächengestaltung des Denkmals für Arnesberg auf, dass einzelne Gesichtspartien des Juristen plastischer herausgearbeitet wurden, wodurch ein lebendiges Erscheinungsbild vermittelt wird. Burgs Gesicht wirkt dagegen flacher, trotz Andeutungen von Falten und unter Berücksichtigung der grundsätzlich eher feinen Gesichtszüge des Technikers wirken diese zurückgenommen und zeichenhaft.

Rezeption in der Presse

Abb. 7: Karl Ludwig Arndts von Arnesberg, Lithographie von Josef Kriehuber, 1861.
  • Neue Freie Presse vom 4.5.1899, S. 5, Sp. 2: Vorankündigung der Enthüllung des Denkmals am 14.5. im Arkadenhof der Universität. Werk von Charlemont
  • Österreichische Volkszeitung vom 13.5.1899: Das Arndts-Denkmal an der Universität (Vorankündigung)
  • Wiener Tagblatt vom 15.5.1899, S. 4, Sp. 2: Bericht über die Enthüllung der Bronzebüste, die von Charlemont geschaffen wurde
  • Österreichische Volkszeitung vom 15.5.1899: Arndts-Denkmal (Bericht über die Enthüllung)
  • Sonn- und Montagszeitung vom 15.5.1899: Das Arndts-Denkmal (Bericht über die Enthüllung)
  • Illustriertes Wiener Extrablatt vom 15.5.1899: Das Arndts-Denkmal (Bericht über die Enthüllung)

Literatur

  • Landsberg 1902: Ernst Landsberg, Arndts von Arnesberg, Ludwig, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 46, Leipzig 1902, S. 41-45, URL: http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Arndts_von_Arnesberg,_Ludwig
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien 1934
  • Wesenberg 1953: Gerhard Wesenberg, Arndts von Arnesberg, Ludwig, in: Neue Deutsche Biographie, 1, Berlin 1953, S. 363-364, URL: http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016233/images/index.html?seite=383
  • Pötzl-Malikova 1976: Maria Pötzl-Malikova, Die Plastik der Ringstrasse. Künstlerische Entwicklung 1890-1918, hg. von Renate Wagner-Rieger, Wiesbaden 1976
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007
Abb. 8: Denkmal für Adam von Burg, Theodor Charlemont, 1903, Technische Universität Wien.

Einzelnachweise

  1. Wesenberg 1953, S. 363
  2. Landsberg 1902, S. 41-45
  3. UAW, Senat, S 93.3, Schreibens des Dekans an den Akademischen Senat vom 20.3.1897
  4. UAW, Senat, S 93.3, Schreiben des Ministeriums für Cultus und Unterricht an das Rektorat der k.k. Universität in Wien vom 19.7.1897
  5. UAW, Senat, S 93.3, Schreiben des Rektors an die Artistische Kommission vom 6.11.1897
  6. UAW, Senat, S 93.3, Schreiben der Artistischen Kommission an den Rektor vom 3.3.1898
  7. UAW, Senat, S 93.3, Charlemont an den hohen Akademischen Senat, 8.4.1898
  8. UAW, Senat, S 93.3, Charlemont an den hohen Akademischen Senat, 11.7.1898
  9. UAW, Senat, S 93.3, Rektor der k.k. Universität an die Artistische Kommission vom 20.9.1898
  10. UAW, Senat, S 93.3, Schreiben der Artistischen Kommission an Charlemont vom 3.11.1898
  11. UAW, Senat, S 93.3, Schreiben des Rektors an den Dekan der juristischen Fakultät vom 2.3.1899
  12. Pötzl-Malikova 1976, S. 19

(UAW: Archiv der Universität Wien)


Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Herbert Kreiser