Denkmal Karl Langer von Edenberg: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Das Denkmal für den Anatomen [[Karl Langer von Edenberg]] (1819-1887) im [[Arkadenhof der Universität Wien]] wurde von [[Alfonso Canciani]] gestaltet. Es handelt sich dabei um eine Halbfigur die aus Staatsmitteln finanziert wurde und 1903 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt wurde. [[bild:Arkadenhof_Aufstellung_maisel_2007_Edenberg.jpg|thumb|Abb. 2: Plan des Arkadenhofs, Denkmal für Karl Langer von Edenberg von Alfonso Canciani.]]
 
Das Denkmal für den Anatomen [[Karl Langer von Edenberg]] (1819-1887) im [[Arkadenhof der Universität Wien]] wurde von [[Alfonso Canciani]] gestaltet. Es handelt sich dabei um eine Halbfigur die aus Staatsmitteln finanziert wurde und 1903 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt wurde. [[bild:Arkadenhof_Aufstellung_maisel_2007_Edenberg.jpg|thumb|Abb. 2: Plan des Arkadenhofs, Denkmal für Karl Langer von Edenberg von Alfonso Canciani.]]
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Version vom 18. September 2014, 19:21 Uhr

Abb. 1: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, von Alfonso Canciani, 1903 enthüllt.
Abb. 3: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, von Alfonso Canciani, 1903 enthüllt, Ansicht von der Seite.
Das Denkmal für den Anatomen Karl Langer von Edenberg (1819-1887) im Arkadenhof der Universität Wien wurde von Alfonso Canciani gestaltet. Es handelt sich dabei um eine Halbfigur die aus Staatsmitteln finanziert wurde und 1903 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt wurde.
Abb. 2: Plan des Arkadenhofs, Denkmal für Karl Langer von Edenberg von Alfonso Canciani.


Beschreibung

Das Denkmal von Karl Langer Ritter von Edenberg (Abb. 2, 3) befindet sich im rechten Gang des Arkadenhofes der Universität Wien an der Wandseite, zwischen den Stiegen VIII und X auf Platz Nummer 108.[1] Das Denkmal ist als Halbfigur in Frontalansicht ausgeführt. Langer ist bis zur Hüfte vollplastisch dargestellt. Er hat beide Arme angewinkelt, wobei eine langfingrige schmale Hand auf einem Totenschädel liegt, und die andere sein Kinn stützt. Dazu trägt er eine Art hochgeschlossenen Arbeitskittel bei dem die Ärmel bis zum Ellenbogen aufgekrempelt sind. Das Gewand schlägt am Oberkörper leichte senkrechte Falten, wohingegen die Ärmel durch die Bewegung der Figur stärker in Falten liegen. Der Kopf ist geneigt und die untere Partie durch eine Hand verdeckt. Sein Haaransatz ist ein wenig nach hinten gerückt und die Ohren liegen flach am Kopf an.

Abb. 4: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, von Alfonso Canciani, 1903 enthüllt, Detail Postament.

Die Halbfigur Langers (Höhe ca. 77cm) ist aus Bronze gefertigt und auf ein einfaches Postament aus dunkelgrauem Stein gestellt (Abb. 4). Der Schaft hat eine leichte konvexe Krümmung und verjüngt sich nach oben. Die Höhe des Schafts beträgt 145 cm, seine Breite hat an der unteren Stelle 58 cm und im oberen Ende des Postaments 46 cm. Die Inschrift auf dem Postament lautet: KARL LANGER, RITT. v. EDENBERG, 1819-1887, PROFESSOR, DER ANATOMIE AN DER UNIVERSITÄT, WIEN 1870-1887. Die Künstlersignatur befindet sich auf der rechten Seite der Figur und ist mit „a. canciani 1902“ ausgeführt (Abb. 5).

Abb. 5: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, von Alfonso Canciani, 1903 enthüllt, Detail Künstlersignatur.

Das Denkmal befindet sich an Platz Nummer 108.[2]

Notizen zur dargestellten Person

Karl Langer, Ritter von Edenberg wurde am 15. April 1819 in Wien geboren und ist am 7. Dezember 1887 in Wien gestorben. Seit 1856 war er ordentlicher Professor an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie (Josephinum). Einige Jahre später, 1870 begann er seine Tätigkeit an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte waren im Bereich der Anatomie, bei der Erforschung der Bewegungsmechanismen der Gelenke. Langer arbeitete in wissenschaftlicher Weise bei der Erstellung der medizinischen Rigorosenordnung (1872) mit. 1875/76 wurde er sogar zum Rektor ernannt. [3]

Langer von Edenberg findet Notiz auf einer der Ehrentafeln der medizinischen Fakultät der Universität Wien, die im Hauptgebäude der Universität aufgehängt wurden. Diese Ehrentafeln wurden für die damaligen vier Fakultäten errichtet und 1893 in den Aufgängen von der Aula zu den Seitenaulen und Feststiegen angebracht. Die theologische und die juridische Ehrentafel ist im linken, die medizinische und philosophische im rechten Aufgang aufgehängt. Gleich zu Beginn wurden die meisten der Namen darauf vermerkt. Es kamen aber auch noch Namen dazu, vor allem 1965, zu der Zeit feierte man das 600 jährige Jubiläum. "[4]

Entstehungsgeschichte

Am 9. März 1901 stellten die Professoren Carl Toldt und Emil Zuckerkandl auf der Sitzung des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät der Wiener Universität den Antrag zu Ehren Prof. Karl Langers Ritter von Edenberg ein Denkmal im Arkadenhof der Universität zu errichten. Nachdem der Vorschlag fast einstimmig angenommen wurden, wandte sich der Dekan der Fakultät Carl Toldt an den Akademischen Senat wegen der Genehmigung der Aufstellung eines Denkmals und an das k. u. k. Ministerium für Kultur und Unterricht wegen der Übernahme der Mittel für die Ausführung des Denkmals.[5]

Der mit der Ausführung des Denkmals beauftragte Künstler Alfonso Canciani musste sein Konzept mehrfach überarbeiten. Erst nachdem die Gutachter Caspar von Zumbusch und Otto König das Denkmalmodell für gut befunden hatten, wurde im Oktober 1902 die endgültige Zustimmung zur Ausführung des Denkmals gegeben.[6]

Der von Prof. Toldt vorgeschlagene Termin für die Enthüllung des Denkmals am 7. Dezember 1902, dem Todestag Langers, konnte dadurch nicht angenommen werden.[7] Die Feierlichkeiten fanden am 24. Mai 1903 statt. Prof. Toldt hielt eine bewegende Gedenkrede, die er mit diesen Worten beendete:

"Möge dieses Kunstwerk in seiner einfachen und würdigen Form das Andenken an den Dahingeschiedenen in unserer Alma mater wach erhalten und vielen Generationen von Lehrern und Schülern das Vorbild eines ebenso bescheidenen als erfolgreichen Gelehrten, eines pflichtgetreuen Lehrers, eines edlen und charaktervollen Mannes verkörpern."[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Langer v. Edenberg, Karl (15.04.1819-07.12.1887; Anatomie), Lichtdruck, Fotograf: J. Löwy, o. J., Format: 28,5 x 21 (50 x 32,5 inkl. Rahmen).

Das Denkmal Karl Langers von Edenberg ist als Halbfigur ausgeführt. Die Figur wirkt einerseits in sich gekehrt, durch die hängenden Schulter und den nach unten geneigten Kopf, andererseits strahlt sie Energie aus. Man spürt geradezu wie Langer angestrengt über wissenschaftliche Themenbereiche nachdenkt. Dies kommt auch in der Hand die das Kinn stützt vorteilhaft zur Geltung. Die Adern am Unterarm sowie die Finger sind angespannt und legen sich in kräftiger Weise um das Kinn. Der Blick ist auf den Totenschädel gerichtet, welcher mit der ganzen Hand umschlossen wird. Die Gesichtszüge Langers ebenso wie der Totenkopf sind stark ausgeprägt, das Material weist einige Höhen und Tiefen auf. Das Augenmerk der Darstellung liegt auf der intellektuellen Seite. Langer ist vor allem als ein Wissenschaftler und Denker dargestellt. Der Gestus der zusammengezogenen Augenbrauen und das nach unten geneigte Haupt des Professors betonen die von Canciani gewählte Denkerpose.

Vergleicht man die Gesichtszüge Langers im Denkmal mit denen einer Fotografie (Abb. 6) findet man vieles in der Figur wieder. Das Haar ist nach hinten gekämmt und liegt ordentlich auf dem Kopf auf. Der Haaransatz im Denkmal ist ein wenig nach hinten gerückt, dies verleiht der Darstellung eine naturalistische Note, weil es damit der Portraitfotografie sehr ähnlich ist. Langers schmales Gesicht ist mit einer markanten Nase und einer hohen Stirn ausgestattet. Die buschigen Augenbrauen und der prachtvolle Schnurrbart ergänzen das bekannte Porträt des Gelehrten.

Remigio Marinis Aussage zu den Porträts von Canciani : "(Man erinnere) sich an seine zahlreichen lebendig-durchdringenden Porträts, die eine kristallklare, ganz persönliche Proportionalität aufweisen, welche, jedoch zugleich unseren klassischen Epochen entspricht."[9] Für Adolph Donath ist Canciani "ein Meister der klassischen Linie und ein Meister der starken Empfindungen. Seine Bildnisse leben."[10]

Abb. 7: Caspar von Zumbusch, Büste: Theodor Billroth (1829-1894), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 130, 1897 enthüllt.

Eine solch starke Gestik wie es bei der Halbfigur Langers der Fall ist, ist mehrfach im Arkadenhof anzutreffen. Ein Bespiel dafür findet sich ein paar Denkmäler weiter den Gang des Arkadenhofes der Universität Wien entlang im Denkmal Theodor Billroths von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (Abb. 7). Ähnlich wie Langer ist Theodor Billroth als Halbfigur ausgeführt. In beiden Denkmälern ist ein Hinweis auf die jeweilige wissenschaftliche Tätigkeit zum Ausdruck gebracht. Anders als Billroth, der auf einer Lehrkanzel zu stehen scheint und hinter sich eine Ädikula mit Rundbogennische und einen dreieckigen Giebel hat, ist Langer von Edenberg schlichter dargestellt. Der Bildhauer Alfonso Canciani verzichtet bei seiner Personendarstellung auf alles unnötige Beiwerk, es ist der Pathos der Gedanken der zählt und uns an den Werken fesselt.

Eine weitere vergleichbare Bronzefigur befindet sich an der Ecke im Quergang des Arkadenhofes der Universität Wien. Es handelt sich dabei um die freistehende Plastik von Anton Hanak zu Ehren Emil Zuckerkandls (Abb. 8). Zuckerkandl war ebenso wie Langer ein Anatom und daher in Arbeitskleidung gehüllt. Die aufgekrempelten Ärmel sind in beiden Denkmälern zu finden. Die Figur Zuckerkandls ist dynamisch im Schritt nach vorne dargestellt, während Langer in sich gekehrt wirkt, dennoch besitzen beide Denkmäler einen kraftvollen Ausdruck.

Alfonso Canciani hat noch ein weiteres Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien gestaltet. Es handelt sich dabei um das Denkmal Hugo Weidels (Abb. 9). Ganz anders als die Halbfigur für Karl Langer von Edenberg, wurde das Denkmal Weidels als Gedenktafel mit dem Geehrten im Relief ausgeführt. Es handelt sich ebenfalls um eine Bronzedarstellung. Weidel ist als Chemiker während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ausgeführt. Sein Gesichtsausdruck ist dabei konzentriert. Die Hände erinnern in ihrer Feingliedrigkeit an das Denkmal Langers, in welchem die Finger den Schädel umschließen. Weidel wurde ebenfalls in einem in Falten gelegten Arbeitsmantel dargestellt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Von einer Demontierung oder Verstellung des Denkmals ist nichts bekannt.

Quellen

  • UAW Senat S 95.2, Schachtel 61.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, Nr. 13917, 25. Mai 1903, S. 5.
  • Die Zeit, Nr. 235, 25. Mai 1903, S. 4.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 84.
  2. Maisel 2007, S. 84.
  3. Maisel 2007, S. 84.
  4. http://www.univie.ac.at/universitaet/forum-zeitgeschichte/gedenkkultur/fakultaets-ehrentafeln/#c1155
  5. UAW Senat S 95.2,Z.3501 und Z 685.
  6. UAW Senat S 95.2, Z 33.012.
  7. UAW Senat S 95.2, Prot.-Nr. 3977.
  8. Toldt 1903, S. 23.
  9. Kitzmüller 1987, S. 3.
  10. Donath 1913.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Toldt 1903: Toldt Carl, Carl Langer, Ritter v. Edenberg. Eine Gedenkrede zur Feier der Aufstellung eines Denkmals für denselben in den Arkaden der Wiener Universität, gehalten am 24. Mai 1903, Wien und Leipzig 1903.
  • Kitzmüller 1987: Hans Kitzmüller, Alfonso Canciani in Wien, CA-BV Wien, Ausstellung vom 11. 5. bis zum 27. 5. 87.
  • Donath 1913: Adolph Donath, Alfons Canciani in: Das Kunstgewerbe, 1913.

Weblinks

Galerie



Hanna Sumislawska-Glessner, Verena Sulzbachner