Denkmal Karl Langer von Edenberg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, von Alfonso Canciani, 1903 enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 108, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, Ansicht von der Seite.

Das Denkmal für den Mediziner Karl Langer von Edenberg (1819-1887) wurde von dem Bildhauer Alfonso Canciani (1863-1955) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 24. Mai 1903 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal von Karl Langer Ritter von Edenberg (Abb. 1, 3) befindet sich wandseitig im rechten Gang des Arkadenhofes der Universität Wien, zwischen den Stiegen VIII und X auf Platz Nummer 108.[1]

Der Mediziner Langer ist als Halbfigur bis zur Hüfte vollplastisch dargestellt. Während er sein Kinn in Denkerpose in seine rechte Hand stützt, blickt er auf den vor sich liegenden Totenschädel. Der Griff seiner Linken an den Schädel bezeugt seine Vertrautheit mit der Materie und macht deutlich, dass seine Gedankenarbeit diesem Objekt gewidmet ist. Ein weiterer Verweis auf seine medizinisch-anatomische Tätigkeit ist der hochgeschlossene Chirurgenkittel. Dieses Gewand schlägt am Oberkörper leichte senkrechte Falten. An den hochgekrempelten Ärmeln liegt der Stoff durch die Bewegung der Figur stärker in Falten. Der Kopf ist geneigt und die untere Partie durch eine Hand verdeckt. Durch den hohen Haaransatz und die Falten um die Augenpartie macht der Künstler Canciani deutlich, dass er den Betrachtern den Anatomen als arrivierten Professor im fortgeschrittenen Alter vorstellt.

Abb. 4: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, Detail Postament.

Die Halbfigur Langers (Höhe ca. 77cm) ist aus Bronze gefertigt und auf ein einfaches Postament aus dunkelgrauem Stein montiert (Abb. 4). Der Schaft hat eine leichte konvexe Krümmung und verjüngt sich nach oben. Die Höhe des Schafts beträgt 145 cm, seine Breite hat an der unteren Stelle 58 cm und im oberen Ende des Postaments 46 cm.

Die Inschrift auf dem Postament lautet: KARL LANGER, RITT. v. EDENBERG, 1819-1887, PROFESSOR, DER ANATOMIE AN DER UNIVERSITÄT, WIEN 1870-1887. Die Künstlersignatur befindet sich auf der rechten Seite der Figur und ist mit „a. canciani 1902“ ausgeführt (Abb. 5).
Abb. 5: Denkmal Karl Langer von Edenberg im Arkadenhof der Universität Wien, Detail Künstlersignatur.

Notizen zur dargestellten Person

Karl Langer, Ritter von Edenberg wurde am 15. April 1819 in Wien geboren und ist am 7. Dezember 1887 ebendort gestorben. Ab 1856 war er ordentlicher Professor an der medizinisch-chirurgischen Josephsakademie (Josephinum). Im Jahr 1870 folgte er dem Ruf auf die neuerrichtete 2. Lehrkanzel für Anatomie an der Universität Wien. Kurz darauf, im Jahr 1874 übernahm er hier die 1. Lehrkanzel.In den Studienjahren 1871/72 bis 1873/74 hatte er die Funktion des Dekans inne. 1875/76 war er Rektor der Universität.[2]

Sein Forschungsschwerpunkt lag in der physiologischen Anatomie. Darüberhinaus arbeitete Langer an der Reform der medizinischen Rigorosenordnung (1872) mit.

Entstehungsgeschichte

Am 9. März 1901 stellten die Professoren Carl Toldt und Emil Zuckerkandl auf der Sitzung des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät der Wiener Universität den Antrag zu Ehren Prof. Karl Langers Ritter von Edenberg ein Denkmal im Arkadenhof der Universität zu errichten. Nachdem der Vorschlag fast einstimmig angenommen wurden, wandte sich der Dekan der Fakultät Carl Toldt an den Akademischen Senat wegen der Genehmigung der Aufstellung eines Denkmals und an das k. u. k. Ministerium für Kultur und Unterricht wegen der Übernahme der Mittel für die Ausführung des Denkmals.[3]

Der mit der Ausführung des Denkmals beauftragte Künstler Alfonso Canciani musste sein Konzept mehrfach überarbeiten. Erst nachdem die Gutachter Caspar von Zumbusch und Otto König das Denkmalmodell für gut befunden hatten, wurde im Oktober 1902 die endgültige Zustimmung zur Ausführung des Denkmals gegeben.[4]

Der von Toldt vorgeschlagene Termin für die Enthüllung des Denkmals am 7. Dezember 1902, dem Todestag Langers, konnte dadurch nicht eingehalten werden.[5] Stattdessen fanden die Feierlichkeiten am 24. Mai 1903 statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Toldt eine bewegende Gedenkrede, die er mit diesen Worten beendete:

"Möge dieses Kunstwerk in seiner einfachen und würdigen Form das Andenken an den Dahingeschiedenen in unserer Alma mater wach erhalten und vielen Generationen von Lehrern und Schülern das Vorbild eines ebenso bescheidenen als erfolgreichen Gelehrten, eines pflichtgetreuen Lehrers, eines edlen und charaktervollen Mannes verkörpern."[6]

Dieses Zitat veranschaulicht heute gut, welche Aufgabe die Auftraggeber den Denkmälern im Arkadenhof zugedacht hatten.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Langer v. Edenberg, Karl (15.04.1819-07.12.1887; Anatomie), Lichtdruck, Fotograf: J. Löwy, o. J., Format: 28,5 x 21 (50 x 32,5 inkl. Rahmen).

Das Denkmal Karl Langers von Edenberg ist als Halbfigur ausgeführt. Die Figur wirkt einerseits in sich gekehrt, durch die hängenden Schulter und den nach unten geneigten Kopf, andererseits strahlt sie Energie aus. Man spürt geradezu wie Langer angestrengt über wissenschaftliche Themenbereiche nachdenkt. Dies kommt auch in der Hand die das Kinn stützt vorteilhaft zur Geltung. Die Muskeln im Unterarm sowie in den Fingern sind angespannt, so dass der Griff Langers an sein Kinn für den Betrachter "spürbar" wird. Der Blick ist auf den Totenschädel gerichtet, welchen er mit der linken Hand hält. Die Gesichtszüge Langers ebenso wie der Totenkopf sind stark ausgeprägt. Durch Langers gesenkten Blick und seine Konzentration auf sein anatomisches Untersuchungsobjekt entsteht für den Betrachter das Bild eines Wissenschaftlers und Denkers. Die von Canciani gewählte Denkerpose mit aufgestützten Kinn und Betonung des Muskelspiels erinnert wahrscheinlich nicht zufällig an Rodins Denker, die 1902 entstanden ist.

Vergleicht man die Gesichtszüge Langers im Denkmal mit denen einer Fotografie (Abb. 6) findet man vieles in der Figur wieder. Das Haar ist nach hinten gekämmt und liegt ordentlich auf dem Kopf auf. Die Übereinstimmung der hohen Stirn in Foto und Denkmal verleiht der Darstellung einen überzeugenden Naturalismus. Langers schmales Gesicht ist mit einer markanten Nase und einer hohen Stirn ausgestattet. Die buschigen Augenbrauen und der prachtvolle Schnurrbart ergänzen das bekannte Porträt des Gelehrten.

In zeitgenössischen Kritiken wird die Fähigkeit des Künstler, lebendig wirkende Skulpturen zu schaffen, besonders hervorgehoben. Remigio Marinis Aussage zu den Porträts von Canciani: "(Man erinnere) sich an seine zahlreichen lebendig-durchdringenden Porträts, die eine kristallklare, ganz persönliche Proportionalität aufweisen, welche, jedoch zugleich unseren klassischen Epochen entspricht."[7] Für den Kunstkritiker Adolph Donath ist Canciani "ein Meister der klassischen Linie und ein Meister der starken Empfindungen. Seine Bildnisse leben."[8]

Abb. 7: Caspar von Zumbusch, Büste: Theodor Billroth (1829-1894), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 130, 1897 enthüllt.

An einigen Denkmälern im Arkadenhof ist eine ähnlich starke Gestik vorzufinden wie bei Langers Halbfigur. Ein Bespiel dafür ist das Denkmal für Theodor Billroth von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (Abb. 7). Ähnlich wie Langer ist Theodor Billroth als Halbfigur ausgeführt. In beiden Denkmälern ist ein Hinweis auf die jeweilige wissenschaftlich-medizinische Tätigkeit zum Ausdruck gebracht. Anders als Billroth, der auf einer Lehrkanzel zu stehen scheint und von einer Ädikula mit Rundbogennische und dreieckigem Giebel gerahmt wird, ist Langer von Edenberg schlichter dargestellt. Der Bildhauer Alfonso Canciani verzichtete bei seiner Personendarstellung auf alles unnötige Beiwerk, vielmehr fokussiert er auf die Sichtbarmachung von Langers an sich nicht sichtbarer Gedankenarbeit.

Eine weitere vergleichbare Bronzefigur befindet sich an der Ecke im Quergang des Arkadenhofes der Universität Wien. Es handelt sich dabei um die freistehende Plastik von Anton Hanak zu Ehren Emil Zuckerkandls (Abb. 8). Zuckerkandl war ebenso wie Langer ein Anatom und daher in Arbeitskleidung gehüllt. Die aufgekrempelten Ärmel sind in beiden Denkmälern zu finden. Die Figur Zuckerkandls ist dynamisch im Schritt nach vorne dargestellt, während Langer in sich gekehrt wirkt, dennoch besitzen beide Denkmäler einen kraftvollen Ausdruck.

Alfonso Canciani hat noch ein weiteres Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien gestaltet. Es handelt sich dabei um das Denkmal Hugo Weidels (Abb. 9). Ganz anders als die Halbfigur für Karl Langer von Edenberg, wurde das Denkmal Weidels als Gedenktafel mit dem Geehrten im Relief ausgeführt. Es handelt sich ebenfalls um eine Bronzedarstellung. Weidel ist als Chemiker während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ausgeführt. Sein Gesichtsausdruck ist dabei konzentriert. Die Hände erinnern in ihrer Feingliedrigkeit an das Denkmal Langers, in welchem die Finger den Schädel umschließen. Weidel wurde ebenfalls in einem in Falten gelegten Arbeitsmantel dargestellt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Von einer Demontierung oder Verstellung des Denkmals ist nichts bekannt.

Quellen

  • UAW Senat S 95.2, Schachtel 61.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, Nr. 13917, 25. Mai 1903, S. 5.
  • Die Zeit, Nr. 235, 25. Mai 1903, S. 4.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 84.
  2. Maisel 2007, S. 84.
  3. UAW Senat S 95.2,Z.3501 und Z 685.
  4. UAW Senat S 95.2, Z 33.012.
  5. UAW Senat S 95.2, Prot.-Nr. 3977.
  6. Toldt 1903, S. 23.
  7. Kitzmüller 1987, S. 3.
  8. Donath 1913.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Toldt 1903: Toldt Carl, Carl Langer, Ritter v. Edenberg. Eine Gedenkrede zur Feier der Aufstellung eines Denkmals für denselben in den Arkaden der Wiener Universität, gehalten am 24. Mai 1903, Wien und Leipzig 1903.
  • Kitzmüller 1987: Hans Kitzmüller, Alfonso Canciani in Wien, CA-BV Wien, Ausstellung vom 11. 5. bis zum 27. 5. 87.
  • Donath 1913: Adolph Donath, Alfons Canciani in: Das Kunstgewerbe, 1913.

Weblinks

Galerie


Hanna Sumislawska-Glessner, Verena Sulzbachner