Denkmal Karl Landsteiner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Arnold Hartig, Gedenktafel Karl Landsteiner, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 73, 1961 enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 73, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Karl Landsteiner (1868-1943) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig (1878-1972) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und im Rahmen des 8. internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Haematologie am 28. August 1961 enthüllt.[1]

Beschreibung

Abb. 3: Arnold Hartig, Gedenktafel Karl Landsteiner, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 73, 1961 enthüllt, Detail: Signatur.

Das Denkmal für Karl Landsteiner besteht aus einer Steinplatte auf der ein Bronzemedaillon eingefügt ist (Abb. 1). Das Medaillon beinhaltet Karl Landsteiners Kopf im Profil. Eine in der Tafel eingravierte, vergoldete Inschrift weist auf seinen Namen und seine Verdienste hin: „Karl Landsteiner Der Entdecker der Blutgruppen 1868-1943“. Das Denkmal befindet sich auf Platz 73 im Arkadenhof der Universität Wien.[2]

Die Steinplatte ist ca. 100 cm hoch und 67,5 cm breit, wobei die Tiefe 2 cm misst. Das Bronzemedaillon selbst hat einen Durchmesser von ca. 47 cm und dabei eine Tiefe von 5,5 cm.[3]

Das Bronzemedaillon zeigt Landsteiners Kopf und Hals in einem engen Ausschnitt. Er trägt ein Hemd dessen Kragen zu sehen ist, sowie eine Krawatte bei der man den Krawattenknopf sieht. Zusätzlich ist er noch mit einem Jackett bekleidet, das Revers ist etwas sichtbar. Landsteiner trägt einen Schnurrbart der akkurat gestutzt ist. Auch sein Kopfhaar ist in einen ordentlichen Seitenscheitel gekämmt. Das Gesicht ist von Falten gezeichnet, dies lässt auf ein fortgeschrittenes Alter schließen. Insgesamt ist der Stil des Denkmals klar im Aufbau und dabei detailreich gestaltet. Die Oberfläche des Medaillons ist von glatter Beschaffenheit. Auf der rechten Seite neben dem Nacken Landsteiners befindet sich die Signatur des Bildhauers Arnold Hartig in Blockbuchstaben (Abb. 3).

Notizen zur dargestellten Person

Karl Landsteiner wurde am 14.6.1869 Wien geboren und ist am 26.6.1943 in New York gestorben. Er war Assistent am Pathologisch-anatomischen Institut, wo ihm 1901 die Entdeckung der klassischen Blutgrupppen (A, B, 0) gelang. 1903 habilitiert wurde er 1911 außerordentlichen Professor an der Universität. Zunächst in den Niederlanden, zog es ihn 1922 nach New York, an das Rockefeller-Institut. Landsteiner forschte gemeinsam mit seinen Schülern und entdeckte schließlich den Rhesusfaktor und damit ermöglichte er Bluttransfusionen.[4]

Karl Landsteiner war ein österreichischer Pathologe und Serologe, der 1901 das AB0-System der Blutgruppen entdeckte. Aus diesem Grunde wurde ihm 1930 der Nobelpreis für Medizin verliehen. Er gilt als Begründer der Immunhämatologie.[5]

Entstehungsgeschichte

Dem Durcheinander, das der zweite Weltkrieg und Hitler verursacht hatten, war es geschuldet, dass die Nachricht von Karl Landsteiners Tod erst Jahre später bis nach Wien drang. Neben anderen Ehrungen wurde Landsteiner im Rahmen des achten Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Hämatologie auch im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal gesetzt. Bildhauer war Prof. Arnold Hartig, der ein Relief gestaltete, welches am 28. August 1961 feierlich enthüllt wurde. Das Denkmal wurde durch Förderungen diverser wissenschaftlicher Gesellschaften finanziert.[6]

Dekan Prof. DDr. H. Hayek begründet die Beantragung der Gedenktafel für Karl Landsteiner im Namen des Professorenkollegiums wie folgt: “Eine detaillierte Begründung für diese Ehrung des für alle Zeit in der Medizinischen Wissenschaft aber auch in der praktischen Medizin durch die Entdeckung der menschlichen Blutgruppen fortlebenden hervorragenden Gelehrten und Nobelpreisträgers erübrigt sich wohl. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass 1961 gerade 60 Jahre verflossen sein werden, seit Landsteiner‘s (damals Assistent Anton Weichselbaum‘s am Pathologisch-anatomischen Institut) erste Publikation über die klassischen Blutgruppen erschienen ist und im kommenden Sommer der 8. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Haematologie in Wien stattfinden wird. Angesichts der Tatsache, dass Landsteiners Entdeckung gerade auch für die Haematologie von besonderer Bedeutung war, schlägt die Medizinische Fakultät vor, die Enthüllung dieser Gedenktafel im Rahmen des Kongresses dieser Gesellschaft vorzunehmen.“[7]

Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates am 14. Januar 1961: “Senator Prof. Chiari betont, daß die Kostenfrage der Gedenktafel bereits gelöst ist und daß er gemeinsam mit Prof. Eichler, dem Vorstand des Kunstausschusses, auch über den Ort der Anbringung dieser Tafel beraten habe (im rechten Winkel beim Medizinischen Dekanat auf einem Pfeiler, wo die Sonne von rechts einfällt).“[8] In der selben Sitzung wird die Errichtung der Gedenktafel genehmigt.[9]

Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates am 25. März 1961: „Die Anbringung eines Gedenkmedaillons für den Entdecker der Blutgruppen und Nobelpreisträger Landsteiner im Arkadenhof wurde nach Besichtigung des Gipsmodells im Atelier von Prof. Hartig zugestimmt.“[10]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 4: Karl Landsteiner, ©ÖNB.

Bei dem Denkmal zu Ehren Karl Landsteiners handelt es sich um ein Reliefmedaillon. Der Portraitierte ist im Profil dargestellt. Vergleicht man nun eine Fotografie Landsteiners (Abb. 4) mit seinem Denkmal im Arkadenhof, fallen einige Gemeinsamkeiten ins Auge. Sowohl auf dem Portrait als auch auf der Medaille trägt Karl Landsteiner ein Sakko mit Hemd und Krawatte. Zu dem konservativen Erscheinungsbild trägt ebenfalls der strenge Seitenscheitel bei, der ebenfalls auf beiden Abbildungen vorzufinden ist. Ist der Blick im Portrait gerade heraus, so sind die Augen beim Reliefmedaillon nach oben gerichtet. In beiden Fällen sind die Augen allerdings von dichten Augenbrauen gerahmt. Der Schnurrbart Landsteiners ist ebenfalls identisch, wenn man die beiden Portraits vergleicht. Er ist an den Enden nach unten getrimmt und betont dabei stark das kantige Kinn. Die Ohren sind allerdings nicht naturgetreu ausgeführt worden. Auf einer Fotografie in welcher Landsteiner im Profil gezeigt ist (Abb. 10, 11) hat das Ohr oben eine leichte Spitze, wohingegen das Ohr im Relief eine perfekte Rundung aufweist. Landsteiners Erscheinungsbild ist sowohl in der Fotografie, als auch auf der Gedenktafel im Arkadenhof der Universität Wien, seriös und ernsthaft.

Der österreichische Bildhauer Arnold Hartig hat noch weitere Denkmäler für den Arkadenhof der Universität Wien gestaltet (Abb. 5, 7, 8, 9). Dabei handelt es sich jeweils ebenfalls um Reliefmedaillons für Gustav Riehl (Platz Nummer 92), für Alfons Dopsch (Platz Nummer 117), für Rudolf von Scherer (Platz Nummer 142) und für Franz Martin Schindler (Platz Nummer 143).[11] Alle fünf Kunstwerke sind Reliefmedaillons in Portraitansicht der Geehrten. Sie alle folgen dem Typus der "imago clipeata".[12]

Abb. 5: Arnold Hartig, Porträtrelief Gustav Riehl, 1954, Bronze, Dm.: 46 cm, Arkadenhof der Universität Wien.

Gustav Riehl war nicht nur ein Zeitgenosse Landsteiners, sondern ebenfalls Mediziner, genauer gesagt ein Dermatologe. Die 1954 in den Arkaden der Universität Wien aufgehängte Gedenktafel (Abb. 5) befindet sich hofseitig an einer Mauer. Sieben Jahre später wurde das Landsteiner Denkmal ebenfalls näher zum Hof aufgehängt, allerdings besteht zwischen den Portraits kein Blickkontakt. Die beiden Denkmäler sind sehr ähnlich ausgeführt. Die Köpfe der beiden Geehrten sind im Profil nach links gerichtet dargestellt und dabei in ein kreisrundes Medaillon aus Bronze eingeschrieben. Darunter befindet sich in goldenen Buchstaben die Inschrift mit Namen, Berufsbezeichnung und Lebensdaten. Ein wesentlicher Unterschied ist die Oberflächenbehandlung der Medaillons. Karl Landsteiner ist detaillierter und dabei naturalistischer ausgeführt. Die Haare lassen Strähnen erkennen und das Gesicht Falten. Gustav Riehls Kopf ist dagegen gröber behauen und er wirkt distanzierter als es bei Landsteiner der Fall ist. Riehls Hals ist nackt dargestellt, nichts lenkt von seinem Gesicht ab. Karl Landsteiner ist dagegen mit Kragen, Krawatte und Jackett ausgeführt und wirkt dadurch stärker aus dem Leben gegriffen und damit zugänglicher.

Abb. 6: Karl Landsteiner, Polio Hall of Fame

Eine weitere Darstellung Karl Landsteiners befindet sich in der Polio Hall auf Fame, in Georgia, USA (Abb. 6). Es handelt sich hierbei um eine Skulptur aus Bronze. Landsteiner ist hier ebenfalls mit Hemd, Krawatte und Sakko bekleidet. Der gekämmte Seitenscheitel ist ebenso wie auf der Fotografie und dem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien vorhanden. Im Unterschied zu den beiden hat Landsteiners Büste in der Polio Hall of Fame, allerdings einen nach oben gerichteten Schnurrbart. Die Büste ist leicht gedreht und Landsteiner weist einen konzentrierten Gesichtsausdruck auf.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Von einer Demontierung oder Verstellung des Denkmals ist nichts bekannt.

Quellen

UAW, Senat S 222.36 Landsteiner, Karl: Errichtung einer Gedenktafel im Arkadenhof der Universität Wien, 1960.12.12 - 1961.07.27 (Akt)

G.-Z. 162 Denkmäler, Studienjahr: 1960/61 Rektorat der Universität Wien. Landsteiner Karl Prof. Gedenktafel im Arkadenhof. Enthüllung Sommer 1961

Datum 12.12.1960 Z 66-60/61 Präs 13.12.

Rezeption in der Presse

Über eine Rezeption in der Presse ist nichts bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat S 222.36
  2. Maisel 2007, S. 67.
  3. Die Vermessung wurde von der Autorin, ohne professionelles Instrument vorgenommen und ist dementsprechend als Schätzung zu beurteilen.
  4. Maisel 2007, S. 67.
  5. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 822.
  6. Speiser/Smekal 1975, S. 88.
  7. UAW, Senat S 222.36
  8. UAW, Senat S 222.36
  9. UAW, Senat S 222.36
  10. UAW, Senat S 222.36, G.-Z. 162 Denkmäler, Studienjahr:1960/61, Rektorat der Universität Wien.
  11. Maisel 2007.
  12. Kunstlexikon von P. W. Hartmann: "Imago clipeata , von lateinisch imago, "Bildnis", und clipeus, "Rundschild". Bezeichnung für einen auf einem metallenen Rundschild angebrachten Bildniskopf. Es wurden meist berühmte Vorfahren, Militärs oder Konsuln auf diese Weise dargestellt. Von Konsul Appius Claudius Caecus (307-296 v. Chr.) ist überliefert, dass er Imago clipeata mit Darstellungen seiner Vorfahren den Göttern als Geschenk weihte. Seit dem 1. Jh. v. Chr. wurden Imagines clipeata auch in Stein gehauen, als Schmuckform auf Pfeilern. Seit dieser Zeit gibt es Ausführungen, bei denen das Bildnis in einer konkav ausgeführten Scheibe eingesetzt ist. Solche Darstellungen sind in der * frühchristlichen Kunst u. a. auch von Christus und Bischöfen zu finden."

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Speiser/Smekal 1975: Paul Speiser/Ferdinand G. Smekal (Hg.), Karl Landsteiner. Entdecker der Blutgruppen und Pionier der Immunologie. Biographie eines Nobelpreisträgers aus der Wiener Medizinischen Schule (2. vollständig überarbeitete Auflage), Wien 1975.
  • Tragl 2011: Karl Heinz Tragl, Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien seit 1838 als Geschichte der Medizin in Wien, Wien 2011, S. 142-143.

Weblinks

Galerie



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