Denkmal Karl Anton von Martini

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Denkmal Karl Anton von Martini, Arkadenhof der Universität Wien, Hans Mauer, 1917 enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 50, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen, Rechtslehrer, Justiz- und Bildungsreformer Karl Anton von Martini (1726-1800) wurde von Hans Mauer (1879-1962) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. August 1917 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Inschrift am Denkmal Karl Anton von Martini, Arkadenhof der Universität Wien, 1885, Hans Mauer

Die Büste zu Ehren Karl Anton von Martinis befindet sich eingebettet in eine hochformatige rechteckige Platte, welche nach oben hin in runder Form abschließt. Das Denkmal ist aus insgesamt fünf Teilen zusammengesetzt. In die bereits erwähnte rechteckige Platte ist ein Oval eingeschrieben, in dessen Mitte sich wiederum die plastisch ausgeformte Büste befindet. Der Schlussstein des Ovals befindet sich genau oberhalb des Kopfes von Martini. Die Büste selbst steht auf einem sehr klein ausgeführten Postament auf welchem der Name "Carl Anton Freiherr von Martini", sowie die Lebensdaten "1726-1800" vermerkt sind. Darunter befindet sich das eigentliche Inschriftenfeld, in welchem auf die wissenschaftliche Leistung des Geehrten mit folgenden Worten Bezug genommen wird: "Professor des Natur- und roemischen Rechtes Verfasser des Vorentwurfes zum Allgemeinen Buergerlichen Gesetzbuch". Dieses Inschriftenfeld ist nochmal eigens gerahmt und nach vorne gewölbt, den unteren Abschluss des Rahmens bilden zu einer sanften Spitze zulaufende Wellen.

Bei der Büste von Karl Anton von Martini handelt es sich um ein Schulterstück. Der Portraitierte ist mit Kopf und Oberkörper bis zur Brusthöhe inklusive eines Stückes seiner Arme dargestellt. Während der Körper frontal ausgerichtet ist, befindet sich der Kopf in einer seitwärts Drehung. Martini ist mit einem konservativen Jackett bekleidet und trägt darunter ein Weste, wobei der oberste Knopf zu sehen ist. Abgerundet wird seine modische Erscheinung mit einem Halstuch, welches bis zum Kragen reicht, der direkt unterhalb des Kinnes beginnt. Das Gesicht ist ansehnlich ausgeführt, es besitzt große Augen, eine kantige Nase sowie ein von Grübchen geschmücktes Kinn. Der stattliche Anblick wird von dezenten Augenbrauen, sowie ordentlich frisierter Haare unterstützt. Martini trägt dem Stil seiner Zeit angepasst einen Mittelscheitel und sanfte Wellen im Haar.

Das Denkmal wurde auf einer Höhe von 180 cm angebracht. Es besteht aus glatt gehaltenem, hellem Marmor. Die hochformatige rechteckige Platte ist 132 cm hoch und 83 cm breit und weist eine Wölbung nach vorne auf. Die Büste selbst ist ca. 70 cm hoch und ca. 50 cm breit, dabei etwa 30 cm tief.

Notizen zur dargestellten Person

Karl Anton von Martini lebte von 1726 bis 1800. Er war seit 1754 Professor an der Universität Wien und lehrte Natur- und Römisches Recht. Darüber hinaus bekleidete er noch weitere einflussreiche Stelle. Er war seit 1754 Hofrat bei der obersten Justizstelle, seit 1782 Staatsrat und unter Kaiser Leopold II. ab 1797 Präsident der Hofkommission für Gesetzessachen. Fünf Jahre zuvor 1795 wurde er zweiter Präsident der obersten Justizstelle. Martini entwarf das westgalizische Gesetzbuch von 1796 auf welches das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) von 1811 aufbaut. Als fortschrittlicher Denker beteiligte er sich kurze Zeit erfolgreich an Universitätsreformen zur Zeit Leopolds II.. Grundlage für Martinis Ausführungen zu Rechts- und Staatsphilosophie war das Naturrecht.[1]

Entstehungsgeschichte

Abb. 4: Martini, Karl Anton Frh. v. (15.08.1726-07.08.1800; Naturrecht, Römisches Recht), Zeichnung: F. C. Krüger, Stich: Berol, o.J..

Der Rektor informierte die artistische Kommission am 12. Februar 1912 schriftlich mit folgenden Worten: „Laut Mitteilung des Herrn Dekans der juridischen Fakultät hat das Komitee für die Jahrhundertfeier des a.b.G.B. einen Betrag von 4.153 Kronen zur Errichtung eines Denkmals für Freiherrn von Martini, den ehemaligen Professor des Naturrechtes an der Wr. Universität gewidmet und das Professoren-Kollegium der genannten Fakultät in der Sitzung vom 11. Dezember 1911 beschlossen, diese Widmung anzunehmen."[2] Der Antrag zur Bewilligung der Errichtung des Denkmals für Freiherrn von Martini in den Arkaden der Universität Wien wurde am 17.01.1912 gestellt.[3] Der Rektor schrieb an die artistische Kommission unter anderem folgende Zeilen: "Der akademische Senat hat in der Sitzung vom 9. Februar 1912 beschlossen, die Errichtung des Denkmales in den Arkaden der Universität prinzipiell zu genehmigen und die artistische Kommission einzuladen, im Einvernehmen mit der juridischen Fakultät einen Entwurf anfertigen zu lassen und einen Antrag bezüglich der Platzfrage zu stellen.“[4]

Die artistische Kommission entschied, dass der akademische Bildhauer Mauer die Inschrift für das Martini-Denkmal gestalten sollte.[5]

Der Rektor teilte dem Bildhauer Hans Mauer am 23. Juni 1914 folgendes mit: „Der akademische Senat hat in der Sitzung vom 19. Juni 1914 über Antrag der artistischen Kommission den Entwurf für ein im Arkadenhofe der Wiener Universität zur Aufstellung gelangendes Denkmal für den Professor des Naturrechtes Karl Anton Freiherrn von Martini genehmigt und Sie mit der Ausführung derselben betraut. Der in der k. k. Universitäts-Quästur erliegende Betrag von zirka 4500 Kronen wird Ihnen unter der Bedingung zugesichert, dass Sie sich schriftlich verpflichten, das Denkmal und seine Umrahmung herzustellen und die Aufstellungskosten zu tragen, so dass der Universität keine weiteren Kosten mehr erwachsen. Als Aufstellungsplatz wird der von Ihnen vorgeschlagene Pfeiler links vom Glaser-Denkmal und rechts von der Adolf Exnerbüste auf der Juristenseite des Arkadenhofes der Wiener Universität genehmigt.“[6]

Der Bildhauer Hans Mauer erklärt sich in seinem Antwortschreiben vom 26. Juni 1914 einverstanden mit den genannten Bedingungen und versicherte, dass er die Aufstellungsarbeiten spätestens im Dezember 1914 beendet haben wird. Er werde die Inschrift nach den Wünschen von Prof. Wieser anfertigen. [7]

Die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät ließ einen Betrag von K 1000,--, an den Bildhauer Hans Mauer, Währingerstraße 5, Wien IX., auszahlen.[8] Der Obmann der artistischen Kommission stellte Mauer einen weiteren Betrag in Aussicht, wenn er die Martini-Büste mit Ausnahme der Schrift fertiggestellt habe.[9] Am 12.07.1917 erfolgte eine weitere Auszahlung an Hans Mauer in Höhe von K 1050 h 90.[10] Der Bildhauer erbat nach Fertigstellung des Denkmals, die tatsächlich erst im Jahre 1917 erfolgte, um Überweisung seines Honorars.[11]

Die feierliche Zeremonie der Aufstellung fand am 7. August 1917 in den Arkaden der Universität Wien statt. Die Büste wurde zwischen den Denkmälern der Universitätsprofessoren Adolf Exner (Maisel 2007: Nr. 49) und Richard Heinzel (Maisel 2007: Nr. 53) aufgestellt.[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5: Denkmal Friedrich Jodl im Arkadenhof der Universität Wien, von Hans Mauer, enthüllt 1924.

Die Büste Karl Anton von Martinis (Abb. 1) im Arkadenhof der Universität Wien wurde über der Augenhöhe des Betrachters angebracht. Dadurch erscheint die Büste mitsamt seinem ausgefallenen Rahmen äußerst erhaben und herrschaftlich. Vergleicht man das äußere Erscheinungsbild der Büste mit einem Stich von Martini (Abb. 4), stimmen sowohl der Gesichtsausdruck als auch die Art und Weise der Körperhaltung überein. Selbst Details wie das mittig gescheitelte Haar, sowie die breite Nase und das Grübchen am Kinn sind vorhanden. Die Kleidung, von zeitloser Eleganz, ist ebenfalls auf beiden Darstellungen festgehalten. Ist der Körper der Büste, mit Ausnahme des Kopfes, frontal ausgerichtet, so findet sich diese Haltung nicht identisch auf dem Stich wieder. Während Martini den einen Arm aufstützt und den Oberkörper in die eine Richtung wendet, neigt er den Kopf in die entgegengesetzte Richtung.

Das Denkmal zu Ehren Karl Anton von Martinis wurde erst 1912 in Auftrag gegeben, also mehr als 100 Jahre nach seinem Tod. Ähnlich verhält es sich bei dem Denkmal für den niederländischen Arzt und Naturforscher Jan Ingen-Housz, welches von dem Bildhauer Franz Seifert gestaltet wurde. Er verstarb im Jahre 1799, seine Büste wurde allerdings erst 1905 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Der Bildhauer Hans Mauer hat im Arkadenhof der Universität Wien ein weiteres Denkmal geschaffen. Der Geehrte ist in diesem Fall Friedrich Jodl (Abb. 5). Während sich die Büste Martinis seit 1917 auf der linken Gangseite des Arkadenhofes befindet, wurde der Portraitkopf Jodls sieben Jahre später im Quergang aufgestellt. Trotz der unterschiedlichen Wahl des Büstenabschnittes, sind einige stilistische Übereinstimmungen zu finden. Sowohl die Augen, als auch Nase und Kinn sind in vergleichbarer Weise gearbeitet. Das Haar Jodls hat ebensolche Wellen wie Martinis. Der Portraitkopf Jodls wurde vom Bildhauer Mauer naturalistischer ausgeführt, als dies bei dem Martini Denkmal der Fall ist.

Abb. 6: Relief am Denkmal für Kaiserin Maria Theresia am Wiener Maria-Theresien-Platz, von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, 1874-1888, Im Relief zu sehen sind: Antal Grassalkovich I., Samuel von Bruckenthal, Paul Joseph von Riegger, Joseph von Sonnenfels und Karl Anton von Martini (ganz rechts im Bild).

Karl Anton von Martini findet sich auch andernorts in Wien und zwar am Denkmal der Kaiserin Maria Theresia (Abb. 6) im ersten Wiener Gemeindebezirk am Maria-Theresien-Platz, welcher sich zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum befindet. Das Relief zeigt neben drei anderen Herren auch Karl Anton von Martini welcher sich auf der ganz rechten Seite in stehender Position, etwa lebensgroß, befindet. Im Unterschied zur plastischen Ausführung der Büste im Arkadenhof der Universität Wien, handelt es sich in diesem Fall um ein Ganzkörperportrait, welches in ein Relief eingeschrieben ist. Der Ausdrucksgehalt ist um ein vielfaches stärker als im Arkadenhof der Universität Wien. Sowohl die Körperhaltung als auch der Gesichtsausdruck sind von einer unheimlichen Dynamik und Lebendigkeit, wie es die Büste auszudrücken nicht vermag. Dennoch erkennt man, dass es sich um dieselbe Person handeln muss. Sowohl das Haar, als auch Gesichtszüge und Kleidung entsprechen sich gegenseitig in beiden Denkmälern.

Abb. 7: Denkmal Melchior Neumayr, von Karl Kundmann, Nr. 48, 1892 enthüllt.

Der Arkadenhof der Universität Wien bietet noch weitere Denkmäler, die in ähnlicher Weise wie Hans Mauers Darstellung der Büste Martinis ausgeführt sind. Gleich zwei Denkmäler weiter auf Platz Nr. 48[13] beispielsweise wurde Melchior Neumayr geehrt (Abb. 7). Die Büste wurde von Karl Kundmann gestaltet und 1892 enthüllt, also noch vor dem Martini-Denkmal. Wenngleich Büstenform und Haltung sich entsprechen, wurde das Denkmal Neumayr wesentlich aufwändiger ausgeführt. Allein der Rahmen ist durch seinen floralen Schmuck ein Blickfang. Auch ist das kleine Postament ein wesentlicher Bestandteil der Präsentation und nicht nur füllendes Beiwerk.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Von einer Demontierung oder Verstellung des Denkmals ist nichts bekannt.

Quellen

  • Senat S 87.4.9

(frühere Signatur: GZ 554 aus 1911/12)

  • Senat S 87.4.20

(frühere Signatur: GZ 919 aus 1913/14)

Rezeption in der Presse

  • Fremden-Blatt, Wien, Jahrgang 71, Nr. 215, 7. August 1917, S. 2: Nachricht über die Errichtung des Denkmales im Arkadenhof der Universität Wien.
  • Reichspost, Wien, Jahrgang XXIV, Nr. 362, 7. August 1917, S. 2: Nachricht über die Errichtung des Denkmales im Arkadenhof der Universität Wien.
  • Wiener Zeitung, Nr. 180, 8. August 1917, S. 3: Nachricht über die Errichtung des Denkmales am 7. August 1917 im Arkadenhof der Universität Wien.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 55-56.
  2. UAW S. 87.4.9, Schreiben des Rektors an die artistische Kommission des akademischen Senates, 12.02.1012.
  3. UAW S 87.4.9, Schreiben des Dekans an den akademischen Senat der k.k. Universität Wien, 17.01.1912.
  4. UAW S. 87.4.9, Schreiben des Rektors an die artistische Kommission des akademischen Senates, 12.02.1012.
  5. UAW S 88.4, Schreiben an Prof. Dr. Friedrich Freiherr von Wieser vom Rektor, 07.12.1914.
  6. UAW S 87.4.20, Schreiben an Hans Mauer, 23.06.1914.
  7. UAW S 87.4.20, Schreiben von Hans Mauer, 26.06.1914.
  8. Schreiben des Dekans der rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät, 29.01.1915.
  9. Schreiben des Obmanns der artistischen Kommission, 20.07.1915.
  10. Schreiben der Universitäts-Quästur Wien, 19.07.1917.
  11. UAW S 88.4, Schreiben des Rektors an den Dekan der rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät, 20.10.1917.
  12. Fremden-Blatt, Wien, Nr. 215, 7. August 1917, S. 2.; Reichspost, Wien, Jahrgang XXIV, Nr. 362, S. 2.
  13. Maisel 2007, S. 54.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 55-56.

Weblinks


David Berger, Verena Sulzbachner