Denkmal Kaiser Franz Joseph I

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Feststiege, Universität Wien.

Die monumentale Statue Kaiser Franz Josephs des I, die über der Feststiege thront, wurde von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch 1886 geschaffen.

Beschreibung

Die südseitige 'Haupttreppe' (Stiege 1) erschloss seinerzeit die 'Juristenseite' des Hauses, hier befanden sich einst das Rechts- und Staatswissenschaftliche Dekanat und die entsprechenden Institute und Hörsäle. 1984 ist die Fakultät in das nahe 'Juridicum' übersiedelt.[1] Das Denkmal für Kaiser Franz Josef I ist an prominenter Stelle zwischen zwei seitlichen Treppenaufgängen und über einem Treppenabgang in großer Höhe platziert. Über dem Treppenabgang ist die Tafel mit dem Namen des Dargestellten angebracht "FRANCISCVS JOSEPHVS I". Die Figur selbst ist ein wenig überlebens groß. Der die Statue überformende Bogen erinnert an das Palladio-Motiv, da sie von zwei grauen, ionischen Säulen flankiert wird. Betrachtet man die Rückseite der Statue, sehen wir erneut zwei graue Säulen, also insgesamt vier, welche, jeweils die vordere und die hintere, ein angedeutetes Gesims tragen. Die Figur steht auf einer Platte, die auf einem Sockel aufliegt. Dieser verschmälert sich mit einem "Schwung" nach oben hin und schließt mit der Platte ab auf der das Denkmal positioniert ist. Der Sockel ist aus Sterzinger Marmor gefertigt.[2] Das Gewand ist in körperverhüllenden, bis zum Boden reichenden Falten ausgearbeitet. Der hintere Teil des Umhangs fällt sogar ein wenig über die Standplatte. Kaiser Franz Joseph I ist in fortgeschrittenem Alter mit charakteristischem Bart und schwindendem Haupthaar dargestellt. In seiner rechten Hand, vom Betrachter aus gesehen, hält er eine Schriftrolle, seine linke streckt sich gebieterisch-würdig, in meinen Augen fast einladend, leicht am Ellenbogen abgewinkelt, nach vorne. An der, von vorne gesehen, rechten Seite des kleinen Sockels auf dem die Figur des Kaisers steht, ist die Inschrift des Bildhauers angebracht. "C. v. ZUMBUSCH. FEC: 1886. " Das Denkmal für Theodor Billroth im Arkadenhof der Universität Wien ist demnach, später entstanden. In Wikipedia wird die Statue in das Jahr 1883 eingeordet. Möglich ist, dass Zumbusch die Statue 1883 begonnen und 1886 fertiggestellt hat.

Notizen zur dargestellten Person

1884 eröffnet Kaiser Franz Joseph I. das nach Plänen von Heinrich von Ferstel erbaute Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße. Der historistische Prunkbau ist den berühmten italienischen Universitäten der Renaissance nachempfunden. Der Anspruch, ein all umfassendes, zentrales Universitätsgebäude zu haben, wird nicht erfüllt, von Anfang an finden nicht alle Institute Platz. Die aufstrebende Wiener Medizinische Schule benötigt mehr Raum, bis 1915 entstehen zahlreiche Institutsgebäude in der Nähe des Hauptgebäudes.[3]

Entstehungsgeschichte

Der ganze Sommer 1884 wird bis auf einige Tage in Wien verbracht, ein vom Ministerium bestelltes, über drei Meter hohes Standbild des Kaisers für die neue Universität zu modellieren. Mit größtem Fleiß kann der unglaublich kurz gesetzte Termin (Juli bis Ende September) eingehalten werden, verschiebt man die Marmorausführung auf später. Anfang Oktober (schon werden Fundament und Platz für das Maria-Theresia-Monument hergestellt, schon sind fast alle Figuren in der Gießerei) findet die Eröffnung der Universität Wien statt; feierlich und erhebend ist sie, die Wirkung der Kaiserstatue eine gewaltige. "Sie ist vornehm, wundervoll," schreibt Freund Eitelberger, "die Portraitähnlichkeit läßt nichts zu wünschen übrig. Ich möchte Ihnen herzlichst Glück dazu wünschen. Schade, daß der arme Ferstel diesen Tag nicht mehr erleben konnte, denn seine Universität gehört zu den Perlen der modernen Architektur."[4]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb.2: Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Feststiege, Universität Wien.
Abb.3: Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Festsaal, TU Wien.
Abb.4: Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Feststiege, Sternwarte Wien.

Besonders zahlreich sind Darstellungen Franz Josephs im Vlies-Ornat. Vor allem monumentale Denkmäler in und bei öffentlichen Gebäuden zeigen den Herrscher im Ornat vom Goldenen Vlies (z.B. Caspar von Zumbusch, Universität Wien, Juristenstiege, 1888). Parallel zu den Uniformbildnissen des Kaisers schuf Anton Einsle (1801-1871) das erste offizielle Repräsentationsporträt Franz Josephs im Ornat vom Goldenen Vlies (1850). Die nüchterne Darstellung verzichtet auf Hoheitssymbole, verweist aber mit Globus und Plänen als Attributen auf die Gelehrsamkeit. Besondere Bedeutung können jene Darstellungen Franz Josephs im Vlies-Ornat beanspruchen, die aufgrund der Präsenz von Insignien bestimmte politische Aussagen transportieren: Der Ornat vom Goldenen Vlies unterstreicht dabei die Supranationalität, Insignien und Urkunden hingegen die konkreten Funktionen des Regenten.[5] Dies schreibt Werner Telesko in seinem Busch Geschichtsraum Österreich. Angewandt auf dieses Denkmal bedeutet das, dass der Kaiser als Person großer (öffentlicher) Macht präsentiert wird, allerdings auch, durch die Schriftrolle in seiner Hand, als weise und gelehrt. Eine weitere monumentale Statue befindet sich im Festsaal der technischen Universität Wien. Sie wurde etwas 10 Jahre später von R. Weyr angefertig und zeigt ebenfalls Kaiser Franz Joseph I, jedoch wesentlich energischer und schwungvoller. Man kann sogar die Spielbein Standbein Stellung erkennen die er einnimmt um trotz seiner starken Bewegung einen festen Stand zu haben. Bei der Statue in der Universität Wien bleibt die Beinstellung unter dem schweren Gewand verborgen. Hier ist nur die sehr würdevolle Geste zu sehen die der Kaiser mit seinem rechen Arm ausführt. In der linken Hand hält er eine Schriftrolle, im Gegensatz zu der Dartellung des Kaisers im TU-Festsaal. Dieser hält in seiner linken Hand das Reichszepter. Die rechte streckt er zwar ebenfalls nach vorne, doch diese Geste hat nichts mit der Ruhe und Gelassen der Kaiser Franz Joseph I Statue von Zumbusch gemein. Die Büste des Kaiser Franz Joseph I in der Sternwarte in Wien ist wieder 10 Jahre später entstanden. Sie wurde von E. v. Hofmann 1908 zum 60 Jährigen Regierungsjubiläum Franz Josephs geschaffen und zeigt den Kaiser bis zur Mitte der Brust vorraussehend in die Ferne blickend. Er trägt hochrangige Abzeichen an der Weste und möglicherweise einen Mantel. Als wäre er bereit zu einem öffentlichen, repräsentativen Ausritt. Sein Haupt ist kahl und der Schnauzbart sehr buschig dargestellt. Buschiger als bei den anderen Statuen. Bei der von Weyr ist der Backenbart stärker hervorgearbeitet, der Schnauzer ist eher schmal gehalte, hat dafür aber einen kecken Schwung. Bei der Statue von Zumbusch ist der Bart weniger kräftig herausgearbeitet, er scheint sehr verschmolzen mit dem Rest der Statue.

Ereignisse seit der Aufstellung

Es sind keine Veränderung seit der Aufstellung bekannt.

Einzelnachweise

  1. https://phaidra.univie.ac.at/detail_object/o:12066
  2. Caspar v. Zumbusch, Maria Kolisko, Amalthea Verlag, 1931, S.133.
  3. http://www.univie.ac.at/universitaet/geschichte/
  4. Caspar v. Zumbusch, Maria Kolisko, Amalthea Verlag, 1931, S.67.
  5. Geschichtsraum Österreich, Werner Telesko von Böhlau, Wien, 2006, S. 218.

Quellen

"Caspar v. Zumbusch", Maria Kolisko, Amalthea Verlag, 1931, S.67, 133.

"Geschichtsraum Österreich", Werner Telesko von Böhlau, Wien, 2006, S. 218.

Darstellungen

  • Abb.5: Detail: Künstlersignatur Zumbusch, Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Feststiege, Universität Wien.
  • Abb.6: Detail: Künstlersignatur Weyr, Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Festsaal, TU Wien.
  • Abb.7: Detail: Künstlersignatur Hofmann, Denkmal Kaiser Franz Joseph I, Feststiege, Sternwarte Wien.




Carina Schaffer, 2014SS