Denkmal Julius von Schlosser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Josef Thorak, Denkmal für Julius von Schlosser im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1955.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 94, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Die Porträtbüste des Kunsthistorikers Julius von Schlosser (1866-1938) wurde vermutlich Mitte der 1920er Jahre von dem Bildhauer Josef Thorak (1889-1952) angefertigt und von der Witwe für den Arkadenhof der Universität Wien zur Verfügung gestellt. Die Enthüllung des Denkmals erfolgte am 2. Juli 1955.

Beschreibung

Abb. 3: Denkmal für Julius von Schlosser, Arkadenhof der Universität Wien, von Josef Thorak, Inschrift.
Abb. 4: Schlosser Denkmal neben dem Denkmal der Astronomen Joseph Johann von Littrow und Karl von Littrow

Die Porträtbüste aus dunkler Bronze zeigt Julius Schlosser im Alter von etwa 55 Jahren. Die feinen Gesichtszüge wirken auf Grund der dunklen Farbe der Bronze weich. Erst bei genauerem Hinsehen werden die Falten im Bereich der Augen und um die Mundwinkel sichtbar. Auf der Nasenwurzel klemmt der Steg eines Zwickers, also einer Brille ohne Bügel. Die Brillengläser sind, wie es bei Porträtbüsten üblich ist, nichteinmal ansatzweise angedeutet. Die Augen sind mit Iris und Pupille gestaltet. Der Blick ist leicht gesenkt und lässt sich in Kombination mit den entspannten Gesichtszügen und den markanten Stirnfalten als ein in sich gekehrtes Nachdenken deuten. Der Brustbereich ist ohne Schultern dargestellt und so beschnitten, dass er nicht breiter als der Kopf ist. Die Kleidung ist seriös und förmlich. Schlosser trägt Hemd und Krawatte, darüber ein Gillet und - am angedeuteten Kragen erkenbar - ein Jackett.

Die Büste hat eine Höhe von etwa 50 cm und am unteren Rand eine Breite von 19,7 cm und eine Tiefe von 15,5 cm. Sie ist auf einem hellen Sockel aus matt geschliffenem Kalkstein montiert.[1] (Abb. 3) Der Sockel ist dreigeteilt. Der Fuß hat eine Höhe von 54,5 cm und eine Breite von 49,5 cm. Der Schaft ist 115,5 cm hoch und 35,9 cm breit. Die Büste steht auf einer 5,7 cm hohen und 29,9 cm breiten Plinthe. Die Inschrift des Sockels lautet: "Julius Schlosser Professor der Kunstgeschichte 1922 - 1938". (Abb. 3) Diese Inschrift wurde laut eines Dokuments des Archivs der Universität Wien in den Stein graviert und vergoldet.[2]

Das Denkmal für Julius Schlosser befindet sich unterhalb des Doppeldenkmals für die beiden Astronomen Joseph Johann von Littrow und Karl von Littrow und neben dem Denkmal für Sigmund Freud. (Abb. 4) Offensichtlich besteht ein formaler Zusammenhang zwischen dem Denkmal für Julius von Schlosser und dem Denkmal für Sigmund Freud. In beiden Fällen handelt es sich um dunkle Bronzebüsten, die auf hellen Sockeln stehen und beide haben ungefähr die gleiche Höhe.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 5: Fotografie von Julius von Schlosser, o. J., unbekannter Fotograf.

Julius von Schlosser wurde am 23. September 1866 in Wien geboren und verstarb am 1. Dezember 1938 ebenda. Er gehörte zu den bedeutendsten Wiener Kunsthistorikern und war Vertreter der Wiener Schule der Kunstgeschichte. Schlosser verfasste einige Schriften zur Kunstgeschichte und war darüber hinaus Professor an der Universität Wien. Er befasste sich auch mit der Geschichte der Musikinstrumente und war Direktor der Waffensammlung im Kunsthistorischen Museum Wien.[3]

1941 wurde die Engerlinggasse in Wien Floridsdorf zu Ehren Dr. Julius von Schlossers in Schlossergasse umbenannt. [4]

Entstehungsgeschichte

Abb. 6: Einladungskarte zur feierlichen Enthüllung des Denkmals für Julius von Schlosser in den Arkaden der Universität Wien, am 2. Juli 1955.

Der Vorstand des kunsthistorischen Instituts der Universität Wien suchte am 3. Dezember 1954 um eine Bewilligung für die Herstellung einer Büste für Dr. Julius von Schlosser an. Das Bundesministerium für Unterricht bewilligte für die Herstellung und Beschriftung des Sockels der Büste Schlossers einen Betrag von S 3.000,-- und erklärte sich bereit die Kosten für den Bildhauer zu übernehmen. [5]

Die Büste selbst wurde von der Witwe Schlossers zur Verfügung gestellt.[6] In der fünften Sitzung des Akademischen Senates am 30.04.1955, wurde der Antrag zur Errichtung des Denkmals für Julius von Schlosser einstimmig angenommen.[7] Der Bildhauer Josef Thorak fertigte die Büste des Kunsthistorikers Julius von Schlosser.[8]

Die Gedenkfeier für Hofrat Prof. Dr. Julius von Schlosser und die darauf folgende Enthüllung des Denkmals fand am 02.07.1955 um 11 Uhr im Sitzungssaal des Akademischen Senates im Hauptgebäude der Universität Wien, statt (Abb. 6).[9]

Das Postament der Büste wurde aus Mannersdorfer-Kalkstein hergestellt und matt geschliffen. Die Inschrift: Julius von Schlosser Professor der Kunstgeschichte 1922-1938 wurde graviert und in vergoldeten Lettern ausgeführt. Entgegen dem Wunsch des Bundesministeriums für Unterricht, das sich bereit erklärte die Kosten für den Sockel zu übernehmen, wurde kein Bildhauer für die entsprechenden Arbeiten beauftragt, sondern ein Steinmetzmeister.[10] Dies bemängelte das Bundesministerium für Unterricht, zahlte aber dennoch den aufgelaufenen Betrag.[11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: Julius von Schlosser, Fotografie von 1927, Fotograf/Künstler: Theo Bauer, Wien XIV..

Die Büste Julius von Schlossers ist frontal ausgerichtet, wobei der Kopf leicht zur Seite geneigt ist. Der Blick geht ebenfalls zur Seite und wirkt dabei recht nachdenklich. Vergleicht man das Denkmal Julius von Schlossers mit ihn darstellenden Fotografien (Abb. 5, 7), fallen einige Gemeinsamkeiten ins Auge. Julius von Schlosser trägt auf den Portraitfotos ebenfalls Hemd, Krawatte und Jackett. Die aufgesetzte Brille findet sich auch auf der Büste an seinem Nasenbein angedeutet wieder. Die Haare sind ebenfalls in beiden Abbildungen in ähnlicher Weise ordentlich frisiert. Auf den Fotografien wirkt Schlosser üppiger als Josef Thorak es in der Büste umsetzte. Die Lippen sind schmal und selbst die ausgeprägte Furche oberhalb der Lippen ist in der Büste berücksichtigt worden. Der Lichteinfall hebt die Falten im Gesicht stark hervor. Das Denkmal ist eher statisch und undynamisch. Die monumentale, kalt anmutende Statik der Büste steht im Vordergrund, wie es in der Plastik der Nationalsozialisten häufig der Fall ist.

Abb. 8: Ehrengrab von Julius von Schlosser am Wiener Zentralfriedhof.

Julius von Schlosser wurde ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof gewidmet (Abb. 8).[12] Vermutlich wurde dieselbe Vorlage wie im Arkadenhof der Universität Wien verwendet. Auch handelt es sich wahrscheinlich um einen Bronzeguss. Ebenso wie im Arkadenhof der Universität Wien steht die Figur auf einem hohen Sockel. Die Inschrift unterscheidet sich allerdings. Im Arkadenhof der Universität Wien wird Schlossers berufliche Stellung, nämlich die als Professor der Kunstgeschichte hervorgehoben. Auf dem Ehrengrabdenkmal sind ausschließlich sein Name und der seiner Gattin mit ihren jeweiligen Lebensdaten vermerkt.

Abb. 9: Denkmal Sigmund Freud von Paul Königsberger im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1955.

Das Denkmal Julius von Schlossers steht auf Platz Nr. 94 (Maisel 2007) im Arkadenhof der Universität Wien, während rechts daneben ein ähnlich wirkendes, ebenso hohes Denkmal zu Ehren Sigmund Freuds von dem Bildhauer Paul Königsberger auf Platz Nr. 97 (Maisel 2007), steht (Abb. 9).[13] Die beiden Denkmäler teilen nicht nur das optische Erscheinungsbild im Hinblick auf das Postament, sondern auch das Jahr 1955 als Zeitpunkt ihrer Enthüllung im Arkadenhof der Universität Wien. Im direkten Vergleich ist das Material sehr ähnlich, in beiden Fällen vermutlich Bronze, allerdings in der Art der Bearbeitung unterschiedlich. Während die Büste Schlossers eine glatte Oberfläche aufweist, wurde die Oberfläche des Kopfes Freuds gröber behandelt und ist voller unebener Stellen. Es ist nicht sofort ersichtlich, dass es sich bei dem Denkmal um Sigmund Freuds Kopf handelt. Es ist reichlich schlicht und frei von Details ausgeführt. Lediglich Kopf und Halsansatz sind zu sehen, Augen, Mund und Haare sind verschwindend gering ausgebildet. Der Kopf Julius von Schlossers lässt stärker auf seinen Beruf schließen, als dies bei der Darstellung Sigmund Freuds der Fall ist.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung der Büste Julius von Schlossers im Arkadenhof der Universität Wien sind keine Ereignisse bezüglich Umstellung oder Veränderung bekannt.

Quellen

  • UAW Senat 222.25.

Rezeption in der Presse

  • Die Presse 1955: Eine Büste für Julius von Schlosser enthüllt, Die Presse, 8. Jahrgang, Nr. 2034, Kleine Chronik, am 05.07.1955, S. 4.

Einzelnachweise

  1. UAW 222.25
  2. UAW 222.25
  3. Maisel 2007, S. 77.
  4. http://www.wien.gv.at/strassenlexikon/internet/
  5. UAW, Senat 222.25, Zl. 96.027-II/9a/54, Schlosser-Denkmal, Zuschuss für den Sockel. 04.03.1955.
  6. UAW, Senat 222.25, Schreiben von Prof. Swoboda an den Akademischen Senat der Universität Wien, 09.03.1955.
  7. UAW, Senat 222.25, fünfte Sitzung des Akademischen Senates, 30.04.1955.
  8. Maisel 2007, S. 77.
  9. UAW, Senat 222.25, Einladungskarte.
  10. UAW, Senat 222.25, Rechnung des Steinmetzmeisters Eduard Hauser, 30.06.1955.
  11. UAW, Senat 222.25, Schreiben des Bundesministeriums für Unterricht, 11.08.1955.
  12. Weiss 2012, S. 8.
  13. Maisel 2007, S. 77-79.

Literatur

  • Egger 1939: Hermann Egger, Julius von Schlosser; ein Nachruf, Wien 1939.
  • Kastner 2006: Ulrike Kastner, Das Verhältnis zwischen Kunst und politischer Wirklichkeit in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren in Deutschland und Österreich. dargestellt anhand von jeweils einem Krieger- und Arbeiterdenkmal von Anton Hanak, Josef Thorak und Fritz Wotruba, Wien 2006.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Weiss 2012: Johannes Weiss, Julius von Schlosser und „Die Kunstliteratur“, phil. Dipl.-arbeit (ms.), Wien 2012.

Weblinks

Alice Hundsdorfer, Verena Sulzbachner