Denkmal Julius Wagner-Jauregg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Josef Müllner, Denkmal Julius Wagner-Jauregg, 1951 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 87, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) wurde von dem Bildhauer Josef Müllner (1879-1969) 1947 für den Arkadenhof der Universität Wien erworben. Am 26. April 1951 wurde das Denkmal feierlich enthüllt.

Beschreibung

Die Büste von Julius Wagner-Jauregg ruht auf einem Postament, welches sich über einem querrechteckigem Grundriss erhebt. Dieser wurde matt geschliffen und ohne weitere Verzierungen ausgeführt. Unterhalb der Büste ist die gravierte Inschrift “Julius Wagner Jauregg 7.3.1857 - 27.9.1940” zu erkennen, welche sich durch ihre Vergoldung deutlich vom Rest des Denkmals abhebt. Da die Büste in dieselbe Richtung wie die Inschrift positioniert ist, ist davon auszugehen, dass es sich bei der Vorderseite um die Hauptschauseite handelt. Obwohl das Postament freistehend ist, ist es aufgrund der nahen Platzierung an der Wand des Arkadenhofes nicht möglich, die Rückseite des Denkmals zu betrachten.

Abb. 3: Skizze für das Denkmal Julius Wagner-Jauregg, Josef Müllner, o.J.

Das Postament, auf dem die Büste von Julius Wagner-Jauregg ruht, setzt sich aus drei Teilen zusammen (Abb. 1, 3, 4 und 5). Den untersten Teil bildet die sogenannte Unterstufe (66,5 x 40,9 x 16 cm) aus matt geschliffenem Mannersdorfer Kalkstein. Danach folgt der Sockel (50,5 x 32,9 x 16 cm), welcher aus Bianco Pi-Marmor gefertigt wurde. Über dem Sockel erhebt sich das 120 cm hohe, eigentliche Postament der Büste, ebenfalls aus Bianco Pi-Marmor. Hinter diesem wurde eine Platte angebracht, die schmäler als das Postament ist und somit einen Falz von etwa 1 cm Breite und 3,9 cm Tiefe entstehen lässt.[1] Den oberen Abschluss bildet die Inschrift “7.3.1857 - 27.9.1940”.

Abb. 4: Josef Müllner, Denkmal Julius Wagner-Jauregg, Schrägansicht, 1951 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Auf das Postament wurde die Büste des Julius Wagner-Jauregg gesetzt, die ebenfalls in Bianco Pi-Marmor ausgeführt wurde (Abb. 5). Die Maße der Büste inklusive des Büstensockels betragen 41 x 28 x 70 cm. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass die obere Schulterpartie des Nobelpreisträgers modelliert, die darunter liegende Brustpartie hingegen nicht figürlich gestaltet wurde und in einem querrechteckigem Sockel endet, auf dem sich die Inschrift “Julius Wagner Jauregg” befindet.

Der Kopf des Porträtierten ist streng nach vorne gerichtet, sein Blick scheint in die Ferne abzuschweifen (Abb. 1). Die angedeuteten Falten könnten ein Hinweis darauf sein, dass Wagner-Jauregg als älterer und betagter Mann dargestellt werden sollte. Die exakte Modellierung des Gesichtes weist auf die Detailverliebtheit des Künstlers hin, der, so kann angenommen werden, versucht hatte, ein genaues Abbild des Psychiaters zu schaffen. Besonders auffallend sind die buschig gearbeiteten Augenbrauen sowie der Schnurrbart und die große Nase, welche allesamt Ähnlichkeiten mit einer undatierten Fotografie Wagner-Jaureggs (Abb. 7) oder dem Porträt der 500-Schilling-Banknote aufweisen. Somit ist eine Identifikation des Dargestellten nicht nur aufgrund der Inschrift sondern auch aufgrund seines Äußeren möglich. Der Hinterkopf ist modelliert, trotzdem ist die Hauptschauseite dennoch klar mit der Vorderseite zu erkennen.

Abb. 5: Josef Müllner, Denkmal Julius Wagner-Jauregg, Detailansicht mit Signatur, 1951 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Das Denkmal trägt an der rechten Seite unterhalb des Wagner-Jauregg-Kopfes folgende gravierte Inschrift des Bildhauers: "J. Müllner 1930" (Abb. 5).

Notizen zur dargestellten Person

Ein Grund für eine Errichtung des Denkmals von Julius Wagner-Jauregg wird in den Akten des Senats nicht genannt. Es kann jedoch angenommen werden, dass aufgrund Wagner-Jaureggs Leistungen auf dem Gebiet der progressiven Paralyse und einem dafür verliehenen Nobelpreis die Aufstellung der Büste beantragt wurde.[2] Darüber hinaus entwarf der Psychiater Leitsätze zur Irrengesetzgebung und setzte sich für die Errichtung von Irrenanstalten für geistig abnorme Rechtsbrecher ein. Seit Julius Wagner-Jauregg ist das Fach Psychiatrie ein fixer Bestandteil des Medizinstudiums.[3]

Entstehungsgeschichte

Am 27. September 1947 stellte der Bildhauer Josef Müllner die Büste des Julius Wagner-Jauregg der Universität Wien zum käuflichen Erwerb zur Verfügung. Es erfolgte eine schriftliche Bestätigung des Rektors der Universität Wien, in welcher der Akademische Senat einem Ankauf der Büste und ihrer gleichzeitigen Aufstellung in den Arkaden der Universität zugestimmt hatte.[4] Nach der Einwilligung des Professorenkollegiums der Medizinischen Fakultät wurde die Büste im Archiv der Universität Wien zwischengelagert und mit einem großen Tuch verhüllt.[5]

Der ursprüngliche Zahlbetrag von 5.200 Schilling, der aus einem Schreiben vom 19. September 1947 hervorgeht, wurde um 36% erhöht, woraus sich eine Summe von 7.500 Schilling für das Denkmal Julius Wagner-Jaureggs an den Bildhauer Josef Müllner ergab.[6] Am 3. Februar 1948 wurde die Universitäts-Quästur mit der Flüssigmachung der genannten Summe an Müllner beauftragt.[7]

Als Aufstellungsort wurde in der Sitzung des Akademischen Senats vom 25. März 1950 die Abschlussnische des rechten Arkadentraktes gewählt und im Anschluss vom Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät bestätigt. Neben dem Pfeiler, welcher links des Treppenaufganges gelegen war, befand sich bis 1951 das Denkmal Moriz Kaposi. Dieses war, verglichen mit den anderen Büsten der Nische, bedeutend kleiner und sollte deshalb auch ersetzt werden.[8]

Abb. 6: Rückseite des Anbots für den Sockel des Denkmals Wagner-Jauregg von der Steinmetzfirma Eduard Hauser, 17. Jänner 1951.

Der Sockel für das Denkmal Julius Wagner-Jaureggs wurde bei der Steinmetzfirma Eduard Hauser in Auftrag gegeben, welcher am 2. Mai 1950 einen Kostenvoranschlag über 3.650 Schilling an Josef Müllner übermittelte. Die Unterstufen des Postaments sollten aus Mannersdorfer Kalkstein gefertigt werden, der Sockel sowie das Postament selbst aus Bianco Pi-Marmor.[9] Aus einem Schreiben des Rektors an den Dekan der Medizinischen Fakultät vom 5. Mai 1950 geht hervor, dass die Fakultät und ihr nahestehende Kreise eine Summe von knapp 4.000 Schilling für die Herstellung des Sockels aufzubringen hätten.[10] Die feierliche Enthüllung des Denkmals wollte man am 17. Jänner 1951 begehen. [11] Am 17. Jänner 1951 stellte die Firma Eduard Hauser einen erneuten Kostenvoranschlag in Höhe von 4.480 Schilling (Abb. 6).[12] Die Finanzierung des Denkmals wurde von der Klinik für Psychiatrie und Nervenkrankheiten übernommen, jedoch hatte diese nur 2.000 Schilling zur Verfügung. [13] Bis zum 13. Februar 1951 konnte man Spenden in Höhe von 2.500 Schilling vom Unterrichtsministerium entgegennehmen. Mit einer Gesamtsumme von 5.000 Schilling konnte nun auch das Postament für das Denkmal Wagner-Jaureggs finanziert werden.[14]

Der Akademische Senat beschloss am 26. Jänner desselben Jahres, Josef Müllner mit der Inschriftenverfassung für den Sockel zu beauftragen.[15] Nach Rücksprache mit Prof. Hoff und Prof. Schönbauer einigte man sich auf Name sowie Geburts- und Sterbedaten Wagner-Jaureggs. Der Zusatz "Professor der Psychiatrie" wurde als überflüssig erachtet.[16]

Nachdem der Sockel der Firma Hauser am 29. März 1951 fertiggestellt worden war, konnte die Universitäts-Gebäudeverwaltung die Montage des Denkmals durchführen.[17] Die feierliche Enthüllung der Büste des Julius Wagner-Jauregg erfolgte am 26. April 1951 um 11 Uhr vormittags im Sitzungssaal des Akademischen Senates im Hauptgebäude der Universität Wien.[18]

Abb. 7: Julius Wagner-Jauregg, Fotografie, o.J., ©ÖNB.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 8: Gipsabguss bronziert, Julius Wagner-Jauregg, Universitätsarchiv Wien, J. Müllner, 1929.
Abb. 9: Unbekannter Künstler, Büste von Julius Wagner-Jauregg auf Konsole, Billrothhaus, o. J.

Die vom Bildhauer Josef Müllner 1930 geschaffene Büste für Julius Wagner-Jauregg zeigt eine naturalistische Darstellung des Psychiaters. Verglichen mit einer undatierten Fotografie, die den Wissenschaftler zeigt, präsentieren sich unübersehbare Übereinstimmungen (Abb. 1 und 7). Sowohl die frontale Porträtansicht als auch der Gesichtsausdruck mit dem strengen Blick nach vorne sind beiden Darstellungen zu eigen. Besondere Merkmale Wagner-Jaureggs wie die buschigen Augenbrauen, der Schnäuzer und das kantig wirkende Gesicht wurden im Denkmal vom Bildhauer Müllner gut umgesetzt. Ebenso geschah dies mit den Ohren, nur die Nasenflügel wurden etwas zu groß und wuchtig ausgeführt. Ein Unterschied zwischen der undatierten Fotografie (Abb. 7) und der Büste lässt sich am faltenreichen Gesicht erkennen, welches zu der Annahme führt, dass das Denkmal einen bereits älteren und betagten Wissenschaftler zeigt.

Eine weitere Büste zu Ehren Julius Wagner-Jaureggs (Abb. 8) befindet sich im Gebäude des Universitätsarchives Wien. Diese Büste besteht aus Gips der mit Bronzelack versehen ist und wurde vom Künstler J. Müllner 1929 signiert. Die Büste ähnelt besonders stark dem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien und damit auch der Fotografie von Julius Wagner-Jauregg. Der Künstler hat bei beiden Büsten den Hermentypus verwendet. Sogar das Gesicht ist in gleicher Weise gestaltet. Im Unterschied zur Büste des Universitätsarchives Wien ist das Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien auf einem Postament erhöht angebracht, was einen monumentalen Eindruck hinterlässt. Der nach oben gerichtete Blick unterscheidet sich ebenfalls von den nach vorne gerichteten Augen der Büste im Universitätsarchiv Wien. Am deutlichsten Fällt allerdings der Materialunterschied ins Auge. Bronze wie es bei der Büste des Universitätsarchives der Fall ist, hinterlässt einen anderen Eindruck beim Betrachter als Marmor.

Das Billrothhaus in Wien Alsergrund, Frankgasse 8 beherbergt ebenfalls eine Büste des Nobelpreisträgers Julius Wagner-Jauregg (Abb. 9, 10). Sie befindet sich inmitten weiterer Büsten im oberen Wandbereich nahe der Decke auf einer Konsole im Vortragssaal des Hauses. Die vermutlich ebenfalls aus Marmor gearbeitete Skulptur erweckt einen ähnlichen Eindruck wie jene im Arkadenhof der Universität Wien. Sie ist stilistisch in gleicher Weise gestaltet, allerdings ist der monumentale erhabene Eindruck stärker gegeben, aufgrund der erhobene Platzierung im Raum.

Die Gesichtszüge der Büste im Arkadenhof der Universität Wien ähneln stark dem Porträt Wagner-Jaureggs auf einer 500-Schilling-Banknote (Abb. 11). Schnurrbart und Augenbrauen stechen als markante Merkmale besonders hervor. Auch ist der Ausdruck auf dem Portrait vergleichbar mit dem der Büste.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Von einer Demontierung oder Verstellung des Denkmals ist nichts bekannt.

Quellen

  • Archiv der Universität Wien, Senatsakten, S 222.3, Schachtelnummer 562.

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 222.3, Anbot des Steinmetzmeisters Eduard Hauser vom 17. Jänner 1951.
  2. Maisel 2007, S. 75.
  3. Angetter 2003, S. 38.
  4. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben des Rektors an Josef Müllner vom 27. September 1947.
  5. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben an die Rektoratskanzlei vom 25. Oktober 1947.
  6. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben des Rektors an Josef Müllner vom 27. September 1947.
  7. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben des Rektors an die Universitäts-Quästur vom 3. Februar 1948.
  8. UAW, Senat, S 222.3, Auszug aus dem Protokoll der Senatssitzung vom 25. März 1950.
  9. UAW, Senat, S 222.3, Kostenvoranschlag des Steinmetzmeisters Eduard Hauser an Josef Müllner vom 2. Mai 1950.
  10. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben des Rektors an den Dekan vom 5. Mai 1950.
  11. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben des Rektors an den Dekan vom 29. November 1950.
  12. UAW, Senat, S 222.3, Anbot des Steinmetzmeisters Eduard Hauser vom 17. Jänner 1951.
  13. UAW, Senat, S 222.3, Amtsvermerk vom 22. Jänner 1951.
  14. UAW, Senat, S 222.3, Amtsvermerk vom 13. Februar 1951.
  15. UAW, Senat, S 222.3, Protokoll der Sitzung des Kunstausschusses vom 26. Jänner 1951.
  16. UAW, Senat, S 222.3, Amtsvermerk vom 21. Februar 1951.
  17. UAW, Senat, S 222.3, Schreiben den Rektors an die Universitätsgebäudeverwaltung vom 20. März 1951.
  18. UAW, Senat, S 222.3, Einladung zur Enthüllungsfeier, vermutlich April 1951.

Literatur

  • Angetter 2003: Daniela C. Angetter, Die österreichischen Medizinnobelpreisträger, Wien 2003.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Galerie



Carola Auer, Kevin Breiteneder, Verena Sulzbachner