Denkmal Julius Glaser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Kaspar von Zumbusch, Denkmal für Julius Glaser, Arkadenhof der Universität Wien, 1888
Abb. 2 Lage des Denkmals, Nr. 52, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3 Detailansicht Volutenkonsolen Denkmal Julius Glaser

Das Denkmal für den Juristen Julius Glaser (1831-1885) wurde von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (1830-1915) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und 1888 enthüllt. Es handelt sich um das erste im Arkadenhof aufgestellte Ehrendenkmal.

Beschreibung

Das Denkmal für Julius Glaser befindet sich im linken Arkadengang der Universität Wien und wurde über Augenhöhe an einem Mauervorsprung auf Seite des Innenhofes angebracht. Es besteht aus weißem Marmor und einem zweistufigen Aufbau mit einem Porträt-Relief in der Mitte, das den Verstorbenen im Profil zeigt. Das Denkmal wurde im Renaissance-Stil ausgearbeitet und ist ungefähr 185cm hoch sowie 95cm breit, wobei das Porträt Glasers 60cm ausmachen. Glasers Porträt befindet sich auf einer glatt geschliffenen rechteckigen Marmorplatte, unter ihm sind in goldener Schrift sein Name "IVLIVS GLASER" sowie seine Lebensdaten (1831-1885) eingemeißelt. Die Platte schließt nach oben mit einem vorspringenden Giebel und nach unten mit einer Inschriftentafel - wiederum mit einer goldenen Inschrift - ab, die auf zwei antikisierenden Konsolen ruht. Der Text zählt die Ämter Glasers auf und lautet wie folgt: "Doctor philosophiae. Doctor ivris vtrivsqve. Professor des Strafrechts. Ivstizminister. Generalprocurator. Wirklicher geheimer Rath." Im Giebelfeld ist ein Relief eines Olivenzweigs zu sehen, während das nach oben abschließende Gesims durch einen Palmettenfries verziert ist. Das Denkmal wird hinterfangen von einer weiteren Marmorplatte, die etwas breiter ist und die architektonische Gliederung ohne Unterbrechungen aufnimmt. An den beiden Längsseiten sind in die Ecken zwischen vorderer und hinterer Platte ein Faszesbündel mit einer Axt links sowie eine Fackel rechts eingestellt, die den Übergang der beiden Marmorplatten bilden. Der zweistufige Aufbau wird scheinbar von zwei Konsolen getragen, die rechts und links das nach unten abschließende Gesims tragen. An den Außenseiten der Konsolen sind Voluten zu erkennen (Abb. 3). Zum Betrachter hin sind sie durch jeweils zwei lesbische Eierstäbe, die in der Mitte durch ein Perlschnurornament getrennt sind, gegliedert. Zwischen den Konsolen - unterhalb der Inschrift und nach hinten versetzt - ist die Signatur des Künstlers zu sehen, dort steht - nicht vergoldet - "C.ZVMBVSCH.1887" eingemeißelt. Glaser ist bis zum Brustansatz dargestellt, die Augen sind offen und die Haare sowie der Bart des Abgebildeten sind in wilden Locken dargestellt. Blickt man seitlich auf das Denkmal, ist zu erkennen, dass der Kopf genau bis zur Mitte des Gesichtes dargestellt ist (Abb. 5). Es fällt jedoch auf, dass das Relief den Kopf nicht in seinem realen Volumen, sondern stark abgeflacht, wiedergibt. Trotzdem ist das Porträt von Detailreichtum gekennzeichnet; über die charakteristische Stirnfalte bis hin zu den gut erkennbaren Halsmuskeln wirkt Glaser sehr naturalistisch.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4 Signatur Kaspar von Zumbusch auf Denkmal Julius Glaser

Julius Anton Glaser war ordentlicher Professor für Strafrecht an der Universität Wien sowie Justizminister im Kabinett Auersperg. Er ist vor allem für die Reformierung des österreichischen Strafrechts bekannt.

Entstehungsgeschichte

Abb. 5 Seitenansicht von Denkmal Julius Glaser

Die Aufstellung des Denkmals für Julius Glaser geht auf ein Schreiben seiner Witwe, Wilhelmine Glaser vom 06.03.1886 an den Rektor der Universität Wien zurück.[1] In diesem Schreiben teilte sie dem Senat ihren bereits gefassten Entschluss mit, ein Ehrendenkmal zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten im Arkadenhof der Universität Wien aufstellen lassen zu wollen. Sie informierte den Rektor im ersten Schreiben über die Ausführung eines "einfachen Marmordenkmals, bestehend aus einem Porträtmedaillon, nebst Tafel mit entsprechender Inschrift, [...] welches an passender Stelle unter den Arkaden des Universitätshofes angebracht werden soll."[2] Als Künstler war Prof. Zumbusch vorgesehen, der auch den Aufstellungsort im Arkadenhof zusammen mit der Witwe und Oberbaurat Köchlin bestimmt hat.[3] In der Senatssitzung vom 12.03.1886 gibt der Senat schließlich seine Zustimmung zur "Anbringung eines Porträtmedaillons nebst Inschrifttafel zur Erinnerung an den [...] Professor des Strafrechts, Dr. Julius Glaser [...] in den Arkaden"[4]. Der Jurist Joseph Ritter von Zhishman, Rektor der Universität, antwortete Wilhelmine Glaser und bat sie um die Zusendung des Inhaltes der Inschrift sowie einer Skizze des Porträts, um dies mit den Satzungen über die Ausschmückung der Universitäts-Innenräume abzugleichen.[5] Die Skizze wird von der Witwe Glasers schließlich am 04.05.1886 vorgelegt und in einem beiliegenden Schreiben erläutert.[6] Diese Dokumente sind jedoch nicht erhalten, allerdings die Billigung des Senats am 11.06.1886. Am 08.11.1887 war das Denkmal fast vollendet, wie Wilhelmine Glaser in einem Schreiben dem Senat mitteilte.[7] Im selben Brief bat die Witwe Glaser um eine baldige Aufstellung und erklärte, dass ab dem "14. November d.J." mit der Platzierung des Ehrenmals begonnen werden könne.[8] Am 17.11.1887 schreibt die Neue Freie Presse, dass das Denkmal im Atelier von Prof. Zumbusch fast fertig sei.[9] In einer kleinen Notiz der Ausgabe vom 17.05.1888 der Wiener Bauindustrie-Zeitung ist vermerkt, dass dieses am 10. des Monats enthüllt worden sei.[10] Zur Enthüllung eingeladen waren hochrangige Personen aus 21 verschiedenen Institutionen des Landes, darunter dem Justiz-Ministerium sowie dem Landesgerichtshof. Wilhelmine Glaser hat die Einladungsliste persönlich verfasst.[11] Erwähnenswert ist, dass Wilhelmine Glaser als Familienmitglied und nicht als Institution diesen Antrag auf Aufstellung des Denkmals stellen konnte. Weiters, dass zwischen Tod und Denkmalaufstellung keine 5 Jahre lagen, wie vom Akademischen Senat im Beschluss vom 19. Juni 1885 gefordert.[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6 Brief von Wilhelmine Glaser an den Rektor der Universität Wien vom 06.03.1886
Abb. 7 Julius Glaser, 1872

Der gesamte Aufbau des Denkmals von Julius Glaser ist in seinen Formen sehr architektonisch gegliedert und ähnelt einer römischen Tempelarchitektur: Giebel, Gesims, Konsolen und Postament. Auch in seiner Ornamentik trägt es stark antikisierende architektonische Züge (Palmettenfries, Kymatia, Perlschnur, Voluten, Faszes). Des Weiteren erinnert das Monument stark an römische Grabstelen mit einem Postament, auf dem sich das Porträtmedaillon Glasers sowie eine Inschrift befindet. Mit großer Sicherheit gehört diese Assoziation zu der Aussage, die der Künstler mit seinem Werk erreichen wollte: Das Denkmal von Julius Glaser ehrt den Verstorbenen und erinnert an seine Aufgaben und Tätigkeiten, wie es auch die römischen Stelen taten. Das Porträt Glasers wird im Giebel von einem Olivenzweig bekrönt. Der Olivenzweig ist ein Symbol des Friedens und spielt auf Glasers Rolle im Strafrecht an, da er sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzte.[13] Auf Katakombendarstellungen symbolisierte der Olivenzweig auch die Rettung der Seele aus der Todesnot.[14] Weiters deuten auch die Attribute der Axt und Faszes auf Glasers Tätigkeiten hin. Die Faszes waren das Amtszeichen römischer Liktoren - hohe römische Regierungsbeamte - und symbolisierten ihr Recht Strafen an Leib und Leben zu verhängen.[15] Glaser wird im Medaillontypus heroisch dargestellt. Trotz fehlenden Medaillons, kann man hier von diesem Typus sprechen, da aufgrund der Gestaltung des Kopfes und des strengen Profils diese Assoziation gemacht werden kann. Das Porträt zeigt - im Vergleich zu Zeichnungen des Juristen (Abb. 7) - ein naturgetreues Abbild Glasers.

Das Denkmal für Julius Glaser gleicht in seinem Aufbau dem ebenfalls von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch geschaffenen Denkmal Leopold Hasner von Artha, das 1899 enthüllt wurde. Umfangen werden beide Personen von einer stelenähnlichen Architektur, auf der beide Abbilder auf einer rechteckigen mittleren Platte zu erkennen sind. Während Glasers Monument mit einem dreieckigen Giebelfeld abschließt, wird Hasner von einem Rundgiebel überfangen. Gemeinsam ist jedoch beiden, dass in den Giebelfeldern jeweils ein Olivenzweig erkennbar ist. Auch der Abschluss nach unten ist ähnlich gestaltet: Die Monumente sitzen auf einer Inschriftentafel auf, die wiederum von Konsolen und antikisierenden Friesen getragen wird. Allerdings weichen die Art der dargestellten Personen stark von einander ab. Während Julius Glaser im Porträtmedaillon dargestellt ist, sieht man Leopold Hasner von Artha als sitzende Ganzkörperfigur im Halbprofil abgebildet. Man könnte hier an das antike Hegeso-Relief denken, auf dem die Verstorbene ebenfalls sitzend dargestellt ist. Weiters ist das Faszesbündel an den Seiten des Glaser-Denkmals bei Hasner nicht zu sehen. Das Denkmal für Julius Glaser ähnelt aber vor allem dem Denkmal für Carl Braun von Fernwald von Theodor Charlemont, das 1894 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt wurde. Bei beiden Arbeiten ist die Anlehnung an antike Grabstelen besonders auffällig und sie werden mit dem Attribut des Olivenzweigs geschmückt, allerdings ist das Denkmal für Carl Braun von Fernwald viel schmuckvoller ausgestaltet. Weiters ist die Art der Inschriftenanbringung verschieden. Bei Braun befindet sich die Inschrift direkt unter dem Porträt auf der selben Platte, wohingegen die für Glaser auf einem hervorragenden Postament angebracht wurde. Beide Gelehrten werden im Medaillontypus dargestellt, wobei dies bei Braun durch die Einschreibung in einem wirklichen Medaillon verstärkt wird. Sie werden im Profil bis zur Brust dargestellt und haben den selben schwungvollen Abschluss von der Brust bis zum Schlüsselbein.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Im Vorfeld der "Langemarck"-Feier 1938, welche nationalsozialistische Studenten in der Aula der Universität Wien abhielten, wurden am 5. November 1938 zahlreiche Denkmäler im Arkadenhof beschädigt. Darunter befand sich auch das Denkmal für Julius Glaser, das beschmiert wurde.[16] Im Zuge der Ausschreitungen vom November 1938 wurden Denkmäler, die nicht der NS-Rassenideologie entsprachen schließlich von einem Steinmetz abmontiert und bis Kriegsende eingelagert, sodass keine irreparablen Schäden während des Krieges entstanden sind. Darunter befand sich auch das Porträt von Julius Glaser, das im Jahr 1947 nach einer gründlichen Restaurierung wieder aufgestellt wurde.[17]

Literatur

  • Hartmann 1996: Peter Wulf Hartmann, Kunstlexikon, Maria Enzersdorf 1996.
  • Heinz-Mohr 1981: Gerd Heinz-Mohr, Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst, Düsseldorf 1981.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Quellen

UAW = Archiv der Universität Wien

  • UAW Senat S 93.28, Schachtel 59.

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. S 93.28, Brief von Wilhelmine Glaser an den Rektor der Universität Wien vom 06.03.1886.
  2. ebd.
  3. ebd.
  4. S 93.28, Protokoll der Senatssitzung vom 12.03.1886.
  5. S 93.28, Schreiben Zhischmanns an W. Glaser vom 17.03.1886.
  6. S 93.28, Schreiben W. Glasers an den Akademischen Senat vom 04.05.1886.
  7. S 93.28, Schreiben W. Glasers an den Rektor der Universität Wien vom 08.11.1887.
  8. ebd.
  9. NFP, Nr. 8343, S.1.
  10. Wiener Bauindustrie-Zeitung, 5. Jg., 1887/88, S. 401.
  11. S 93.28, Liste über einzuladende Personen von W. Glaser
  12. Maisel 2007, S. 11.
  13. ÖBL 1959, S. 4.
  14. Heinz-Mohr 1981, S. 225.
  15. Hartmann 1996, S. 461.
  16. Maisel 2007, S. 14-15.
  17. Maisel 2007, S. 15.

Sarah Lange, Verena S. Göbel, Constanza Trofaier