Denkmal Josef von Sonnenfels

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Alois Düll, Denkmal Josef von Sonnenfels, Arkadenhof der Universität Wien, 1889, enthüllt 1891.
Abb. 2 Lage des Denkmals, Nr. 4, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal des Juristen Josef von Sonnenfels (1732/33-1817) wurde von dem Bildhauer Alois Düll (1843-1900) im Jahre 1889 für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 17. Juli 1891 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3 Büste Josef von Sonnenfels.

Die Büste für Josef von Sonnenfels befindet sich als erstes Denkmal am Anfang des linken Arkadenganges auf einer Wandkonsole, die auf mittlerer Höhe der Wand angebracht wurde. Sie wurde aus weißem Marmor gefertigt und folgt in dem armlosen abgerundeten Büstenabeschnitt, der nur von einer togaartigen Draperie bedeckt wird, dem klassizistischen Philosphentypus des zugrundeliegenden Vorbildes (s. Entstehungsgeschichte). Der Hals bleibt im Sinne von heroischer Nacktheit unbedeckt. Der Kopf ist in einer spontanen Kopfwendung nach rechts dargestellt. Auch dies erinnert stark an die frühere Porträtdarstellung. Das Antlitz ist leicht erhoben und weist ein sehr feines Zusammenspiel von Individualität und Idealität auf. Der Blick ist in die Ferne gerichtet, die Augen blicken dabei ins Leere. Es wird kein Bezug zu dem Betrachter hergestellt. Die feine Modellierung des Marmors kommt besonders durch die plastische Ausarbeitung der Augenbrauen zum Ausdruck, die damit gleichzeitig die sonst eher glatt wirkende Oberflächengestaltung des Marmors heraushebt. Der Mund zeigt ein zartes Lächeln. Die hohe Stirn wird durch die nach hinten gekämmten längeren Haare betont. Die Haare fallen in weichen Wellen und bedecken zur Hälfte die Ohren. Sonnenfels trägt die Toga als einfache schmucklose Draperie in antikisierender Weise um seinen nackten Oberkörper geschlungen. Trotz der plastisch herausgearbeiteten Gewandfalten wirken diese dennoch locker um den Oberkörper gelegt. Der Überschlag fälltüber seine linkeSchuler und unterstreicht damit die Ausrichtung der Figur nach rechts. Die unsignierte Büste ist ungefähr 75 cm, der Büstenfuß 10 cm hoch. Sie befindet sich über 230 cm über dem Boden, wodurch der Betrachter aus der Froschperspektive auf den Gelehrten hinaufblicken muss. Die Konsole, auf der sich die Büste befindet, ist als Volute gestaltet und weist vorne ein sich nach unten wendendes Akanthusblatt auf. Die Konsole wird von einer doppelt gegliederten Platte mit einem fast quadratischen Grundriss abgeschlossen. Die obere Platte wurde ganz schlicht gearbeitet, während die untere ein zu drei Seiten vorkragendes Gesims aufweist. Darunter wurde eine Art Frieszone gefertigt, die man für die einzugravierende Inschrift nutzte. Frontal steht in goldenen Großbuchstaben der Nachname des Porträtierten: SONNENFELS. Auf der linken Seite finden sich die Worte: PROF. D. POLIT. WISSENSCH. 1763-91. Die rechte Seite gibt die Lebensdaten des Porträtierten an: GEB. NIKLOSBURG 1733 GEST. 1817. Die Büste selbst steht auf einer weiteren kleinen sockelartigen Basis, die sich von einem quadratischen Grundriss nach oben hin zu einer Kreisform verjüngt.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4 Detailansicht Volutenkonsole Denkmal Josef von Sonnenfels

Der Dargestellte, Josef von Sonnenfels, war ordentlicher Professor der Politischen Wissenschaften („Polizei- und Kameralwissenschaften") an der Wiener Universität.[1] Als österreichischer Schriftsteller der Aufklärung verfasste er eine Reihe nationalökonomischer Werke, sowie Texte zu dem Theater, von denen besonders sein Kampf gegen den Hanswurst des Wiener Schauspiels bekannt ist. Ebenso war er Präsident der Akademie der bildenden Künste und einer der führenden Geister des josephinischen Staates.[2] Ab 1773 war er Mitglied der Niederösterreichischen Regierung mit Schwerpunkt Polizeireferat und ab 1780 Mitglied der Studienhofkommission. Weiters hatte er sich auch der bildenden Kunst zugewandt und war ein begeisterter Anhänger der Theorien Winckelmanns.[3]

Entstehungsgeschichte

Abb. 5 Franz Anton Zauner, Büste Josef von Sonnenfels, 1787, Akademie der Bildenden Künste Wien

Im März 1889 wurde der Bildhauer Alois Düll von dem Ministerium für Cultus und Unterricht mit der Aufgabe betraut, die Josef von Sonnenfelsbüste als Staatsauftrag zur Ausschmückung des Arkadenhofes anzufertigen. Diese Büste sollte als Kopie der Büste von Josef von Sonnenfels angefertigt werden, welche 1787 von dem Bildhauer Franz Anton Zauner aus Carraramarmor angefertigt worden war und sich in der Akademie der bildenden Künste befindet. Alois Düll sollte seine Vorstellungen des zu verwendenden Materials an das Rektorat herantragen.[4] Bereits im April einigte man sich auf eine Büste in Carraramarmor in der Größe der Originalbüste, wofür Alois Düll einschließlich der Materialkosten ein Honorar von 800 Gulden zugesichert wurde.[5] Schon im September dieses Jahres war die Büste vollendet, wie aus einem Schreiben an das Rektorat der k. k. Universität in Wien vom 16. September 1889 hervorgeht.[6] Fragen bezüglich der Übergabe der Büste an die Universitäts-Gebäudeinspektion, der Aufbewahrung derselben bis zur Enthüllungsfeier und letztlich des genauen Aufstellungsortes, waren zu diesem Zeitpunkt noch zu klären. Man einigte sich schließlich auf eine Unterbringung der Büste im Depot gegenüber der Gebäudeinspektionskanzlei.[7] Die ständige artistische Kommission wurde gemeinsam mit Alois Düll vom Rektor der k. k. Universität, Franz Xaver Pölzl, dazu aufgerufen, dem akademischen Senat Vorschläge zur endgültigen Aufstellung zu machen. Des Weiteren bat Franz Xaver Pölzl im Namen des akademischen Senates, dass die artistische Kommission eine Skizze für den Sockel und eine Inschriftentafel zur Sonnenfelsbüste vorlegen solle.[8] Am 24. Februar 1890 bewilligte das Ministerium für Cultus und Unterricht die Gestaltung und Aufstellung von zwei Konsolen für die Arkaden von der Union-Baugesellschaft nach einem von Alois Düll vorgelegten Entwurf. Für diese Konsolen wurde ein Betrag von 366 Gulden bewilligt, wovon auch die k. k. niederösterreichische Statthalterei verständigt wurde. Die eine Konsole war für die Büste von Sonnenfels bestimmt, während die Akten keinen Hinweis liefern, wie man die zweite Konsole nutzen wollte.[9] Denkbar wäre, dass sie für das Denkmal Josef Kudler verwendet wurde, da die Büsten auch nebeneinander angebracht wurden und sich die Konsolen gleichen. Des Weiteren soll auch der Bildhauer Emanuel Pendl zwei Konsolen aus Bardiglio-Marmor entworfen haben, die genehmigt wurden, wovon eine für die Sonnenfelsbüste verwendet werden sollte. Die Kosten sollten von der k. k. niederösterreichischen Statthalterei übernommen werden.[10] Laut eines Schreibens sollten die Konsolen bis zum 21. Juni des Jahres versetzt und eingemauert sein.[11] Ein Jahr später sollten die Büsten Josef von Sonnenfels und Ritter von Kudler gemeinsam enthüllt werden.[12] Wie diverse Briefwechsel zeigen, gestaltete sich die Vorbereitung bezüglich des Festredners schwierig. Im Mai des Jahres erklärte Carl Graf von Menger, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Festrede nicht halten könne, aber alle seine gesammelten Unterlagen, die den zu Ehrenden betreffen, dem künftigen Redner zur Verfügung stellen würde.[13] Der daraufhin vorgeschlagene Professor von Miaskowski erbat sich bis Pfingsten Bedenkzeit. Am 2. Juni sagte auch er ab. Die Gründe allerdings wollte er erst in einem persönlichen Gespräch vorbringen.[14] Schließlich hielt Dr. Wenzel Lustkandl die Festrede bei der Enthüllungsfeier am 17. Juli 1891.[15]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6 Fotografie nach einem Ölbild von Gebhard Kneip (?); Festsaal des Universitätsarchivs, ohne Datum.

Alois Düll stellt Josef von Sonnenfels als Philosophen mit einer Toga dar. Verglichen mit Abbildungen des Gelehrten, insbesondere dem Ölbild von Gebhard Kneip (Abb. 6), lassen sich Ähnlichkeiten erkennen. Wie dem hohen Haaransatz und den fülligen Wangen. Somit wurde Sonnenfels mit realistischen Zügen dargestellt, aber Düll hat Sonnenfels nicht so streng dargestellt, sondern mit sanfteren Zügen, wie an der breiteren Nase, den locker gelassenen Mundwinkeln und den welligen offenen Haaren zu sehen ist. Das Akanthusblatt als Symbol für die Unsterblichkeit[16] schmückt die Konsole und verweist darauf hin, dass Sonnenfels in seinen Schriften weiterleben wird. Ansonsten wurden dem Gelehrten keine Attribute als Hinweis auf seine Tätigkeit beigefügt. Allerdings hatte Alois Düll lediglich die Büste für das Sonnenfels Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien von Franz Anton Zauner (Abb. 6) kopiert, der der Büste keine Attribute beigefügt hat. Tatsächlich kann man aber bei Dülls Umsetzung nicht von einer getreuen Kopie sprechen, da ein Unterschied in der Kopf- und Körperhaltung besteht. Düll ließ den Kopf des Porträtierten etwas angehoben und in aufrechter Körperhaltung erscheinen. Wohingegen die Büste von Zauner sich leicht nach vorne beugt und den Kopf nicht anhebt. Maserung und Farbton sind bei der Zauner-Büste viel intensiver wahrzunehmen. Dies mag der Aufstellungsbedingung der Düll-Büste im Arkadenhof und dem damit verbundenen Witterungseinflüssen geschuldet sein. Das Brustbein der Düll-Büste wirkt breiter und die umschwungene Draperie liegt enger am Hals an. Bei den Gesichtspartien herrscht allerdings große Übereinstimmung, wenn auch der Zauner-Büste Pupillen fehlen, was den Gesichtsausdruck blicklos werden lässt im Gegensatz zu der ins Leere blickenden Düll-Büste.

Alois Düll hat sonst keine weiteren Büsten für den Arkadenhof der Universität Wien angefertigt, daher fällt ein Vergleich in dieser Hinsicht aus. Allerdings ist die von Düll gestaltete Konsole für die Sonnenfels-Büste das Pendant zur Konsole des Denkmals Josef Kudlers von dem Bildhauer Wilhelm Seib zu sehen. Dieses Denkmal wurde ebenfalls auf der Wand des linken Ganges im Arkadenhof angebracht, zur Linken Sonnenfels. Kudler trat in die Nachfolge Sonnenfels auf der Lehrkanzel der Wiener Universität ein und sollte sich der Lücken sowie Fehler in den Schriften von Sonnenfels annehmen.[17] Die Konsolen wurden beide in Volutenform gefertigt, haben frontal ein nach unten wendendes Akanthusblatt und auf den Seiten in der Frieszone eine goldene Inschrift zur Beschreibung der dargestellten Person. Allerdings ähneln sich die Büsten, obwohl zur selben Zeit entstanden und enthüllt, nicht. Kudler wurde in zeitgenössischer Kleidung und mit strengeren Gesichtszügen als Sonnenfels dargestellt. Die Haare von Sonnenfels wirken locker und bewegter, wobei die Locken von Kudler steif auf seinem Kopf haften. Bei beiden Büsten wurden allerdings die Pupillen ausgearbeitet und sie neigen ihren Kopf auf eine Seite, Kudler nach rechts und Sonnenfels nach links. Sie wurden so angebracht, dass ihre Blicke sich in der Ferne kreuzen und den Betrachter keines Blickes würdigen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Als im November 1938 die "Langemarck"-Feier der NS-Studenten stattfinden sollte, verwüsteten Studenten tags zuvor, am 5. November 1938, Monumente, die sie als nicht arisch einschätzten. Hierbei wurde unter anderem das Denkmal Josef von Sonnenfels beschädigt. Die Universitätsleitung reagierte rasch und ließ das Denkmal sachgerecht abmontieren und im Depot einlagern. Nach Kriegsende wurden die entfernten Denkmäler wieder ausgehoben. Nachdem alle Restaurationsarbeiten abgeschlossen, die Denkmäler an ihrem ursprünglichen Standort angebracht waren, wurden die dafür fälligen Kosten aus dem Wiederaufbaufonds der Universität Wien beglichen.[18]

Literatur

  • Brauneder 1987: Wilhelm Brauneder, Juristen in Österreich 1200- 1980, Wien 1987.
  • Burg 1915: Hermann Burg, Der Bildhauer Franz Anton Zauner und seine Zeit, Wien 1915.
  • Heinz-Mohr 1971: Gerd Heinz-Mohr, Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst, Düsseldorf 1971.
  • Lustkandl 2010: Wenzel Lustkandl, Sonnenfels und Kudler- Rede auf Josef Von Sonnenfels und Josef Von Kudler gehalten am 17. Juli 1891 bei der Enthüllung der in den Arkaden der Universität Wien, Wien 2010.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Sycha 2008: Roswitha Sycha, Studie zu Wiener Porträtbüsten um 1800 : ein Beitrag zum Klassizismus in Österreich, Dipl., Wien 2008.

Quellen

UAW = Universitätsarchiv Wien

  • UAW, Senat, S. 96,5: Denkmal im Arkadenhof
  • UAW, AT-UAW/CA 1.2.115: Ernennung des Josef von Sonnenfels zum Professor der neu eingeführten Polizei- und Kameralwissenschaft, 31.10.1763 - 04.11.1763.
  • UAW, AT-UAW/CA 1.4.914: Sonnenfels, Josef v.; Professor der Polizei- und Kameralwissenschaft, 14.11.1763 - 13.12.1803.
  • UAW, AT-UAW/CA 1.0.211: Verfügungen für den Professor für Kameral- und Polizeiwissenschaften, Josef von Sonnenfels, 19.04.1769.
  • UAW, AT-UAW/CA 1.2.235: Verwendung des Lehrbuches des Josef von Sonnenfels für die Vorlesungen der politischen Wissenschaften, 26.11.1784 - 07.12.1784.
  • UAW, AT-UAW/CA 1.0.385: Nachträgliche Anweisung der Pensionszahlung für Josef von Sonnenfels, 10.08.1809.
  • UAW, AT-UAW/135.65: Bild Josef von Sonnenfels (1732-25.04.1817; Rechtswissenschaften, Politische Wissenschaften).

Rezeption in der Presse

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 31
  2. Burg 1915, S.78.
  3. Sycha 2008, S. 55
  4. S. 96,5 10. März 1889.
  5. S 96,5 18. April 1889.
  6. S 96,5 16. September 1889.
  7. S 96,5 17. Oktober 1889.
  8. S 96,5 18. Oktober 1889, 23. Dezember 1889.
  9. S 96,5 24. Februar 1890, 2. Juli 1890.
  10. S 96.15, 08.03.1890.
  11. S 96,5 13. Mai 1890.
  12. S 96,5 Einladung zur Enthüllungsfeier der Büsten Sonnenfels und Kudler am 17. Juli 1891.
  13. S 96,5 1. Mai 1891.
  14. S 96,5 2. Juni 1891, Protokoll 2132.
  15. S 94,20, 3. Juni 1891.
  16. Heinz-Mohr 1971, S. 28.
  17. Lustkandl 2010, S.37.
  18. Maisel 2007, S. 15.

Verena S. Göbel, Sarah Lange, Constanza Trofaier