Denkmal Josef Unger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Kaspar von Zumbusch, Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.
Lage des Denkmals, Nr. 65, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Politiker und Juristen Josef Unger (1828-1913) wurde vom Künstler Kaspar Clemens Eduard Zumbusch (1830-1915) geschaffen und 1928 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Seitenansicht Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.
Seitenansicht Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.

Das Denkmal für Josef Unger besteht aus einem hoch-rechteckigen marmornen Sockel, auf dem eine Bronzebüste des Verstorbenen thront. Standort des Denkmals ist der mittlere Arkadengang der Universität Wien, es befindet sich vor einem wandgliedernden Pilaster an der Wandseite des Ganges.

Der pfeilerartige Sockel besteht aus Marmor und ist in seinen Formen sehr schlicht gehalten. Er erhebt sich über einem breiteren Postament, welches einen annähernd quadratischen Grundriss bildet. In drei Abstufungen gliedert und verjüngt sich die Basis nach oben, sodass eine pyramidale Untergliederung der geometrischen Formen nach oben entsteht und das Postament aufzulockern scheint. Die von der Basis ausgehende, organisch geschwungene, verjüngende Kurve nimmt des Weiteren die Formen der Wandgliederung wieder auf. Der vorgelegte Pilaster der Außenwand der Universität besitzt ebenfalls einen untergliederten Unterbau und steigt dann steil und rechteckig in die Höhe.

Auf dem Sockel befindet sich eine eingemeißelte Inschrift, die wie folgt lautet: „Dr. Josef Unger. Professor des Zivilrechtes. 1828-1913“. Die Inschrift ist feuer- oder ölvergoldet und hebt sich somit von ihrem steinernen Untergrund ab. Dieser trägt eine wilde Maserung in grau-bräunlichen Tönen. Da weder Rechnungen des Steinmetzes, noch Auftragserteilungen, erhalten sind, lässt sich an dieser Stelle keine gesicherte Aussage über die Materialität treffen, höchstwahrscheinlich handelt es sich um Marmor.

Auf dem Sockel befindet sich eine, auf einem sehr kleinen von Voluten umrahmten Söckelchen, bronzene Büste. Diese zeigt den verstorbenen Juristen Josef Unger aus der Frontalsicht bis zum Brustbein und an den Seiten bis knapp zu den Armansätzen. Erblickt man das Denkmal von der Seite fällt auf, dass der Körper hinten bereits im oberen Rückenbereich abgeschnitten ist und - aufgrund der einseitigen Ansicht - nur von vorne ausgearbeitet wurde. Der Dargestellte trägt einen Anzug mit breitem Schalkragen, der oberste Knopf ist zu sehen. Darunter ist ein breiter Krawattenknoten zu erkennen, welcher das eng am Hals sitzende Hemd fast verdeckt.

Der Kopf Ungers ist leicht nach rechts geneigt, wobei seine Augen diese Blickrichtung aufnehmen und den Betrachter nicht anschauen – im Gegenteil es wirkt als blicke Unger knapp über den Beschauer hinweg nach links. Der Dargestellte ist als älterer Herr mit dichtem Backenbart porträtiert worden. Vergleiche mit anderen Abbildungen zeigen, dass typische physiognomische Merkmale übernommen worden sind: So die große Nase und hohe Stirn, aber auch die leicht zusammengekniffenen Augen mit den buschigen Augenbrauen. Unger trägt seine typische Frisur; die Haare fallen auf dem Oberkopf in einer Tolle auf die vom Betrachter aus linke Seite. Einige Fotos und Gemälde zeigen Unger in bereits fortgeschrittenem Alter mit Falten und weißem Haar. Im Vergleich zur Bronze fällt auf, dass diese dem Vorbild sehr nah angelehnt ist und es sich um ein naturgetreues Abbild des Juristen handelt. Vergleiche dazu den Abschnitt Darstellungen bei Josef Unger.

Notizen zur dargestellten Person

Komplettansicht Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.

Josef Unger (*02.07.1828 in Wien; † 02.05.1913 ebd.) war ein österreichischer Politiker und Jurist. Er war ordentlicher Professor am Juridicum der Universität Wien sowie ehrenamtlicher Bibliothekar an der Universitätsbibliothek. Zusammen mit Julius Glaser setzte er sich für die Begründung der wissenschaftlichen Behandlung des österreichischen Zivilrechts ein und war liberaler Politiker.

Entstehungsgeschichte

Nach ausführlichen Recherchen im Archiv der Universität Wien, im Wiener Stadt-und Landesarchiv sowie im Archiv des Wien Museums konnten leider keine Dokumente bezüglich der Planung und Aufstellung des Denkmals für Josef Unger ausfindig gemacht werden. Somit lässt sich nicht genau sagen, wer die Büste bei Caspar von Zumbusch in Auftrag gegeben hat und für die Finanzierung zuständig war. Die Büste wird im Werkverzeichnis als zwischen 1893-1894 geschaffen angegeben.[1] Höchstwahrscheinlich wurde das Denkmal 1928 anlässlich des 100-jährigen Geburtstags Josef Ungers enthüllt, der am 2.7.1828 in Wien geboren wurde.

Der ausführende Künstler der Büste war Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, dessen Signatur sich leider nicht auf der Büste finden lässt. Es ist kein Steinmetz für den Sockel bekannt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Inschrift Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.
Hinteransicht mit Blick auf Einhöhlung der Bronze, Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.

Es handelt sich beim Denkmal für Josef Unger um das jüngste von Kaspar Zumbusch im Arkadenhof aufgestellte Werk. Während man weder das Denkmal Julius Glaser noch Denkmal Theodor Billroth oder Denkmal Leopold Hasner von Artha vergleichen kann, so können durchaus Parallelen zu dem 1912 entstandenen Denkmal Adolf Mussafia oder dem älteren Denkmal Anton Josef Hye von Gluneck gezogen werden.

Ausschnitt und Bearbeitung der Bronze ähneln stark der Büste von Hye von Gluneck aus dem Jahr 1899. In beiden Fällen sind die Abgebildeten naturgetreu dargestellt und nicht beschönigt worden. Als ältere Herren verkörpern sie Weisheit und Wissen und legitimieren somit ihren Platz im Arkadenhof. Beide Bronzen sind im Nacken beziehungsweise am oberen Rückenbereich abgeschnitten und nur auf Vordersicht ausgearbeitet. Während Gluneck jedoch weit oberhalb des Betrachters beinahe thront, befindet sich Unger knapp über Augenhöhe. Auch die Basen für die Büsten könnte nicht unterschiedlicher sein: Die bronzene Gedenktafel mit marmorner Umfassung des Hye-Denkmals ist monumental gestaltet und leitet den Blick des Beschauers vor allem auf die den Dargestellten umschreibende Inschrift. Der einfache rechteckige Pfeiler Ungers lenkt im Gegensatz dazu nicht von der Büste ab, sondern stellt diese in den Mittelpunkt.

Die Büste des Romanisten Adolf Mussafia ist ebenfalls sehr gut mit dem Denkmal für Josef Unger zu vergleichen. Die 1912 enthüllte, auch von Zumbusch gearbeitete, Bronze weist in Oberflächenbehandlung und Ausschnitt große Parallelen zu den beiden bereits verglichenen Arbeiten auf. Wie Unger hat er den Kopf leicht gedreht und macht einen dynamischen Eindruck. Besonders ist hierbei, dass auch Mussafia auf einem schlichten, hochrechteckigen Sockel steht. Es wäre möglich, dass sich die Auftraggeber Jahre später – bei der Büste Ungers – bewusst an einer älteren Arbeit Zumbuschs orientiert haben. Leider lässt sich dies aufgrund fehlender Dokumente nicht nachprüfen.

Die bewusste Entscheidung für einen schlichten Sockel und die Fokussierung des Betrachters auf die Porträtbüste ist mit Sicherheit auch eine Frage des Zeitgeschmacks und der Weiterentwicklung eben diesen. Es fällt auf, dass jüngere Denkmäler meist einen schlichten Sockel in ähnlicher Form wie Unger besitzen, vergleiche beispielsweise Denkmal Heinrich Lammasch oder Denkmal Hans Kelsen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Detailansicht Denkmal Josef Unger, Arkadenhof der Universität Wien, 1928.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sollte im November 1938 die „Langemarck“-Feier durch NS-Studenten im Arkadenhof stattfinden. Im Zuge der Vorbereitungen wurden willkürlich Denkmäler für Professoren, die nach NS-Kriterien als „jüdisch“ eingestuft wurden, beschädigt, mit Farbe beschmiert oder umgestürzt. Davon war die Büste für Josef Unger jedoch nicht betroffen. In der Folge kam es zu einer Überprüfung der Konformität der dargestellten Professoren mit den NS-Rassegesetzen und die Universitätsleitung Rektor Fritz Knoll ließ Denkmäler abtragen und in Depots lagern.[2] Darunter auch das Denkmal für Josef Unger. Alle beschädigten und entfernten Denkmäler konnten nach Kriegsende und nach ihrer Wiederherstellung im Jahr 1947 wieder im Arkadenhof aufgestellt werden.

Einzelnachweise

  1. Maria Kolisko: Caspar von Zumbusch, Zürich/Leipzig/Wien 1931, S. 136.
  2. Maisel 2007, S. 15.

Quellen

Leider konnten bisher keine Archiv-Quellen gefunden werden.

Rezeption in der Presse

Es sind keine Artikel zum Denkmal bzw. zur Enthüllung des Denkmals in der Presse bekannt.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Josef Unger erscheint in der Neuen Freien Presse ein Abriss über seine Biographie und seine Laufbahn als Jurist.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Verena S. Göbel, Sarah Lange, Sophie Scheffner