Denkmal Josef Seegen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Richard Kauffungen, Porträtbüste: Josef Seegen (1822-1904), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 72, 1910 enthüllt, Abbildungsnachweis: Universität Wien.
Abb. 9: Lage des Denkmals, Nr. 72, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Josef Seegen (1822-1904) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 20. Februar 1910 enthüllt.

Beschreibung

Das von Richard Kauffungen angefertigte Denkmal Seegens befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien. Dort nimmt es die in Maisels Plan geordnete 72. Stelle ein. Es zeigt den Balneologen im ¾ Profil. Seegens Torso ist nur bis knapp über die Mitte abgebildet und ruht auf einem Sockel, der aus dichtem vulkanischem Gestein besteht. Er misst 56 cm in der Höhe, 37, 5 cm in der Breite und 26 cm in der Tiefe. Der Sockel weist die Maße 145 cm x 32 cm x 23, 5 cm auf.

Detailansicht, Signatur Kauffungens, Abbildungsnachweis: Julia Strobl 2013.

Seitlich ist Kauffungens Signatur zu erkennen, in welcher auch das Jahr in den lateinischen Buchstaben „fecit MCMIX“ Erwähnung findet. Die vorhin beschriebene lateinische Inschrift entspricht dem Zeitstil. Unter ihr befinden sich Abklebe-Spuren. Der Marmor des oberen Teiles der Büste weist verschmutzte gelbliche Verfärbungen auf.

Notizen zur dargestellten Person

Josef Seegen war ein Physiologe und Balneologe, der am 20.5.1822 in Polna/ Böhmen geboren wurde und am 14.1.1904 in Wien starb. Es gelang ihm der Nachweis, dass die Zuckerbildung ein vitaler, an das Leben der Leberzelle gebundener Vorgang ist. Weiters entdeckte er die Zuckerbildung aus Eiweiß und Fett.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal des Balneologen Dr. Josef Seegen wurde vom Komitee der medizinischen Universität Wien beantragt. Dies geschah vor allem über die Anregung der Hofräte Exner, Toldt, v. Ebner, Zuckerkandl und Weichselbaum. [1] Ebenjene kündigte auch an, für die finanziellen Mittel der Herstellung aufzukommen.[2] Für die Anfertigung des Denkmals war von ihr der Bildhauer Richard Kauffungen angedacht. Das Komitee bittet in einem Brief vom 10. März 1908 an das Professoren- Kollegium, die Aufstellung der Büste von Prof. Seegen beim akademischen Senat zu befürworten. Sie weisen auf Seegens Verdienste hin, insbesondere auf die im Gebiete des Stoffwechsels. Weiters betonen sie seine Zugehörigkeit zum medizinischen Professoren-Kollegium der Universität Wien und sein Interesse für wissenschaftliche Forschung. Auch hier wird erwähnt, dass Richard Kauffungen als der ausführende Bildhauer geplant ist.[3]

Der Rektor teilte dem Dekan der medizinischen Fakultät mit, dass der akademische Senat in der Sitzung vom 15. Mai 1908 die Aufstellung der Büste des Prof. Seegen beschlossen hatte. Dies sollte geschehen, sobald eine fünfjährige Frist abgelaufen war.[4]

In einem Brief des Rektors an den Dekan der Universität Wien wird deutlich, dass der Antrag auf die Aufstellung am 14. Juni 1909 durch den akademischen Senat bewilligt wurde.[5]

Aus weiteren Briefwechseln des Rektors mit Richard Kauffungen geht hervor, dass jener als der ausführende Bildhauer für das Denkmal Seegens bewilligt wurde. Kauffungen schlug vor, das Denkmal an den ersten Pfeiler an der Wand der Bibliotheksseite neben dem Drittel- Denkmal aufzustellen. Der Rektor der Universität Wien schrieb an Richard Kauffungen, dass sich der akademische Senat in der Sitzung vom 14. Juli 1909 beschlossen hatte, die Plinthe des Denkmals wegzulassen und die Inschrift direkt auf den Sockel anzubringen. Weiters wurde der Ausstellungsort genehmigt. 6

Nach einer Besichtigung durch die artistische Kommission im Atelier des Bildhauers am Montag, 7. Juni 19091, wurde im 18. Dezember desselben Jahres die von der artistischen Kommission beantragte Inschrift bewilligt. Sie lautet:

"IOSEPHUS SEEGEN N.A. MDCCCXXII M. A. MCMIII PROFESSOR A. MDCCCLIX – MDCCCXCIII DE CHIMIA PHYSIOLOGICA BENE MERITUS“ [6]

Die Enthüllungsfeier fand am 20. Februar 1910 um 13 Uhr im Arkadenhof der Universität Wien statt.[7] Die Festrede wurde von Prof. Dr. Ernst Ludwig gehalten.[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Richard Kauffungen, Porträtbüste von Richard Krafft-Ebing, Arkadenhof der Universität Wien, 1908.

Josef Seegen ist als Schulterstück dargestellt. Der Blick Seegens schweift leicht nach rechts in die Ferne ab. Seine Gesichtszüge wirken verwischt. Trotzdem fällt vor allem eine detaillierte Darstellung seiner in Falten gelegten Stirn auf. Seegen hält seinen Mund geschlossen, der von einem Vollbart umhüllt ist. Im Gesamten wirkt sein Gesichtsausdruck nachdenklich und angespannt. Die Spannung wird neben den Stirnfalten auch an Seegens Schläfen deutlich. Es wirkt so als würde die Anspannung auch eine Art Betrübtheit in sich bergen. Diese wird vor allem durch den langen, abwärts fallenden Bart erzeugt, der ein charakteristisches Merkmal des Balneologen zu sein scheint. Er wurde beispielsweise auch in einem Gemälde Seegens, welches sich in der Akademie der Wissenschaften in Wien befindet, wieder aufgegriffen. Diente dem Gemälde zwar die Büste als Vorbild, so wurden trotzdem einige Änderungen vorgenommen. Seegen wird hier beinahe im Seitenprofil und mit Brille dargestellt. Auch sein Gesichtsausdruck wirkt im Gesamten weicher, es sind kaum Falten auf der Stirn zu erkennen.

Ein weiterer Vergleich bietet sich mit dem ebenfalls von Kauffungen errichteten Denkmal für Richard von Krafft-Ebing an. Auch dieses befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien.
Bei Krafft-Ebing handelt es sich um ein Schulterstück, das etwas ausgreifender ist, als das von Seegen. Achtet man auf die Übergänge der Büsten zu den Sockeln so wirkt Seegens Denkmal viel statischer. Während Krafft- Ebings Büste auf einem schmalen Zwischenteil ruht, der an den seitlichen Rändern mit Blättern verziert ist, geht Seegens Büste direkt in die Sockelzone über. Seegens Schultern sind nur etwas breiter als die Breite des Sockels, was einen statischen Gesamteindruck erzielt. Die Ausarbeitung Krafft- Ebings Gewandes ist im Vergleich viel plastischer als das Seegens ausgeführt, was vor allem in der Gestaltung des Materials von Krafft- Ebings Mantel deutlich wird. Während Seegens Jacke bis auf wenige angedeutete Falten flach gestaltet ist, erzeugen die vielen Fältchen auf Krafft- Ebings Mantels einen deutlichen Eindruck der Struktur eines Pelzes. Jener scheint als habe er sich fast organisch aus der Struktur des Steines heraus entwickelt. Weiters wirken Krafft-Ebings Gesichtszüge in ihrer Ausführung viel ausgeprägter, was vor allem bei Betrachtung des Bartes auffällt. An der etwas freieren, abstrakteren Formensprachen kann man erkennen, dass sich Kauffungen vor allem bei der Büste für Josef Seegen von der Ringstraßentradion abwendet und in Richtung Moderne geht.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal Seegens wurde um zwei Positionen nach links verschoben. Dies wird deutlich, wenn man die Pläne des Arkadenhofs von Richard Meister und Thomas Maisel miteinander vergleicht. Bei Meister ist das Denkmal mit der Nr. 52 gekennzeichnet, die sich vor dem Pilaster im Eck befindet.

Quellen

  1. UAW, S. 96. 1 Protokoll-Nr. Z.839.
  2. UAW, S. 96.1 Protokoll-Nr. 831.
  3. UAW, S. 96.1 Protokoll-Nr. 1537.
  4. UAW, S. 96. 1. Protokoll-Nr. 1537 ex 1907/8.
  5. UAW, S. 96.1 Protokoll-Nr. 1427.
  6. UAW, S. 96.1 Protokoll-Nr. 831.
  7. UAW, S. 96.1 Protokoll-Nr. 1537.
  8. UAW, S. 96. 1 Protokoll-Nr. 1537 ex 1907/8.

Weblinks

  • Eintrag zu Seegen im Austria-Forum [[1]]
  • Artikel über die Enthüllung des Krafft-Ebing Denkmals [[2]]

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 109.

Darstellungen



Julia Strobl, Franca Esther Zitta, Sophie Scheffner