Denkmal Josef Quarin

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Vorderansicht, Denkmal Joseph Freiherr von Quarin,, Johann Martin Fischer, 1802, Arkadenhof Universität Wien
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 124, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Denkmal Joseph Freiherr von Quarin, Johann Martin Fischer, 1802, Arkadenhof Universität Wien.

Die Büste für den Mediziner Josef Quarin (1733-1814) wurde von dem Bildhauer Johann Martin Fischer (1740-1820) 1802 zunächst für den Sitzungssaal der medizinischen Fakultät geschaffen, befand sich 1888 im Rektoratszimmer und wurde 1889 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt.

Beschreibung

Die Büste von Josef Quarin (Abb.1) befindet sich im rechten Gang des Arkadenhofes der Universität Wien (Maisel 2007, Nr. 124 / Abb. 2).[1] Sie besteht aus Carraramarmor und ist 70 cm hoch.

Abb.4: Ansicht von links, Denkmal Joseph Freiherr von Quarin, Johann Martin Fischer, 1802, Arkadenhof Universität Wien

Der Porträtierte wird in einem weiten Büstenausschnitt (Abb.1) dargestellt, der den Blick auf eine zeitgenössische Tracht mit einem Rüschenhemd und einem schlichten Bürgerfrack freigibt. Unter den Rüschen trägt er ein Medaillon mit dem Profilbildnis des Kaisers Franz II. Er hat diese Auszeichnung 1797 verliehen bekommen, als er einer Aufforderung des Stadthauptmanns Saurrau folgend angesichts der heranrückenden Truppen Napoeons, ein akademisches Corps zusammenstellte und finanziell unterstützte. Der Kopf ist ausgesprochen porträtähnlich gestaltet, wie ein Vergleich mit dem zeitgenössischen gemalten und grafischen Porträts zeigt. Das Gesicht hat eine annähernd rechteckige Form und ist nach unten hin langgezogen. Die Augen sind verhältnismäßig groß und mandelförmig und wirken durch die fehlende Ausarbeitung der Pupillen weit aufgerissen und blicklos. Direkt an diese setzen dicht angeschlossen die geschwungenen Augenbrauen an. Der Mund, welcher weit unter der Nase ansetzt ist schmal und breit ausgeformt. Das Doppelkinn und die stark ausgeprägten Nasalfalten verleihen dem Gesicht individuelle Züge. Quarin trägt die in josefinischer Zeit übliche Perücke. Der Haaransatz setzt weit oben an der hohen Stirn an (Abb. 1) und das Mittelhaar ist gerade nach hinten gekämmt wobei die seitlichen Haarteile rechts und links am Ende zu einer horizontalen Locke eingedreht sind. Das Haar reicht bis in den Nacken und ist am Ende mit einer Masche zusammengebunden.

Der quaderförmige, aus rotem Marmor gefertigte Sockel (Abb.5) verfügt über eine breite Basis und ein schmales Fußgesims. Der Mittelteil trägt eine Inschrift, die auf einer in hellerem Stein eingefassten Tafel geschrieben steht. Der Abschluss wird von einem breiten Gesims gebildet. Auf diesem ist eine kleine quadratische Plinthe aufgesetzt, auf der die Büste ihren Standort findet.

Abb.5: Sockel, Denkmal Joseph Freiherr von Quarin, Johann Martin Fischer, 1802, Arkadenhof Universität Wien.

Die lateinische Inschrift auf dem Sockel lautet: „LIB BAR IOS QVARINIOS C. R. M. CONSIL ET ARCHIATRO VIRO ANTIQVIS MORIBVS DOMI FORIS QVE INCLVTO MEDICO INCOMPARABILI N LOND HAFN MATRIT SOCIETIMED ADLECTO SALVTIFERAE ARTIS OPEDE AVGVSTA FAMILIA PATRIA CIVICES OPTIME MERENTI CEL VNIVERSITATIS VINDOB CVIVS IVRA ET LEGES MODESTA CONSTANTIA ADSERVIT ORNAMENTO ET PRAESIDIO RECTORI MAGNIFICO RARO EXEMPLO QVINTVM SENATVD ACAD VIND P. C. MDCCCII.“

Die Inschrift erinnert an Quarins Stellung als Leibarzt der kaiserlichen Familie, an seine anerkannte Stellung im In- und Ausland, seine Mitgliedschaft in Gelehrtengesellschaften in London, Kopenhagen und Madrid und das mehrfach ausgeübte Rektorenamt.

Notizen zur dargestellten Person

Joseph Freiherr von Quarin wurde am 19. November in Wien geboren und verstarb, ebenso in Wien, am 19. März 1814 . Er war Arzt und wurde von der Kaiserin Maria Theresia zum k.k. Rat und später zum kaiserlichen Leibarzt erhoben. 1784 wurde er der erste Direktor des neuen Allgemeinen Krankenhauses von Wien und wurde auch mehrfach zum Rektor der Universität Wien gewählt. [2]

Entstehungsgeschichte

Die Büste wurde im Jahr 1802 vom Bildhauer Johann Martin Fischer angefertigt und war ein Auftrag der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Der zuerst für die Büste bestimmte Standort war im Sitzungssaal der medizinischen Fakultät, der genaue Platz ist jedoch unbekannt.[3]

1880 bat die Genossenschaft der Bildenden Künste Wiens um eine Leihgabe der Büste für eine Porträtausstellung. In dieser sollten Werke mit besonderem künstlerischem Wert und interessanter Art der Darstellung gezeigt werden. [4] Der Fokus lag dabei auf herausragenden historischen Persönlichkeiten und es wurde auch für das Porträt Andreas Josef von Stifft von Franz Klein angefragt.

Aus den Quellen geht hervor, dass die Büste, wie das Denkmal Andreas Josef von Stifft sich im Jahr 1888 im Rektoratszimmer befunden haben muss, da der Auftrag einging, sie von dort in den Arkadenhof zu versetzen.[5] An der Planung des Standortes war Karl Köchlin, der Architekt, der nach Heinrich von Ferstel’s Tod die Leitung übernommen hat, beteiligt.[6] Das Werk wurde 1889 mit bestehendem Sockel in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt und es gibt keine Aufzeichnungen, dass die Büste dort noch einmal bewegt wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Johann Martin Fischer, Büste Leopold Biwald, Universitätsbibliothek Graz, 1807.

Johann Martin Fischer’s Werke nach der Jahrhundertwende weisen, laut Poch-Kalous eine stark realistische Auffassung der Darstellung auf, die durch die individuelle Tracht der Porträtierten verstärkt wird.[7]

Die Falten im Frack sind klar definiert wobei die im Rüschenhemd eine lebhafte Bewegtheit aufweisen, welche die gesamte Kleidung auflockern. Die Gesamtform unterliegt einer Ordnung, die sich auch die ganze Büste bezieht.

Auch die etwas später, im Jahre 1807 entstandene, metallene Büste des Jesuitengelehrten und Universitätsprofessors Leopold Gottlieb Biwalds, die in der Universitätsbibliothek Graz ihren Aufstellungsort gefunden hat, zeigt die genannten Gestaltungsmerkmale. Die Erscheinung des Geehrten ist durch sein geistliches Gewand geprägt. Der Künstler wählte bei beiden den selben Büstenabschnitt und nahezu die selbe Haltung. So neigt Biwald jedoch den Kopf etwas nach vorne, während Quarin in die Ferne blickt. Das Sockelpodest auf dem die Büsten ruhen ist formident. Auch tragen beide ein Medaillon des Kaisers über das Hemd gelegt. Zu unterscheiden ist die Genauigkeit mit der bei Biwalds Büste die Falten der Kleidung und der Haut herausgearbeitet wurden. Das glatte Material unterstützt die Licht,- und Schattenflächen, welche die fein herausgearbeiteten Muskelpartien werfen, zusätzlich. Man kann von dem Denkmal Quarins hin zum Denkmal Biwalds eine Steigerung der realistischen Darstellung, anhand der präziseren Detailausarbeitung erkennen. Fischer schließt mit seinen nüchtern beobachteten Büsten an die Porträtbüsten von Franz Xaver Messerschmidt an wie z.B. an die Büste des Pressburger Gelehrten Kovacic.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

In den Quellen sind keine besonderen Ereignisse, die sich direkt auf das Denkmal beziehen nach der Aufstellung 1889 vermerkt. Die Büste dürfte sich seit dem Zeitpunkt der Versetzung aus dem Rektoratszimmer in den Arkadenhof an derselben Stelle befinden und mit dem ursprünglichen Sockel verblieben sein.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 92.
  2. Maisel 2007, S. 92.
  3. Sycha 2008, S. 53.
  4. UAW, Senat S 87.1.1
  5. UAW, Senat S 87.1.17
  6. UAW, Senat S 87.1.14
  7. Poch-Kalous 1949, S. 31.

Quellen

  • UAW, CA 1.0.457 , Gedenkfeier zu Ehren des verstorbenen Joseph von Quarin.
  • UAW, Senat S 87.1.14, Büsten: Gerhard van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.17, Aufstellung von 5 Portrait-Büsten im Arkadenhof: Van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.1, Leihgaben (Büsten, Gemälde) für Ausstellung der Genossenschaft der Bildenden Künste Wiens.

Literatur

  • Hinterberger 1934: Oskar Hinterberger (Hrsg.), Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität von Richard Meister Ph. Dr. Prof. an der Universität in Wien, Wien 1934.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Poch-Kalous 1949: Margarethe Poch-Kalous, Johann Martin Fischer. Wiens bildhauerischer Repräsentant des Josefinismus. Mit 48 Bildtafeln, Wien 1949.
  • Schwaighofer 1921: Emma Schwaighofer, Johann Martin Fischer. Seine Jugend und sein Mannesalter bis zur Erreichung der Anatomieprofessur an der k.k. Akademie der Malerei und Bildhauerkunst in Wien, phil. Diss., Wien 1921.
  • Sycha 2008: Roswitha Sycha, Studien zu Wiener Porträtbüste um 1800. Ein Beitrag zum Klassizismus in Österreich, phil. Dipl., Wien, 2008.


Johanna Petrovitsch, 2013SS; Sophie Scheffner 2014SS