Denkmal Josef Loschmidt: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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[[Bild:Loschmidt.jpg|thumb|Anton Schmidtgruber, Denkmal für Josef Loschmidt, Arkadenhof der Universität Wien, 1897.]]
Josef Loschmidt, Arkadenhof der Universität Wien, 1897.]]
[[Bild:Maisel plan markiert 154.png|thumb|Lage des Denkmals, Nr. 154, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.]]
[[Bild:Signatur Schmidgruber.JPG|thumb|Signatur des Bildhauers Anton Schmidgruber. Foto: Sophie Scheffner.]]
[[Bild:Signatur Schmidgruber.JPG|thumb|Signatur des Bildhauers Anton Schmidgruber. Foto: Sophie Scheffner.]]
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Das Porträtrelief [[Josef Loschmidt]]s wurde von [[Anton Schmidgruber]] geschaffen und trägt bei Maisel die Nummer 154. Finanziert wurde es von der Chemisch-physikalischen Gesellschaft. Am 5. November 1899 wurde es feierlich im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Das Denkmal für den Physiker und Chemiker [[Josef Loschmidt]] (1821-1895  wurde von dem Bildhauer [[Anton Schmidgruber]] (1837-1909) für den [[Arkadenhof der Universität Wien]] geschaffen und am 5. November 1899 enthüllt.


=Beschreibung=
=Beschreibung=
Das Denkmal für [[Josef Loschmidt]] befindet sich im rechten Arkadenhofgang gleich rechts neben der Tür, durch die man den Gang vom Universitätsgebäude aus betritt. Das Porträtrelief ist über der Betrachterhöhe an der Wand angebracht und ist 135 cm hoch. Oberes und unteres Gesims fassen 100 cm und der Mittelteil ist 90 cm breit. Der Künstler hat das Denkmal aus Marmor gefertigt und am unteren rechten Rand signiert.
Josef Loschmidt blickt aus einer oben abgerundeten Nische heraus in die Ferne. Die Nische wölbt sich hinter dem Geehrten leicht nach Innen und ist von einem Rechteck eingefasst, das auf einer Platte ruht, auf der sich die Inschrift befindet. Diese klärt uns über Berufung und Geburts,- und Todestag des Dargestellten auf.  Loschmidt ist als Brustbild dargestellt und nach unten hin von einer Täfelung, auf der sein Namen steht begrenzt. Nach oben hin ist das Denkmal mit einem Gesims abgeschlossen. Darunter ruhen mittig Akantusranken auf der Rahmung der Nische und rechts und links davon befinden sich Rosetten.
[[Josef Loschmidt]] ist in Anzug und Krawatte dargestellt. Er trägt volles Haar und einen Vollbart. Sein ernster, erhabener Blick ist leicht nach oben in die Ferne gerichtet. Er dreht den Kopf vom Betrachter aus nach rechts, sodass wir ihn im Halbprofil sehen. Die fein herausgearbeiteten Falten lassen darauf schliessen, dass das Relief Loschmidt bereits in fortgeschrittenem Alter zeigt. Er ist umgeben von Lorbeerzweigen, die Anton Schmidgruber deutlich feiner und zurückhaltender herausgearbeitet hat als den Geehrten selbst. So bilden sie einen homogenen, nicht vom Vordergrund ablenkenden Rahmen für den Geehrten und lassen gleichzeitig den Hintergrund nicht allzu leer erscheinen und binden ihn damit besser in die Gesamtkomposition mit ein. Der Künstler greift die Symbolik des Lorbeerblattes erneut als Hintergrundverzierung für die Letter der Namenstafel Loschmidts auf.


Das Denkmal für [[Josef Loschmidt]] befindet sich im rechten Arkadenhofgang gleich rechts neben der Tür, durch die man den Gang vom Universitätsgebäude aus betritt. Das Porträtrelief ist über der Betrachterhöhe an der Wand angebracht und ist 135 cm hoch. Oberes und unteres Gesims fassen 100 cm und der Mittelteil ist 90 cm breit. Der Künstler hat das Denkmal aus Marmor gefertigt und am unteren rechten Rand signiert .<br/>
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Josef Loschmidt blickt aus einer oben abgerundeten Nische heraus in die Ferne. Die Nische wölbt sich hinter dem Geehrten leicht nach Innen und ist von einem Rechteck eingefasst, das auf einer Platte ruht, auf der sich die Inschrift befindet. Diese klärt uns über Berufung und Geburts,- und Todestag des Dargestellten auf.  Loschmidt ist als Brustbild dargestellt und nach unten hin von einer Täfelung, auf der sein Namen steht begrenzt. Nach oben hin ist das Denkmal mit einem Gesims abgeschlossen. Darunter ruhen mittig Akantusranken auf der Rahmung der Nische und rechts und links davon befinden sich Rosetten.<br/>
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[[Josef Loschmidt]] ist in Anzug und Krawatte dargestellt. Er trägt volles Haar und einen Vollbart. Sein ernster, erhabener Blick ist leicht nach oben in die Ferne gerichtet. Er dreht den Kopf vom Betrachter aus nach rechts, sodass wir ihn im Halbprofil sehen. Die fein herausgearbeiteten Falten lassen darauf schliessen, dass das Relief Loschmidt bereits in fortgeschrittenem Alter zeigt. Er ist umgeben von Lorbeerzweigen, die Anton Schmidgruber deutlich feiner und zurückhaltender herausgearbeitet hat als den Geehrten selbst. So bilden sie einen homogenen, nicht vom Vordergrund ablenkenden Rahmen für den Geehrten und lassen gleichzeitig den Hintergrund nicht allzu leer erscheinen und binden ihn damit besser in die Gesamtkomposition mit ein. Der Künstler greift die Symbolik des Lorbeerblattes erneut als Hintergrundverzierung für die Letter der Namenstafel Loschmidts auf. <br/>
=Notizen zur dargestellten Person=
=Notizen zur dargestellten Person=
Johann Josef Loschmidt (* 15. 3. 1821 in Putschirn , Tschechien; † 8. 7. 1895 in Wien) war ein österreichischer Physiker und Chemiker, der auf den Gebieten der Thermodynamik, Elektrodynamik und Optik und über Kristallformen forschte. Nach ihm wurde die Loschmidt-Zahl benannt und er war Mitbegründer der physikalischen Gesellschaft in Wien.
Johann Josef Loschmidt (* 15. 3. 1821 in Putschirn , Tschechien; † 8. 7. 1895 in Wien) war ein österreichischer Physiker und Chemiker, der auf den Gebieten der Thermodynamik, Elektrodynamik und Optik und über Kristallformen forschte. Nach ihm wurde die Loschmidt-Zahl benannt und er war Mitbegründer der physikalischen Gesellschaft in Wien.
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=Entstehungsgeschichte=
=Entstehungsgeschichte=
Der Arkadenhof der Universität Wien war von Anfang an als Aufstellungsort für das Ehrendenkmal des Universitäts-Professoren Josef Loschmidt angedacht. Seit die Chemisch-physikalische Gesellschaft Wiens [[Anton Schmidgruber]] damit beauftragt hat bestand Kontakt zwischen der Artistischen Komission und der Chemisch-physikalischen Gesellschaft, was Aufstellungsort und Aussehen des Denkmals betrifft. So bittet die Gesellschaft auch darum das Denkmal als Gegenstück zu [[Josef Böhm]] auf der anderen Seite der Zugangstür zum Arkadenhof anbringen zu dürfen. Vorerst musste jedoch eine Zeichnung mit Größenangaben an den Vorstand der Komission gesandt werden. Nach Bestätigung das Relief an besagtem Ort anbringen zu dürfen, besichtigte [[Kaspar Clemens Eduard Zumbusch]], damaliges Mitglied der Komission, das Büstenrelief im Atelier des Künstlers und bezeichnete es als sehr gelungen. Nachdem es am 5. Juli 1897 bereits vollendet war hat sich allerdings der Zeitpunkt der tatsächlichen Enthüllungsfeier immer wieder verschoben.  Vorerst wurde als endgültiger Termin der 2.Juli 1899 festgelegt. Endgültig wurde er aber auf den 5. November des selben Jahres verlegt. So wurde es am besagten Tag feierlich mit einer Rede von Rektor Dr. Wilhelm Anton Neumann und Gesang vom akademischen Gesangsverein um zwölf Uhr mittags enthüllt und ging damit in den Besitz der Universität Wien über.<ref>''UAW Senat S 95.5''</ref>
Der Arkadenhof der Universität Wien war von Anfang an als Aufstellungsort für das Ehrendenkmal des Universitäts-Professoren Josef Loschmidt angedacht. Seit die Chemisch-physikalische Gesellschaft Wiens [[Anton Schmidgruber]] damit beauftragt hat bestand Kontakt zwischen der Artistischen Komission und der Chemisch-physikalischen Gesellschaft, was Aufstellungsort und Aussehen des Denkmals betrifft. So bittet die Gesellschaft auch darum das Denkmal als Gegenstück zu [[Josef Böhm]] auf der anderen Seite der Zugangstür zum Arkadenhof anbringen zu dürfen. Vorerst musste jedoch eine Zeichnung mit Größenangaben an den Vorstand der Komission gesandt werden. Nach Bestätigung das Relief an besagtem Ort anbringen zu dürfen, besichtigte [[Kaspar Clemens Eduard Zumbusch]], damaliges Mitglied der Komission, das Büstenrelief im Atelier des Künstlers und bezeichnete es als sehr gelungen. Nachdem es am 5. Juli 1897 bereits vollendet war hat sich allerdings der Zeitpunkt der tatsächlichen Enthüllungsfeier immer wieder verschoben.  Vorerst wurde als endgültiger Termin der 2.Juli 1899 festgelegt. Endgültig wurde er aber auf den 5. November des selben Jahres verlegt. So wurde es am besagten Tag feierlich mit einer Rede von Rektor Dr. Wilhelm Anton Neumann und Gesang vom akademischen Gesangsverein um zwölf Uhr mittags enthüllt und ging damit in den Besitz der Universität Wien über.<ref>''UAW Senat S 95.5''</ref>
=Kunsthistorischer Vergleich und Analyse=
=Kunsthistorischer Vergleich und Analyse=
[[Bild:Denkmal_Stefan.jpg|thumb|Anton Schmidgruber, Denkmal für Josef Stefan, Wien 1896.© Unidam.]]
[[Bild:Denkmal_Stefan.jpg|thumb|Anton Schmidgruber, Denkmal für Josef Stefan, Wien 1896.© Unidam.]]
[[Bild:Josef_Loschmidt.jpg|thumb|Johann Joseph Loschmidt, Lithographie, 1875.]]
[[Bild:Josef_Loschmidt.jpg|thumb|Johann Joseph Loschmidt, Lithographie, 1875.]]
[[Bild:Lacknergasse.JPG|thumb|Ferdinand Wels, Relief in der Lacknergasse 79, 1180 Wien, Foto: Sophie Scheffner.]]
[[Bild:Lacknergasse.JPG|thumb|Ferdinand Wels, Relief in der Lacknergasse 79, 1180 Wien, Foto: Sophie Scheffner.]]
Anton Schmidgrubers Reliefbüste teilt sich nur mit wenigen anderen Denkmälern im Arkadenhof diese Darstellungsweise in Form einer Nischenarchitektur. Sehr präsent unter ihnen ist das Denkmal Theodor Billroths , aber auch von Schmidgruber selbst gibt es noch ein Zweites , in eine Nische gerahmtes Büstenrelief und zwar das, für den Physiker [[Josef Stefan]]. Jenes wurde auch von der Chemisch-physikalisches Gesellschaft gestiftet und drei Jahre früher als das von Loschmidt, nämlich 1896 enthüllt . [[Josef Stefan]] lebte zur gleichen Zeit wie [[Josef Loschmidt]] und sie arbeiteten teilweise zusammen. Bei gleichem Auftraggeber und gleichem Bildhauer verwundert es nicht, dass sich die beiden Reliefbüsten aneinander ähneln. Jedoch fällt bei Stefan sowohl die Darstellung des Geehrten als auch die Nischenarchitektur um einiges üppiger aus als bei Loschmidt. Wo Loschmidt halb versunken in Lorbeerzweigen hinter seiner Namenstafel hervorschaut ist Stefan als repräsentatives Hüftbild dargestellt und wird obendrein nochmals durch die Inschrift „Gewidmet von seinen Verehrern“ hervorgehoben. Als Attribut für seine Professorentätigkeit hält er Schriften in der rechten Hand. Beide Herren sind im Anzug dargestellt und schauen in die Ferne. Durch die Darstellung als Hüftbild ist bei Stefan mehr vom Gewand zu sehen, was die Person lebendiger macht. Dazu trägt er sein Jackett offen, was ihn extrovertierter wirken lässt  als den, in sich gekehrten Loschmidt. <br/>
Anton Schmidgrubers Reliefbüste teilt sich nur mit wenigen anderen Denkmälern im Arkadenhof diese Darstellungsweise in Form einer Nischenarchitektur. Sehr präsent unter ihnen ist das Denkmal Theodor Billroths , aber auch von Schmidgruber selbst gibt es noch ein Zweites , in eine Nische gerahmtes Büstenrelief und zwar das, für den Physiker [[Josef Stefan]]. Jenes wurde auch von der Chemisch-physikalisches Gesellschaft gestiftet und drei Jahre früher als das von Loschmidt, nämlich 1896 enthüllt . [[Josef Stefan]] lebte zur gleichen Zeit wie [[Josef Loschmidt]] und sie arbeiteten teilweise zusammen. Bei gleichem Auftraggeber und gleichem Bildhauer verwundert es nicht, dass sich die beiden Reliefbüsten aneinander ähneln. Jedoch fällt bei Stefan sowohl die Darstellung des Geehrten als auch die Nischenarchitektur um einiges üppiger aus als bei Loschmidt. Wo Loschmidt halb versunken in Lorbeerzweigen hinter seiner Namenstafel hervorschaut ist Stefan als repräsentatives Hüftbild dargestellt und wird obendrein nochmals durch die Inschrift „Gewidmet von seinen Verehrern“ hervorgehoben. Als Attribut für seine Professorentätigkeit hält er Schriften in der rechten Hand. Beide Herren sind im Anzug dargestellt und schauen in die Ferne. Durch die Darstellung als Hüftbild ist bei Stefan mehr vom Gewand zu sehen, was die Person lebendiger macht. Dazu trägt er sein Jackett offen, was ihn extrovertierter wirken lässt  als den, in sich gekehrten Loschmidt.
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Als Vorbild diente bei beiden höchstwahrscheinlich eine Lithografie. Im Falle von Loschmidt wird es wohl die aus dem Jahre 1875 gewesen sein. Bei dieser sind die Gesichtszüge und der Bildausschnitt exakt die Selben. Diese Lithografie diente auch als Vorbild für eine Gedenktafel von dem Künstler Ferdinand Welz, die an einem ehemaligen Wohnhauses Loschmidts in der Lacknergasse 79 im 18. Wiener Gemeindebezirk angebracht ist. Des weiteren beruht die Sonderbriefmarke, die 1995 von der Österreichischen Post gedruckt wurde ebenfalls auf dieser Quelle. Lediglich Variationen, die auf die Handschriften der jeweiligen Künstler zurückgehen sind auszumachen. So wirkt Schmidgrubers, in Stein gearbeiteter Loschmidt um einiges stattlicher als auf der Lithografie.
Als Vorbild diente bei beiden höchstwahrscheinlich eine Lithografie. Im Falle von Loschmidt wird es wohl die aus dem Jahre 1875 gewesen sein. Bei dieser sind die Gesichtszüge und der Bildausschnitt exakt die Selben. Diese Lithografie diente auch als Vorbild für eine Gedenktafel von dem Künstler Ferdinand Welz, die an einem ehemaligen Wohnhauses Loschmidts in der Lacknergasse 79 im 18. Wiener Gemeindebezirk angebracht ist. Des weiteren beruht die Sonderbriefmarke, die 1995 von der Österreichischen Post gedruckt wurde ebenfalls auf dieser Quelle. Lediglich Variationen, die auf die Handschriften der jeweiligen Künstler zurückgehen sind auszumachen. So wirkt Schmidgrubers, in Stein gearbeiteter Loschmidt um einiges stattlicher als auf der Lithografie.
=Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof=
=Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof=
Das Denkmal Loschmidts war für den Arkadenhof bestimmt und der Aufstellungsort wurde seitdem nicht verändert.
Das Denkmal Loschmidts war für den Arkadenhof bestimmt und der Aufstellungsort wurde seitdem nicht verändert.
=Quellen=
=Quellen=
*''UAW Senat S 95.5'': Sitzung der artistischen Kommission: Enthüllungsfeier des Denkmals des Uni. Prof. Dr. Josef Loschmidt, Wien 1898/99
*''UAW Senat S 95.5'': Sitzung der artistischen Kommission: Enthüllungsfeier des Denkmals des Uni. Prof. Dr. Josef Loschmidt, Wien 1898/99
*''UAW Senat S 87.2.13'': Sitzung der artistischen Komission, Wien 1898/99.
*''UAW Senat S 87.2.13'': Sitzung der artistischen Komission, Wien 1898/99.
=Einzelnachweise=
=Einzelnachweise=
<references/>
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=Literatur=
=Literatur=
*''Maisel 2007'': Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.<br/>
*''Maisel 2007'': Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
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''Sophie Scheffner''
''Sophie Scheffner''



Version vom 28. Oktober 2014, 17:14 Uhr

Anton Schmidtgruber, Denkmal für Josef Loschmidt, Arkadenhof der Universität Wien, 1897.
Lage des Denkmals, Nr. 154, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Signatur des Bildhauers Anton Schmidgruber. Foto: Sophie Scheffner.

Das Denkmal für den Physiker und Chemiker Josef Loschmidt (1821-1895 wurde von dem Bildhauer Anton Schmidgruber (1837-1909) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. November 1899 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Josef Loschmidt befindet sich im rechten Arkadenhofgang gleich rechts neben der Tür, durch die man den Gang vom Universitätsgebäude aus betritt. Das Porträtrelief ist über der Betrachterhöhe an der Wand angebracht und ist 135 cm hoch. Oberes und unteres Gesims fassen 100 cm und der Mittelteil ist 90 cm breit. Der Künstler hat das Denkmal aus Marmor gefertigt und am unteren rechten Rand signiert.

Josef Loschmidt blickt aus einer oben abgerundeten Nische heraus in die Ferne. Die Nische wölbt sich hinter dem Geehrten leicht nach Innen und ist von einem Rechteck eingefasst, das auf einer Platte ruht, auf der sich die Inschrift befindet. Diese klärt uns über Berufung und Geburts,- und Todestag des Dargestellten auf. Loschmidt ist als Brustbild dargestellt und nach unten hin von einer Täfelung, auf der sein Namen steht begrenzt. Nach oben hin ist das Denkmal mit einem Gesims abgeschlossen. Darunter ruhen mittig Akantusranken auf der Rahmung der Nische und rechts und links davon befinden sich Rosetten.

Josef Loschmidt ist in Anzug und Krawatte dargestellt. Er trägt volles Haar und einen Vollbart. Sein ernster, erhabener Blick ist leicht nach oben in die Ferne gerichtet. Er dreht den Kopf vom Betrachter aus nach rechts, sodass wir ihn im Halbprofil sehen. Die fein herausgearbeiteten Falten lassen darauf schliessen, dass das Relief Loschmidt bereits in fortgeschrittenem Alter zeigt. Er ist umgeben von Lorbeerzweigen, die Anton Schmidgruber deutlich feiner und zurückhaltender herausgearbeitet hat als den Geehrten selbst. So bilden sie einen homogenen, nicht vom Vordergrund ablenkenden Rahmen für den Geehrten und lassen gleichzeitig den Hintergrund nicht allzu leer erscheinen und binden ihn damit besser in die Gesamtkomposition mit ein. Der Künstler greift die Symbolik des Lorbeerblattes erneut als Hintergrundverzierung für die Letter der Namenstafel Loschmidts auf.

Notizen zur dargestellten Person

Johann Josef Loschmidt (* 15. 3. 1821 in Putschirn , Tschechien; † 8. 7. 1895 in Wien) war ein österreichischer Physiker und Chemiker, der auf den Gebieten der Thermodynamik, Elektrodynamik und Optik und über Kristallformen forschte. Nach ihm wurde die Loschmidt-Zahl benannt und er war Mitbegründer der physikalischen Gesellschaft in Wien.

Entstehungsgeschichte

Der Arkadenhof der Universität Wien war von Anfang an als Aufstellungsort für das Ehrendenkmal des Universitäts-Professoren Josef Loschmidt angedacht. Seit die Chemisch-physikalische Gesellschaft Wiens Anton Schmidgruber damit beauftragt hat bestand Kontakt zwischen der Artistischen Komission und der Chemisch-physikalischen Gesellschaft, was Aufstellungsort und Aussehen des Denkmals betrifft. So bittet die Gesellschaft auch darum das Denkmal als Gegenstück zu Josef Böhm auf der anderen Seite der Zugangstür zum Arkadenhof anbringen zu dürfen. Vorerst musste jedoch eine Zeichnung mit Größenangaben an den Vorstand der Komission gesandt werden. Nach Bestätigung das Relief an besagtem Ort anbringen zu dürfen, besichtigte Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, damaliges Mitglied der Komission, das Büstenrelief im Atelier des Künstlers und bezeichnete es als sehr gelungen. Nachdem es am 5. Juli 1897 bereits vollendet war hat sich allerdings der Zeitpunkt der tatsächlichen Enthüllungsfeier immer wieder verschoben. Vorerst wurde als endgültiger Termin der 2.Juli 1899 festgelegt. Endgültig wurde er aber auf den 5. November des selben Jahres verlegt. So wurde es am besagten Tag feierlich mit einer Rede von Rektor Dr. Wilhelm Anton Neumann und Gesang vom akademischen Gesangsverein um zwölf Uhr mittags enthüllt und ging damit in den Besitz der Universität Wien über.[1]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Anton Schmidgruber, Denkmal für Josef Stefan, Wien 1896.© Unidam.
Johann Joseph Loschmidt, Lithographie, 1875.
Ferdinand Wels, Relief in der Lacknergasse 79, 1180 Wien, Foto: Sophie Scheffner.

Anton Schmidgrubers Reliefbüste teilt sich nur mit wenigen anderen Denkmälern im Arkadenhof diese Darstellungsweise in Form einer Nischenarchitektur. Sehr präsent unter ihnen ist das Denkmal Theodor Billroths , aber auch von Schmidgruber selbst gibt es noch ein Zweites , in eine Nische gerahmtes Büstenrelief und zwar das, für den Physiker Josef Stefan. Jenes wurde auch von der Chemisch-physikalisches Gesellschaft gestiftet und drei Jahre früher als das von Loschmidt, nämlich 1896 enthüllt . Josef Stefan lebte zur gleichen Zeit wie Josef Loschmidt und sie arbeiteten teilweise zusammen. Bei gleichem Auftraggeber und gleichem Bildhauer verwundert es nicht, dass sich die beiden Reliefbüsten aneinander ähneln. Jedoch fällt bei Stefan sowohl die Darstellung des Geehrten als auch die Nischenarchitektur um einiges üppiger aus als bei Loschmidt. Wo Loschmidt halb versunken in Lorbeerzweigen hinter seiner Namenstafel hervorschaut ist Stefan als repräsentatives Hüftbild dargestellt und wird obendrein nochmals durch die Inschrift „Gewidmet von seinen Verehrern“ hervorgehoben. Als Attribut für seine Professorentätigkeit hält er Schriften in der rechten Hand. Beide Herren sind im Anzug dargestellt und schauen in die Ferne. Durch die Darstellung als Hüftbild ist bei Stefan mehr vom Gewand zu sehen, was die Person lebendiger macht. Dazu trägt er sein Jackett offen, was ihn extrovertierter wirken lässt als den, in sich gekehrten Loschmidt.

Als Vorbild diente bei beiden höchstwahrscheinlich eine Lithografie. Im Falle von Loschmidt wird es wohl die aus dem Jahre 1875 gewesen sein. Bei dieser sind die Gesichtszüge und der Bildausschnitt exakt die Selben. Diese Lithografie diente auch als Vorbild für eine Gedenktafel von dem Künstler Ferdinand Welz, die an einem ehemaligen Wohnhauses Loschmidts in der Lacknergasse 79 im 18. Wiener Gemeindebezirk angebracht ist. Des weiteren beruht die Sonderbriefmarke, die 1995 von der Österreichischen Post gedruckt wurde ebenfalls auf dieser Quelle. Lediglich Variationen, die auf die Handschriften der jeweiligen Künstler zurückgehen sind auszumachen. So wirkt Schmidgrubers, in Stein gearbeiteter Loschmidt um einiges stattlicher als auf der Lithografie.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal Loschmidts war für den Arkadenhof bestimmt und der Aufstellungsort wurde seitdem nicht verändert.

Quellen

  • UAW Senat S 95.5: Sitzung der artistischen Kommission: Enthüllungsfeier des Denkmals des Uni. Prof. Dr. Josef Loschmidt, Wien 1898/99
  • UAW Senat S 87.2.13: Sitzung der artistischen Komission, Wien 1898/99.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 95.5

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Sophie Scheffner