Denkmal Josef Loschmidt

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Anton Schmidtgruber, Denkmal für Josef Loschmidt, Arkadenhof der Universität Wien, 1897.
Lage des Denkmals, Nr. 154, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Signatur des Bildhauers Anton Schmidgruber. Foto: Sophie Scheffner.

Das Denkmal für den Physiker und Chemiker Josef Loschmidt (1821-1895) wurde von dem Bildhauer Anton Schmidgruber (1837-1909) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. November 1899 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Josef Loschmidt befindet sich im rechten Arkadenhofgang gleich rechts neben der Tür, durch die man den Gang vom Universitätsgebäude aus betritt. Das Porträtrelief ist über der Betrachterhöhe an der Wand angebracht und ist 135 cm hoch. Oberes und unteres Gesims fassen 100 cm und der Mittelteil ist 90 cm breit. Der Künstler hat das Denkmal aus Marmor gefertigt und am unteren rechten Rand signiert.

Josef Loschmidt blickt aus einer oben abgerundeten Nische heraus in die Ferne. Die Nische wölbt sich hinter dem Geehrten leicht nach Innen und ist von einem Rechteck eingefasst, das auf einer Platte ruht, auf der sich die Inschrift befindet. Diese klärt uns über Berufung und Geburts,- und Todestag des Dargestellten auf. Loschmidt ist als Brustbild dargestellt und nach unten hin von einer Täfelung, auf der sein Namen steht begrenzt. Nach oben hin ist das Denkmal mit einem Gesims abgeschlossen. Darunter ruhen mittig Akantusranken auf der Rahmung der Nische und rechts und links davon befinden sich Rosetten.

Josef Loschmidt ist in Anzug und Krawatte dargestellt. Er trägt volles Haar und einen Vollbart. Sein ernster, erhabener Blick ist leicht nach oben in die Ferne gerichtet. Er dreht den Kopf vom Betrachter aus nach rechts, sodass wir ihn im Halbprofil sehen. Die fein herausgearbeiteten Falten lassen darauf schliessen, dass das Relief Loschmidt bereits in fortgeschrittenem Alter zeigt. Er ist umgeben von Lorbeerzweigen, die Anton Schmidgruber deutlich feiner und zurückhaltender herausgearbeitet hat als den Geehrten selbst. So bilden sie einen homogenen, nicht vom Vordergrund ablenkenden Rahmen für den Geehrten und lassen gleichzeitig den Hintergrund nicht allzu leer erscheinen und binden ihn damit besser in die Gesamtkomposition mit ein. Der Künstler greift die Symbolik des Lorbeerblattes erneut als Hintergrundverzierung für die Letter der Namenstafel Loschmidts auf.

Notizen zur dargestellten Person

Johann Josef Loschmidt (* 15. 3. 1821 in Putschirn , Tschechien; † 8. 7. 1895 in Wien) war ein österreichischer Physiker und Chemiker, der auf den Gebieten der Thermodynamik, Elektrodynamik und Optik und über Kristallformen forschte. Er war Mitbegründer der physikalischen Gesellschaft in Wien und nach ihm wurde die Loschmidt-Zahl benannt.

Entstehungsgeschichte

Der Arkadenhof der Universität Wien war von Anfang an als Aufstellungsort für das Ehrendenkmal des Universitäts-Professors Josef Loschmidt angedacht.[1] Die Chemisch-physikalische Gesellschaft Wiens beauftragte Anton Schmidgruber zur Herstellung eines Denkmals. In der Korrespondenz zwischen Artistischer Kommission und Chemisch-Physikalischer Gesellschaft werden Aufstellungsort und Aussehen des Denkmals besprochen. So bittet die Gesellschaft auch darum das Denkmal als Gegenstück zu Josef Böhm auf der anderen Seite der Zugangstür zum Arkadenhof anbringen zu dürfen. Vorerst musste jedoch eine Zeichnung mit Größenangaben an den Vorstand der Artistischen Komission gesandt werden. Nach der Bestätigung das Relief an besagtem Ort anbringen zu dürfen, besichtigte Kaspar Clemens Eduard Zumbusch, damaliges Mitglied der Artistischen Kommission, das Büstenrelief im Atelier des Künstlers und bezeichnete es als sehr gelungen. Nachdem es am 5. Juli 1897 bereits vollendet war hat sich allerdings der Zeitpunkt der tatsächlichen Enthüllungsfeier immer wieder verschoben. Vorerst wurde als endgültiger Termin der 2.Juli 1899 festgelegt. Schlussendlich wurde er aber auf November des selben Jahres verlegt. So wurde das Denkmal am 5. November 1899 feierlich mit einer Rede von Rektor Dr. Wilhelm Anton Neumann und der musikalischen Begleitung durch den akademischen Gesangsverein um zwölf Uhr mittags enthüllt und ging damit in den Besitz der Universität Wien über.[2]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Anton Schmidgruber, Denkmal für Josef Stefan, Wien 1896.
Johann Joseph Loschmidt, Lithographie, 1875.
Ferdinand Welz, Relief an dem Wohnhaus in der Lacknergasse 79, 1180 Wien, Foto: Sophie Scheffner.

Anton Schmidgrubers Relief teilt sich nur mit wenigen anderen Denkmälern im Arkadenhof diese Darstellungsweise in Form einer Nischenarchitektur mit Dreiviertelfigur. Sehr präsent unter ihnen ist das Denkmal Theodor Billroths, aber auch von Schmidgruber selbst gibt es noch ein Zweites, ein von einer Nische gerahmtes Büstenrelief und zwar das für den Physiker Josef Stefan. Jenes wurde ebenfalls von der Chemisch-physikalischen Gesellschaft gestiftet und drei Jahre früher als das von Loschmidt, nämlich 1896 enthüllt. Josef Stefan lebte zur gleichen Zeit wie Josef Loschmidt und sie arbeiteten teilweise zusammen. Bei gleichem Auftraggeber und gleichem Bildhauer verwundert es nicht, dass sich die beiden Darstellungen einander ähneln. Jedoch fällt bei Stefan sowohl die Darstellung des Geehrten als auch die Nischenarchitektur um einiges üppiger aus als bei Loschmidt. Wo Loschmidt halb versunken in Lorbeerzweigen hinter seiner Namenstafel hervorblickt, ist Stefan in Form einer repräsentativen Dreiviertelfigur dargestellt und wird obendrein nochmals durch die Inschrift „Gewidmet von seinen Verehrern“ hervorgehoben. Als Attribut für seine Professorentätigkeit hält er Schriften in der rechten Hand. Beide Herren sind im Anzug dargestellt und schauen in die Ferne. Durch die Darstellung bis zur Hüfte ist bei Stefan mehr von der Kleidung zu sehen, was die Person lebendiger wirken lässt. Dazu trägt er sein Jackett offen, was ihn extrovertierter als den in sich gekehrten Loschmidt erscheinen lässt.

Als Vorbild für die Herausarbeitung der beiden Figuren diente dem Künstler bei beiden höchstwahrscheinlich eine Lithografie. Im Falle von Loschmidt wird es vermutlich die aus dem Jahr 1875 gewesen sein. Bei dieser sind die Gesichtszüge und der Bildausschnitt ziemlich genau dieselben. Diese Lithografie diente auch als Vorbild für eine Gedenktafel von dem Medailleur und Bildhauer Ferdinand Welz, die an einem ehemaligen Wohnhaus Loschmidts in der Lacknergasse 79 im 18. Wiener Gemeindebezirk angebracht ist. Des weiteren beruht die Sonderbriefmarke, die 1995 von der Österreichischen Post gedruckt wurde ebenfalls auf dieser Lithografie. Lediglich Variationen, die auf die Handschriften der jeweiligen Künstler zurückgehen sind auszumachen. So wirkt Schmidgrubers in Stein gearbeitete Darstellung Loschmidts um einiges stattlicher als auf der Lithografie.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals für Josef Loschmidt im Arkadenhof der Universität Wien sind keine Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW Senat S 95.5: Sitzung der artistischen Kommission: Enthüllungsfeier des Denkmals des Uni. Prof. Dr. Josef Loschmidt, Wien 1898/99
  • UAW Senat S 87.2.13: Sitzung der artistischen Komission, Wien 1898/99.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 95.5 Loschmidt, Josef, Denkmal im Arkadenhof, 1897-1900 (Akt)
  2. UAW Senat S 95.5

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Sophie Scheffner