Denkmal Josef Kudler

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Wilhelm Seib, Denkmal für Josef Kudler, Arkadenhof der Universität Wien, Nr.7, enthüllt 1891. Foto: Sarah Lange.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 7, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Juristen und Nationalökonomen Josef Kudler (1786-1853) wurde vom Bildhauer Wilhelm Seib (1854-1923) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 17. Juli 1891 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Wilhelm Seib, Denkmal für Josef Kudler, Detail Seitenansicht. Foto: Sarah Lange.
Abb. 4: Wilhelm Seib, Denkmal für Josef Kudler, Detail Seitenansicht. Foto: Rene Kreisl.
Abb. 5: Wilhelm Seib, Denkmal für Josef Kudler, Detail Signatur. Foto: Sarah Lange.

Das Denkmal für Josef Kudler befindet sich im westlichen Gang des Arkadenhofs links in der Nähe des Eingangs, bei Maisel 2007 wird das Denkmal mit der Nummer 7 angeführt (Abb. 2).[1] Die Büste befindet sich auf einer Wandkonsole, die auf mittlerer Höhe der Pilaster des Arkadenhofs angebracht ist. Büste und Konsole wurden aus Marmor gefertigt. Die Büste ist etwa 40 cm breit und 60 cm hoch.

Die Volutenkonsole weist auf der Frontseite ein sich nach unten wendendes Akanthusblatt auf. Die Konsole wird von einer gegliederten Platte mit einem fast quadratischen Grundriss abgeschlossen. Die obere Platte weist eine leichte Verkröpfung auf. Darunter befindet sich eine Art Frieszone auf deren Frontseite der Name des Dargestellten in goldenen Großbuchstaben eingeschrieben ist: „J. v. KUDLER“. Die linke Seite verrät die Lebensdaten des Porträtierten: "GEB. GRAZ 1786, GEST. WIEN 1853". Rechts steht: "PROF. D. STAATSWISSENSCH. 1821- 1848". Zwischen der Konsole und der Büste vermittelt ein kleiner eingekehlter Sockel, der von einem quadratischen Grundriss in einen kreisförmigen Abschluss übergeht. Der Kopf ist in einer spontanen Wendung nach links (vom Betrachter gesehen) dargestellt; der Blick Kudlers ist sinnend in die Ferne gerichtet. Es wird kein Bezug zu dem Betrachter aufgebaut, dennoch zeigt allein die Ausarbeitung der Pupillen, dass der Bildhauer Wilhelm Seib an einer naturalistischen Darstellungsweise interessiert war. Die hohe Stirn Kudlers wird durch die nach oben gekämmten, kurzen, lockigen Haare noch betont. Zwar ist der Marmor im Allgemeinen eher flächig modelliert, bestimmte, charakteristische Einzelheiten wurden jedoch genauer herausgearbeitet, wie etwa die Nasolabialfalte, die kleinen Fältchen um die Augen, die hervortretenden Wangenknochen sowie die lateralen Wangenfalten. Der Mund ist geschlossen, es fallen die vollen, geschwungenen Lippen auf. Die bartlose Mundpartie zeigt ein prominentes Kinn. Der Bildhauer lässt Kudler in zeitgenössischer Kleidung erscheinen. Er trägt einen zugeknöpften, doppelreihigen Mantel mit breitem Revers. Auf eine Darstellung der gesamten Armpartie wurde verzichtet; die Büste endet bereits an den Oberarmen. Die hochgeschlagenen Kragenenden blitzen unter der mehrfach um den steifen Stehkragen gebundenen Schleife hervor.

Notizen zur dargestellten Person

Josef Kudler (* 10. Oktober 1786 in Graz; † 6. Februar 1853 in Wien) war ein österreichischer Jurist und Nationalökonom. Nach seiner Promotion 1810 arbeitete er am Lyzeum Graz und übernahm 1821 eine Professur an der Universität Wien für politische Wissenschaften und österreichische politische Gesetzeskunde. Er wirkte mit am konstituierenden Reichstag.[2] Im Studienjahr 1848/49 war er Vizedirektor der juridisch-politischen Studien der Universität Wien und wurde schließlich Vorstand der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät. Des Weiteren war er auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Zu den von ihm verfassten Hauptwerken gehören "Erklärung des Strafgesetzes über schwere Polizeiübertretungen" (1824) und "Grundlehren der Volkswirtschaft" (1846).

Entstehungsgeschichte

In einer Sitzung vom 31. Mai 1889 fasste die Artistische Kommission den Beschluss, dem Ministerium für Cultus und Unterricht den Vorschlag zu unterbreiten, eine Büste des verstorbenen Josef Kudler auf Staatskosten anfertigen zulassen.[3] Im Oktober 1889 beabsichtigte der Rektor der Universität Wien diesen Initiativantrag dem Ministerium vorzulegen. Da das Ministerium genau zu dieser Zeit über die im nächsten Jahr zu verteilenden Kunstkredite tagte, war in diesem Zusammenhang Eile geboten.[4] Als Vorbild für die Herstellung der Büste sollte ein Bildnis Kudler’s verwendet werden, das dem Rektorat der Universität Wien vom Nationalökonomen Carl Menger aus dessen Besitz überlassen und vom Rektor in weiterer Folge zur Verwahrung an das Universitätsarchiv übergeben wurde.[5] [6]

Dokumente über die Geschehnisse des Jahres 1890 sind erst ab November dieses Jahres erhalten: Demnach unterrichtete der Minister für Cultus und Unterricht am 19. November 1890 den Rektor der Universität Wien, dass die Herstellung einer Marmorbüste für Josef Kudler als Pendant zur Büste für Josef von Sonnenfels genehmigt und als ausführender Bildhauer Wilhelm Seib bestimmt wurde, der eine Vergütung von 1200 Gulden für diesen Auftrag zugesichert bekam.[7] Die Finanzierung erfolgte durch das k. k. Ministerium für Kultur und Unterricht. [8] Am 30. April 1891 teilte schließlich Seib dem Rektor der Universität Wien mit, dass er die Büste vollendet hätte.[9]

Augenscheinlich war ursprünglich geplant, die Büsten für Lorenz von Stein und Josef Kudler gemeinsam zu enthüllen: Aus einem Schreiben der Artistischen Kommission vom 10. Mai 1891 geht jedoch hervor, dass die Lorenz von Stein-Büste bis Ende des Semesters nicht vollendet werden konnte und so eine gemeinsame Enthüllungsfeier mit dem Denkmal für Kudler nicht möglich war. Obwohl die Akten über die Anfertigung der Konsole für die Kudlerbüste keinerlei Auskunft geben, ist zumindest bekannt, dass hinsichtlich der Inschrift auf dieser Konsole die nötigen Schritte eingeleitet wurden.[10]

Die Quellen berichten von einer Reihe von Hindernissen im Hinblick auf die Feierlichkeiten zur Enthüllung des Denkmals: So hatte der Nationalökonom Carl Menger, der die Festrede halten sollte, den ursprünglichen Termin wegen einer Erkrankung abgesagt.[11] Wegen Unwohlsein abgesagt hatte diesen Termin auch Fanny Koch, die Tochter des Geehrten, die als Ehrengast geladen war.[12] Der Termin für den Festakt musste daher verschoben werden. Nachdem Menger aus gesundheitlichen Gründen jedoch weiterhin verhindert war und der daraufhin vorgeschlagene Nationalökonom August von Miaskowski sich bis Pfingsten Bedenkzeit erbeten, aber am 2. Juni ebenfalls abgesagt hatte, konnte schließlich der Jurist Wenzel Lustkandl als Festredner gewonnen werden.[13] Im Rahmen des Festakts sollte zuerst die Festrede gehalten werden, dann die Dankesrede des Rektors folgen und schließlich die Feier mit einem Choral des Wiener akademischen Gesangsvereins enden.[14] Bedauerlicherweise musste aber der Gesangsverein am 10. Juli seine Teilnahme an der Feier absagen, da durch die, im Hinblick auf das Gesagte notwendig gewordene, Terminverschiebung nicht mehr genügend Sänger zur Verfügung standen.[15]

Der Festakt, im Rahmen dessen die Büsten für Josef Kudler, Josef von Sonnenfels und Lorenz von Stein gemeinsam enthüllt wurden, fand schließlich am 17. Juli 1891 im kleinen Festsaal der Universität Wien statt.[16]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Blick auf die Wand im südlichen Arkadenhofgang, (l.) Denkmal Josef von Sonnenfels, (Mitte o.) Denkmal Gustav Demelius, (Mitte u.) Denkmal Franz Anton von Zeiller, (r.) Denkmal Josef Kudler, Nr. 4-7, Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Sarah Lange.
Abb. 7: Josef Kudler, Lithographie von Josef Kriehuber, ohne Datum. Archiv der Universität Wien:AT-UAW/135.665.
Abb. 8: Alois Düll, Denkmal Josef von Sonnenfels, Nr. 4, Arkadenhof der Universität Wien, 1889, enthüllt 1891.

Auffällig ist die Anordnung der Büsten von Josef Kudler und Josef von Sonnenfels (Bildhauer: Alois Düll) auf einer Ebene. Die Denkmäler für Gustav Demelius (Bildhauer: Wilhelb Seib) und Franz Anton von Zeiller (Bildhauer: Emanuel Pendl) sind in der vertikalen Symmetrieachse der beiden Büsten angebracht. Die vier Juristendenkmäler bilden damit ein rautenförmiges Ensemble, das vom Rundbogen der Arkade zusammengefasst wird. Die Büsten für Josef Kudler und Josef von Sonnenfels weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf: Beide Büsten sind aus Carraramarmor gearbeitet. Konsolen und Sockel sind einheitlich gestaltet. Beide Büsten sind kurz unterhalb der Schulter rund abgeschnitten, womit auf eine Oberarmgestaltung verzichtet wurde. Die Geehrten wenden ihren Kopf jeweils der Symmetrieachse zu. Völlig unterschiedlich ist jedoch die Gewandung der dargestellten Personen: Wilhelm Seib entschied sich, Josef Kudler in zeitgenössischer Kleidung darzustellen, während Alois Düll Sonnenfels antikisierend von einer Draperie umhüllt zeigt. Auch bei der Ausarbeitung des Gesichts grenzt sich Wilhelm Seib von der Sonnenfelsbüste deutlich ab, in dem er an Stelle der idealisierenden Gestaltungsweise, in der Sonnenfels dargestellt wird, eine deutlich naturalistischere wählt. Wie aus den Akten ersichtlich ist, wurde ein von [Carl Menger] gestiftetes Bild des zu Ehrenden als Vorlage benutzt, welches in weiterer Folge im Universitätsarchiv eingelagert wurde. Bei diesem Bild handelt es sich augenscheinlich um jene (undatierte) Lithographie von Josef Kriehuber, einem bekannten Wiener Lithografen, die sich noch heute im Archiv der Universität Wien befindet. Sie zeigt Josef Kudler sitzend auf einem nach halb rechts gedrehten Sessel. Der Blick des Geehrten ist zum Betrachter gerichtet. Die beiden Darstellungen Josef Kudlers weisen nicht nur dieselbe Physiognomie auf, sondern auch dieselbe Frisur. Auch in Bezug auf die Kleidung hielt sich Seib erkenntlich an die Lithografie: So reichen auch bei der Büste für den Arkadenhof die Spitzen des Stehkragens in gleicher Weise bis zu den Wangen. Lediglich der Leopoldsorden, den Kudler in der Lithographie an seinem linken Revers trägt, wird an seiner Büste nicht wiedergegeben. Dies ist als Ausdruck einer bewussten Entscheidung Wilhelm Seibs zu verstehen, der sich sonst sehr genau an den Vorgaben der Lithografie orientiert hat.

Ereignisse seit Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung der Büste im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat S 94.20: Denkmal im Arkadenhof.
  • UAW, AT-UAW/CA 2.1.1299: Josef Kudler - Rückerstattung eines unrechtmäßig bezogenen Stipendienbetrages, 31.12.1806.
  • UAW, AT-UAW/135.665: Bild Josef Kudler, (10.10.1786-06.02.1853; Politische Wissenschaften, Gesetzeskunde).

UAW = Universitätsarchiv Wien.

Rezeption in der Presse

  • Dt. Volksblatt: Gedenkbüsten in der Universität, in: Deutsches Volksblatt, 18. Juli 1891, Nr. 909, III. Jg., S. 7, Sp. 1.[1]
  • Vaterland: Enthüllungsfeier an der Universität , in: Das Vaterland. Zeitung für die Österreichische Monarchie, 18. Juni 1891, Nr. 195, XXXII. Jg., S. 5, Sp. 1.[2]

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.33.
  2. Maisel 2007, S.33.
  3. UAW, Senat, S 94,20.
  4. UAW, Senat, S 94,20, 24. Oktober 1889.
  5. UAW, Senat, S 94,20, ad Senats-Z. 960.
  6. UAW, Senat, S 94,20, 4. Dezember 1889.
  7. UAW, Senat, S 94,20, 19. November 1890, 1. Dezember 1890, 22. Dezember 1890.
  8. Maisel S. 33.
  9. UAW, Senat, S 94,20, 30. April 1891.
  10. UAW, Senat, S 94,20, 10. Mai 1891.
  11. UAW, Senat, S 94,20, 13. Mai 1891.
  12. UAW, Senat, S 94,20, 25. April 1891, 10. Mai 1891.
  13. UAW, Senat, S 96,5, 1. Mai 1891, 2. Juni 1891, Protokoll 2132.
  14. UAW, Senat, S 94,20, 3. Juni 1891.
  15. UAW, Senat, S 94,20, 10. Juli 1891.
  16. UAW, Senat, S 94,20, Einladung zur Enthüllungsfeier der Büsten Sonnenfels und Kudler.

Literatur

  • Lustkandl 2010: Werner Lustkandl, Sonnenfels und Kudler: Rede auf Josef Von Sonnenfels und Josef Von Kudler gehalten am 17. Juli 1891 bei der Enthüllung der in den Arkaden der Universität Wien, Wien 2010.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Seethaler 1994: Hilde Seethaler, Wilhelm Seib: ein Bildhauer der Wiener Ringstraßenzeit 1854- 1929, Wien 1994.

Weblinks


Verena S. Göbel, Sarah Lange, Rene Kreisl