Denkmal Josef Hyrtl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Büste Josef Hyrtls im Arkadenhof Universität Wien. Foto: Hanna Sumislawska-Glessner.

Johann Kalmsteiner gestaltete das Denkmal von Josef Hyrtl für den Arkadenhof der Universität Wien. Die Büste wurde am 30. Mai 1889 – als einzige der Denkmäler des Arkadenhofs noch zu Lebzeiten der geehrten Person – im Rahmen eines Festakts enthüllt.

Beschreibung

Die Porträtbüste von Josef Hyrtl befindet sich im östlichen Gang des Arkadenhofs; bei Maisel 2007 wird das Denkmal mit der Nummer 113 angeführt (Abb. 2).[1]

Abb. 2: Aufstellung der Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Maisel 2007.

Die Höhe der aus hellem Marmor angefertigten Büste beträgt 90 cm. Aus der Frontalansicht betrachtet ist der Kopf Hyrtls leicht nach links gedreht. Das Büstenantlitz Hyrtls ist ein weitgehend getreues Abbild einer Lithographie, die im Archiv der Universität Wien aufbewahrt wird (Abb. 3).

Abb. 3: Josef Hyrtl, Repronegativ nach Lithographie, UAW.

Der weite Büstenausschnitt mit Armansatz zeigt detailliert die zeitgnössische Bekleidung: Rock, Weste, Hemd mit hohem Kragen und einem gebundenen Halstuch. Um den Hals trägt Hyrtl das Ritterkreuz des Ordens der Eisernen Krone 2. Klasse, das ihm im Jahr 1865 verliehen wurde. Auf dem niedrigen Büstensockel direkt unter der Büste befindet sich die folgende Inschrift: "Prof. J. Hyrtl", und rechts die Künstlersignatur "Kalmsteiner fec. 1887" (Abb. 4).

Abb. 4: Büste Josef Hyrtls im Arkadenhof Universität Wien, Seitenansicht, Signatur Kalmsteiner. Foto: Rene Kreisl.
Abb. 5: Postament von Hyrtls Denkmal im Arkadenhof. Foto: Hanna Sumislawska-Glessner.

Aufgestellt ist die Büste auf einem sich nach oben verjüngenden, profilierten Postament (Höhe ca. 146 cm, Breite unten ca. 58 cm) aus dunklem Stein (Abb. 6). Die Inschriften auf dem Sockel lauten: (vorne) „IOSEVUS HYRTL/ ANATOMIAE PROFESSOR VINDOBONENSIS/ INTRA ANNOS MDCCCXLV ET MDCCCLXXIV/NATUS A MDCCCXI IN CASTRO FERREO HUNGARIAE“, (rechts) „VIRO QUI BENEFICIIS UNIVERSITAT PROFVIT VIVI AEQVALES POSVERVNT A MDCCCLXXXIX“.

Abb. 6: Postament von Hyrtls Denkmal im Arkadenhof. Ausschnitt. Seitenansicht. Foto: Rene Kreisl.

Notizen zur dargestellten Person

Josef Hyrtl (*7. 12. 1810 in Eisenstadt, † 17. 7. 1894 in Perchtoldtsdorf bei Wien) wurde 1837 als Ordentlicher Professor der Anatomie nach Prag berufen, kehrte 1845 an die Universität Wien zurück, wo er 1864/65 zum Rektor gewählt wurde. Er gilt als Begründer der topographischen Anatomie im deutschsprächigen Raum und Gründer des Wiener Museums für vergleichende Anatomie (1850).[2]

Entstehungsgeschichte

Am 26. April 1885 hat das Professorenkollegium der Medizinischen Fakultät (erstmals urkundlich belegte) Überlegungen angestellt, ihrem hochverehrten Vertreter Josef Hyrtl ein Denkmal zu setzen.[3] Zu diesem Zweck wurde ein Komitee gebildet, das in einem Schreiben vom 30. April 1885[4] dem Akademischen Senat mehrere Vorschläge betreffend die Aufstellung von Denkmälern wichtiger Mediziner im Arkadenhof der Universität Wien unterbreitet hat: Es sollte ein einheitliches Vorgehen aller Fakultäten nach einem künstlerisch ausgearbeiteten Plan geben, der vorschlagsgemäß durch die Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch und Carl Kundmann, gemeinsam mit dem Bauleiter der Universität, Karl Köchlin, durchgeführt werden sollte. Das Komitee benannte als erste zu ehrende Professoren der medizinischen Fakultät Carl von Rokitansky, Josef von Skoda, Johann von Oppolzer, Franz Schuh und Josef Hyrtl. Es war daran gedacht für diese Personen ein Gruppenbild oder eine Reliefgruppe zu schaffen. Der Akademische Senat entschied sich jedoch letztlich für die Errichtung von Einzeldenkmälern, wobei entweder bereits bestehende Denkmäler in der Arkadenhof überführt werden, oder (mehrheitlich) speziell zu diesem Zweck angefertigt werden sollten. Die Anfertigung der Büste Hyrtls wurde vom Ministerium für Cultus und Unterricht bei Johann Kalmsteiner in Auftrag gegeben.[5]

Am 5. Oktober 1887 übergab Kalmsteiner die fertige Büste Hyrtls, die dann zunächst im Depot untergebracht wurde.[6] Die Neue Freie Presse berichtete ausführlich über die feierliche Denkmalenthüllung am 30. Mai 1889:[7] Es war eine in der Geschichte der Universität Wien denkwürdige Feierlichkeit, im Rahmen derer auch die Denkmale der Mediziner Franz Schuh, Gerard van Swieten, Josef Quarin und Andreas Josef von Stifft aufgestellt und ein Bronzerelief des Kunstgeschichtlers Rudolf von Eitelberger enthüllt wurden.

Die Festlichkeiten galten aber hauptsächlich der Ehrung Hyrtls, der begleitet von Hochrufen gemeinsam mit dem Rektor, Viktor von Lang, mit allen Insignien seiner Würde und gefolgt von den Mitgliedern des Akademischen Senats den Festplatz betrat. Nach der Festrede des Chirurgen Eduard Albert, hielt Hyrtl selbst eine ergreifende Dankesrede in lateinischer Sprache.

Abb. 7: Porträtbüste von Stephan Ladislaus Endlicher im Arkadenhof, Unidam.
Abb. 8: Benvenuto Cellini. Büste Cosimo de Medici's. Bronze 1545. Foto: Institut für Kunstgeschichte Universität Wien, Diathek.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Josef Kalmsteiner war als Bildhauer stets um eine möglichst wahrheitsgetreu Gestaltung der von ihm porträtierten Personen bemüht. Dem Klassizismus verpflichtet, greift er zuweilen zu einer bewusst idealisierten Darstellung, um seinem künstlerischen Ideal von Harmonie und antiker Schönheit gerecht zu werden. In seinem künstlerischen Schaffen fertigte Johann Kalmsteiner mehrere Porträtbüsten bekannter Persönlichkeiten, Künstler oder Wissenschaftler: Albert Ilg, Caspar von Zumbusch, Josef Hyrtl oder Stephan Endlicher. Kennzeichnend für seine Figuren ist eine enorme Sorgfalt in der Bearbeitung; klare fast strenge Linien geben die individuellen Merkmale einzelner Personen und ihrer Kleidung wieder. Seinen Figuren gemeinsam ist ein feierlich naturalistisch-ernster Ausdruck[8], wobei manchmal die Gefahr einer gewissen Leblosigkeit oder Erstarrung des Dargestellten nicht abgewendet werden konnte, was deutlich an der von ihm für den Arkadenhof geschaffenen Büste für Stephan Ladislaus Endlicher veranschaulicht werden kann.

Im Gegensatz dazu weist die Büste Josef Hyrtls eine größere Bewegtheit auf, die im Wesentlichen durch den seitlich nach oben gewandten Blick erzielt wird. Die Schultern bleiben allerdings gerade, was einer allzu großen Spannung bzw. Dynamisierung, wie sie etwa durch einen "Kontrapost" entsteht, bei dem die Kopfbewegung mit einer gegenläufigen Schulterbewegung beantwortet wird (erstmals in der frühen Neuzeit angewendet durch Benvenuto Cellini, siehe Abb. 8)[9], entgegen wirkt.

Die Erscheinung Hyrtls ist im Allgemeinen stark klassizistisch geprägt: Die Gewandfalten seines Mantels lassen diesen wie eine Toga wirken. Hyrtls Blick ist ernst und konzentriert auf ein entferntes Ziel gerichtet. Mit dem prominent um seinen Hals positionierten Ritterkreuz wirkt Hyrtl mehr wie ein Feldherr oder Herrscher als ein Gelehrter (vgl Abb. 9).

Abb. 9: Büste Kaiser Franz Josefs I, Marmorbüste anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums 1898, Bildhauer Heinrich Hausleitner. Fotoreproduktion: ONB.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Am 13. Januar wandte sich Paula Wodiczka an die Rektoratskanzlei, um die Erlaubnis zu erlangen, einen Gipsabdruck von der Büste Hyrtls anzufertigen.[10] Ihrer Bitte wurde entsprochen.

Quellen

  • UAW, Senat S 87.1.14, Büsten: Gerhard van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat, S 87.1.17, Aufstellung von 5 Porträt-büsten in Arkadenhof: van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl,Schuh.
  • UAW S 94.8, Schachtel 60: Hyrtl Josef, Denkmal im Arkadenhof.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse 1889: Neue Freie Presse, Nr. 8895, 31. Mai 1889, S.4.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 86.
  2. Maisel 2007, S. 86.
  3. UAW Senat, S.94.8, Z 375.
  4. UAW Senat, S 94.8, Z 2026.
  5. UAW Senat, S 94.8, Z 295.
  6. UAW Senat, S 94.8, Prot.-Nr.76.
  7. Neue Freie Presse 1889, S.4.
  8. Martischnig/Schipani 2007, S. 29.
  9. Zitzlsperger 2001, S. 20 f.
  10. UAW Senat, S 94.8, Z 1670.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Martischnig/Schipani 2007: Michael Martischnig/Helmut Schipani, Johann und Hans Kalmsteiner. Zwei Südtiroler Künstlergenerationen in Wien um 1900, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Wien u.a. 1934.
  • Zitzlsperger 2001: Philipp Zitzlsperger, Die frühneuzeitliche Herrscherbüste, in: Bärbel Stephan/Antje Scherner/Astrid Nielsen (Hrsg.), Hauptsache Köpfe. Plastische Porträts von der Renaissance bis zur Gegenwart, Katatalog zur Ausstellung der Skulpturensammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, vom 21. Dezember 2001 bis 3. April 2002 im Albertinum, Dresden 2001, S. 18-25.

Hanna Sumislawska-Glessner

Redigiert: Rene Kreisl