Denkmal Josef Böhm

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Johannes Benk, Denkmal Josef Böhm, 1895, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 151, © unidam.

Das Denkmal für den Pflanzenphysiologen Josef Böhm wurde von dem Bildhauer Johannes Benk geschaffen. Es wurde von der Witwe Böhms beauftragt und der Universität übergeben. Die Enthüllung im Arkadenhof der Universität Wien fand 1895 statt.


Beschreibung

Abb. 2: Johannes Benk, Denkmal Josef Böhm, 1895, Detail, Foto: G. Böhm-Nevole.
Abb. 3: Johannes Benk, Denkmal Josef Böhm, 1895, Detail, Foto: G. Böhm-Nevole.
Abb. 4: Johannes Benk, Denkmal Josef Böhm, 1895, Detail, Foto: G. Böhm-Nevole.
Abb. 5: Josef Böhm, um 1880, © Österreichische Nationalbibliothek, Wien.
Abb. 6: Einladungskarten zur Enthüllung Böhm-Denkmal, © UAW.

Das Denkmal für Josef Böhm befindet sich im rechten, östlichen, Gang des Arkadenhofes gleich links neben dem Haupteingang; bei Maisel 2007 wird das Denkmal mit der Nummer 151 angeführt (Abb. 7). Es handelt sich um eine hochrechteckige Tafel in der Größe von 90 x 135 cm aus hellem Marmor, die in die Wand eingelassen ist. Die gesamte Tafel ist von einem 6 cm breiten erhöhten Rahmen umgeben. Im Bereich der oberen drei Viertel befindet sich eine ovale Einbuchtung im Hochformat, die von einem doppelten Rahmen umgrenzt ist. Darin befindet sich ein Relief des Biologen Josef Böhm, das ihn bis knapp unterhalb des Brustbereiches darstellt. Die Darstellung ist äußerst naturalistisch und zeigt Böhm in Haltung und Haartracht wie auf der Fotografie aus dem Jahr 1880 (Abb. 5), wenngleich er durch die ausgeprägten Tränensäcke etwas älter als auf der Fotografie wirkt. Auch die Kleidung wurde verändert. So trägt er auf dem Foto eine offene Jacke, darunter eine Weste, ein Hemd mit hohem Kragen und eine Fliege – am Relief hingegen einen Kittel, wie er ihn offensichtlich bei seinen Forschungsarbeiten im Labor trug. Dieser hat einen kleinen Stehkragen und ist bis zum obersten Knopf hochgeschlossen. Darunter ist der Kragen eines Hemdes zu erkennen. Der Kittel selbst fällt in leichten Falten über den Oberkörper. Er wird also primär als Forschender dargestellt. Die Haltung wirkt etwas aufrechter, dynamischer als am Foto. Der Blick ist in die Ferne gerichtet, er blickt über den Betrachter hinweg. Dieser Eindruck wird verstärkt, da sich der Kopf des Dargestellten in über zwei Meter Höhe befindet. Das Relief Böhms ist circa 60 cm hoch und damit etwa lebensgroß ausgeführt. Die Arme werden durch den Rahmen des Ovals begrenzt, sie wirken daher nicht abgeschnitten, wie dies bei frei stehenden Büsten der Fall ist.

Das gesamte Oval ist von Lorbeerzweigen umgeben, die unterhalb des Reliefs mit Blumen und Weinlaub mit einer breiten Schleife zu einem dekorativen Strauß zusammengebunden sind, der bis in die darunter liegende Inschriftentafel reicht.

Im unteren Viertel der Tafel befindet sich – wiederum von einem Rahmen umgeben – die Inschrift in vergoldeten Lettern: „Josef Boehm Doctor der Philosophie & Medicin / Professor der Botanik 1869 – 1893 / Geb. Gross-Gehrungs 13. März 1831, Gest. Wien 2. Dez. 1893.“ Der gewünschte Text wurde von der Witwe Rosine Böhm in einem Schreiben vom 10.April 1894 dem Rektor der Universität mitgeteilt.[1]

Am rechten unteren Tafelrand ist die Inschrift „J. Benk“ in den Stein gemeißelt. Zum Unterschied von anderen Denkmälern allerdings ohne Jahresangabe.


Notizen zur dargestellten Person

Josef Böhm (* 17.5.1831 in Groß-Gerungs, Niederösterreich; † 2.12.1893 in Wien) war Professor für Botanik an der Hochschule für Bodenkultur und an der Universität Wien. Er forschte primär auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie und gilt als Pionier bei der Erforschung des Saftsteigens und der Wasserversorgung der Pflanzen.


Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Josef Böhm wurde von dessen Witwe Rosine Böhm gestiftet. Sie wandte sich in einem Schreiben vom 5. April 1894 an den Rektor, in dem sie ihm ihre Absicht mitteilte, eine „Erinnerungstafel mit Porträtmedaillon“ zu stiften und ihn bittet, ihr die erforderlichen weiteren Schritte mitzuteilen. Als Bildhauer wird bereits Johannes Benk angegeben. Der Antrag sowie die Information über die von ihr gewünschte Inschrift wurden bereits am 14. April 1894 von Rektor Gustav Tschermak an Adolf Exner, den damaligen Leiter der artistischen Kommission weiter geleitet und die Aufstellung des Denkmals in deren Sitzung vom 27. April 1894 bewilligt.[2]

Insgesamt 500 Einladungskarten wurden gedruckt, von denen 150 an die Witwe Rosine Böhm übergeben wurden, die restlichen wurden an verschiedene Fakultäten der Universität, Ministerien und weitere Honoratioren der Stadt ausgesandt. Der Rektor der Universität gibt in einem Schreiben vom 1. März 1895 den genauen Ablauf der Denkmalenthüllung bekannt, er beauftragt in Schreiben die entsprechenden Stellen mit der Vorbereitung zur Feier, wie der Dekorierung des Aufstellungsortes im Arkadenhof und bittet den akademischen Gesangsverein an den Feierlichkeiten durch einen Choral mitzuwirken.[3]

Die Denkmalenthüllung fand am 10. März 1895 um 12 Uhr mittags statt. Julius von Wiesner, nunmehr Vorstand des pflanzenphysiologischen Institutes, hielt die Festansprache im kleinen Festsaal.[4] Er ging auf die Bedeutung Böhms als Lehrer und Forscher ein aber auch auf die Bedeutung der Wiener Universität als einer der bedeutendsten Forschungsstätten für Pflanzenphysiologie. Im Arkadenhof fand anschließend die feierlichen Enthüllung und Übernahme des Denkmals von dem Kunsthistoriker Franz Wickhoff, dem Bruder von Rosine Böhm, durch den Rektor der Universität Wien, Laurenz Müllner, statt.[5] Untermalt wurde die Feier vom Chor des Akademischen Gesangsvereines, der zum Abschluss wie üblich das Gaudeamus igitur intonierte. Neben den Familienmitgliedern waren ehemalige Schüler und Kollegen Josef Böhms anwesend ebenso wie Vertreter anderer Fakultäten und des Unterrichtsministeriums. In der Presse erschienen zahlreiche, wenn auch nur kurze Meldungen zu der Denkmalenthüllung.


Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Johannes Benk fertigte insgesamt drei Denkmäler für den Arkadenhof der Universität Wien an. Neben jenem für Josef Böhm auch die für den Laryngologen Karl Stoerk und den Dermatologen Moriz Kaposi. In beiden Fällen handelt es sich um reine Büsten, die auf einem Sockel aufgestellt sind und ebenso wie das Denkmal für Böhm sehr realistisch ausgeführt wurden. Die Büsten wurden 1900 angefertigt, allerdings erst einige Jahre später aufgestellt. Alle drei Denkmäler sind aus weißem Marmor gefertigt.

Johannes Benk, der, wie Krause schreibt, als Vertreter des Wiener Späthistorismus oft einen gefühlsbetonten Stil des Neobarock aufweist wandte sich vor allem in seinem Spätwerk eher dem pathetischen Realismus zu.[6] Von Julius Hähnel, bei dem er in Dresden studiert hatte, übernahm er einen eher ruhigen, klassischen Stil, der am Relief Böhms erkennbar ist, wenngleich er ihn in diesem Fall mit üppigem Dekor bereicherte. Verzierungen durch Lorbeerzweige finden sich naturgemäß auf mehreren Denkmälern, vorwiegend auf Reliefs, aber keine so aufwändig gestaltet wie hier.

Benk war einer der meistbeschäftigten Bildhauer der Ringstraßenzeit und verlegte den Schwerpunkt seiner Arbeiten um 1900 vor allem auf Denkmäler und Grabmäler.[7]

Interessant ist, dass er Josef Böhm nicht in der damals für einen Wissenschaftler üblichen – und wie auch auf der Fotografie ersichtlichen – Kleidung mit Jacke, Weste, Hemd und Fliege, sondern in dessen Arbeitskittel abbildete. Nur wenige Darstellungen im Arkadenhof sind in dieser Art ausgeführt, wie zum Beispiel die Denkmäler für Theodor Billroth, Eduard Albert, Karl Langer von Edenberg und Hugo Weidel. Diese entstanden aber alle erst einige Jahre nach dem Denkmal für Josef Böhm und griffen offensichtlich dessen Darstellungsweise auf.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Abb. 7: Aufstellung der Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Josef Böhm Nr. 151. © Maisel 2007.

Mit Datum 31. März 1914 sandte die Witwe Rosine Böhm-Wickhoff ein Schreiben an den Akademischen Senat, in dem sie um eine Änderung des Denkmals ersuchte. Sie bezog sich dabei auf ein Schreiben ihres mittlerweile ebenfalls verstorbenen Bruders, des Kunsthistorikers Franz Wickhoff, in dem bereits dieser eine Änderung des mittleren Blumenbouquets forderte, das nach seiner Meinung zu lieblich gestaltet worden sei. Da dieses Blumenarrangement offensichtlich nicht nur als Dekoration diente, sondern auch den Hinweis auf den Beruf Josef Böhms als Pflanzenphysiologe geben sollte, scheint der Einwand gerechtfertigt. Rosine Böhm ersuchte um entsprechende Änderung durch einen Hofbildhauer oder um finanzielle Unterstützung, um diese Änderungen selbst in die Wege leiten zu können. Ihr Ansuchen wurde von der artistischen Kommission in der Sitzung vom 4. Dezember 1914 allerdings abgelehnt. Ein entsprechendes Schreiben an Rosine Böhm-Wickhoff erging am 6.Dezember 1914.[8]

Das Denkmal befindet sich somit in unverändertem Zustand seit der Enthüllung am selben Platz.


Quellen

  • UAW Senat S 93.9: Josef Böhm. Denkmal im Arkadenhof, UAW Senat S 93.9, Studienjahr 1894-1914.
  • UAW = Universitätsarchiv Wien


Rezeption in der Presse

  • Abendpost: Enthüllungsfeier, in: Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener Zeitung, 11.März 1895, Nr. 58, S. 5-6. igitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[1]]
  • Arbeiter-Zeitung: Denkmal-Enthüllung in der Universität, in: Arbeiter-Zeitung, 11.März 1895, S. 3. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[2]]
  • Neue Freie Presse: Enthüllungsfeier in der Universität, in: Neue Freie Presse, 11.März 1895, S. 1-2. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[3]]
  • Presse: Enthüllungsfeier an der Universität, in: Die Presse, 11.März 1895, S. 1. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[4]]
  • Sonn- Montag: Eine Enthüllungsfeier an der Universität, in: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 11. März 1895, Nr. 10, 33. Jg., S. 4. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[5]]
  • Vaterland: Von der Universität, in: Das Vaterland. Zeitung für die Österreichische Monarchie, 11.März 1895, S. 2. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[6]]
  • Wiener Journal: Eine Enthüllungsfeier an der Universität, in: Neues Wiener Journal, 11.März 1895, Nr. 495, S. 2. Digitalisiert, Aufruf 19.1.2014[[7]]


Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 93.9, Protokoll Nr. 1996, 5.4.1894 und 14.4.1894.
  2. UAW Senat S 93.9, Protokoll Nr. 1996.
  3. UAW Senat S 93.9, Protokoll Nr. 1539, 1.3.1895.
  4. UAW Senat S 93.9, Protokoll Nr. 1539, 7.2.1895.
  5. Neue Freie Presse, S. 1-2.
  6. Krause 1994, S. 86.
  7. Fabich-Görg 2003, S. 63.
  8. UAW Senat S 93.9, Geschäftszahl 1305 Studienjahr 1913/14, Z 1105 ex. 1914/15 vom 6.Dezember 1914


Literatur

  • Dehio Wien 2003: Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt, S. 602-608.
  • Fabich-Görg 2003: Traute Fabich-Görg, Wiener Stolz, Wien 2003.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 104.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • Krause 1994: Walter Krause, Johannes Benk, in: K.G.Saur (Hg.), Künstler Lexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, 9, Leipzig 1994, S. 86.



Gabriele Böhm-Nevole

Redigiert: Rene Kreisl