Denkmal Johann Sölch

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Viktor Hammer, Denkmal Johann Sölch (Detail), Bronze und Marmor, 1964/64, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 137, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Geographen Johann Sölch (1883-1951) wurde von dem Künstler Viktor Hammer (1882-1967) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 26. März 1965 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Viktor Hammer, Denkmal Johann Sölch, Bronze und Marmor, 1964/64, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 4: Viktor Hammer, Entwurf für ein Denkmal von Johann Sölch im Arkadenhof der Universität Wien, 1964/65
Abb. 5: Signatur Viktor Hammers auf dem Denkmal Sölchs

Das Reliefmedaillon mit 47 cm Durchmesser zeigt den Professor für Geographie im Dreiviertelprofil nach links gewendet; daß heißt dem Arkadenhof und somit auch der natürlichen Lichtquelle zu. Das Medaillon ist wiederum auf einer Steinplatte (89 x 67 cm) angebracht (Abb. 3). Die Inschrift, die auf dieser Platte eingraviert und mit goldener Farbe nachgefärbt wurde, benennt den Dargestellten, seine beiden Ämter an der Universität Wien und deren Amtsdauer: "Johann Sölch O Professor der Geographie 1935 - 1951 Rektor der Universität".

Das Porträt im Rund zeigt den gedrehten Kopf von Johann Sölch, der das Medaillon vollständig einnimmt. Der Kopf wirkt als läge er auf der Schale auf, und würde sie fast sprengen. Er trägt seine prägnante Brille, einen sogenannten Zwicker, der alleine auf der Nase sitzt und keiner Bügel bedarf. Die Bronze wurde opak belassen und auf dem Hintergrund sogar rauh gearbeitet.

Viktor Hammer hat die Aufstellungssituation beziehungsweise die Lichtssituation eindeutig berücksichtigt. Sieht man sich das Relief von der Seite an, so fällt auf, dass es links stärker aus der Fläche heraustritt, rechts hingegen flacher ausfällt. Auf diese Weise entstehen bei direktem Lichteinfall Schatten, die das Gesicht Sölchs stärker profilieren und seine Gesichtszüge, wie etwa die Schläfe oder Wangenknochen, betonen. Dass die Aufnahme des Entwurfs (Abb. 4), die dem Senat vorgelegt wurde, das Relief in genau dieser Beleuchtungssituation zeigt - von oben links - bekräftigt zusätzlich die Absicht Hammers, die Gesichtsmerkmale von Sölch durch die Schattierungen besser herauszuarbeiten

Der Künstler hat rechts auf dem Medaillon gleich neben Sölchs Hals signiert und datiert (Abb. 5). Unter das Datum brachte Hammer außerdem einen Pfeil an, der vielleicht die gerade Aufhängung - bei einem Rund nicht unbedingt präzise zu bewerkstelligen - gewährleisten sollte.

Bei Maisel 2007 wird das Denkmal für Johann Sölch mit der Nummer 137 angeführt. (Abb. 2)

Notizen zur dargestellten Person

Johann Sölch war Professor für Geographie an den Universitäten in Wien, Graz, Innsbruck und Heidelberg. Bekannt wurde er vor allem für seine Forschung zur Geomorphologie, zur Alpengeographie (insbesondere dem Ostalpenraum), sowie zu den Britischen Inseln. Als Wissenschaftler gelang er zu internationaler Anerkennung: so war er Ehrendoktor an der Universität in Glasgow, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und auch der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg. Für weitere Informationen, siehe: Johann Sölch.

Entstehungsgeschichte

Der Beschluss für Johann Sölch eine Gedenktafel im Arkadenhof aufzustellen, ging auf eine Initiative von Professoren zurück. März 1964 schrieben die Vorstände des Geographischen Instituts, Hans Spreitzer und Hans Bobek, an den akademischen Senat, um ein Denkmal für Sölch zu beantragen. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass es sich um ein Reliefmedaillon aus Bronze von circa 50 cm Durchmesser auf einer Steinplatte, circa 70 x 100 cm, handeln würde.[1]

Interessant ist, dass zunächst nicht Viktor Hammer, sondern Hans Pleyer als Künstler genannt wurde.[2] Sicherlich in diesem Kontext auch nicht irrelevant ist, daß Viktor Hammer in den 1920er für Rektorenbildnisse - unter anderem für das von Alfons Dopsch, Gustav Riehl - mehrmals in Betracht gezogen wurde; die Wahl jedoch am Ende nie auf ihn fiel.[3] Hans Pleyer, ein eher unbekannter Künstler, wird in weiterer Folge jedoch nicht mehr genannt.

Die Kosten für das Denkmal sollten von einer Gruppe von Freunden und Bekannten des Verstorbenen getragen werden. Spätestens im Mai desselben Jahres musste es eine Absprache mit Viktor Hammer gegeben haben, da nunmehr das Ministerium für Unterricht gebeten wurde für den fehlenden Betrag des Denkmals aufzukommen. Es waren in der Tat nur 10.118,92 Schilling in einer Sammlung für das 25.300 Schilling kostende Denkmal zusammen gekommen.[4]

Der Entwurf, der vom Vorstand der Kunstkommission Fritz Eichler mittels zwei Fotoaufnahmen an den akademischen Senat weitergeleitet wurde, wird Jänner 1965 sowohl von Hans Spreitzer als auch von der Witwe Bertha Sölch gutgeheißen. Eichler verzichtete zu diesem Moment auf eine weitere Einberufung der Kunstkommission. Er verwies zur Begründung auf die erschwerten Umstände hin, mit denen der Künstler arbeiten musste. Obwohl sich bei einem Medaillon das Profil als Darstellungsmodus anbieten würde, musste Viktor Hammer aufgrund von fehlenden Profildarstellungen Sölchs auf das im Relief schwieriger realisierbare Dreiviertelprofil zurückgreifen.[5]

Die Genehmigung des Entwurfs verzögerte sich jedoch dadurch, dass Eichlers Amtszeit als Vorstand der Kunstkommission zu Ende ging und an seiner Stelle der Kunsthistoriker Otto Demus trat. Nachdem auch die Kunstkommission ihren Konsens für den Entwurf gegeben hatte, konnte das Denkmal gegossen und schließlich am 26. März 1965 feierlich enthüllt werden.[6]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 6: Schwarz-Weiß-Fotografie von Johann Sölch
Abb. 7: Adalbert Eduard Saff, Denkmal Johann Heinrich Dumreicher im Arkadenhof der Universität Wien, 1901

Vergleicht man den Entwurf (Abb. 4) mit dem tatsächlich ausgeführten Denkmal (Abb. 1), sind keine Unterschiede sichtbar. Erst bei genauerem Hinsehen, fällt auf, daß Sölchs Bart und ebenso seine Nase beim Entwurf spitzer ausgefallen waren und beim eigentlichen Denkmal diese Eigenschaften zurückgenommen wurden. Diese sehr leichten Verbesserungen werden auch im Brief von Fritz Eichler an den akademischen Senat erwähnt, in dem Hans Spreitzer und die Witwe Sölchs den Entwurf "nach einigen Retuschen" gutgeheißen haben. Die Realitätstreue bei der Ausführung Hammers ist insofern nicht nachzuvollziehen, als dass das zugängliche Bildmaterial Sölch nicht im Dreiviertelprofil zeigt. Eine Wiedererkennbarkeit hat Hammer allerdings durch die Repräsentation von Sölch eigenen Gesichtsmerkmalen erreicht, wie etwa die Bartform, die schmalen Lippen, die Faltenbildung seiner Gesichtshaut, sowie seiner Brille (Abb. 6).

Der sehr übliche Typus für das Gelehrtenporträt in Form eines Profils im Medaillonrund ist vor der Aufstellung des Denkmals für Johann Sölch bereits mehrmals vertreten gewesen: Leopold von Dittel, Ferdinand von Arlt, Rudolf Chrobak, und einige weitere. Auch Fritz Eichler empfand vor allem das Profil als einen für das Gelehrtendenkmal wichtigen Darstellungstypus, wenn er schreibt, daß der ausführende Künstler des Denkmals, Viktor Hammer, aufgrund von fehlenden Profilfotos, auf das "weniger günstige" Dreiviertelprofil zurückgreifen musste. So ist denn auch das Dreiviertelprofil kaum im Arkadenhof der Universität Wien vertreten. Am nächsten zu Sölchs Porträtrelief steht wohl das Denkmal für Johann Heinrich Dumreicher (Abb. 7).

Hammer greift entsprechend auf andere Merkmale des Gelehrtenporträts zurück. Er zeigt Sölch mit einer angespannten Mimik, die den Denkprozess des Wissenschaftlers zu versinnbildlichen scheint. Hierzu zählen die drei Stirnfalten Sölchs, doch ebenso die hoch gezogenen Augenbrauen und die Denkfalte zwischen den Augen. Diese wird natürlich auch durch die besondere Brille verursacht. Gerade sie ist jedoch ein passendes Attribut des Gelehrten, dessen Sehkraft durch ständige Lektüre abnimmt.

Quellen

  • UAW, Senat 222.41, Brief vom Geographischen Institut an den akademischen Senat, 13.3.1964.
  • UAW, Senat 222.41, Bericht über die Sitzung der Professorenkomission am 4. Mai 1964.
  • UAW, Senat 222.41, Brief des Dekans der philosophischen Fakultät, Nikolaus Hofreiter, an den akademischen Senat, 6.5.1964.
  • UAW, Senat 222.41, Auszug aus dem Protokoll der 5. Sitzung des akademischen Senats, 9.5.1964.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept eines Briefes des Rektors Albin Lesky an den Dekan der philosophischen Fakultät,Nikolaus Hofreiter, 15.5.1964.
  • UAW, Senat 222.41, Brief des Vorstands des Geographischen Instituts, Hans Spreitzer, an das Bundesministerium für Unterricht, 18.12.1964.
  • UAW, Senat 222.41, Brief von Fritz Eichler, Vorsitzender der Kunstkomission, an den akademischen Senat, 28.1.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Brief von Eichler an den akademischen Senat mit zwei Aufnahmen des Denkmalentwurfs, 29.1.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Auszug aus dem Protokoll der 3. Sitzung des akademischen Senats, 30.1.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept eines Briefes des Rekots Karl Fellinger an Otto Demus, Vorstand der Kunstkommission, 15.2.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Brief von Otto Demus an den Rektor, 17.2.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Einladung zur Gedenkfeier am 26. März 1965.
  • UAW, Senat 222.41, Einladungsliste.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an Bundesminister für Unterricht, Theodor Piffl-Percevic, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an den Bürgermeister der Stadt Wien, Franz Jonas, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an den Vizebürgermeister, Heinrich Drimmel, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an den Vizebürgermeister, Felix Slavik, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an den Landeshauptmann-Stellvertreter, Hans Mandl, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept der Einladung an Berta und Ilse Sölch, 18.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Absage an die Einladung von Heinrich Drimmel, 19.5.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Absage an die Einladung von Hofrat Goetzinger, 25.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Bestellung bei Blumenhandlung.
  • UAW, Senat 222.41, Rechunung von Viktor Hammer, 30.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Absage an die Einladung von Albert Kolb, Vorstands des Instituts für Geographie und Wirtschaftsgeographie, 6.4.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept eines Briefes des Rektors Karl Fellinger an die Universitäts-Quästur, 31.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Brief des Bundesministers für Unterricht,Theodor Piffl-Percevic, an den Rektor, 26.3.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept eines Briefes des Rektors Nikolaus Hofreiter an das Bundesministerium für Unterricht, 16.12.1965.
  • UAW, Senat 222.41, Mitteilung des Bundesministers für Unterricht an den Rektor, 12.1.1966.
  • UAW, Senat 222.41, Konzept eines Briefes des Rektors an die Universitäts-Quästur, 24.1.1966.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat 222.41, Brief des Dekans der philosophischen Fakultät an den akademischen Senat, 6.5.1964.
  2. UAW, Senat 222.41, Brief des Geographischen Instituts an den akademischen Senat, 13.3.1964.
  3. Natter, Günter: Die Gemälde der Universität Wien : eine historische Dokumentation, Wien 1988, Kat.-Nr. P 17, P 49, P 178, P 232, P 324.
  4. UAW, Senat 222.41, Brief des Vorstands des Geographischen Instituts, Hans Spreitzer, an das Bundesministerium für Unterricht, 18.12.1964.
  5. UAW, Senat 222.41, Brief des Vorsitzenden der Kunstkommission, Eichler, an den akademischen Senat, 28.1.1965.
  6. UAW, Senat 222.41, Brief des Vorsitzenden der Kunstkommission, Otto Demus, an den Rektor Karl Fellinger, 17.2.1965 und UAW, Senat 222.41, Einladungskarte.

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 98.

Weblinks


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Redigiert: Elena Koren SoSe 2014