Denkmal Johann Radon

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1, Portraitbüste gefertigt von Ferdinand Welz, 1987
Abb.2, Lage des Denkmals, Nr. 107, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3, Denkmal in Gesamtansicht gefertigt von Ferdinand Welz, 1987.


Das Denkmal für den Mathematiker Johann Radon (1887-1956) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Ferdinand Welz (1915-2008) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 22. Mai 1987 enthüllt.

Beschreibung

Die etwa lebensgroße Bronzebüste zeigt Johann Radon in leicht idealisierenden Formen. Sein Körper ist frontal dargestellt, während sein Kopf, vom Betrachter aus gesehen, leicht nach rechts gedreht ist. Radon trägt, wie auf der Porträtzeichnung (Abb. 4) und den bekannten Porträtfotos (Abb. 5), formelle Kleidung mit Hemd, Krawatte und Jackett. Auffällig ist, dass Ferdinand Welz auf die Darstellung der charakteristischen, runden Brille bei der Porträtbüste verzichtet, was die Wiedererkennbarkeit erschwert. Radon ist in mittlerem Alter mit Oberlippenbart und kurzen, zurückgekämmten Haaren dargestellt. Das Haupthaar, die Augenbrauen und der Bart sind mit groben senkrechten Linien modelliert, während an der Stirn und im Bereich der Augen feine Falten erscheinen. Die Gesichtszüge sind insgesamt weich und glatt geformt, wodurch der Dargestellte insgesamt jünger wirkt. Die leicht nach oben gezogenen Mundwinkel lassen ein Lächeln und eine liebenswerte Persönlichkeit erahnen.

Die Porträtbüste steht auf einem fast quadratischen Marmorsockel mit zweistufiger, teils kannelierter Plinte. Der obere Abschluss des Sockels ist eine schmucklose Kante. Im oberen Drittel des Marmorsockels befindet sich die Inschrift aus gravierten und vergoldeten Großbuchstaben:
"JOHANN RADON 1887 - 1956 PROFESSOR DER MATHEMATIK"

Das Denkmal besitzt außer der Inschrift keine weiteren Hinweise oder Attribute, die sich auf das Schaffen Radons beziehen. Es befindet sich im rechten Arkandengang zwischen Stiege VIII und X. und bildet mit den Denkmälern für Karl Langer von Edenberg und Ferdinand von Hebra eine in Form und Farbgebung stimmige Dreiergruppe.

Notizen zur dargestellten Person

Abb. 4, Portrait von Johann Radon, Hedwig Szymanska, 1955.
Abb. 5, Johann Radon, Fotograf unbekannt

Johann Radon war ein österreichischer Mathematiker, der in Fachkreisen Weltruhm erreicht hat.

Durch seine mathematischen Leistungen im 20. Jahrhundert ist sein Name für viele Fachbegriffe verwendet worden (Radon-Integral, Radon-Nikodym-Ableitung, Radon-Transformation). [1] Die Radontransformation liegt der heutigen Computertomographie zu Grunde.

Nachdem er in Wien 1910 Promovierte war er in Göttingen und Brünn tätig. Von 1912-1919 war er Assistent an der Lehrkanzel für Mathematik an der technischen Hochschule in Wien. Ab 1919 war er an unterschiedlichen Universitäten in Deutschland als Professor angestellt, bis er 1946 nach Wien zurückkehrte. Dort wurde Radon 1953 Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, 1951/52 Dekan der philosophischen Fakultät und 1954/55 Rektor der Universität Wien. Er galt als liebenswerte und gütige Persönlichkeit, die bei den Kollegen sowie bei den Studenten beliebt war. [2]

Entstehungsgeschichte

Das erste Ansuchen, welches mit der Entstehungsgeschichte des Denkmals zu tun hat, wurde vom Vorsitzenden der Mathematischen Gesellschaft o. Univ. – Prof. DDr. Curt Christian am 7. Jänner 1986 gestellt. Neben dem Ansuchen an den akademischen Senat wird auch um die Unterstützung innerhalb der Fakultät gebeten. [3]

Am 21. Mai 1986 folgt ein Würdigungsschreiben, welches die wichtigsten Eckdaten Radons, sowie dessen Erfolge auflistet. Vor allem seine Tätigkeit als Professor an unterschiedlichen Fakultäten im In- und Ausland bis hin zu seiner Wahl zum Rektor 1954 scheinen neben seinen wissenschaftlichen Errungenschaften als würdigungspflichtig. [4] Der Antrag von Prof. Christian wird am 10. Juni während der Sitzung des Ehrenzeichenkommission von Dekan Preining und dem Kollegium der Formal- und Naturwissenschaftlichen Fakultät genehmigt und unterstützt. Die Finanzierung soll die Mathematische Gesellschaft übernehmen, woraufhin die Schaffung einer Büste einstimmig beschlossen wird. [5]

Für den Aufstellungsort werden in einem Schrieben vom 21. April 1986 zwei Standorte erwähnt und besprochen. Zum einen gäbe es die Möglichkeit das Denkmal auf der Juristenseite vor der Stiege 9 zu der bereits bestehenden Zweiergruppe des Zoologen Claus und des Chemikers Späth zu integrieren oder aber auf der Philosophenseite vor der Stiege 10 rechts neben dem Dermatologen Ferdinand von Hebra und dem Anatom Karl Langer von Edenberg. Egal welcher der beiden Standorte gewählt werden soll, soll die entstehende Büste den bereits aufgestellten Denkmälern angepasst werden um so ein passendes Gegenstück zu den bereits geehrten Professoren zu bilden. [6] Von einem geeigneten Künstler ist in dieser Sitzung noch nicht die Rede.

Am 6. Oktober 1986 wird im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung vom damaligen Bundesminister Heinz Fischer die Genehmigung ausgestellt und der Auftrag für die Herstellung der Büste von Johann Radon erteilt. Der Kostenübernahme wird nicht zugestimmt und somit bleibt ein finanzieller Zuschuss, den man sich wohl erhofft hatte, aus. Da es sich um eine „Sonderanlage“ im Eigentum der Universität Wien handle, müsse auch diese für die entstehenden Kosten aufkommen. [7]

Die Aufzeichnungen über die Zahlungen an die unterschiedlichen Künstler und Handwerker gibt Aufschluss darüber, wie viel das Denkmal gekostet hat und wie viele Personen daran beteiligt waren. Der Metall- und Kunstgießer Friedrich Beck erhielt am 12. Februar 1987 15.660 Schilling, der Holz- und Steinbildhauer Wilhelm Schmeiser erhielt 64.200 Schilling und der Bildhauer Ferdinand Welz erhielt am 23. April 1987 für seine Arbeiten am Denkmal für Johann Radon 50.000 Schilling. Am 27. April erhielt schließlich der Bildhauer Seidl 9.020 Schilling, was eine Gesamtsumme von 138.880 Schilling ergibt. [8] Über Fertigung, Entwurfserstellung und Besichtigungstermine sind keine weiteren Angaben gegeben.

Im Jubiläumsjahr 1987, dem 100. Geburtstag Radons, wurde die Bronzebüste am 21. Mai im Arkadenhof der Universität enthüllt. Aufgestellt wurde sie auf der Philosophenseite in die Gruppe von Karl Langer von Edenberg und Ferdinand von Hebra. Die Festrede wurde von Curt Christian gehalten. [9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb.6, Radon-Medaille, geschaffen von Robert Trsek.
Abb.7, Gedenktafel am Geburtshaus Radsons. Gefertigt von Zdeněk Kolářský. Enthüllt am 28.11.2009.
Abb.8, Portraitbüste Hans Kelsen von Ferdinand Welz, 1984.

Johann Radon wurde neben diesem Denkmal auch auf einer Münze und auf einer Gedenktafel abgebildet. Gleichzeitig können zu dem kunsthistorischen Vergleich und der Analyse mehrere Fotografien und Zeichnungen herangezogen werden. Ein weiterer interessanter Gesichtspunkt ist der im Entstehungsprozess genannte Gesichtspunkt, dass die Büste von Radon den bereits bestehenden angepasst werden sollte. Ein kurzer Vergleich wäre also auch hier angebracht.

Vergleicht man die Büste mit den bildlichen Abbildungen (Abb. 3 und 5.), fällt ihre Scharfkantigkeit und klare Liniensetzung auf. Die charakteristischen Gesichtszüge wie das breite und leicht hervorstehende Kinn, sowie Nase und Augenbrauenform, sind ebenso wie die Frisur wieder zuerkennen. Einzig die Ohren erscheinen an der Büste kleiner als auf der Fotografie. Im Bereich des Mundes scheint es, als hätte Welz Abb. 5 als Vorlage verwendet. Die Konturen der Lippen und die nach oben gezogenen Mundwinkel, die der Büste ihre freundliche Ausstrahlung geben, sind der Fotografie sehr ähnlich. Welz verzichtet außerdem auf detaillierte Darstellungen und arbeitete mit charakteristischen Konturen. Zum einen wird die für Radon typische Brille weggelassen, was in diesem Fall an der Art des Denkmals, nämlich der Büste, liegt, zum anderen werden Haare blockartig dargestellt, die im Medaillon von Robert Trsek (Abb. 6) einzeln und sehr detailgetreu dargestellt wurden. Ebenso wurden hier die Augen aufgrund der dargestellten Brille besonders betont.

Die Gedenktafel (Abb. 7) hingegen besticht wiederum mit ihrer klaren Kontur die das Profil von Radon zeigt. Im Bereich von Nase, Mund und Augen werden die Details des Reliefs noch hervorgehoben, wohingegen Haare und Ohren nur noch grob festgehalten werden.

Neben der Büste für Johann Radon hatte Welz bereits in den 70ern und 80ern Denkmäler für den Arkadenhof geschaffen. Das Denkmal von Hans Kelsen (Abb. 8) soll zum Vergleich herangezogen werden, da das von Schrödinger nicht aus Bronze gefertigt wurde und außerdem früher entstanden ist. Kelsen wurde ebenfalls wie Radon frontal dargestellt. Abweichungen gibt es vor allem in der Oberflächenbehandlung. Welz arbeitet bei Radon zwar ebenfalls mit Konturen und scharfkantigen Linien, setzt diese in Form der Falten aber feiner ein. Gleiches gilt für Haare und Augenbraue, die bei Kelsen noch grober dargestellt wurden.

Die Dreiergruppe Karl Langer von Edenberg (Abb. 9), Ferdinand von Hebra (Abb. 10) und Johann Radon, besteht aus drei unterschiedlichen Büsten aus Bronze. Die Sockel sind alle in Form, Farbe und Gestaltung unterschiedlich, ebenso wie die Gestaltung der Inschriften. Langer von Edenberg wird als kitteltragende Halbfigur in nachdenklicher Haltung dargestellt, während Hebras Büste in barocker Manier ausgeführt wurde. Das Denkmal von Radon befindet sich nun in der Mitte. Zum einen übernimmt das Denkmal die Schlichtheit von dem von Langer von Edenberg, zum anderen die Form der Büste und die Wahl des Anzuges als Kleidung von Hebra. Dennoch passt sich die Radonbüste eher dem Denkmal von Langer von Edenberg an.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Im Akt sind keine Notizen über eine Umstellung vorhanden. Während dem Entstehungsprozess war die Rede davon, dass der rechte Platz neben Langer von Edelsberg frei wäre. Die heutige Aufstellungssituation stimmt mit dem Plan von Maisel (Abb. 2) überein, wohingegen sich das Denkmal von Radon nun aber in der Mitte der Dreiergruppe und nicht rechts von Edenberg befindet.

Einzelnachweise

  1. Binder, 2013.
  2. Christian, 1987.
  3. Senat 222.63, 7.1.1986.
  4. Senat 222.63, 21.5.1986.
  5. Senat 222.63, 10.6.1986.
  6. Senat 222.63, 21.4.1986.
  7. Senat 222.63, 6.10.1986.
  8. Senat 222.63, 6.10.1987.
  9. Christian, 1987.

Quellen

UAW = Universitäts Archiv Wien

  • UAW, Senat S 222.63,: Ansuchen an das Fakultätskollegium von Curt Christian, 7.1.1986
  • UAW, Senat S 222.63,: Würdigungsschreiben für Johann Radon, 21.5.1986.
  • UAW, Senat S 222.63,: Sitzungsbericht des Ehrenzeichenkommission, 10.6.1986.
  • UAW, Senat S 222.63,: Brief an den Hofrat, 21.4.1986.
  • UAW, Senat S 222.63,: Antwortschreiben des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, 6.10.1986.

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Literatur

  • Curt Christian Festrede zum 100. Geburtstag Johann Radons, Internationale Mathematische Nachrichten, 146, Wien 1987, S. 1-8.

Weblinks

Nachlass von Johann Radon 18.2.2014
Biographie von Johann Radon im Austria Forum 18.2.2014
Johann Radon Institut 18.2.2014
Mathe-Brief 18.2.2014


Erika Peherstorfer, Elena Koren, Martin Engel