Denkmal Johann Heinrich Dumreicher

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Eduard Adalbert Saff, Denkmal Johann Heinrich Dumreicher im Arkadenhof der Universität Wien, 1901.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 88, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Eduard Adalbert Saff, Denkmal Johann Heinrich Dumreicher im Arkadenhof der Universität Wien, Detail, 1901
Abb. 4: Eduard Adalbert Saff, Denkmal Johann Heinrich Dumreicher im Arkadenhof der Universität Wien, Detail, 1901
Abb. 5: Johann Heinrich Dumreicher, ©ÖNB

Das Denkmal für den Mediziner Johann Heinrich Dumreicher (1815-1880) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Adalbert Eduard Saff (1865-1923) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 7. Juli 1901 enthüllt.

Beschreibung

Johann Heinrich Dumreichers Denkmal ist im hinteren Bereich des rechten Arkadenganges an der Stirnseite einer in den Gang ragenden Wand (in Thomas Maisels Plan an Stelle 88) angebracht. Die hochformatige, rechteckige, Gedenktafel wurde aus Bronze gefertigt und zeigt in der oberen Hälfte ein Portrait des Chirurgen.

Während Portraitreliefs meist in Seitenansicht ausgeführt sind, handelt es sich hier um eine vom Betrachter aus gesehen nach rechts blickende dreiviertel-Ansicht Dumreichers, die aus einer runden Einwölbung hervortritt. Die Darstellung ist sehr realistisch ausgeführt: Gesichtsform, Haartracht und Schnurrbart entsprechen den Abbildungen des Chirurgen in mittleren Jahren. Sein Blick scheint sinnend in die Ferne gerichtet; dem Betrachter, der sich auf der rechten Seite des Arkadenhofes nähert, entgegenblickend. (Abb. 3)

Er trägt, der damaligen Mode entsprechend, Jacket mit Hemd und Masche. Unterhalb des Reliefs befindet sich wie auf vielen anderen Denkmälern ein Lorbeerzweig als Zeichen der Huldigung und Verehrung. Attribute, die auf seine Tätigkeit verweisen, wurden nicht angebracht. Unter der Büste befindet sich in einem Feld, das circa ein Drittel der gesamten Höhe einnimmt, die Relief-Inschrift in hohen schmalen Lettern: „Johann Heinr. Freiherr von Dumreicher von Österreicher Professor der Chirurgie geb. 13. Jan. 1815 zu Triest; gest. zu Januschovatz am 16. Nov. 1880.“

Das Ausmaß der gesamten Tafel beträgt 120 cm in der Höhe und 66 cm in der Breite. Der Kopf des Dargestellten ist circa 30 cm hoch. Die Kanten der Tafel sind abgerundet und um die gesamte Fläche läuft eine Bordüre, die an den Ecken in einfachen Schnörkeln endet. Rechts unten, befindet sich die Signatur des Künstlers: „Fecit A. Saff 1900“ (Abb. 4).

Bei Maisel 2007 wird das Denkmal von Johann Heinrich Dumreicher mit der Nummer 88 angeführt. (Abb. 2)

Notizen zur dargestellten Person

Johann Heinrich Dumreicher von Österreicher (* 15. Jänner 1815 in Triest; † 16. November 1880 in Januševec bei Zagreb) galt als einer der hervorragendsten Chirurgen seiner Zeit, der sich darüber hinaus vor allem durch seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien und als Reformator des Militär-Sanitätswesens auszeichnete.

Entstehungsgeschichte

Abb. 6: Einladung zur Enthüllung des Dumreicher-Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien am 7. Juli 1901, © UAW

Der Antrag zur Aufstellung eines Denkmals für Dumreicher wurde von seinem Schüler und Nachfolger Eduard Albert über das Professoren Collegium der medizinischen Fakultät im März 1900 gestellt. [1] Dumreicher galt als einer der besten Lehrer seiner Zeit und konnte Studenten in einfacher Weise die Grundkenntnisse vermitteln und sie so auf das spätere Studium vorbereiten.

Mit der Herstellung wurde der tschechische Bildhauer Eduard Saff beauftragt, der auch die Büste Dumreichers in der Allgemeinen Poliklinik in der Mariannengasse in Wien anfertigte und sein Atelier zu dieser Zeit in der Gersthofer Straße 144 im 18. Wiener Gemeindebezirk hatte. Eduard Albert starb allerdings bereits am 26. September 1900. Am 2. März 1901 teilte der Dermatologe Franz Mraček der Rektoratskanzlei mit, dass er die Angelegenheit der Denkmalserrichtung im Einvernehmen mit dem Sohn Dumreichers übernommen habe. Dieser habe sich auch brieflich bereit erklärt, die Kosten für die Errichtung des Denkmals zu übernehmen. Eine Kostenbeteiligung der Witwe Eduard Alberts habe er abgelehnt.[2] Die weitere Koordination der Aufstellung mit der Universität wurde nun von Franz Mraček übernommen.

Bereits am 5. März 1901 erfolgt die Überbringung des Bronze-Reliefs aus dem Atelier Saffs in die Universität, wo es zunächst im Depot der Gebäude-Inspektion verwahrt wurde.[3] In der Sitzung vom 8. März 1901 beschloss die artistische Commission, das Dumreicher-Relief an eben jener Stelle im Arkadenhof anzubringen, an der es sich heute noch befindet.[4] Im April 1901 erfolgte die Planung der Aufstellungsfeierlichkeiten.[5] Die feierliche Enthüllung fand am 7. Juli 1901 um 12 Uhr mittags gemeinsam mit jener für das Denkmal für den Internisten Adalbert Duchek im Arkadenhof der Universität Wien statt (Abb. 6: Einladungskarte).

Wie häufig Denkmäler zu dieser Zeit im Arkadenhof der Universität enthüllt wurden, zeigt die Anweisung des Rektors an die verschiedenen verantwortlichen Stellen der Universität, wie zum Beispiel an die k.k. Universitäts-Gebäude-Inspection: „... in der bisher üblichen Weise das Erforderliche zu veranlassen, insbesondere für den Blumenschmuck in üblichen Weise zu sorgen.“[6]

Die Eröffnung wurde auch in der Presse gewürdigt. Unter den anwesenden Gästen befanden sich neben zahlreichen Universitätsprofessoren und Vertretern diverser Ministerien auch solche des Kriegsministeriums und Stabsärzte, wodurch Dumreichers Bedeutung für die Versorgung von Kriegsverletzten unterstrichen wurde. Die Festrede wurde von Universitäts-Professor Freiherr von Eiselsberg gehalten, der neben den Leistungen Dumreichers vor allem jene als Lehrer hervorhob. Ursprünglich war geplant, dass dessen Schüler Eduard Albert die Rede halten sollte, dieser war jedoch bereits ein Jahr zuvor verstorben. Mit dem vom akademischen Gesangsverein dargebotenen „Gaudeamus“ schloss die Feier.[7]

Zum Unterschied von anderen Denkmal-Enthüllungen wird der Name des Bildhauers diesmal nicht erwähnt. Da die Rede Eiselsbergs in der Presse sehr detailliert wiedergegeben wird, scheint auch er nur auf den Geehrten, nicht aber auf das Denkmal oder den Künstler eingegangen zu sein.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: Eduard Adalbert Saff, Denkmal Johann Heinrich Dumreicher in der Poliklinik in Wien, Majolikarelief, Foto: G.Böhm-Nevole

Dumreichers Bronze-Portrait im Arkadenhof der Universität unterscheidet sich von anderen durch die dreiviertel-Ansicht. Reliefs wurden zu dieser Zeit meist in einer Seitenansicht ausgeführt.

Sein Kopf tritt aus einer runden Einwölbung halbplastisch hervor. Das Gesicht ist realistisch ausgeführt und entspricht wie auch die Kleidung den Darstellungen Dumreichers in dessen mittleren Jahren, wie zum Beispiel jener auf der Lithographie von Marastoni aus dem Jahr 1867 (Abb. 5).

Eine nahezu idente Darstellung wählte Eduard Šaff auch für das Relief Dumreichers an der Fassade der Poliklinik in Wien (Abb. 7). Beim Untergrund handelt es sich diesmal jedoch nicht um eine Einbuchtung sondern eine Art Schale, auf der sich die Inschrift „Dumreicher 1815-1880“ und ebenfalls ein dreiviertel-Relief Dumreichers befinden. Seine gehobene Kleidung ist stärker sichtbar als zuvor. Insgesamt wirkt es moderner. Es handelt sich hierbei um eines von insgesamt 13 Majolika-Medaillons berühmter Wiener Ärzte des 19. Jahrhunderts.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal wurde bereits bei seiner Enthüllung am 7. Juli 1901 an jener Stelle angebracht, an der es sich auch heute noch befindet (Abb. 2: Nr. 88).

Berichte über Beschädigungen liegen nicht vor.

Quellen

  • UAW Senat S 93.21: Dumreicher, Johannes v., Denkmal im Arkadenhof (1900-1901).
  • UAW Senat S 87.2.29: Errichtung von Denkmälern (Wartezeit), 8 Denkmäler dem Senat übergeben (25.04.1901 - 03.05.1901)
  • UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse 7: Dumreicher und Duchek, in: Neue Freie Presse, 7. Juli 1901,S. 6.
  • Neue Freie Presse 8: Dumreicher- und Duchek-Feier an der Universität, in: Neue Freie Presse. Abendblatt, 8. Juli 1901, S. 4.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2239 vom 5.3.1900.
  2. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2239 vom 5.3.1900.
  3. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2079 vom 5.3.1901 unf Anlage.
  4. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2087 vom 6.3.1901.
  5. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2493 vom 26.4.1901.
  6. UAW Senat S 93.21, Prot. Nr. 2493 vom 26.4.1901, Brief vom 18. Juni 1901.
  7. Neue Freie Presse 8, 8. Juli 1901, S. 4.

Literatur

  • Dehio Wien 2003: Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt, S. 602-608.
  • Dehio Wien 1993: Dehio-Handbuch Wien. II.-IX. und XX. Bezirk, S. 419.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 105.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 106.
  • Hirsch 1885: August Hirsch (Hg.), Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, 2, Wien/Leipzig 1885.

Gabriele Böhm-Nevole, Angelina Illes, Elena Koren