Denkmal Ignaz Seipel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 51, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Die Porträtbüste für den katholischen Theologen und Politiker Ignaz Seipel (1876-1932) wurde von dem Maler und Bildhauer Josef Engelhart (1864-1941) in den 1920er Jahren geschaffen. Die Lebensgroße Bronzebüste befand sich im Besitz von Michel Engelhart (der Sohn des Künstlers), das Denkmal wurde schließlich am 16. Juni 1950 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Die Aufstellungssituation der lebensgroßen Bronzebüste ist eine besondere, da sich an den Arkadenpfeilern sonst nur Reliefs befinden. Dieses Denkmal ist die einzige Vollplastik an diesem Ort. Die Büste befindet sich am äußeren Eckpfeiler, an der Schnittstelle zwischen linkem und oberem Arkadengang. Seipels Name sowie Geburts- und Sterbejahr zieren den Scheitel des Sockels. Dem Vornamen ist der lateinische Suffix angehängt. Darunter, ein Wulst, die einer oval profilierten Platte aufsitzt mit der sie direkt abschließt.

Die Büste steht auf einer Konsole aus hellem Mannersdorfer Stein, die aus der Wand ragt. Sie wurde nicht eigens für den Arkadenhof angefertigt, sondern fand erst nach Engelharts Tod ihren heutigen Aufstellungsort. Aus diesem Grund stammt die Konsole nicht von Engelhart selbst, sondern von seinem Sohn Michel (siehe Entstehungsgeschichte). Die Konsole als Ganzes besteht zum einen aus einer rechteckigen Quaderplatte, auf der die Büste steht, und zum anderen aus zwei volutenartigen Tragsteinen, den Konsolen im engeren Sinn, die die Platte stützen. Verbunden werden sie durch ein konstruktives Element, das deren Form rhythmisch aufnimmt.

Der Künstler zeigt den Gelehrten als Prälaten in einem Talar. Das Gesicht ist realitätsgetreu wiedergegeben. Der Blick ist unbestimmt nach vorne gerichtet. Die Augenpartie zeigt gleich den Mundwinkeln, nach unten.

Bei Maisel 2007 wird das Denkmal Ignaz Seipel mit der Nummer 51 angeführt. (Abb. 2)

Notizen zur dargestellten Person

Ignaz Seipel (* 19. Juli 1876 in Wien XV.; † 2. August 1932 in Pernitz, Niederösterreich) war Professor für Moraltheologie an den Universitäten Salzburg und Wien sowie k.k. Minister für öffentliche Arbeiten und soziale Fürsorge. In der Ersten Republik bekleidete er mehrere Ministerämter und war Bundeskanzler von 1922-24 bzw. 1926-29. Er gilt als Vertreter des politischen Katholizismus. Seine politische Agitation gegen das linke Lager begünstigte die Radikalisierung des politischen Lebens.

Entstehungsgeschichte

Auf Anregung des Rektors der Universität Wien, des Altphilologen Richard Meister, beschloss die katholisch-theologische Fakultät am 17. November 1949, an den akademischen Senat mit der Bitte heranzutreten, eine "Marmorbüste von Ignaz Seipel, die seit langem in einem theologischen Hörsaal steht, auf einem angemessenen Platz in den Arkaden zur Aufstellung" zu bringen. Das Ansuchen erging gemeinsam mit einer mehrseiten Ausführung der Verdienste Seipels durch den Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien Johann Kosnetter und Seipels literarischen Werkes, erläutert von Dr. Jachym.[1]

Die Artistische Kommission entschied am 26. Jänner 1950 einstimmig, dass "die gezeigte Büste den Anforderungen eines Denkmals im Arkadenhof nicht entspricht." Unter den anwesenden Mitgliedern der Artistischen Kommission befand sich auch Kosnetter und Dr. Otto Demus, Dozent sowie Präsident des Bundesdenkmalamtes.[2] Letzterer wurde in der Sitzung beauftragt, plastische Darstellungen von Seipel zu sichten.[3]

Der Akademische Senat gab dem Antrag in seiner Sitzung vom 30. Jänner 1950 statt und bestätigte, dass die katholisch-theologische Fakultät eine geeignete Büste für den Arkadenhof besorgen wird.[4]

Demus initiierte eine Anfrage an alle Angehörigen Bildhauer der Genossenschaft der Bildenden Künste in Wien. Daraufhin meldete sich Prof. Dr. Michel Engelhart in dessen Besitz sich eine lebensgroße Bronzebüste Seipels befand, geschaffen in den Zwanziger Jahren von seinem Vater Josef Engelhart. In der Bundessammlung für Medaillen, Münzen und Geldzeichen fanden sich drei Portraitmedaillen, wovon jedoch keine für eine Vergrößerung geeignet war.[5] Die Bronzebüste wurde von Mitgliedern der Artistischen Kommission, darunter dem Rektor, Dekan Kosnetter sowie Prof. Josef Müllner begutachtet und für "künstlerisch durchaus geeignet befunden." Außerdem bemerkten sie, dass sich die Büste an keinem Ort im Arkadenhof "architektonisch gut einfügen würde", weil sich deren Sockel derart breit und ausladend gäbe. Deshalb beschloss der Akademische Senat am 25. März 1950, "die Büste auf eine in den letzten Pfeiler des linken Arkadentraktes einzusetzende Konsole zu montieren."[6]

Diese Konsole für die Büste wurde von der Steinmetzfirma Eduard Hauser, Wien IX., Spitalgasse 19, nach Plänen von Prof. Michel Engelhart aus matt geschliffenem Mannersdorfer-Stein zum Preis von S 1.690,- gefertigt.[7]

Die Enthüllungsfeier des Denkmals fand auf Wunsch des Kardinals Dr. Theodor Innitzer am 16. Juni 1950 statt.[8] Als Redner seitens der Universität Wien waren vorgesehen (im Talar) Dekan Kosnetter, Dekan Schima, Prof. Zehentbauer, Prof. Knoll sowie der Rektor Prof. Richard Meister.[9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Ignaz Seipel auf einem Gemälde eines unbekannten Künstlers

Als Vergleich wird das nebenstehende Porträt herangezogen. Engelhart fertigte Seipel in angesehener Amtskleidung. Dieses Gemälde (Künstler unbekannt) hingegen, zeigt Seipel in bürgerlicher Kleidung. Beide Künstler zeigen ihn jedoch frontal.

Im Gemälde mimt Seipel den milden Gelehrten: aufrecht stehend, mit angelegter Linken und Manuskript in der Rechten. Der Künstler orientiert sich offenbar an dem Quattrocento und der Frührenaissance. Engelhart wiederum präsentiert Seipel als den Politiker, den starken Mann mit eiserner Miene. Der Mimik lässt sich ein negativer Ausdruck ablesen. Dies erfolgt vor allem aus den nach unten geneigten Mundwinkeln und wird verstärkt durch die scheinbare Symmetrie von Augenbrauen, Mundwinkeln und Schultern. Diese scheinen aufeinander Bezug zu nehmen.

Palla di Bernardo Rucellai, Bode-Museum Deutschland, Skulpturensammlung Inv. 173.

Verglichen mit einer anderen Quattrocento-Büste, wird die gewaltige Ähnlichkeit dieses Zeitstils sichtbar. Im Bode-Museum, findet sich eine Büste, die ursprünglich aus dem Palazzo Rucellai in Florenz stammt. Um 1525 wurde sie vermutlich nach einer Maske des Porträtierten gefertigt. Als Vorbild für diese Büste, wird Bernardo Rucellai vermutet. Obwohl die beiden Arbeiten zeitlich sehr weit auseinanderliegen, wird ein gemeinsamer Stil erkennbar. Durch die feinen Linien in der Ausarbeitung wirkt die Büste des Bode-Museums zarter als das Denkmal Ignaz Seipels. Schultern und Oberarme sind in beiden Büsten ausgearbeitet, jedoch findet man bei Rucellai auch große Teile der Oberarme und eine auffällige Ausarbeitung seines wellenwerfenden Gewandes. Seipels Kleidung wirkt im Vergleich viel moderner. Obwohl Rucellais Kopf ein Stück mehr zur Seite gewendet ist, wirkt er schlichter. Er trägt ein kleines Lächeln auf den Lippen, wohingegen Seipel einen ernsten Blick in die Ferne wirft.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine weiteren Ereignisse seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Schreiben des Dekans der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien an das Rektorat der Universität Wien vom 23.01.1950.
  2. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Protokoll über die Sitzung der Artistischen Kommission vom 26.01.1950.
  3. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Schreiben des Präsidenten des Bundesdenkmalamtes an das Rektorat der Universität Wien vom 28.02.1950.
  4. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Schreiben des Rektos der Universität Wien an den Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien vom 08.02.1950.
  5. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Schreiben des Präsidenten des Bundesdenkmalamtes an das Rektorat der Universität Wien vom 28.02.1950.
  6. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Auszug aus dem Protokoll über die 8. Sitzung des Akademischen Senates vom 25.03.1950.
  7. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Kostenvoranschlag der Fa. Eduard Hauser an das Rektorat der Universität Wien vom 11.05.1950.
  8. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Schreiben des Rektos der Universität Wien an die Firma Eduard Hauser vom 08.05.1950.
  9. UAW, S 222.10, GZ 358 aus 1949/50, Auszug aus dem Protokoll über die 10. Sitzung des Akademischen Senates vom 10.06.1950.

Quellen

UAW, Senat S 222.10, Seipel, Ignaz: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 23.01.1950 - 19.06.1950, URL: http://scopeq.cc.univie.ac.at/Query/detail.aspx?ID=68405 abgerufen am 21.01.2014.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Philipp Summer, Elena Koren