Denkmal Ignaz Philipp Semmelweis

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Alfred Hrdlicka, Porträtrelief Ignaz Philipp Semmelweis, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 147, 1967 enthüllt. Abbildungsnachweis Universität Wien .
Lage des Denkmals, Nr. 147, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Ignaz Philipp Semmelweis, Stich von E. Dopy 1860
Deutsche Wohlfahrtsmarke der Serie Helfer der Menschheit, Erstausgabetag 1956, Abbildungsnachweis: NobbiP, aus: Wikicommons.
Rudolf Schmidt, Büste Ignaz Philipp Semmelweis, Semmelweis- Klinik Wien, Abbildungsnachweis: AEIOU.

Das Denkmal für den Gynäkologen Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865) wurde vom Bildhauer Alfred Hrdlicka (1928-2009) im Jahre 1966 für den Arkadenhof der Universität Wien gefertigt und am 4. April 1967 enthüllt.

Beschreibung

Für diese verspätete Ehrung Semmelweis (100 Jahre) wurde als Material Chiampo Porfirico Marmor gewählt. In seiner Ausführung kann es in mehrere Teile geteilt werden: Die rosa eingefärbte Kalksteinfläche misst 91 cm in der Höhe, 66 cm in der Breite und ca. 5 cm in der Tiefe. Sie wirkt leicht abgenutzt. Auf der Kalksteinfläche befindet sich eine Platte und eine Konsole aus Chiampo Porfirico Marmor. Diese Platte wiederum weist die Maße 70 cm x 50 cm x 17 cm auf. Die Konsole misst dieselbe Tiefe von 17 cm, selbiges in ihrer Breite, und ca. 15 cm in ihrer Höhe.

Im Gesamten wirkt das Denkmal schief, da die Mörtelschicht zwischen Konsole und Inschriftenfeld unterschiedlich hoch ist. Diese misst auf der rechten Seite 6 mm, auf der linken Seite allerdings nur 5 mm. (!)

Das Denkmal wirkt in seiner Gestaltung sehr reduziert, was wohl vor allem auf Hrdlickas Bearbeitung des Steines zurückzuführen ist.

Notizen zur dargestellten Person

Ignaz Philipp Semmelweis (*1.7.1818 in Buda, gestorben am 13.8.1865 in Wien) war ein ungarischer Gynäkologe. 1846-1849 war er er in der gynäkologischen Abteilung des ehemaligen AKH in Wien tätig. Er setzte sich hier vehement für ein Reinigen der Hände zwischen Operationen ein. Dies hatte deutliches Fallen der Sterberate der Wöchnerinnen zur Folge. Aus diesem Grund ist er auch unter dem Beinamen „Retter der Mütter“ bekannt und gilt außerdem als Begründer der Antisepsis.

Entstehungsgeschichte

Der Antrag zur Errichtung des Denkmals von Prof. Dr. Semmelweis wurde von Prof Dr. H. Husslein (Vorstand der zweiten universitären Frauenklinik), Prof. Dr. H. Chiari (Vorstand des pathologischen anatomischen Instituts) und Prof. Dr. T. Antoine (Vorstand der ersten universitären Frauenklinik) an das Dekanat der Universität Wien gestellt. Dieser wurde am am 28. April 1965 in der Sitzung des Professorenkollegiums einstimmig bewilligt. Die Ausführung verzögerte sich jedoch.

In der Senatssitzung vom 26. Mai, bat Dekan Prof. Dr. L. Breitenecker den Senat, diese Angelegenheit zu behandeln, da sich der Todestag von Semmelweis am 13. 8. 1965 jähren würde.

Der von Prof. Breitenecker gestellte Antrag zur Anbringung des Reliefs von Prof. Dr. Ignaz Philipp Semmelweis anlässlich seines 100. Todestages im Arkadenhof der Universität Wien wurde am 26.Mai 1965 einstimmig angenommen.

Das Denkmal wurde vom österreichischen Künstler Alfred Hrdlicka angefertigt. Die Kunstkommission besichtigte jenes und beachtete es als positiv. Woraufhin der akademische Senat einstimmig beschloss, das Denkmal in den Arkaden anzubringen. Der einzig verzeichnete Einwand gegen die Aufstellung des Denkmals an der Nordwand kam von Prof. Erich Boltenstern. Dies geht aus einem Brief des Rektors Univ. Prof. Dr. Karl Hörmann an das Bundesministerium für Unterricht vom 16.11.1966 hervor. [1]

Die Kosten für das Denkmal betrugen 4.320 Schilling – die Rechnung wurde am 21 Dezember 1966 vom Rektor an das Bundesministerium für Unterricht gestellt. Es wurde von eben jenem bewilligt. [2] Für das Denkmal wurde auch eine Platte und eine Konsole aus Chiampo Porfirico Marmor hergestellt. Beide Teile wurden anschließend poliert. Die Steinmetzarbeiten für die Platte, auf der das Denkmal befestigt worden war, wurden von der Steinmetzfirma Eduard Hauser in Wien ausgeführt. Dies wird durch eine Rechnung, die von der Firma Eduard Hauser an den Arch. Prof. E. Boltenstern am 05.04.1967 für das Rektorat gestellt wurde, ersichtlich.

Am 4. April 1967 wurde das Denkmal, nach der Gedenkfeier für Ignaz Philipp Semmelweis im Sitzungssaal des Akademischen Senates, im 1. Stock des Universitäts-Hauptgebäudes im ersten Wiener Bezirks, im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Dies wird durch erhaltene Einladungskarten, welche durch den Rektor Prof. Dr. Hörmann und den Dekan Prof. Dr. Seelich unterzeichnet wurden, deutlich. [3] Das Denkmal ehrte eine rot-weiß-rote Kranzschleife.

Kunsthistorische Analyse und Vergleich

Das Porträt Semmelweis befindet sich auf der „mittleren“ Platte. Es schließt über einem Feld an, welches von den Initialen der beiden Vornamen, Semmelweis' Nachnamen, sowie seinen Lebensdaten, die in Stein geritzt sind, eingenommen wird. Das Gesicht des Arztes wird in einer 5/6- Ansicht gezeigt. Seine linke Backe scheint in die Platte, aus der Hrdlicka das Porträt schlug, überzugehen. Sie wirkt dabei fast, als würde sie zerdrückt werden. Diese für den Bildhauer typische Art den Stein zu behandeln erzeugt eine organische Verbindung des Materials mit dem Abgebildeten. Dies hat zur Folge, dass die Gesichtszüge Semmelweis' zwar erkennbar, jedoch nicht detailreich zu sehen sind.

Im Vergleich zu dem Porträt-Stich von E. Dopy, aus dem Jahr 1860, fällt zuallererst die ähnliche Blickrichtung auf. Es fällt sogleich auf, dass seine Stirn auf dem Denkmal sehr akribisch ausgearbeitet wurde. Merkmale von Kleidungsstücken, wie der Anzug in dem eleganten Porträt, sind nicht zu finden. Alles in allem, ist die Ähnlichkeit nur durch die Blickrichtung, die Haare und den Schnurrbart ersichtlich.

Vergleicht man das Denkmal mit einer Abbildung Semmelweis' auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost der Serie "Helfer der Menschheit" von 1968, so fallen einige Parallelen auf. Diese beginnen mit einer ähnlichen Ansicht des Gesichtes. In der Briefmarke visiert Semmelweis den Betrachter in einer ¾- Ansicht. In beiden Darstellungen trägt der Arzt einen Schnurrbart. Auch wird die in der Briefmarke deutlich gezeigte Halbglatze im Denkmal durch das Abschleifen des Steines an der Stelle des Oberkopfes verdeutlicht. Die Frisur wirkt auf der Briefmarke jedoch gepflegter, was zur dort gestalteten Kleidung Semmelweis' – er trägt einen Anzug, Hemd und Fliege- passt. Im Denkmal sind die Haare des Arztes länger und hinter seinem rechten Ohr befestigt. Stilistisch ergibt sich natürlich, dass die Betrachterin Details wie Augenbrauen, Backen und Barthaare im Gesicht der Briefmarke erkennen kann. Hrdlicka hat in seiner Darstellung weder Barthaare, Frisur, noch Augen und Mund ausgeführt. Interessanterweise wirkt jedoch seine Nase im Vergleich zur Briefmarke viel ausgearbeiteter, was auch für seine Falten auf der Stirn gilt. Den Hintergrund der Briefmarke ist mit einer grünen Fläche ausgefüllt und zeigt auf der rechten Seite ein in weiß gestaltetes Krankenbett, in welchem eine Frau liegt. Dieses dient wohl als eine Art Attribut Semmelweis', da er als „Retter der Mütter“ bekannt ist, weil er erstmals die Reinigung der Hände von Ärzten in der gynäkologischen Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhaus einführte und somit die Sterberate der gebärenden Frauen erheblich senkte.

Ein weiterer Vergleich bietet sich mit Rudolf Schmidts Denkmal von Semmelweis an. Es befindet sich auf den Gründen der Semmelweis-Klinik in Wien. Die Büste, die den Arzt in heroischer Nacktheit bis zur Brust zeigt, steht auf einem Sockel, welcher die untere Kante der Büste in ihrer Breite seitlich etwas überragt. Verglichen zu Hrdlickas Denkmal, wird hier, trotz des größeren Ausschnitt des abgebildeten Körpers, gänzlich auf die Gestaltung der Bekleidung verzichtet. Für die Ausführung wurde wie im zuvor beschriebenen Denkmal eine Art Marmor verwendet, die leider aus den Aufzeichnungen nicht ersichtlich ist. Eine weitere Ähnlichkeit liegt in der Gestaltung der Inschrift: auch Schmidt verwendete einfache Versalien. Allerdings befinden sich jene auf einem Sockel und ehren Semmelweis ausführlicher mit dem Beinamen „Retter der Mütter“. Der Arzt wird realitätsnah mit Halbglatze und Bart, wie in den anderen beiden Beispielen, porträtiert. Verglichen zu Hrdlicka führte Schmidt Augen, Nase und Bart jedoch detailierter und naturalistischer aus.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Versetzungen des Denkmals innerhalb des Arkadenhofes bekannt.

Quellen

  1. UAW S 22.46, Protokoll GZ 349-1964/65.
  2. UAW, S 349- 64/65, Sub-Journal 03028.
  3. UAW S 22.47, Z.349

Redigiert: Elena Koren SoSe 2014