Denkmal Hugo Weidel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb. 1: Alfonso Canciani, Denkmal Hugo Weidel, Arkadenhof der Universität Wien, 1906 enthüllt; Abbildungsnachweis: Universität Wien.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 148, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Alfonso Canciani, Denkmal Hugo Weidel. Detail mit Weidels rechter Hand, Arkadenhof der Universität Wien, 1906 enthüllt; Abbildungsnachweis: Universität Wien.
Abb. 4: Alfonso Canciani, Denkmal Hugo Weidel, Arkadenhof der Universität Wien, 1906 enthüllt; Abbildungsnachweis: Julia Horner 2013.

Das Denkmal für den Chemiker Hugo Weidel (1849-1899) wurde vom Bildhauer Alfonso Canciani (1863-1955) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. Mai 1906 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 5: Alfonso Canciani, Denkmal Hugo Weidel. Detail des Mantels mit Künstlersignatur und Datierung, Arkadenhof der Universität Wien, 1906 enthüllt; Abbildungsnachweis: Julia Horner 2013.
Abb. 6: Alfonso Canciani, Denkmal Hugo Weidel. Detail des Kopfes, Arkadenhof der Universität Wien, 1906 enthüllt; Abbildungsnachweis: Julia Horner 2013.
Abb. 7: Porträt Hugo Weidel, ©ÖNB.

Bei der Gedenktafel für den Chemiker Hugo Weidel handelt es sich um eine hochrechteckige Bronzetafel mit den Maßen 123 x 91,3 Zentimeter (Abb. 1). Durch eine Abstufung der Außenkante gerahmt, ist die Darstellung des Chemikers, in einem eingetieften Feld von 96 x 80,5 Zentimeter reliefhaft aus dem Grund gearbeitet, zu erkennen. Das Bild des Gelehrten wird durch den unteren, nach außen dem Betrachter entgegen geschwungenen Abschluss begrenzt und wirkt wie ein Fenster oder Einblick in seinen Arbeitsbereich. Weidel ist halbfigurig in Profilansicht nach rechts wiedergegeben. Er trägt einen langärmeligen Mantel, bei dem es sich um eine Art Laborkittel handeln könnte. Er hantiert mit konzentrierter Miene mit einem Schütteltrichter, der am rechten Bildrand auf einer angedeuteten Arbeitsplatte platziert ist.[1] Bei der Darstellung wurde auf Authentizität und Naturalismus Wert gelegt. Die Faltengebung von Weidels Kittel scheint realistisch. Auffällig ist auch die Gestaltung seiner Hände (Abb. 3), vor allem seiner Rechten, an deren Handrücken hervortretende Adern die ansonsten etwas steif wirkende Hand beleben. Die Seitenansicht verdeutlicht, dass vor allem die linke Seite plastisch vor den Rahmen hervortritt und die rechte Seite reliefhaft dem Grund verhaftet bleibt (Abb. 4). Der Vergleich von Weidels Profil mit einem Porträt des Chemikers (Abb. 4-7, ohne Datierung) zeigt, dass das Reliefbildnis porträthaft ausgeführt wurde. Weidel ist durch die Art der Darstellung und den Schütteltrichter als Attribut eindeutig als Chemiker identifiziert.

Künstlerinschrift und Datierung sind auf dem Kittel Weidels im linken unteren Abschnitt des Dargestellten zu finden (Abb. 5). Unter dem Relief ist die farblose, nur durch erhabene Lettern hervorgehobene Inschrift angebracht: „HUGO WEIDEL [ / ] 1849-1899 PROFESSOR DER CHEMIE 1891-1899“.

Notizen zur dargestellten Person

Hugo Weidel (* 13. November 1849 Wien; † 7. Juni 1899 Wien) studierte in Wien und Heidelberg Chemie. Er arbeitete von 1874 bis 1886 am I. Chemischen Institut in Wien. Nach dem Tod von Ludwig Barth von Barthenau übernahm er die Leitung des I. Chemischen Institutes.[2] Von großer Bedeutung waren Weidels Studien über animalisches Theer, wofür er 1880 mit dem Lieben-Preis ausgezeichnet wurde.[3]

Entstehungsgeschichte

Abb. 8: Rudolf Wegscheider, Lage des Weidel-Denkmals, 1905; Abbildungsnachweis: UAW Senat S 96.12, Z463. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 2. November 1905.
Abb. 9: Gips-Kopie des Hugo Weidel Denkmals, Eingangsbereich des Chemischen Instituts in der Währingerstraße 42, 1090 Wien; Abbildungsnachweis: Julia Horner 2014.

Bereits im Jahre 1900, ein Jahr nach Hugo Weidels Tod, gründete sich ein Denkmalkomitee aus Kollegen, Freunden und Fachgenossen um ein Denkmal für Hugo Weidel zu erwirken. Für diesen Zweck wurden rund 5000 Kronen gesammelt.[4] 1903 wurde der Antrag auf die Errichtung des Denkmals gestellt und Rudolf Wegscheider mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt. Dieser legte zur Bekräftigung des Antrags an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien zwei Nachrufe bei, die Weidels wissenschaftliche Laufbahn, Forschungsfeld und Lehre sowie seinen Umgang mit den Studenten hervorhoben.[5] So ist der Nachruf vom Februar 1900 auch als Appell für die Denkmalsetzung zu verstehen: „Die Unterzeichneten, überzeugt, dass eine Büste oder ein Reliefbild Weidels dem Arkadenhof unserer Universität zur Zierde, allen jenen, die ihn persönlich gekannt und geschätzt haben, zur Freude gereichen würde, laden behufs Verwirklichung dieses Gedankens alle Freunde, Collegen und Schüler Weidels ein, sich an einer Subscription zu betheiligen, aus deren Ertrag die erforderlichen Kosten bestritten werden sollen.“[6] Zu den Unterzeichnern gehören neben Rudolf Wegscheider auch Guido Goldschmiedt und Ernst Ludwig, die ebenfalls ein Denkmal im Arkadenhof erhielten.[7]

Ein Senatsbeschluss vom 7. Juli 1899 legte fest, dass die Aufstellung eines Denkmals frühestens fünf Jahre nach dem Tod der zu ehrenden Person erteilt werden konnte. Das Gesuch Rudolf Wegscheiders für die Aufstellung des Weidel-Denkmals 1903 wurde daher um ein Jahr vertagt.[8] Am 12. Juli 1904 beschloss der akademische Senat die Errichtung des Weidel-Denkmals.[9]

Über die Auswahl des Künstlers Alfonso Canciani für das Denkmal Weidels gibt es keine Hinweise in den Akten. In der Ansprache des Universitätsrektors Eugen Philippovich anlässlich der Denkmalenthüllung 1906 bedankt sich dieser beim "[...] Künstler Canciani, von dem wir schon mehrere Werke empfangen haben, die durch ihre geistreiche Auffassung und die Feinheit der Ausführung unsere Bewunderung erregen [...]."[10] Möglicherweise erhielt Canciani den Auftrag für die Relieftafel Hugo Weidels aufgrund vorangegangener Arbeiten für die Universität.[11] Die mögliche Einflussnahme der artistischen Kommission und des Senats wird auch bereits am 13. Juli 1904 in einem Brief des Rektors an Wegscheider besonders hervorgehoben: „Ich bemerke noch. dasz die Frage, ob das betr. Denkmal vom künstlerischen Stadtpunkte geeignet erscheint, einer Beratung der artistischen Kommission und einer Beschluszfassung des akademischen Senates unterliegt. Es steht dem betr. Komité frei, die Entwürfe oder Modelle des zu errichtenden Denkmales bereits vor der Herstellung dem Senate zur Begutachtung vorzulegen.“[12]

Wie dieses Zitat bereits andeutet, oblag die künstlerische Gestaltung des Denkmals nicht allein dem Bildhauer Alfonso Canciani. Vor der Ausführung des Denkmals musste dieser zuerst dem Denkmalkomitee und – nach dessen Bewilligung – dem akademischen Senat eine Skizze des Denkmals zur Verfügung stellen. Bei dieser Skizze handelt es sich um ein Gipsmodell in 1/4 der natürlichen Größe, die – sollte der Entwurf genehmigt werden – ausgeführt werden sollte in Form einer Bronzeplatte über einem Steinsockel (vermutlich Marmor). Das von Canciani vorgelegte Modell sollte verbindlich für die endgültige Ausführung sein, wobei kleine Änderungen, beispielsweise bezüglich der Porträtähnlichkeit des Dargestellten, zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich sein sollten.[13] Die artistische Kommission beschloss am 9. Dezember 1904 einige nicht näher genannte Modifikationen und machte somit von ihrer Einflussnahme in die künstlerische Gestaltung Gebrauch.[14] Vermutlich bezugnehmend auf diese Änderungswünsche wurde der Bildhauer Alfonso Canciani wiederholt um Rücksprache mit den Professoren von Zumbusch und König ersucht, was zu Verzögerungen führte.[15] Eine der gewünschten Modifikationen könnte mit der Art der Anbringung zusammenhängen. Denn 1905 spricht Wegscheider nicht mehr von einem Steinsockel auf dem das Denkmal ruhen sollte, sondern davon, das Denkmal in Form einer Bronzetafel mit den ungefähren Maßen von 85 Zentimeter Breite und 130 Zentimeter Höhe in die Wand einzulassen.[16]

Der Wortlaut der Inschrift, die am 20. März 1905 übermittelt wurde: "Hugo Weidel, [ / ] geb. 1849., gest. 1899 [ / ] Professor der Chemie 1891 - 1899"[17] erfuhr bis zum 29. Juni 1905 kleine Veränderungen. Sie entsprach nun der heute am Denkmal ausgeführten Version: "Hugo Weidel [ / ] 1849-1899 Professor der Chemie 1891-1899."[18] Die Inschrift sollte auf dem unteren Bereich der Bronzeplatte in erhobenen Lettern angebracht werden.[19] Die überarbeitete Skizze wurde der artistischen Kommission neuerdings vorgelegt, wobei die Größenverhältnisse und die beantragten Inschriften enthalten waren.[20]

Am 3. Juli 1905 nahm die artistische Kommission den vorgelegten Entwurf an.[21]

Bezüglich des Aufstellungsortes machte Rudolf Wegscheider am 20. März 1905 mehrere Vorschläge:

„I. In erster Linie: Falls die artistische Kommission eine Versetzung der Doppler-Büste für zulässig erachtet, würde das Weidel-Denkmal an ihre Stelle zu setzen sein; zu beiden Seiten könnten dann zwei Marmorstücke aufgestellt werden.

II. In zweiter Linie: Der Platz zwischen dem Skoda- und Meynert-Denkmal.

III. In dritter Linie: An der Südseite des Arkadenhofes die er[ste?] oder fünfte Nische (von der Mittelstiege gegen Westen(Bibliotheks-trakt)gestellt).“[22]

Am 29. Juni desselben Jahres jedoch ersuchte Rudolf Wegscheider die artistische Kommission noch keinen Platz im Arkadenhof auszuwählen, da er durch verschiedene Aufstellungsversuche die Lichtwirkung auf die Bronzetafel an verschiedenen Plätzen testen wollte.[23] Dieses Gesuch zeigt, dass Wegscheider, der zu Weidels engen Mitarbeitern gehört hatte, selbst stark am Entstehungs- und Ausführungsprozess beteiligt war. [24] Am 2. November 1905 äußerte er schließlich den Wunsch, das Denkmal im Arkadenhof an der Seite des Philosophentraktes am ersten Pfeiler neben dem Böhm-Denkmal anzubringen.[25] Die Bronzeplatte sollte circa 140 Zentimeter über den Steinfliesen in den Pfeiler eingeschraubt werden. Von einer Beeinträchtigung der Tragkraft des Pfeilers durch das Denkmal ging Wegscheider nicht aus. Die Lage dieses Platzes im Arkadenhof ist durch eine eigenhändige Skizze Wegscheiders aus dem Jahre 1905 übermittelt.[26] (Abb. 8)

Am 21. Oktober 1905 wurden die zuständigen Organe über die Fertigstellung des Denkmals informiert.[27] Da die Wiener Bauindustrie-Zeitung jedoch bereits am 18. August desselben Jahres verkündete, dass das Reliefbild fertiggestellt wurde und im Laufe des nachfolgenden Wintersemesters aufgestellt werden sollte, kann von einer Fertigstellung vor dem 18. August 1905 ausgegangen werden.[28] Am 27. Oktober 1905 war das Denkmal beim Gebäude-Inspektor Oberingenieur Gottlieb Jaroschka eingelangt.[29] Das Denkmal wurde im April 1906 aufgestellt.[30]

Rudolf Wegscheider veröffentlichte in seinem Bericht über die Denkmalenthüllung den Rechnungsabschluss. Demnach konnten durch Spenden 4580,69 Kronen eingenommen werden.[31] Dieser Betrag wurde durch Zinsen vermehrt, sodass ein Budget von 5555,07 Kronen zur Verfügung stand. Der Aufruf zur Denkmalserrichtung wurde mit 25,50 Kronen angegeben. Den mit Abstand größten Betrag verschlang die Herstellung des Denkmals mit 4080,05 Kronen selbst; weitere 25,95 Kronen wurden für die Aufstellung desselbe verwendet. Der Gipsabdruck des Denkmals (Abb. 9) samt Aufstellung im Chemischen Institut kostete 66 Kronen.[32] Für Druckkosten und die Versendung des Berichtes listete Wegscheider 185,35 Kronen auf. Die Herstellung der Abbildungen des Denkmals für den Bericht wurde mit 81,30 Kronen angegeben. Weitere 42,01 Kronen wurden verwendet für Einladungen zu den Sitzungen, Porti, Stempel und Ähnliches. Werden diese Ausgaben dem verfügbaren Betrag gegenübergestellt ergibt sich ein Überschuss von 1048,91 Kronen. Dieser Betrag reichte nicht aus, um eine Stiftung im Namen Weidels einzurichten, daher wollte Wegscheider das Geld zur Förderung von Zwecken verwenden, die dem verstorbenen Chemiker besonders am Herzen lagen. Wegscheider nannte beispielsweise die Förderung der Dissertationsarbeiten von Chemie-Studenten. Für diesen Zweck bestand die Barthstiftung, die unterbemittelte Studenten im Zuge ihrer Abschlussarbeiten finanziell unterstützte. Im Jahre 1906, als Wegscheider seinen Denkmalsbericht publizierte, lag noch keine eindeutige Entscheidung diesbezüglich vor. Er bemerkt, dass die "[...] Abfuhr des Geldes (nach Abzug der etwa noch auflaufenden kleinen Auslagen) an die Stiftung [...] erfolgen [wird], sobald die Einwilligung der Mehrheit der Spender feststeht."[33]

Anlässlich der Enthüllung des Denkmals fand am 5. Mai 1906 um 17:30 (5 1/2 Uhr nachmittags) eine Feier im Festsaal der Universität Wien statt.[34] „Die Feier begann mit einem Chor des akademischen Gesangvereines; hierauf hielt der Rektor eine kurze Ansprache, in welcher er mit-teilte, daß das Denkmal durch Zusammenwirken von Kollegen des Verewigten entstanden sei, und ver-sprach, es in die Obhut der Universität zu über-nehmen. Auch dankte der Rektor dem Bildhauer Canciani und den erschienenen Gästen. Hierauf hielt Professor Wegscheider die Festrede und der Gesangverein schloß mit einem Gaudeamus.“[35] Weidels Witwe Anna Weidel-Pokorny war bei der Feier mit seinen beiden Töchtern, Frieda Hiemesch und Dora Weidel, anwesend.[36] Neben dem akademischen Senat, der vollzählig teilnahm, erschienen zwei Vertreter des Unterrichts-Ministeriums und zahlreiche Professoren der philosophischen und medizinischen Fakultät.[37] Insgesamt wurden mehr als 1000 Einladungen gedruckt.[38]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 10: Ilse Twardowski-Conrat, Denkmal Zdenko Hans Skraup, Arkadenhof der Universität Wien, 1920 enthüllt; Abbildungsnachweis: Evelyn Haspl 2014.
Abb. 11: Artur Kaan, Denkmal Eduard Albert, Arkadenhof der Universität Wien, 1909 enthüllt; Abbildungsnachweis: Universität Wien.
Abb. 12: Alfonso Canciani, Denkmal Karl Langer von Edenberg, Arkadenhof der Universität Wien, 1903 enthüllt; Abbildungsnachweis: Universität Wien.

Das Denkmal Hugo Weidels (1906 enthüllt) zeigt den Chemiker als Halbfigur als Relief. Er hantiert mit einem Schütteltrichter. Weitere Denkmäler im Arkadenhof, die ebenfalls als Relief ausgearbeitet wurden und den Dargestellten von der Seite halbfigurig zeigen, wurden nach Denkmal Weidels enthüllt und besitzen daher keine Vorbildwirkung. Die Reliefplakette des Chemikers Zdenko Hans Skraup von Ilse Twardowski-Conrat wurde 1920 enthüllt und präsentiert den Gelehrten in Denkerpose, das Kinn durch den linken Arm abgestützt, nach links. (Abb. 10) Der Darstellung des im Jahre 1910 verstorbenen Chemikers fehlen jedoch jegliche ihn als Naturwissenschaftler ausweisende Attribute. Ein Denkmal, welches sowohl den Geehrten in Halbfigur als Relief zeigt als auch ein Attribut vorweisen kann, finden wir im Denkmal für Eduard Albert (Abb. 11). Die durch Artur Kaan gefertigte und 1909 enthüllte Plakette zeigt den Chirurgen in Seitenansicht als Halbfigur. Die rechte Schulter des Porträtierten überschneidet die Rahmung. Mehrere Aspekte verweisen auf seine Tätigkeit: Sein offener Arztmantel kennzeichnet ihn als Chirurgen. In seinen Händen, die ihn dozierend darstellen, hält er seine Brille, während im rechten Bildhintergrund zwei Kollegen auftauchen und eine liegende Frau auf ihre Operation zu warten scheint. Das Relief verbildlicht durch eindeutige Attribute sein Fachgebiet. In ähnlicher Weise verhält es sich auch beim Weidel-Denkmal, wo der Schütteltrichter als typisch chemisches Laborgerät seinen Arbeitsbereich offenbart. Dennoch wird Weidel nicht als Lehrender ausgewiesen, er forscht alleine und konzentriert sich auf seine Arbeit. Albert hingegen scheint auch in seiner Funktion als Dozent dargestellt zu sein und nicht nur als Chirurg. Canciani entscheidet sich für klarere Kanten in seinem Relief, während Kaan die Konturen weicher belässt. Auch entscheidet sich der Bildhauer Tiefe in das Albert-Relief zu bringen, in dem er Figuren in den Hintergrund setzt. Beim Weidel-Denkmal scheint es keinen Raum zu geben. Der Wissenschaftler ist im Vordergrund abgebildet, wodurch das Relief an Tiefe verliert. Diese Darstellungsweise kann darauf zurück geführt werden, dass Canciani auch Medailleur ist und sich daher den Typus der Plakette für das Denkmal wählt. Da Kaans Relief später entstanden ist, kann davon ausgegangen werden, dass er sich beim Entwerfen an dem Weidels orientiert hat. Zwar in vollkommen anderem Typus dargestellt, kann dennoch das Denkmal für Karl Langer von Edenberg als Vergleichsbeispiel dienen (Abb. 12). Die 1903 enthüllte Statue wurde vom Bildhauer Alfonso Canciani geschaffen, der auch das Weidel-Denkmal fertigte. Kennzeichend ist, dass auch hier dem Dargestellten ein Attribut - in diesem Fall ein Schädel - beigegeben wurde, welches der Anatom, analog zu Hugo Weidel, prominent umfasst und konzentriert zu betrachten scheint. Obwohl es sich bei dem einen Monument um ein Relief und bei dem anderen um eine Büste handelt, kann man einige Ähnlichkeiten feststellen. So stellt Canciani Langer von Edenberg ebenfalls bis zur Hüfte dar. Beide Wissenschaftler tragen Arbeitskittel und sind durch ihre Attribute ihren Fachrichtungen zuzuweisen. Entscheidend ist auch, dass der Bildhauer sich entschieden hat, beide in Aktion darzustellen. Die Wissenschaftler befinden sich im Prozess ihrer Forschungen und sind deswegen mit konzentrierten Gesichtern abgebildet.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

UAW Senat S 96.12 (Schachtelnummer 62)

Wegscheider 1906: Rudolf Wegscheider, Bericht über die Errichtung eines Denkmales für Hugo Weidel im Arkadenhof der Wiener Universität. Mit einer Abbildung des Denkmales, Wien 1906. (Anm.: Der Bericht enthält: Aufruf zur Denkmalserrichtung (Vgl. UAW Senat S 96.12, Z 1257, Beilage: Nachruf auf Prof. Hugo Weidel, Wien, im Februar 1900), Ansprache des Universitätsrektors Hofrat Prof. Dr. Eugen Philippovich v. Philippsberg sowie Abdruck der Gedenkrede auf Hugo Weidel von Rudolf Wegscheider anlässlich der Denkmalsenthüllung am 5. Mai 1906; Verzeichnis der Spender und Rechnungsabschluss.)

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse. Morgenblatt, Nr. 14556, 2. März 1905, S. 7, Sp. 2.[39]
  • Neue Freie Presse. Morgenblatt, Nr. 14744, 9. September 1905, S. 7, Sp. 2.[40]
  • Wiener Bauindustrie-Zeitung, XXII. Jahrgang, Nr. 46, 18. August 1905, S. 328, Sp. 1.[41]
  • Wiener Bauindustrie-Zeitung, XXII. Jahrgang, Nr. 51, 22. September 1905, S. 362, Sp. 1.[42]

Literatur

  • Die Denkmäler im Arkadenhofe der Universität Wien. Ein Führer, hg. vom akademischen Senate der Universität Wien, Wien 1932. (Anm.: Weidel-Denkmal hier Nummer 97 (S. 28))
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Wien u.a. 1934. (Anm.: Weidel-Denkmal hier Nummer 97 (S. 124))
  • Soukup 2004: Rudolf Werner Soukup, Hugo Weidel 1849-1899. Ein bedeutender Naturstoffchemiker, in: Die wissenschaftliche Welt von gestern. Die Preisträger des Ignaz L. Lieben-Preises 1865-1937 und des Richard Lieben-Preises 1912-1928. Ein Kapitel österreichischer Wissenschaftsgeschichte in Kurzbiografien, hg. von Rudolf Werner Soukup im Auftrag der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 56-61.

Einzelnachweise

  1. Soukup 2004, S.60.
  2. von Lang 1900, S. 292. - Rosner 2004, S. 223.
  3. von Lang 1900, S. 291-292.
  4. Verzeichnis der Spender bei Wegscheider 1906, S. 25-30. - Vergleiche hierzu den Rechnungsabschluss im Abschnitt "Entstehungsgeschichte" dieses Beitrags.
  5. UAW Senat S 96.12, Z 1257, Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 5. Dezember 1903.
  6. Zit. UAW Senat S 96.12, Z 1257, Beilage: Nachruf auf Prof. Hugo Weidel, Wien, im Februar 1900. - Dieser Aufruf zur Denkmalsetzung und Spende für eben diese Gedenktafel wurde veröffentlicht und publiziert durch Rudolf Wegscheider in: Rudolf Wegscheider, Bericht über die Errichtung eines Denkmales für Hugo Weidel im Arkadenhofe der Wiener Universität. Mit einer Abbildung des Denkmales, Wien 1906, S. 3-4.
  7. UAW Senat S 96.12, Z 1257, Beilage: Nachruf auf Prof. Hugo Weidel, Wien, im Februar 1900. - Wegscheider 1906, S. 4.
  8. UAW Senat S 96.12, Z. 1257 ex 1903/4. Schreiben des Universitätsrektors an den Dekan der philosophischen Fakultät, Wien am 1. Juli 1904.
  9. UAW Senat S 96.12, Z. 1257 ex 1903/4. Schreiben des Universitätsrektors an Rudolf Wegscheider, Wien am 13. Juli 1904.
  10. Zit. Wegscheider 1906, S. 5.
  11. Philippovich geht auf weitere Werke Cancianis für die Universität nicht ein.
  12. Zit. UAW Senat S 96.12, Z. 1257 ex 1903/4. Schreiben des Universitätsrektors an Rudolf Wegscheider, Wien am 13. Juli 1904.
  13. UAW Senat S 96.12, Z. 812 ex 1904/5. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 3. Dezember 1904. - Über den Verbleib des Gipsmodells wurden keine Informationen gefunden.
  14. UAW Senat S 96.12, Z. 812 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an den Bildhauer Alfonso Canciani, Wien am 12. Dezember 1904.
  15. UAW Senat S 96.12, Z.812 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an den Bildhauer Alfonso Canciani, Wien am 12. Dezember 1904. - UAW Senat S 96.12, Z. 812 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an den Bildhauer Alfonso Canciani, Wien am 28. März 1905. – UAW Senat S 96.12, Z. 812 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an den Bildhauer Alfonso Canciani, Wien am 23. Mai 1905.
  16. UAW Senat S 96.12, Z.812 ex 1904/5. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den Hofrat, Wien am 20. März 1905.
  17. Zit. UAW Senat S 96.12, Z.812 ex 1904/5. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den Hofrat, Wien am 20. März 1905.
  18. Zit. UAW Senat S 96.12, Z.4320 (2. Teil). Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 29. Juni 1905.
  19. UAW Senat S 96.12, Z.4320 (2. Teil). Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 29. Juni 1905.
  20. UAW Senat S 96.12, Z. 4320 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an den Obmann der artistischen Kommission, Wien am 30. Juni 1905.
  21. UAW Senat S 96.12, Z.812 ex 1904/5. Schreiben des Universitätsrektors an Rudolf Wegscheider, Wien am 15. Juli 1905. - Wegscheider 1906, S. 4.
  22. Zit. UAW Senat S 96.12, Z.812 ex 1904/5. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den Hofrat, Wien am 20. März 1905.
  23. UAW Senat S 96.12, Z. 4320 (2. Teil). Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 29. Juni 1905.
  24. Soukup 2004, S. 60.
  25. UAW Senat S 96.12, Z.310 ex 1905/6. Schreiben des Universitätsrektors an die artistische Kommission. Wien am 3. November 1905.
  26. UAW Senat S 96.12, Z463. Schreiben von Rudolf Wegscheider an den akademischen Senat der k. k. Universität Wien, Wien am 2. November 1905.
  27. UAW Senat S 96.12, Z. 319 ex 1905/6. Schreiben des Universitätsrektors an Alfonso Canciani, Wien am 21. Oktober 1905. – UAW Senat S 96.12, Z.319 ex 1905/6. Schreiben des Universitätsrektors an die artistische Kommission, Wien am 21. Oktober 1905.
  28. Wiener Bauindustrie-Zeitung, XXII. Jahrgang, Nr. 46, 18. August 1905, S. 328, Sp. 1. - Unklar ist, wann genau das Denkmal in der Universität einlangte, denn Rudolf Wegscheider testete Ende Juni die Aufstellungsorte im Sinne der Sonneneinstrahlung und könnte dafür das Original verwendet haben - dies würde natürlich bedeuten, dass das Denkmal bereits Ende Juni fertiggestellt war. Andererseits ist bekannt, dass das Denkmal erst am 27. Oktober 1905 in der Gebäudeinspektion der Universität Wien einlangte.
  29. UAW Senat S 96.12, Z. 392 – 1905. Schreiben des Universitäts-Gebäude-Inspektors Gottlieb Jaroschka an das Rektorat der k. k. Universität Wien, Wien am 27. Oktober 1905.
  30. Wegscheider 1906, S. 4.
  31. Verzeichnis der Spender bei Wegscheider 1906, S. 25-30.
  32. Die Gipskopie entstand demnach vor 1906. Vgl. Wegscheider 1906, S. 31 (Rechnungsabschluß).
  33. Zit. Wegscheider 1906, S. 6. - Wegscheider 1906, S. 4, 6 und 31 (Rechnungsabschluß). Rudolf Wegscheider tritt hier als Rechnungsleger auf während Josef Herzig und Simon Zeisel als Rechnungsprüfer verzeichnet sind. Vgl. Ebda.
  34. UAW Senat S 96.12, Z. 2235 ex 1905/6. Schreiben des Universitätsrektors an den akademischen Gesangsverein, Wien am 20. April 1906.
  35. Zit. UAW Senat S 96.12, Z. 2235 ex 1905/6.
  36. Wegscheider 1906, S. 4.
  37. UAW Senat S 96.12, Z. 2235 ex 1905/6.
  38. UAW Senat S 96.12, Z. 2235 ex 1905/6. Schreiben des Universitätsrektors an Rudolf Wegscheider, Wien am 20. April 1906.
  39. Notiz, dass im Frühjahr ein neues Denkmal für Hugo Weidel, ehemaligen Professor der Chemie an der Wiener Universität, im Arkadenhof der Universität Wien errichtet wird. Der Bildhauer Canciani hat das Modell im kleinen Maßstab bereits vollendet.
  40. Notiz, dass das Denkmal für Hugo Weidel von Alfonso Canciani bereits fertiggestellt wurde und voraussichtlich im Laufe des nächsten Wintersemesters im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wird.
  41. Notiz, dass das Denkmal, ein Reliefbild, bereits fertiggestellt wurde und die Enthüllungsfeier vermutlich im Laufe des nächsten Wintersemesters stattfindet.
  42. Notiz über die Fertigstellung des für die Universität bestimmten Denkmals für Hugo Weidel durch den Bildhauer Alfonso Canciani.

Julia Horner, Magdalena Fleming