Denkmal Hermann von Widerhofer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträtbüste für Hermann von Widerhofer von Richard Kauffungen, 1906
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 131, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Hermann von Widerhofer (1832-1901) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 20. November 1907 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal befindet sich im rechten Gang des Arkadenhofs, östlich in der fünften Travée zwischen den Denkmälern von Theodor Billroth und Clemens von Pirquet(Abb. 2). Die Büste wurde aus hellem Marmor angefertigt und zeigt einen großen Büstentorso. Als Postament dient der Büste ein Block in ähnlicher Farbe. Die Oberflächenstruktur des Denkmals ist glatt und der Künstler hat sich sehr um eine detailreiche und genaue Darstellung bemüht. Das Gesicht ist dem Betrachter zugewandt. Seine Kopf- und Barthaare wurden sehr fein ausgearbeitet. Der Bildhauer hat einige Falten im Gesicht des Mediziners herausgearbeitet. Seine Augen blicken hinauf und sind leicht zusammengezogen. Dies und der in die Ferne gerichtete Blick verleihen dem Denkmal einen nachdenklichen Ausdruck. Unter den leicht herabhängenden Lidern befinden sich detailliert herausgearbeitete Augen. Der schmale Mund ist beinahe gänzlich von einem dichten, buschigen Bart verdeckt. Widerhofer trägt einen Anzug mit einer Brusttasche an der linken Seite. Widerhofer wirkt im Vergleich mit den umliegenden Denkmälern legerer, was vor allem auf sein bis zum dritten Knopf geöffnetes Gilet zurückzuführen ist. Lediglich die festgebundene Fliege verleiht dem Denkmal ein wenig Strenge. Zum unteren Teil der Büste gehört ein ca. 10 cm hoher Block mit rechteckigem Grundriss, auf welchem an der Frontseite, eine Schlange und ein Mörser abgebildet sind, die auf seine Tätigkeit in der Medizin verweisen. Der Sockel ist direkt an der Wand angebracht, sodass es nicht möglich ist, das Denkmal zu umgehen. Der unterste Teil des Sockels besteht aus zwei aufeinandergelegten Blöcke mit fast quadratischem Grundriss, wobei der obere zwar höher, aber auch schmäler ist als der untere. Nach oben hin wird der Sockel etwas breiter. Er trägt die vergoldete Inschrift „Hermann von Widerhofer geb. 1832 gest. 1901 Professor für Kinderheilkunde 1865-1901." Am oberen Rand wurde der Sockel mit Ornamenten geschmückt.

Notizen zur dargestellten Person

Widerhofer ist vor allem für seine Tätigkeit als Kinderarzt im St. Anna Kinderspital in Wien bekannt. Des Weiteren war er auch als Professor an der Medizinischen Fakultät an der Universität Wien tätig. Neben seinen fachlichen Fähigkeiten haben Widerhofers Persönlichkeit und seine guten Beziehungen zum kaiserlichen Hof dazu beigetragen, dass die Kinderheilkunde in Wien rasch universitäre Anerkennung fand.[1]

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal wurde von ehemaligen Schülern Widerhofers in Auftrag gegeben und vom Bildhauer Richard Kauffungen 1906 ausgeführt. Der akademische Senat hatte den Antrag für die Aufstellung im Akadenhof der Universität Wien am 25. Jänner 1907 genehmigt. [2] Die von Kauffungen angefertigte Porträtbüste für den hochgeschätzten Kinderarzt wurde am 20. November 1907 in einem Festakt im rechten Teil des Arkadenhofes enthüllt.[3] An der Universitätsfeier nahmen, neben der Familie Widerhofers, Vertreter des Unterrichtsministeriums und des akademischen Senates teil. Auch zahlreiche Angehörige der Medizinischen Fakultät wie auch Ärzte und Personal des St. Anna Kinderspitals kamen zu den Feierlichkeiten.[4] Die Festrede wurde von Prof. Dr. Theodor Escherich gehalten. Über die Entstehungsgeschichte von Kauffungens Widerhofer Büste ist wenig bekannt, sie ist aber im Zusammenhang mit einem gleichrangigen Denkmal eines anderen Künstlers zu sehen. Bereits fünf Jahre vorher, nämlich 1902, war Widerhofer mit einer ganz ähnlichen Büste geehrt worden, die heute im Hof des St. Anna Kinderspitals aufgestellt ist.[5] Diese Büste, gestaltet von Richard Jakitsch, war von Kaiser Franz Josef gestiftet und 1902 enthüllt worden. Die Autoren des Buches "Der Bildhauer Richard Kauffungen" hielten es für plausibel, dass der Künstler das Denkmal anfangs für das St. Anna Kinderspital angedacht hatte, denn bereits 1902 hatte er eine Büste Widerhofers fertig, die er für die Jahresausstellung des Künstlerhauses eingereicht hatte und welche ebenfalls aus weißem Marmor angefertigt worden war. Diese Büste wurde nach der Ausstellung wieder an den Künstler zurückgegeben. Der Verweis auf das Material könnte als Indiz gesehen werden, dass es sich um dieselbe Büste handelt. Es wird vermutet, dass im St. Anna Kinderspital ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde, bei dem Kauffungen nicht zum Zuge kam. Es könnte sich aber ebenfalls um zwei Büsten gehandelt haben.[6] Als Aufstellungsort wurde zunächst im rechten Säulengang, der Platz rechts neben dem Kahlerdenkmal bestimmt, später wurde aber der Platz gegenüber des Karl Stoerks Denkmal, unmittelbar beim vierten Wandpfeiler, ausgewählt. Prof. Dr. Alois Monti, Obmann des Widerhofer-Denkmal-Komitees, äußerte jedoch im Oktober 1907 den Wunsch einen anderen Standort auszusuchen, da die Größenverhältnisse der beiden Denkmäler nicht zusammen passten. Die Widerhoferbüste befand sich auf einen viel niedrigeren Sockel als die Stoerkbüste.[7] Schließlich wurde dem Komitee erlaubt den Sockel zu erhöhen.[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 3: Porträtbüste für Richard Krafft-Ebing im Arkadenhof der Universität Wien von Richard Kauffungen 1908.

Kauffungen fertigte nicht nur das Denkmal Widerhofers an, sondern auch das von Richard von Krafft-Ebing, welches sich ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien befindet (Abb. 3). Beide Büsten wurden aus weißem Marmor gearbeitet und jeweils aus einem Stein gehauen. Der Bildhauer in beiden Werken um Lebendigkeit bemüht. Die Büsten sind nicht starr und streng ausgerichtet, sondern vermitteln Dynamik. Die Gelehrten befinden sich zwar nicht in Bewegung, dennoch ist ihre Körperhaltung so gewählt, dass sie natürlich wirken. Bei Widerhofer ist dies daran zu erkennen, dass der Kopf leicht erhoben ist und seine Augen in die Ferne gerichtet sind. Der Körper wirkt dadurch aufrecht und der Dargestellte nachdenklich und intelligent. Bei Krafft-Ebing wählt Kauffungen eine andere Körperposition. Hier ist der Körper des Rechtsmediziners zwar ebenfalls aufrecht - er wirkt aber etwas steifer in seiner Haltung - der Kopf hingegen ist nach seiner linken Seite gedreht. Der Bildhauer hat hier den Gelehrten ernster blicken lassen und ihm ein heroisches Aussehen verliehen. Das lässt darauf schließen, dass der Künstler die Charakterzüge der darzustellenden Personen in ihren Denkmälern wiedergeben wollte. In beiden Werken von Kauffungen ist sein Bemühen um eine detailreiche Darstellung der Gelehrten erkennbar. So sind Haare, Falten und Augen sehr genau herausgearbeitet und auch die Kleidung naturgetreu dargestellt. Durch das aufgeknöpfte Gilet wirkt Widerhofers Denkmal legerer als das von Krafft-Ebing. Beide Büsten besitzen einerseits Ähnlichkeit zu den Gelehrten, andererseits sind sie auch idealisiert und dadurch würdige Denkmäler für die beiden Professoren.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine weiteren Ereignisse seit der Enthüllung im Arkadenhof bekannt.

Quellen

UAW Senat S 96.14.

Rezeption in der Presse

  • "Wiener Deutsches Tagblatt", Die Wiederhoferfeier an der Wiener Universität, in: Wiener Deutsches Tagblatt, 21.11.1907.
  • "Die Zeit", Die Widerhofer- Feier an der Wiener Universität, in: Die Zeit, 21.November 1907.
  • "Fremdenblatt", Wien, Die Widerhofer-Feier an der Wiener Universität, in: Fremdenblatt, 21.11.1907.
  • "Neues Wiener Tagblatt", Widerhofer-Feier an der Universität, in: Neues Wiener Tagblatt, 21.11.1907.
  • "Deutsches Volksblatt", Die Widerhofer-Feier an der Wiener Universität, in: Deutsches Volksblatt, 21.11.1907.
  • "Österreichische Volkszeitung Wien", Die Widerhofer- Feier, in: Österreichsiche Volkszeitung Wien, 21.11.1907.
  • "Illustrirtes Wiener Extrablatt", Wien, Eine Gedächtnisfeier für Hermann von Widerhofer, in: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 21.11.1907.
  • "Vaterland Wien", Wiederhoferfeier an der Wiener Universität,in: Vaterland Wien, 21.11.1907.
  • "Neue Freie Presse", Widerhofer-Feier, in: Neue Freie Presse, 21.11.1907.[9]
  • "Wiener Zeitung", Widerhofer-Feier, in: Wiener Zeitung ,21.11.1907, Nr. 268, S.9.[[2]

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 95.
  • Czeike 1997: F.Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5, Wien 1997, S. 623.
  • Stieglitz 2008: Olga Stieglitz (u.a.), Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942): Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Frankfurt 2008, S.300-302.

Weblinks

http://austria-forum.org/af/Bilder_und_Videos/Bilder_Wien/1010_Gedenktafeln/9419. abgerufen am: 27.06.2014.

Einzelnachweise

  1. Czeike 1997, S.623.
  2. UAW Senat S96.14, Z. 936 ex 1906/7, S.6.
  3. UAW Senat S96.14, Z.189 ex 1907/8, S.28.
  4. UAW Senat S96.14, Z.189 ex 1907/8, S.30.
  5. [1]07.07.2014
  6. Stieglitz 2008, S. 301.
  7. UAW Senat S96.14, Z. 189 ex 1907/8/, S.7.
  8. UAW Senat S96.14, Z.189 ex 1907/8, Z.518, S.28.
  9. UAW Senat S96.14, Zeitungsnachrichtenüber die Widerhofer-Feier.

Anna-Angela Libal, Sibylle Zelger, Magdalena Fleming