Denkmal Hermann Nothnagel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Das Denkmal für den Mediziner Hermann Nothnagel wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen geschaffen und am 29. Oktober 1910 im Arkadenhof der Universität Wien feierlich enthüllt.

Denkmal Hermann Nothnagels Inschrift: PROFESSOR DER INTERNEN MEDIZIN IN WIEN 1882-1905; GEBOREN ZU ALT-LIETZEGÖRICKE 1841 GEST: ZU WIEN 1905
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Lage des Denkmals, Nr. 119, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Beschreibung

Das Denkmal für Hermann Nothnagel befindet sich in einer Nische in Form einer Ädikula. Der Rundbogen wird von zwei Lorbeerbüscheln links und rechts geziert. Am Architrav darunter befindet sich der Name "HERMANN NOTHNAGEL" in goldenen Lettern. Zwei Pilaster fassen die Büste ein, wobei hinter ihnen noch zwei weitere angedeutet sind. Dies vermittelt Raumtiefe. Die Figur steht auf einem hohen Sockel. Links davon steht die goldene Inschrift: PROFESSOR DER INTERNEN MEDIZIN IN WIEN 1882-1905", rechts: GEBOREN ZU ALT-LIETZEGÖRICKE 1841 GEST: ZU WIEN 1905." Darunter befindet sich ein Relieffeld, unter dem der Leitsatz: "NUR EIN GUTER MENSCH KANN EIN GUTER ARZT SEIN" eingelassen. Das Denkmal ruht auf einem hohen Podest. Vorne ist der Name des Künstlers Kauffungen deutlich sichtbar eingraviert.

Der streng nach vorne ausgerichtete, knappe Büstenabschnitt zeigt Nothnagel als älteren Mann. Sein Haupthaar ist am Ansatz schütter und zurückgekämmt. Die Stirn ist in Falten gelegt und seine Augenbrauen leicht zusammen gezogen. Unter den abfallenden Lidern sind runde Augen erkennbar, die nach unten hin leicht einfallen. Die knöchernen Wangen säumen die größere Nase. Darunter befindet sich ein üppiger Schnurrbart, der den schmalen Mund fast vollständig verdeckt und scheinbar in den dichten Backenbart überzugehen scheint. Die Ohren des Mediziners sind detailliert herausgearbeitet. Nothnagel trägt einen eleganten Anzug und darunter ein Hemd, von dem zwei der Knöpfe zu sehen sind. Das Denkmal ist nicht vollständig detailliert gearbeitet, denn der Bart wirkt eher stilisiert, wogegen Ohren, Nase und Wangen mehr Feinheiten aufzeigen. Die Pupillen der Augen sind auch nur vage angedeutet, richten den Bild des Mediziners aber nach oben. Der Ausdruck der dadurch entsteht, wirkt sorgenvoll. Dies und der Spruch, dass nur ein guter Mensch ein guter Arzt sein kann, verweisen auf Nothnagels Kriegserlebnisse und die Sorge darum, dass neuerliche Kriege entstehen könnten. [1]

Das Relief darunter zeigt eine Menschengruppe, die nur aus Männern zu bestehen scheint. Sie teilt sich in zwei Dreier- und eine Vierergruppe, wobei sich diese vom Betrachter aus links befindet. Eine dieser vier Personen sitz im Vordergrund. Hinter ihr stehen die drei anderen, einander überlappend. Sie sehen interessiert und aufmerksam zu der mittleren Gruppe. Hier scheint der älteste Mann, ein buschiger Bart ziert sein Gesicht, zu dozieren. Er wendet sich mit einer Handbewegung an die linke Gruppe und hat auch seinen Blick zu ihr hingewendet. Hinter ihm steht ein Tisch, auf dem sich eine Schale befindet. Vor ihm sitzt eine Person, die ihren linken Arm zu einem weiteren Mann hingestreckt hält. Auch dieser wirkt älter, denn er trägt ebenfalls einen Bart. Er fühlt bei dem Sitzenden den Puls. Hinter ihm befinden sich drei weitere Zuseher. Die jungen Männer stehen und sind in ihren Bewegungen dynamischer als ihr Gegenpart auf der linken Seite. Einer von ihnen hat den Arm erhoben und weit von sich gestreckt, um auf die Szene in der Mitte zu deuten. Er wendet sich dem jungen Mann in der Mitte zu. Der hat die Arme verschränkt und sieht mit skeptischem Blick dem Geschehen zu. Über seine Schulter blickt ein anderer Mann, der erstaunt zu der Untersuchung blickt. Er hat die Hände hinter seinem Rücken verschränkt. Alle Figuren sind antik dargestellt. Sie tragen Togen und haben typisch antike Frisuren und idealisierte Gesichtszüge.

Diese Szene spielt einerseits auf Nothnagels Forsch- und Lehrtätigkeit an, die ihm Bewunderer bringt, andererseits zeigt sie auch die Schattenseite seiner Forschungen, die Neider, die seine Arbeit infrage stellen.

Notizen zur dargestellten Person

Hermann Nothnagel studierte in Deutschland Medzin. Er übernahm 1882 übernahm er die Lehrkanzel der Medizin in Wien. Er beschäftigte sich vor allem mit der inneren Medizin und der Pathologie des Nervensystems, der Erforschung des Blutdrucks und der Verletzung des Gehirns.

Entstehungsgeschichte

Bereits am 18. Januar 1909, Nothnagel ist noch keine vier Jahre tot, richtet sich eine Kommission, die von den Professoren Chrobak, Noorden und Frankl Ritter von Horwart angeführt wird, an den Rektor der Universität Wien mit der Bitte, ein Denkmal für den verstorbenen Mediziner nach fünf Jahren aufstellen zu dürfen. Sie betonen, dass viele Freunde und Verehrer Spenden für ein solches Monument bereitgestellt haben, womit ein größeres Denkmal erbaut werden könne. Außerdem soll der zu beauftragende Bildhauer Kauffungen bereits vorab Plätze besichtigen, die für sein Werk infrage kämen. [2] Dies leitet der Rektor an die artistische Kommission des akademischen Senats weiter und erbittet eine Entscheidung von ihr. [3]

Am 06. Februar teilt Frankl-Hochwart dem Präsidenten der Kunstkommission Toldt drei mögliche Aufstellungsorte mit. Die erste Möglichkeit befände sich an der Wand zwischen den Denkmälern von Brücke und Braun, die nächste an der Wand hinter der Büste von Stifft und schließlich könne man das Nothnagel-Denkmal auch hinter dem Denkmal von Krafft-Ebing aufstellen. [4] Zwei Tage später teilt der Rektor der Universität Chrobak, Noorden und Frankl R. v. Hochwart mit, dass der Künstler gemeinsam mit Toldt für einen Augenschein in den Arkadenhof kommen solle, um dort den geeignetsten Platz auszuwählen. Ferner würde am Senatsbeschluss vom 07. Juli 1899 festgehalten, wonach Denkmäler erst fünf Jahre nach dem Tod der Professoren errichtet werden dürften. [5]

Im März wird Frankl-Hochwart vom Rektor mitgeteilt, dass der akademische Senat beschlossen hat, die Wand hinter dem Doppler-Denkmal für das Monument Nothnagels zu wählen. [6] Kauffungen hat bereits Ende des Jahres einen Entwurf fertig, den sich einige Würdenträger im November ansehen sollten. [7] Ende Dezember gibt der akademische Senat dem Antrag statt, dass Kauffungen das Denkmal für Nothnagel erstellen soll und bittet den Rektor, das Aktionskommitee für das Monument darüber aufzuklären. [8] Außerdem hat der Senat auch beschlossen, die Entwürfe des Bildhauers mit kleineren Änderungen anzunehmen. Der Künstler solle den Universitäts-Gebäude-Inspektor rechtzeitig in Kenntnis setzen, wenn das Denkmal übernommen und aufgestellt werden kann. [9]

Im Juli 1910 lädt der Rektor das Wiener Ärzteorchester dazu ein, an den Feierlichkeiten aufgrund der Enthüllung des Nothnagel-Denkmals teilzunehmen und mit einem Stück zu bereichern. [10] Es werden 1200 Einladungen bei der Druckerei Holzhausen bestellt. [11] Im Oktober setzt der Universitätsrektor den Portier darüber in Kenntnis, dass am 29.10.1910 die Enthüllungsfeier des Nothnagel-Denkmals um vier Uhr nachmittags im Festsaal stattfinden soll. Er wird gebeten die beigelegte Einladungskarte am schwarzen Brett des Rektorats auszuhängen. [12] Am selben Tag wird auch die Universitäts-Gebäude-Inspektion ersucht, für die Feierlichkeiten alles Notwendige zu organisieren und vor allem für den Blumenschmuck Sorge zu tragen. [13] Die medizinische Fakultät erhält eine Einladung und wird in Kenntnis gesetzt, dass die Festrede von Hofrat Jaksch Ritter von Wartenhorst gehalten werden würde. [14]

Im Januar 1911 langt die Rechnung des Besitzers einer Blumenhandlung ein, in der gebeten wird, die 40 Kronen für die Palmen- und Pflanzendekoration zu bezahlen. [15] Es wird durch den Rektor einen Tag später bestätigt, dass die k.k. Universitäts-Quästur die Überweisung tätigen wird. [16]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Hermann Nothnagel, Fotographie

Kauffungen hat sich beim Erstellen der Büste wahrscheinlich an einer späten Fotographie Nothnagels orientiert. Auf dieser ist er als älterer Mann abgebildet. Sein Haar ist bereits schütter und seine untere Gesichtshälfte ziert ein üppiger Bart. Der Blick des Mediziners ist streng und ähnelt dem der Büste. Dennoch ist er leicht seitlich abgebildet worden , der Bildhauer hingegen richtete das Denkmal streng frontal aus. Kauffungen hat die Gesichtszüge und die wesentlichen Charakteristika Nothnagels gut eingefangen und dadurch Ähnlichkeit hergestellt. Trotzdem wird der Mediziner durch die erhabene Haltung von Kopf und Augen leicht idealisiert und damit zu einem Gelehrtenportrait erhoben. Das vor Nothnagels entstandene Denkmal Theodor Billroths zeigt diesen ebenfalls in einer Ädikulanische. Es liegt durchaus nahe, dass sich Kauffungen an diesem Monument orientiert hat. Anders ist dennoch, dass er sich, anders als Zumbusch, für eine Büste entschieden hat und nicht für ein Denkmal, dass den Dargestellten bis zur Hüfte zeigt. Billroth scheint aus der Rahmung herauszukommen und in den Zuschauerbereich einzudringen. Nothnagel ist starr, unbeweglich und heroisch dargestellt.

Anders als Kauffungens Werk für Richard Krafft-Ebing ist die Nothnagel-Büste nicht sehr detailliert. Krafft-Ebing ist nicht frontal ausgerichtet, sondern erhält durch die leichte seitwärts Neigung Dynamik. Einerseits sind bei beiden Denkmälern die Haare nicht sonderlich fein herausgearbeitet, andererseits ist deutlich zu erkennen, dass das Gesicht Krafft-Ebings detaillierter gearbeitet ist als das Nothnagels. Die Züge sind natürlicher und sehr naturgetreu. Das des Mediziners wirkt gröber. Ein Grund dafür kann sein, dass der Fokus auf das restliche Denkmal gelegt werden soll. Dafür spricht das große Relief, das die Büste beinahe in den Schatten zu stellen droht, und die Inschriften, die dem Betrachter eindeutige Botschaften vermitteln sollen. Der Büstenkopf Nothnagels nimmt sich so zurück, um dem Gesamtwerk eine bessere Wirkung verleihen zu können.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Quellen

Max Neuburger: Hermann Nothnagel. Leben und Wirken eines deutschen Klinikers, Wien/Berlin/Leipzig/München, 1922.

UAW Senat S 95.13 Nothnagel, Hermann, Denkmal im Arkadenhof, 1909-1911 (Akt).

Einelnachweis

  1. Neuburger 1922, S. 46.
  2. UAW Senat, 18.01.1909, Wien, Chrobak, Noorden und Frankl R. v. Hochwart an den Rektor der Universität Wien.
  3. UAW Senat, 26.1.1909, Wien, Rektor an artistische Kommission des akadem. Senats.
  4. UAW Senat, 06.02.1909, Wien, Frankl-Hochwart an Präsidenten der Kunstkommission, Karl Toldt.
  5. UAW, Senat, 08.02.1909, Wien, Rektor an Chrobak, Noorden, Frankl R.v. Hochwart.
  6. UAW Senat, 15.03.1909, Wien, Rektor an Professor Frankl –Hochwart.
  7. UAW Senat, 29.10.1909, Wien, Obmann der artistischen Kommission des akademischen Senats Toldt.
  8. UAW Senat, 29.12.1909, Rektor an Professor Frankl Ritter von Hochwart.
  9. UAW Senat, 29.12.1909, Wien, Rektor an Richard Kauffungen.
  10. UAW Senat, 05.07.1910, Wien, Rektor an die Leitung des Wiener Ärzteorchesters.
  11. UAW Senat, (Prot.-Nr. 291), Wien, Akadem. Senat, 2. Seite, 28.09.1910.
  12. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Rektor an den Universitätsportier.
  13. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Rektor an k.k. Universitäts-Gebäude-Inspektion.
  14. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Z.291 ex 1909/10, Rektor an den Dekan der medizinischen Fakultät.
  15. UAW Senat, 19.01.1911, Wien, Rechnung des Besitzers der Blumenhandlung Anton Stumpf.
  16. UAW Senat, 20.01.1911, Wien, Rektor an Anton Stumpf (Z.688 ex 1910/11).

Magdalena Fleming