Denkmal Hermann Nothnagel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 119, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Denkmal Hermann Nothnagels
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Das Denkmal für den Mediziner Hermann Nothnagel (1841-1905) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 29. Oktober 1910 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Hermann Nothnagel ist in drei Zonen gegliedert. Oberhalb des ausgeprägten Sockels verweist eine antikisierende Reliefdarstellung auf die Tugend des Mediziners mit der Inschrift "NUR EIN GUTER MENSCH KANN EIN GUTER ARZT SEIN". Den oberen Teil bildet eine Ädikula mit wuchtigen Laibungen und einem massiven Architrav. Diese bilden den Rahmen für die Bildnisbüste Nothnagels. Sein Name befindet sich in goldenen Versalien auf dem Architrav. Seitlich des Büstensockels verweisen weitere Inschriften auf die Profession des Dargestellten: "PROFESSOR DER INTERNEN MEDIZIN IN WIEN 1882-1905" und "GEBOREN ZU ALT-LIETZEGÖRICKE 1841 GEST: ZU WIEN 1905."

Der streng nach vorne ausgerichtete, knappe Büstenabschnitt zeigt Nothnagel als älteren Mann. Sein Haupthaar ist am Ansatz schütter und zurückgekämmt. Die Stirn ist in Falten gelegt und seine Augenbrauen leicht zusammen gezogen. Unter den abfallenden Lidern sind runde Augen erkennbar, die nach unten hin leicht einfallen. Die knöchernen Wangen säumen die größere Nase. Darunter befindet sich ein üppiger Schnurrbart, der den schmalen Mund fast vollständig verdeckt und scheinbar in den dichten Backenbart überzugehen scheint. Die Ohren des Mediziners sind detailliert herausgearbeitet. Nothnagel trägt einen eleganten Anzug und darunter ein Hemd, von dem zwei der Knöpfe zu sehen sind. Das Denkmal ist nicht vollständig detailliert gearbeitet, denn der Bart wirkt eher stilisiert, wogegen Ohren, Nase und Wangen mehr Feinheiten aufzeigen. Die Pupillen der Augen sind auch nur vage angedeutet, richten den Bild des Mediziners aber nach oben. Der Ausdruck der dadurch entsteht, wirkt sorgenvoll. Dies und der Spruch, dass nur ein guter Mensch ein guter Arzt sein kann, verweisen auf Nothnagels Kriegserlebnisse und die Sorge darum, dass neuerliche Kriege entstehen könnten. [1]

Im Relief wird eine Lehrsituation in der Antike angedeutet. Der in Toga gekleidete Medizingelehrte instruiert eine Gruppe von Schülern in Tunika in der Diagnostik. Ein Student erprobt gerade sein Geschick im Pulsmessen.

Notizen zur dargestellten Person

Hermann Nothnagel hatte in Berlin bei Rudolf Virchow und Ludwig Traube Medzin studiert. Nach seinem Studium folgten verschiedene Stellen in Königsberg und Breslau. Seinen ersten Ruf erhielt er 1872 nach Freiburg, wechselte dann aber 1874 nach Jena, von wo aus er schließlich 1882 an die 1 Medizinische Klinik der Universität Wien berufen wurde. Er beschäftigte sich vor allem mit der inneren Medizin und der Pathologie des Nervensystems, der Erforschung des Blutdrucks und der Verletzung des Gehirns.

Entstehungsgeschichte

Bereits am 18. Januar 1909, Nothnagel war noch keine vier Jahre tot, richtete sich eine Kommission, die von den Professoren Chrobak, Noorden und Frankl Ritter von Horwart angeführt wurde, an den Rektor der Universität Wien mit der Bitte, ein Denkmal für den verstorbenen Mediziner nach fünf Jahren aufstellen zu dürfen. Sie betonten, dass viele Freunde und Verehrer Spenden für ein solches Monument bereitgestellt hatten, womit ein größeres Denkmal erbaut werden könne. Außerdem sollte der zu beauftragende Bildhauer Kauffungen bereits vorab Plätze besichtigen, die für sein Werk infrage kämen. [2] Dies leitete der Rektor an die artistische Kommission des akademischen Senats weiter und erbat eine Entscheidung von ihr. [3]

Am 06. Februar teilte Frankl-Hochwart dem Präsidenten der Kunstkommission Toldt drei mögliche Aufstellungsorte mit. Die erste Möglichkeit befände sich an der Wand zwischen den Denkmälern von Brücke und Braun, die nächste an der Wand hinter der Büste von Stifft und schließlich könnte man das Nothnagel-Denkmal auch hinter dem Denkmal von Krafft-Ebing aufstellen. [4] Zwei Tage später antwortete der Rektor der Universität, dass der Künstler gemeinsam mit Toldt für einen Augenschein in den Arkadenhof kommen sollte, um dort den geeignetsten Platz auszuwählen. Ferner wurde am Senatsbeschluss vom 07. Juli 1899 festgehalten, wonach Denkmäler erst fünf Jahre nach dem Tod der Professoren errichtet werden dürften. [5]

Im März wurde Frankl-Hochwart vom Rektor mitgeteilt, dass der akademische Senat beschlossen hatte, die Wand hinter dem Doppler-Denkmal für das Monument Nothnagels zu wählen. [6] Kauffungen hatte bereits Ende des Jahres einen Entwurf fertig, den sich einige Würdenträger im November ansehen sollten. [7] Ende Dezember gab der akademische Senat dem Antrag statt, dass Kauffungen das Denkmal für Nothnagel erstellen sollte und bat den Rektor, das Aktionskommitee für das Monument darüber aufzuklären. [8] Außerdem hatte der Senat auch beschlossen, die Entwürfe des Bildhauers mit kleineren Änderungen anzunehmen. Der Künstler sollte den Universitäts-Gebäude-Inspektor rechtzeitig in Kenntnis setzen, wenn das Denkmal übernommen und aufgestellt werden könnte. [9]

Im Juli 1910 lud der Rektor das Wiener Ärzteorchester dazu ein, an den Feierlichkeiten aufgrund der Enthüllung des Nothnagel-Denkmals teilzunehmen und mit einem Stück zu bereichern. [10] Im Oktober setzte der Universitätsrektor den Portier darüber in Kenntnis, dass am 29.10.1910 die Enthüllungsfeier des Nothnagel-Denkmals um vier Uhr nachmittags im Festsaal stattfinden sollte.[11] Am selben Tag wurde auch die Universitäts-Gebäude-Inspektion ersucht, für die Feierlichkeiten alles Notwendige zu organisieren und vor allem für den Blumenschmuck Sorge zu tragen. [12] Die medizinische Fakultät erhielt eine Einladung und wurde in Kenntnis gesetzt, dass die Festrede von Hofrat Jaksch Ritter von Wartenhorst gehalten werden würde. [13]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Hermann Nothnagel, Fotographie

Kauffungen hat sich beim Erstellen der Büste wahrscheinlich an einer Fotographie Nothnagels orientiert, die den Arzt im fortgeschrittenen Alter zeigt. Sein Haar ist bereits schütter und seine untere Gesichtshälfte ziert ein üppiger Bart. Der Blick des Mediziners ist streng und ähnelt dem der Büste. Dennoch ist er leicht seitlich abgebildet worden , der Bildhauer hingegen richtete das Denkmal streng frontal aus. Kauffungen hat die Gesichtszüge und die wesentlichen Charakteristika Nothnagels gut eingefangen und dadurch Ähnlichkeit hergestellt. Trotzdem wird der Mediziner durch die erhabene Haltung von Kopf und Augen leicht idealisiert und damit zu einem Gelehrtenporträt erhoben. Das vor Nothnagels entstandene Denkmal Theodor Billroths zeigt diesen ebenfalls in einer Ädikulanische. Es liegt durchaus nahe, dass sich Kauffungen an dieser Form orientiert hat. Anders ist dennoch, dass er sich, anders als Zumbusch, für eine Büste entschieden hat und nicht für eine Halbfigur. Billroth scheint aus der Rahmung herauszukommen und in den Zuschauerbereich einzudringen. Nothnagel ist starr, unbeweglich und heroisch dargestellt.

Anders als Kauffungens Werk für Richard Krafft-Ebing ist die Nothnagel-Büste nicht sehr detailliert. Krafft-Ebing ist nicht frontal ausgerichtet, sondern erhält durch die leichte seitwärts Neigung Dynamik. Einerseits sind bei beiden Denkmälern die Haare nicht sonderlich fein herausgearbeitet, andererseits ist deutlich zu erkennen, dass das Gesicht Krafft-Ebings detaillierter gearbeitet ist als das Nothnagels. Die Züge sind natürlicher und sehr naturgetreu. Das des Mediziners wirkt gröber. Ein Grund dafür kann sein, dass der Fokus auf das restliche Denkmal gelegt werden soll. Dafür spricht das große Relief, das die Büste beinahe in den Schatten zu stellen droht, und die Inschriften, die dem Betrachter eindeutige Botschaften vermitteln sollen. Der Büstenkopf Nothnagels nimmt sich so zurück, um dem Gesamtwerk eine bessere Wirkung verleihen zu können.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Quellen

Max Neuburger: Hermann Nothnagel. Leben und Wirken eines deutschen Klinikers, Wien/Berlin/Leipzig/München, 1922.

UAW Senat S 95.13 Nothnagel, Hermann, Denkmal im Arkadenhof, 1909-1911 (Akt).

Einelnachweis

  1. Neuburger 1922, S. 46.
  2. UAW Senat, 18.01.1909, Wien, Chrobak, Noorden und Frankl R. v. Hochwart an den Rektor der Universität Wien.
  3. UAW Senat, 26.1.1909, Wien, Rektor an artistische Kommission des akadem. Senats.
  4. UAW Senat, 06.02.1909, Wien, Frankl-Hochwart an Präsidenten der Kunstkommission, Karl Toldt.
  5. UAW, Senat, 08.02.1909, Wien, Rektor an Chrobak, Noorden, Frankl R.v. Hochwart.
  6. UAW Senat, 15.03.1909, Wien, Rektor an Professor Frankl –Hochwart.
  7. UAW Senat, 29.10.1909, Wien, Obmann der artistischen Kommission des akademischen Senats Toldt.
  8. UAW Senat, 29.12.1909, Rektor an Professor Frankl Ritter von Hochwart.
  9. UAW Senat, 29.12.1909, Wien, Rektor an Richard Kauffungen.
  10. UAW Senat, 05.07.1910, Wien, Rektor an die Leitung des Wiener Ärzteorchesters.
  11. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Rektor an den Universitätsportier.
  12. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Rektor an k.k. Universitäts-Gebäude-Inspektion.
  13. UAW Senat, 08.10.1910, Wien, Z.291 ex 1909/10, Rektor an den Dekan der medizinischen Fakultät.

Magdalena Fleming