Denkmal Hermann Bonitz

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Carl Kundmann, Denkmal für Hermann Bonitz, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1893.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 59, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Carl Kundmann, Denkmal für Hermann Bonitz, Büste mit Hermenpfeiler und Sockel.

Das Denkmal für den Philologen Hermann Bonitz (1814-1888) wurde von dem Bildhauer Carl Kundmann (1838-1919) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gemeinsam mit dem Denkmal Leo Graf Thun und Hohenstein und dem Denkmal Franz Exner am 24. Mai 1893 feierlich enthüllt.

Beschreibung des Denkmals

Die Hermenbüste für Hermann Bonitz ist in die Denkmalgruppe von Leo Graf Thun und Hohenstein sowie Franz Exner eingebunden. Das Bonitz-Denkmal steht an der rechten Seite dieser Gruppe in einer halbrunden, schmalen und hohen Nische, die mit einem Nischenbogen überdeckt ist (Abb. 3). Es steht im Arkadenhof der Universität Wien im süd-westlich gelegenen oktagonalen Eckraum der Arkadengänge. Nach Maisel 2007 hat das Denkmal die laufende Nummer 59.

Das Denkmal selbst ist aus Marmor hergestellt. Es hat eine Höhe von insgesamt 291 cm, die Büste selbst ist 80 cm hoch. Der Hermenpfeiler hat am oberen Rand ein Breite von 60 cm und am unteren Rand eine Breite von 33 cm. Die Büste ruht auf einem Schaft, der aus einem sich nach unten verjüngenden Pfeiler (Hermenpfeiler) besteht und an der Basis mit einem breiteren Sockel verbunden ist. Kundmann hat sich für einen antiken Typus entschieden und den Philologen in heroischer Nacktheit dargestellt. Die Büste (Abb. 1) zeigt den markant ausgeführten Kopf von Bonitz und den oberen Brustbereich, allerdings sind die Schultern nicht mehr dargestellt. Sein Kopf ist leicht nach rechts gerichtet, zeigt eine aufrechte Haltung und hat weit geöffnete Augen mit großen Pupillen. Breite Augenbrauen leiten zur hohen Stirn über. Das dichte Kopfhaar ist durch einen Scheitel auf der linken Seite getrennt und bedeckt den Kopf bis unter die Ohren. Ein kurzer Backenbart links und rechts führt zum Halsansatz. Seine breiten Lippen sind geschlossen. Der starke Hals zeigt sehr ausgeprägte Sehnen und leitet zu den beiden querliegenden Schlüsselbeinen über. Sein Brustbein ist stark einfallend dargestellt. Knapp unter dem Brustansatz ist in großen Blockbuchstaben mit Goldfarbe die Inschrift angebracht HERM • BONITZ. Die Inschrift wird auf dem oberen Rand des Schaftes (Pfeilers) fortgesetzt und lautet PROFESSOR VINDOBON • 1849 - 1867. Auf der rechten Seitenwand der Büste ist die Inschrift des Bildhauers C. KUNDMANN eingraviert.

Abb. 4: Denkmal Hermann Bonitz, ornamentale Dekoration, Gehänge.
Der obere Abschluss des freistehenden, die Büste tragenden Pfeilers, wird von einem breiteren waagrechten mehrfach profilierten Gesimse umrahmt. Ein Feston („Gehänge“) im oberen Drittel des Pfeilers umschlingt mit einem reichhaltigen Blatt- und Früchtegebinde die Architektur (Abb. 4). Diese Dekoration ist in der Mitte der Frontseite und an beiden Seitenwänden des Pfeilers befestigt und hängt an den Seitenkanten bogenförmig durch. Ein einzelnes Gebinde hängt in der Mitte herab und ergänzt dieses schmückende Element. Dargestellt sind unter anderem Maiskolben, lorbeerähnliche Blätter oder Granatäpfel und wellenförmig geschlungenen Bänder ergänzen diese auffällige Dekoration.

Notizen zur dargestellten Person

Hermann Bonitz(1814 – 1888), geboren in Langensalza (Thüringen), verstorben in Berlin, war von 1849 bis 1867 ordentlicher Professor der klassischen Philologie an der Universität Wien und erarbeitete gemeinsam mit Franz Exner den Organisationsentwurf für die Gymnasien und Realschulen in Österreich.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Hermann Bonitz ist ein Teil der Denkmalgruppe mit Leo Graf Thun-Hohenstein, Franz Exner und Hermann Bonitz, die als universitätspolitisches Bekenntnis zu werten ist.[1] Ab Jänner 1889 konstituierte sich ein Denkmal-Comite unter der Leitung von Geheimrat Dr. Franz Ritter von Miklosich, um die Ehrung der Bildungsreformer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form einer Denkmalaufstellung einzuleiten. Am 19. März 1890 erklärte der Minister für Cultus und Unterricht seine Bereitwilligkeit, die Kosten für die Herstellung dieser Denkmalgruppe in der Höhe von 16.000 Gulden zu übernehmen. Der Bildhauer Prof. Carl Kundmann wurde mit der Herstellung beauftragt und erhielt für die bereits getätigten Vorarbeiten ein Teilhonorar von 2.000 Gulden. Bei der Ausführung des Denkmals sollten für die Statue des Grafen Thun und für die beiden Hermen von Bonitz und Exner Carraramarmor verwendet werden, aber die Ausführung der Architektur sollte in Karstmarmor erfolgen.[2] In einem Brief vom 18. Juli 1892 gab Carl Kundmann bekannt, dass die Statue des Grafen Leo Thun, sowie die Büsten von Exner und Bonitz bereits punktiert waren und die Fertigstellung fünf bis sieben Monaten später zu erwarten sei. Die Architektur war, mit Ausnahme des ornamentalen Teiles, fertig und die beiden Hermen standen in Laas in Arbeit.[3] In einem Brief vom 27. Februar 1893 ersuchte der Minister für Cultur und Unterricht, dass ihm ein Entwurf der Inschriften vorgelegt werde, deren Genehmigung er sich vorbehaltete. Am 29. März 1893 genehmigte der Minister die vorgelegten Inschriften.[4] [5] Am 2. Mai 1893 gab Prof. Carl Kundmann dem Rektorat bekannt, dass er das Monument für den Grafen Thun bereits versetzt habe und ersuchte in diesem Zusammenhang vor Aufstellung der Statue und der beiden Hermen die Wände des Oktogons neu auszumalen.[6] Ein von Kundmann angefertigtes Gipsmodell (H. 23,8 cm, B. 18,5 cm, T. 13 cm) blieb erhalten. Es wurde an das Institut für Alte Geschichte u. Epigraphik gebracht, wo es sich bis heute befindet. (vgl. Abb. 9) [7]

Die Enthüllung des Denkmals

Die feierliche Enthüllung der Denkmalgruppe Graf Thun-Exner-Bonitz (Abb. 5) wurde in Verbindung mit der 42. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Wien für den 24. Mai 1893 festgesetzt. Im Festsaal der Wiener Universität fand zunächst die Eröffnung des Kongresses mit mehr als 1000 Personen statt. Neben dem Ministerpräsidenten Graf Taaffe, dem Unterrichtsminister Dr. Freiherr von Gautsch und weiteren Excellenzen, sowie Vertretern der böhmischen und galizischen Landesschulräte und zahlreichen Professoren waren auch die Angehörigen der Familien Graf Thun, Exner und Bonitz anwesend. So wohnten die Witwe Bertha Bonitz und die Professoren Adolph, Siegmund und Franz Exner den Feierlichkeiten bei.

Abb. 5: Carl Kundmann, Denkmalgruppe Graf Thun-Hohenstein, Franz Exner, Hermann Bonitz, enthüllt 1893.

In seiner Eröffnungsrede verwies Hofrat Prof. Dr. Ritter von Hartel auf die Verdienste der drei zu feiernden Männer, denen die Reform des höheren Unterrichts, und somit die Organisation der Gymnasien und Realschulen in Österreich im Jahr 1854 zu verdanken war. Er betonte die meisterhafte Leistung des Bildhauers Carl Kundmann. Nach der Begrüßungsrede vom Minister für Cultus und Unterricht, Dr. Freiherr von Gautsch, begab sich die Versammlung in den Arkadenhof wo die feierliche Enthüllung des lebensgroßen Monuments des ehem. Ministers Grafen Leo Thun und die Büsten seiner beiden Berater Franz Exner und Hermann Bonitz stattfand. Nach einer Cantate des akademischen Gesangsvereins dankte der Rektor Hofrat Prof. Ludwig den Förderern und Schöpfern des Monuments und schloss mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Nach dem Abspielen der Volkshymne durch die Militärkapelle, erfolgte zusätzlich im Vestibül die Enthüllung der marmornen Rektoren-Tafel, welche die Namen aller 783 Rektoren der Wiener Universität vom Gründungsjahr 1365 an enthält.[8] Dieser feierliche Akt zeigt die Bedeutung der geehrten Persönlichkeiten des Denkmals auch über die Grenzen der Wiener Universität hinweg.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal Hermann Bonitz ist als Teil der Denkmalgruppe Thun-Exner-Bonitz in diesen Architekturkomplex integriert. Die Herme Bonitz (Abb. 3) steht zur Linken des Grafen Thun, die Herme Franz Exner (Abb. 7) ist zu seiner Rechten aufgestellt. Beide Hermen sind nahezu identisch, vor allem bezüglich ihrer Größe und ihrer architektonischen Gestaltung. Beide scheinen einander anzublicken und stellen in dieser Gruppe die Symmetrie her und bilden mit Graf Thun eine imaginäre Dreiecksform für den Betrachter. Graf Thun in der Mitte des Monuments überragt als ehemaliger Unterrichtsminister die beiden anderen Büsten, die in ihrer Ausführung als Herme eine Sonderstellung einnehmen und so einen Ausgleich ihrer Wertigkeit erzielen.

Abb. 6: Carl Kundmann, Denkmal für Franz Exner, enthüllt 1893.
Abb. 7: Denkmal Franz Exner, mit Hermenpfeiler, ornamentaler Schmuck, Gehänge.

Ein unmittelbarer Vergleich ist in den Büsten Bonitz (Abb. 1) und Exner (Abb. 7) zu sehen. Sie gleichen einander in der schrägen Kopfhaltung, wobei die Pupillen der Augen bei Bonitz markant ausgeführt sind und bei Exner keine Pupillen herausgearbeitet sind. Der Blick von Bonitz ist klar und bestimmt, bei Exner ist der Blick mehr in die Ferne gerichtet oder in das Ungewisse gerückt. Der Torso des nackten Oberkörpers von Exner zeigt nur im oberen Brustansatz geringe anatomische Unterschiede gegenüber Bonitz. Beide Büsten verbindet auch, dass sie starke Ähnlichkeit zu ihren jeweiligen Fotografien haben.

Abb. 8: Hermann Bonitz, Fotografie.

Der Gesichtsausdruck der Büste Bonitz (Abb. 1) zeigt in den Zügen, in der Mundformung und bei den Augen starke Ähnlichkeit zu einer Fotografie (Abb. 8) aus späteren Lebensjahren. Auch die Büste Exner hat unmittelbare Ähnlichkeit zu einer Lithografie, besonders bei der Gestaltung der Haare aber auch im Gesichtsausdruck. Das Dekorgebinde im oberen Drittel der beiden Hermenpfeiler unterscheidet sich nur geringfügig. Beide Denkmäler Bonitz und Exner sind in ihrer Ausführung als Herme als Wiederaufnahme der antiken Gestaltungsart einzuordnen.

Obwohl Kundmanns Ausführungen stark an den antiken Typus erinnern, gibt es dennoch einige Unterschiede. Anders als bei typischen Vertretern dieser Gattung sind Exners und Bonitz Haare ungeordneter, beinahe wild. Ebenso wirken die Portriatbüsten skizzenhaft. Der Entwurf Kundmanns zur Bonitz-Büste sieht dem ausgeführten Denkmal sehr ähnlich. Haare, wie auch Augenpartie, Mund und Hals sind bereits detailliert herausgearbeitet. Lediglich die leichten Falten, die das Gesicht des Philologen zieren, sind in der Entwurfsbüste noch nicht so stark vorhanden. Dadurch wirkt das Gesicht in dieser Ausführung etwas jünger. Es ist deutlich zu sehen, dass Kundmann bereits eine klare Vorstellung von dem eigentlichen Monument gehabt hat.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Bonitz-Denkmals sind keine Ereignisse bekannt.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007. S. 16.
  2. UAW Senat S 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Denkmal-Comité, 19. März 1890.
  3. UAW Senat S 96.9, Brief: Carl Kundmann an Ministerium für Kultur und Unterricht, 18. Juli 1892.
  4. UAW Senat S. 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Rektorat, 27. Februar 1893.
  5. UAW Senat S 96.9, Brief: Minister für Kultur und Unterricht an Rektorat, 29. März 1893.
  6. UAW Senat S 96.9, Brief: Carl Kundmann an Rektorat, 2.Mai 1893.
  7. http://unidam.univie.ac.at/BildsucheFrames?easydb=k29lc7lq222knju0q3nlodn2b1&ls=2&ts=1403885944.
  8. WZ vom 24. Mai 1893, Seite 25 - 27.

(UAW = Universitätsarchiv Wien) (WZ = Wiener Zeitung)

Quellen

  • UAW (= Universitätsarchiv Wien) Denkmalakt Leo Thun Hohenstein, Franz Exner, Hermann Bonitz, Signatur: Akt Senat S 96.9.

Rezeption in der Presse

  • Wiener Zeitung: Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, in: Wiener Zeitung, 24. Mai 1893, Seite 25 - 27.

Literatur

  • Dehio Wien 2007: DEHIO-Handbuch Wien, I. Bezirk - Innere Stadt, S. 602 - 608.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.

Abbildungen


Christa Dobrzanski, Magdalena Fleming