Denkmal Heinrich von Bamberger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträtbüste: Heinrich von Bamberger (1822-1888). Kauffungen, Richard. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 70. 1899 enthüllt. Finanziert durch ein Komitee. Unidam der Universität Wien.[1]
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 70, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[2]
Abb. 3: Detail: Inschrift der Porträtbüste: Heinrich von Bamberger (1822-1888). Kauffungen, Richard. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 70. 1899 enthüllt. Finanziert durch ein Komitee. Unidam der Universität Wien. Bild bearbeitet.[3]
Abb. 4: Detail Porträtbüste: Heinrich von Bamberger (1822-1888). Kauffungen, Richard. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 70. 1899 enthüllt. Finanziert durch ein Komitee. Unidam der Universität Wien. Bild bearbeitet.[4]
Abb. 5: Aus dem Akt fotografierte Einladungskarte zur Enthüllungsfeier für das Denkmal von Univ.- Prof. Dr. Heinrich von Bamberger, 1899. [5]
Abb. 6: Porträtbüste: Ferdinand von Hebra (1816-1880). Tilgner, Victor. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 106. 1891 enthüllt. Gewidmet von Frau Johanna von Hebra. Unidam der Universität Wien.[6]

Das Denkmal für den Mediziner Heinrich von Bamberger (1822-1888) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) geschaffen. Die Büste wurde der Universität von einer Gruppe von Professoren zur Verfügung gestellt[7] und am 29. Oktober 1899 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Der Bildhauer Richard Kauffungen stellte mit dieser 1899 enthüllten jugendstilhaft wirkenden Porträtbüste (Breite: etwa 60,5 cm; Höhe: etwa 52 cm; Tiefe: etwa 37 cm) eindrucksvoll und lebendig den Internisten Heinrich von Bamberger dar.[8] Es handelt sich um eine freistehende Büste auf einer aufwendig gestalteten Konsole mit klassisch stilisierten Formen samt Ornamenten und einem groß gestalteten Unterbau samt Inschrift. Auffällig bei der sehr stark im Stil des Realismus gestalteten Büste ist, dass sie wie im Quattrocento charakteristisch im Bereich des Oberkörpers sehr scharf abgeschnitten gestaltet wurde und sie dadurch sehr stark an Büsten der Renaissance erinnert. An der Leiste im Bereich des linken Oberarmes wurden der Name des Bildhauers und das Entstehungsdatum der Büste vermerkt. Der sehr symmetrisch gehaltene flache aus Stein gefertigte Sockel hat eine rechteckige Form. Unter der gegliederten mittig etwas vorspringenden Aufsatzplatte des Sockels befindet sich auf einer mit Tropfen verzierten Platte die Inschrift "HEINRICH v. BAMBERGER PROFESSOR DER INTERNEN MEDICIN 1854-1872 IN WÜRZBURG 1872-1888 IN WIEN" (Abb. 3). Im oberen Bereich des Sockels seitlich der Inschrift sind in Voluten eingelassene Rossetten mit darunter befindlichen Blätterranken zu sehen, die sich dem Mittelrisaliten annähern. Bei den Pflanzen dürfte es sich um Akantus oder Lorber handeln. Auf dem Sockel selbst ist ein Äskulapstab ersichtlich, der heute zur Darstellung des ärztlichen und pharmazeutischen Standes dient.[9] Die in Marmor ausgeführte Büste des Denkmals zeigt einen aus der Blickrichtung des Dargestellten leicht nach links gedrehten Kopf (Abb. 4). Das realistisch wirkende gelockte Haar am Oberkopf sowie die langen Koteletten und der Schnurrbart umrahmen das Gesicht. Der faltenreiche Hals und das Gesicht mit Brauen und herausgearbeiteten Pupillen verraten realistisch das Alter des Herren. Der Dargestellte trägt unter seinem Sakko ein Hemd sowie eine gebundene Fliege. Die Arme sind nicht weiter ausgearbeitet. Eine wenig breite gegliederte Leiste umschließt den unteren Teil der Büste, die auf dem vorhin beschriebenen Sockel ruht.

Notizen zur dargestellten Person

Der 1872 als Nachfolger Johann von Oppolzer nach Wien berufene Heinrich von Bamberger, der nach Absolvierung seiner Studien in Wien und Prag 1854 zum Professor für spezielle Pathologie in Würzburg bestellt wurde, galt als hervorragender Diagnostiker, der sich um die Lehre von den Krankheiten des Herzens und der Niere verdient gemacht hatte.[10] Er gründete gemeinsam mit Ernst Fuchs die schon sehr bald europaweit als führend geltende Fachzeitschrift die Wiener Wochenschrift. Bamberger, der die Chemie und die Mikroskopie in die Krankheitslehre einführte gilt als Vollender der II. Wiener Medizinischen Schule.[11]

Heinrich von Bamberger wurde bereits in jungen Jahren durch die Herausgabe zweier Werke, bei denen es sich um seine beiden Hauptwerke handelt und die "ihm für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz in der medicinischen Literatur widmen" berühmt.[12] Dem ersten seiner beiden Werke, das sich mit den Krankheiten des chylopoetischen Systems befasst und das im Jahre 1855 in Virchow’s Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie erschien folgte 1857 ein Lehrbuch der Krankheiten des Herzens.

Hier geht es zu einer weiteren Beschreibung des Dargestellten: Heinrich von Bamberger.

Entstehungsgeschichte

Aus Aufzeichnungen der Universität Wien über die Aufstellung des Bambergerdenkmals im Arkadenhof der Universität Wien geht hervor, dass dem akademischen Senat von einem aus den Herren Universitäts-Professoren Dr. Hanns Kundrat, Dr. Ernst Ludwig, Hermann Nothnagel, Dr. Leopold Schrötter Ritter von Kristelli, Dr. August Emil von Vogl und Dr. Hermann von Widerhofer bestehenden Komitee eine Büste des verstorbenen Professores Herrn Dr. Heinrich von Bamberger zur Aufstellung im Arkadenhof der Universität Wien angeboten wurde.[13] Die Büste wurde von Professor Richard Kauffungen gestaltet.[14] Diese durch den akademischen Senat in seiner Sitzung vom 3. März 1895 angenommene Büste wurde für jenen Bereich im Arkadengang vorgesehen in dem bereits die Büste von Ferdinand von Hebra aufgestellt wurde.[15] Am 14. Juni 1899 hielt der Rektor der k.k. Universität in einem Vermerk fest, dass Herr Hofrat Prof. Widerhofer ihm eine Fotografie des Bamberger-Denkmals, auf welcher die Inschrift ersichtlich ist und auf deren Rückseite die Höhenverhältnisse angegeben seien, mit der Bitte gegeben habe, dass die Enthüllung des Denkmales wenn irgendwie möglich am Sonntag den 25. des Monats erfolgen solle.[16] Die Enthüllungsfeier des Denkmals für den verstorbenen Universitäts-Professor Dr. Heinrich von Bamberger, die auf das dringende Ersuchen des Komitees zur Errichtung der Bambergerbüste für Juni 1899 in Aussicht genommen wurde fand schließlich am Sonntag den 29. Oktober 1899 präzise um 12 Uhr mittags in der K.K. Universität Wien statt (Abb. 5).[17] Dabei wurde die Festrede von Univ.- Prof. Dr. Edmund Neusser gehalten. Zur feierlichen Enthüllung des Denkmals wurde auch der Chor des akademische Gesangsvereins eingeladen. Die Büste für Heinrich von Bamberger wurde im Arkadengang gegenüber der Aula enthüllt, die Büste von Ferdinand von Hebra (Abb. 6) befindet sich im von der Aula aus gesehenen rechten Arkadengang der Universität Wien.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Aufstellung des Porträtbüstendenkmals für Heinrich von Bamberger im Arkadenhof der Universität Wien 1899, der ersten von heute insgesamt neun Arbeiten des Bildhauers Richard Kauffungen (siehe dazu auch die Beschriftung der Büste seitlich rechts auf einer Leiste im Bereich des Oberarmes mit R. Kauffungen MDCCCXCVIII) erfolgte im gleichen Jahr in dem auch das Reiterstandbild des Erzherzogs Albrecht von Caspar von Zumbusch oder das Bruckner-Denkmal von Viktor Tilgner im Stadtpark enthüllt wurden.[18] 1899 hatte Kauffungen das für die Büste Heinrich Bambergers hergestellte Gipsmodell auch aber ohne Erfolg beim Künstlerhaus für die Jahresausstellung eingereicht. Von Richard Kauffungen stammt ebenfalls die im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellte Büste seines Freundes Hermann Nothnagel (1841-1905), dem Bamberger auch die bereichsweise Ausbildung seines Sohnes Eugen anvertraut hatte (Abb. 7).[19] Dieses Nothnagel-Denkmal wurde in einem Artikel der neuen Freien Presse vom 7. Juli 1907 als "eine Schöpfung des bekannten Bildhauers Richard v. Kauffungen, dessen Kunst die Wiener Universität wiederholt in ihren Dienst gestellt hat" beschrieben.[20] Von Kauffungen stammen unter anderem auch die im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellten und auf der rechten Seite abgebildeten Porträtbüsten für Anton Menger (Abb. 8) und Josef Seegen (Abb. 9). Sehr stark an die von Richard Kauffungen für Heinrich von Bamberger gestaltete und 1899 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllte Büste erinnert auch die einige Zeit später von Josef Engelhart geschaffene und 1950 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllte Büste für den 1876 in Wien geborenen katholischen Theologen und Politiker Ignaz Seipel.[21] Die lebensgroße Bronzebüste für das Denkmal Ignaz Seipel im Arkadenhof der Universität Wien wird bei Maisel mit der Nummer 51 beschrieben.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sollte im November 1938 die „Langemarck“-Feier durch NS-Studenten im Arkadenhof stattfinden. Im Zuge der Vorbereitungen wurden willkürlich Denkmäler für Professoren, die nach NS-Kriterien als „jüdisch“ eingestuft wurden, als unerträglich angesehen und beschädigt, mit Farbe beschmiert oder umgestürzt. In der Folge einer Überprüfung betreffend der Konformität der dargestellten Professoren mit den NS-Rassegesetzen, ließ die Universitätsleitung unter Rektor Fritz Knoll Denkmäler abtragen und in Depots lagern.[22]
Darunter auch das Denkmal für Heinrich von Bamberger. Alle beschädigten und entfernten Denkmäler konnten nach Kriegsende und nach Wiederherstellung im Jahr 1947 wieder im Arkadenhof aufgestellt werden.

Quellen

  • Archiv der Universität Wien, UAW, Senat S 93.4.
  • Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.

Rezeption in der Presse

Neue Freie Presse, Nr. 12640, Wien, Montag, 30. Oktober 1899, S. 3: "Das Bamberger-Denkmal in der Universität."

Einzelnachweise

  1. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  2. Maisel 2007, S. 10.
  3. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  4. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  5. UAW Senat S 93: Aus dem Akt fotografierte Einladungskarte zur Enthüllungsfeier.
  6. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  7. UAW Senat S 93.4: Vermerk im Akt.
  8. Maisel 2007, S. 66.
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84skulapstab (Stand: 04.06.2014).
  10. Maisel 2007, S. 66.
  11. Stieglitz 2008, S. 303.
  12. Lütkemüller 1888, S. 15.
  13. UAW Senat S 93.4: Vermerk im Akt.
  14. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  15. UAW Senat S 93.4: Vermerk des Rektors Wiesner im Akt, 20.5.1899: Aufstellungsbereich.
  16. UAW Senat S 93.4: Vermerk des Rektors Wiesner, 14.6.1899: Bamberger-Denkmal; Fotografie leider nicht im Akt.
  17. UAW Senat S 93.4: Einladungskarten zur Denkmalenthüllungsfeier 1899.
  18. Stieglitz 2008, S. 302, 303.
  19. Lütkemüller 1888, S. 14.
  20. Neue Freie Presse, 7. Juli 1907 (Nr. 15399), S. 14, abgedruckt in: Stieglitz, S. 311.
  21. Maisel 2007, S. 56, S. 57.
  22. Maisel 2007, S. 15.

Literatur

  • Lütkemüller, Johann, Heinrich von Bamberger, Gedenkrede, Wien 1888.
  • Maisel, Thomas, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister, Richard, Die Denkmäler im Arkadenhofe der Universität Wien, Wien 1932.
  • Stieglitz Olga, Gerhard Zeillinger, Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942), Frankfurt am Main 2008.

Weblinks

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84skulapstab (Stand: 04.06.2014).

Galerie


Dragana Ivic, Barbara Buder