Denkmal Heinrich Swoboda

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 149, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Seitenansicht des Denkmals
Seitenansicht des Denkmals
Inschrift des Denkmals
Signatur des Künstlers Strahammer

Das Denkmal für den katholischen Theologen Heinrich Swoboda (1861-1923) wurde von dem Bildhauer Franz Strahammer (1912-1995) für den Arkadenhof der Universität Wien hergestellt und am 9. Juni 1956 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Die Porträtbüste aus Bronze zeigt Heinrich Swoboda überlebensgroß und streng frontal ausgerichtet. Das liturgische Gewand verweist auf seine theologische Tätigkeit. Der Gelehrte ist in fortgeschrittenem Alter dargestellt. Sein Haar ist noch füllig, dennoch bildet es sich an der Stirn zurück und sein Gesicht zieren einige Falten. Diese sind vor allem unter den groß herausgearbeiteten Augen deutlich zu sehen. Die Nase ist klein und rund und sein Mund schmal und breit dargestellt. Durch das Kinn, das der Künstler so dargestellt hat, dass es nach oben zu ziehen scheint, sieht der Mund des Theologen streng aus. Diesen Eindruck unterstützen die buschigen Augenbrauen, die sich über den Augen zusammenziehen. Der Blick ist starr auf den Betrachter gerichtet. Die Pupillen sind herausgearbeitet, was dem Denkmal Lebendigkeit und dem Dargestellten einen sinnierenden Ausdruck verleiht. Am Hals trägt Swoboda ein Kreuz, das als Symbol für seine Tätigkeiten im theologischen Bereich gedeutet werden kann.

Die dunkle Bronzebüste steht auf einem schlichten, hellen Sockel. Die Inschrift ist in goldenen Lettern ausgeführt: "HEINRICH SWOBODA PROFESSOR DER CHRISTLICHEN ARCHÄOLOGIE UND PASTORALTHEOLOGIE 1895 - 1922".

Notizen zur dargestellten Person

Heinrich Swoboda (* 28. Juni 1861 in Fünfhaus, Niederösterreich; † 7. Mai 1923 in Wien XV.) war Professor für Pastoraltheologie und im Studienjahr 1909/1910 Rektor der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Der Antrag zur Errichtung des Denkmals Heinrich Swoboda wurde von Prof. Arnold, dem Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, im Namen des Professorenkollegiums an den Akademischen Senat am 23. November 1955 gestellt. Diesem liegt, verfasst von Michael Pfliegler, eine mehrseitige Begründung mit Verweis auf die Bedeutung Swobodas und seiner nachhaltigen Wirkung auf dem Gebiet der christlichen Archäologie und der Kunstgeschichte, der Pastoraltheologie sowie der Katechetik bei.[1] Der Akademische Senat genehmigte den Antrag und es wurde beschlossen, dass man gemeinsam mit dem Kunstausschuss einen Aufstellungsortes auswählen sollte.[2] Der akademische Bildhauer Franz Strahammer setzte sich mit seiner Gipsbüste gegen das Portraitrelief aus Plastillin seines Kollegen Arnold Hartig durch. Die beiden Kunstsachverständigen des Kunstausschusses sprachen sich wegen der besonderen Ähnlichkeit ausdrücklich für Strahammers Entwurf aus. Auf ihn war man bei Anfragen nach Bildern des Prälaten bei dessen Familie gestoßen. Es stellte sich heraus, dass der Künstler der Neffe des Prälaten war und eine Büste seines Onkels anfertigte, als dieser noch lebte. Diese Büste wurde dem Kunstausschuss zuvor von Strahammer angeboten, wurde jedoch dann für den Wettbewerb gegen Hartig verwendet. So beschloss der Kunstausschuss einstimmig, dass Strahammer einen neuerlichen vergrößerten Gipsentwurf unter Beibehaltung der besonderen Ähnlichkeit, die die bestehende Büste mit Swoboda aufwies, zur Begutachtung vorlegen sollte. Als Aufstellungsort wurde der Eckpfeiler neben dem Denkmal für Friedrich Hasenöhrl beschlossen. Außerdem sollte Hartig eine Aufwandsentschädigung in Höhe von S 2.000,- erhalten.[3] [4] Strahammer verzichtete als Neffe des Prälaten auf sein Künstlerhonorar in Höhe von S 4.000,-.[5] Jedoch wurden ihm Auslagen in Höhe von S 552,- in Bezug auf die Arbeiten ersetzt.[6] In der Sitzung des Kunstausschusses vom 19. Mai 1956 wurde der neuerliche Entwurf wegen der "vorzüglichen Ähnlichkeit mit den vorhandenen Lichtbildern und in der Erinnerung derjenigen, die den Verstorbenen noch gekannt haben, sowie seiner künstlerischen Qualität wegen, approbiert." Der Aufstellungsort wurde abgeändert, nämlich am Außenpfeiler gegenüber dem Denkmal Ludwig Boltzmanns und neben dem Denkmal Gustav W. H. Bickells.[7] Die Steinmetzarbeiten sowie die Montage wurden von der Erzgießerei Firma Günther Pöll, Wien XVI., Fröbelgasse, durchgeführt. Vom Bundesministerium für Unterricht wurden dafür zunächst S 3.900,- angefordert.[8] Die Kosten wurden jedoch dann auf S 3.831,70- herabgesetzt.[9] Der Sockel der Büste wurde von der Steinmetzfirma Eduard Hauser hergestellt. Die Kosten beliefen sich auf S 3.552,10,-.[10] Eine weitere Rechnung wies S 279,60,- aus.[11] Das Denkmal wurde am 9. Juni 1956 mit einer akademischen Feier enthüllt.[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Strahammer hat noch andere Denkmäler für Würdenträger geschaffen. So die vollplastischen Porträtbüsten des Komponisten Anton Bruckner und des langjährigen Oberösterreichischen Landeshauptmanns Heinrich Gleißner. Diese befinden sich in Linz, der Wirkungsstätte des Bildhauers. Sie sollen als Vergleichsgrundlage dienen. Die Werke haben den gleichen Aufbau. Die gegossenen Büsten ruhen jeweils auf einem steinernen Sockel. Da die Büsten Bruckners und Gleißners sich in keinem geschützen Raum befinden, konnte die Patina entstehen. Alle drei Köpfe sind streng frontal ausgerichtet und vermitteln keinerlei Bewegung. Anders als Swobodas Büste sind die anderen überlebensgroß dargestellt.

Den wohl größten Unterschied bildet der Bildausschnitt. Swobodas Kopf ruht auf einem Teil seiner Schultern. Bei den anderen beiden ist jeweils nur Kopf und Hals abgebildet. Dies gibt ihnen eine unnatürlichere, fast schwebende Wirkung. Für diese Darstellungsart hat sich Strahammer im Arkadenhof nicht entschieden. Der Wissenschaftler wirkt mit seinem Sockel verbunden und erhält dadurch ein statisches Aussehen. In allen drei Werken ist die Augenpartie dem Künstler sehr wichtig. Sie verleiht dem jeweiligen Denkmal Ernsthaftigkeit und Ausdruck. Dennoch setzt der Bildhauer die Blicke verschieden ein. Bruckner sieht sehr ernst aus, was durch seine herabhängenden Mundwinkel verstärkt wird. Auch Swoboda blickt ernst und ehrwürdig zu seinen Betrachtern. Nur Gleissner hat eine Augenbraue leicht erhoben. Sein Mund zeigt ein Lächeln und sein Gesicht erhält damit einen ironisch lachenden Ausdruck. Die lebensgroße Swobodaplastik hat mit dem Gewand und dem Kreuz Attribute, die auf das Wirken des Porträtierten hinweisen. Diese werden benötigt um Swoboda zu indentifizieren, ihn abzugrenzen von der Vielzahl anderer Gelehrtenporträts im Arkadenhof. Bruckner und Gleißner hingegen stehen ganz alleine im öffentlichen Raum. Eine überlebensgroße Ausführung scheint daher logisch, damit sie in ihrer Umgebung nicht untergehen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Im Jahre 1982 wandte sich Strahammer mit der Bitte an die Universität, seine Büste signieren zu dürfen, da man die Signierung beim Abguss der Bronzebüste vergessen hätte. Er würde dies vom Ziseleur der St. Florianer Glockengießerei nachholen lassen.[13] Dieser Bitte kam die Universität nach.[14]

Einzelnachweise

  1. UAW, S 222.27, D.Zl. 84 aus 1955/56, Antrag zur Errichtung eines Ehrenmals von Heinrich Swoboda in den Arkaden der Universität Wien vom 23.11.1955.
  2. UAW, S 222.27, GZ. 148 aus 1955/56, Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates vom 19.12.1955.
  3. UAW, S 222.27, GZ. 119 aus 1955/56, Sitzungsprotokoll des Kustausschusses vom 23.03.1956.
  4. UAW, S 222.27, D.Zl. 84 aus 1955/56, Schreiben des Dekans der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien an den Bundesminister für Unterricht vom 14.05.1956.
  5. UAW, S 222.27, D.Zl. 84 aus 1955/56, Schreiben des Dekans der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien an den Bundesminister für Unterricht vom 14.05.1956.
  6. UAW, S 222.27, GZ. 148 aus 1955/56, Schreiben im Namen des Rektors der Universität Wien an das Bundesministerium für Unterricht vom 18.10.1956.
  7. UAW, S 222.27, GZ. 119 aus 1955/56, Sitzungsprotokoll des Kustausschusses vom 19.05.1956.
  8. UAW, S 222.27, GZ. 148 aus 1955/56, Schreiben im Namen des Rektors der Universität Wien an das Bundesministerium für Unterricht vom 18.10.1956.
  9. UAW, S 222.27, Zl. 100.598-9/56, Schreiben des Bundesministeriums für Unterricht an das Rektorat der Universität Wien vom 20.11.1956.
  10. UAW, S 222.27, GZ. 3715/148 aus 1955/56, Schreiben des Rektors der Universität Wien an die Universitäts-Quästur vom 19.06.1956.
  11. UAW, S 222.27, GZ. 148 aus 1955/56, Schreiben des Rektors der Universität Wien an die Universitäts-Quästur vom 17.10.1956.
  12. UAW, S 222.27, GZ. 148 aus 1955/56, Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates vom 17.03.1956.
  13. UAW, S 222.27, Schreiben von Franz Strahammer an den Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien vom 14.09.1982.
  14. UAW, S 222.27, GZ. 148 - 1955/56, Schreiben des Rektors der Universität Wien an den Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien vom 07.10.1982.

Quellen

(UAW = Universitätsarchiv Wien)

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Abbildungen


Philipp Summer, Magdalena Fleming