Denkmal Heinrich Siegel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträtbüste: Heinrich Siegel (1830-1899). Horsetzky von Hornthal, Melanie. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 16. 1902 aufgestellt. Geschenk der Witwe Siegels. Unidam der Universität Wien.[1]
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 16, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[2]
Abb. 3: Denkmal für Heinrich Siegel. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Abb. 4: Marmorsockel. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Heinrich Siegel. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Wien.
Heinrich Siegel. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Wien.

Die Marmorbüste für das Denkmal des Juristen Heinrich Siegel (1830-1899) wurde von der Bildhauerin Melanie Horsetzky von Hornthal (1852-1931) im Jahre 1895 für die Familie Siegel geschaffen.[3] Die von Rosa Siegel gespendete Büste für ihren Mann wurde am 4. Juni 1902 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.[4]

Beschreibung

Die Porträtbüste stammt von Melanie Horsetzky von Hornthal, der Sockel von Edmund Hofmann von Aspernburg, der ihn speziell für den Arkadenhof geschaffen hat (Abb. 3).[5] Die Büste schuf Horsetzky von Hornthal jedoch bereits einige Jahre früher und war eigentlich für Privatzwecke vorgesehen.[6] Das Postament wurde in Carrara-Marmor ausgeführt und steht auf einer quadratischen Plinthe. Es erhebt sich wie ein Pfeiler in die Höhe, wobei sich der Sockel zur Mitte des Schaftes hin verjüngt um sich dann wieder zu verbreitern (Abb. 4).[7] Die Flächen der Stützen sind in weich fließende Rahmungen gefasst, welche die jeweiligen Seiten komplett umlaufen. Im oberen und unteren Bereich erinnern die verspielten Details hierbei an Voluten. Die Frontseite des Postaments ist im unteren Bereich mit ornamentalen und verschränkten Eichenblätterzweigen verziert. Der Bereich darüber beherbergt die in goldenen Lettern und Altdeutscher Schrift verfasste Inschrift: "Heinrich Siegel 1830 - 1899 Professor des deutschen Rechtes in Wien 1857 - 1898" (Abb. 4). Die Büste selbst erweckt den Eindruck, also ob sie sich stark in die Höhe erheben würde. Grund dafür ist ihre vielseitige Grundform, welche sich dem Betrachter bei frontalem Blick darauf offenbart. Die Büste zeigt Heinrich Siegel bis zum mittleren Brustbereich, die Oberarme hingegen sind nur zu einem Drittel, dadurch entsteht jener Bruch im Material, der fast schon etwas emporstrebendes vermittelt. Während die Kleidung grober, unbehauener und roher in ihrer Struktur wirkt, präsentieren sich Gesicht und Haare mit einer glatten und ausgefertigten Oberfläche. Der Dargestellte hat sein Gesicht leicht aus dem frontalen Anblick gedreht und den Kopf nur minimal zur Seite geneigt. Gerade diese Kopfneigung und der Blick des Juristen, welcher weit in die Ferne schweifend aber doch sehr entschlossen scheint, erzeugen ein Gefühl von äußerster Präsenz und starker Unmittelbarkeit. Wenn auch der Porträtierte bereits ein mittleres Alter in seiner Darstellung erreicht hat, so kommt man trotzdem nicht umhin festzustellen, dass er durch den entschlossenen Blick und die Schulterhaltung den Eindruck von jugendlicher Stärke vermittelt.

Notizen zur dargestellten Person

Heinrich Siegel war österreichischer Rechtshistoriker, Geschichtsforscher und Professor für deutsches Recht an der Universität Wien. Er ist Verfasser zahlreicher Schriften über deutsches Recht und eines Lehrbuches der deutschen Rechtsgeschichte, außerdem gilt er als Begründer der "Wiener Schule" österreichischer Rechtshistoriker und war Mitglied des Herrenhauses.

Entstehungsgeschichte

Die Büste wurde 1895 von Melanie Horsetzky von Hornthal fertiggestellt.[8] 1899 und somit im Todesjahr des Juristen entschied sich die Witwe des Verstorbenen, Frau Hofrätin Rosa Siegel, die Büste der Universität Wien zu überlassen. Die Universität behielt sich in einem Schreiben vor, diese Schenkung abzulehnen, sollte die Ausführung nicht von der Artistischen Kommission als geeignet befunden werden.[9] Nachdem das Abbild als geeignet empfunden wurde, musste ein Sockel in Auftrag gegeben werden, da keiner dazu existierte.[10] Dieser Auftrag erging an den Bildhauer Edmund Hofmann von Aspernburg.[11] Bei der Sitzung der Artistischen Kommission am 11.12.1901 entschieden die Mitglieder, dass einer von zwei der vorgelegten Entwürfe nicht ihren Vorstellungen entsprach.[12] Am anderen Entwurf sollten durch Edmund Hofmann von Aspernburg noch Veränderungen vorgenommen werden. Denn wenn auch die Silhouette und die Dimensionierung den Vorstellungen entsprach, schien die Detail-Ausführung wohl zu "aufdringlich" und stellenweise "künstlerisch unmotiviert" in ihrer Erscheinung. Der Künstler erhielt für die Beschaffung des Materials, die Fertigung und Versetzung an Ort und Stelle 1800 Kronen.[13] Das Denkmal wurde am 4. Juni 1902 um 4:30 Uhr, nachmittags feierlich enthüllt.[14] Die Feier fand im kleinen Festsaal der Wiener Universität statt, bei der eine Festrede von Prof. von Schwind gehalten wurde. Zu dieser Feierlichkeit waren der damalige Unterrichtsminister Hartl, der damalige Präsident der Akademie der Wissenschaften Suesz und der damalige Präsident des Landesschulrats Bienerth anwesend. Außerdem waren Professoren der Universität Graz und Innsbruck unter den Gästen.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Künstlerin, welche unter anderem bei Rodin in Paris Schülerin war, schuf außerdem die Marmorbüste des Denkmals für Wilhelm Emil Wahlberg für den Arkadenhof der Universität Wien[15] Die Büste für Heinrich Siegel wurde noch zu dessen Lebzeiten ausgeführt und war ursprünglich für den Privatgebrauch gedacht. Im Gegensatz dazu wurde Wahlbergs Denkmal erst nach seinem Ableben und speziell für den Arkadenhof geschaffen.[16] Zudem wurde der Sockel für die Siegel-Büste erst einige Jahre nach Fertigstellung der Porträtbüste hergestellt, während bei Wahlberg beides zur gleichen Zeit in Auftrag gegeben wurde.[17] Dadurch dass die Sockel auch von verschiedenen Künstlern ausgeführt wurden, kann man hier starke stilistische Unterschiede erkennen. Das ältere Postament ist fast schon verspielt und mit dekorativen, floralen Elementen versehen, das jüngere Postament entgegen scheint der genaue Gegensatz zu sein, durch seine puristische Geradlinigkeit, tritt es so stark in den Hintergrund, dass es nur noch seinem tätsächlichen Nutzen nachkommen kann ohne dabei den Betrachter abzulenken.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat 96.2., 27.10.1899. Notiz zur Überführung der Büste von der Wohnung der Witwe in die Universität.
  • UAW, Senat 96.2., 7.5.1902. Brief des Rektors zur Enthüllung des Denkmals.
  • UAW, Senat 96.2., 5.6.1902. Zusammenfassung der Feierlichkeiten.
  • UAW, Senat 96.2. Undatierte Zusammenfassung zur Stiftung.
  • UAW, Senat 96.2. Undatierter Brief der Kommission an Hofmann.
  • UAW, Senat 96.2. Abschrift eines Briefes an den Hofmann betreffend der Ausführung der Büste.
  • UAW, Senat 96.2. Undatierte Notizen des Rektors zu notwendigen Maßnahmen und Vorbereitungen die bis zur Enthüllung des Denkmals getroffen werden müssen.
  • UAW, Senat 96.2. Notiz zur Enthüllung.
  • Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  • Universitätsarchiv der Universität Wien, Bilder Heinrich Siegel.
  • Reichswehr, 8.11.1899.

Rezeption in der Presse

Bereits 1899 erscheint ein Artikel zu dem Denkmal, da es das erste von einer Frau geschaffene Denkmal im Arkadenhof der Universität war.[18] Außerdem erschien am 3.6.1902 eine Notiz in der Wiener Morgenzeitung zur Bildhauerin und der Aufstellung ihres Werkes.[19]

Einzelnachweise

  1. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  2. Maisel 2007, S. 10.
  3. UAW, Senat 96.2., Brief von Rosa Siegel: 30.01.1899.
  4. Maisel 2007, S. 38.
  5. UAW, Senat 96.2. Abschrift eines Briefes an den Hofmann betreffend der Ausführung der Büste.
  6. UAW, Senat 96.2., Brief von Rosa Siegel: 30.01.1899.
  7. UAW, Senat 96.2., Schriftstück: 06.02.1902.
  8. UAW, Senat 96.2., Brief von Rosa Siegel: 30.01.1899.
  9. UAW, Senat 96.2., Vermerk des Rektors: 10.07.1899.
  10. UAW, Senat 96.2., Schriftstück des Rektors an das k.k. Ministerium: 05.05.1900.
  11. UAW, Senat 96.2., Undatierte Zusammenfassung zur Stiftung.
  12. UAW, Senat 96.2., Concept eines undatierten Schreibens des Rektors an das k.k. Ministerium: 30.01.1899.
  13. UAW, Senat 96.2. Abschrift eines Briefes an den Hofmann betreffend die Ausführung der Büste: 06.02.1902.
  14. UAW, Senat 96.2., Schriftstück vom 05.06.1902.
  15. Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Siebzehnter Band, S. 530, Leipzig 1924.
  16. UAW, Senat 87.3.24, 7.6.1906.
  17. UAW, Senat 87.3.24, 13.3.1906.
  18. Reichswehr, 8.11.1899.
  19. Wiener Morgenzeitung, 52. Jg., Nr. 151, 3.6.1902, S.2-3, Sp.3-1.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Barbara Buder