Denkmal Heinrich Obersteiner

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Richard Kauffungen, Denkmal Heinrich Obersteiner, 1907 errichtet, 1997 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. Foto: Carola Auer.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 120, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Die Büste für den Mediziner Heinrich Obersteiner (1847-1922) wurde von dem Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942) 1907 für das Neurologische Institut angefertigt. Bereits im Jahr 1964 wurde vom Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Antrag auf eine Aufstellung im Arkadenhof gestellt, ihre Enthüllung fand aber erst anlässlich des 150. Geburts- und 75. Todestages des Wissenschaftlers 1997 im Arkadenhof der Universität Wien statt.

Beschreibung

Die Obersteiner-Büste ruht auf einem Postament, welches sich über annähernd quadratischem Grundriss erhebt. Der verwendete Granit ist ohne weitere Verzierungen ausgeführt. Unterhalb der Büste, auf einer eigens angefertigten Tafel ist die gravierte Inschrift “Heinrich Obersteiner Geb. 1847 Gest. 1922 Gründer Des Neurologischen Instituts Heute Klinisches Institut Für Neurologie” zu erkennen, welche sich durch ihre Vergoldung hervorragend vom Rest des Denkmals abhebt (Abb. 6). Obwohl der Kopf leicht zur Seite geneigt ist, ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um die Hauptschauseite des Denkmals handelt. Das Postament samt aufgesetzter Büste ist direkt vor der Wand des rechten Arkadenganges platziert, weshalb es dem Betrachter nicht möglich ist, das Denkmal zu umrunden.

Abb. 3: Richard Kauffungen, Denkmal Heinrich Obersteiner, Schrägansicht der Granitstele, 1907 errichtet, 1997 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. Foto: Carola Auer.

Die Stele, auf dem die Büste von Heinrich Obersteiner ruht, endet an der Unterseite in zwei Stufen (Abb. 3). Verwendetes Material ist roter Granit, der sich deutlich von der aufgesetzten Büste, vermutlich aus weißem Marmor, abhebt. Die Platte mit der Inschrift, welche am oberen Ende der Stele zu sehen ist, wurde erst anlässlich der Enthüllung im Arakdenhof der Universität angebracht und aus rotem Granit gefertigt. Die Höhe der Stele kann mit ungefähr 150 cm bemessen werden.

Auf die Granitstele wurde die Büste des Neurologen Heinrich Obersteiner gesetzt, welche vermutlich aus weißem Marmor modelliert wurde (Abb. 4). Diese wiederum ist auf einem kleinen Sockel positioniert, der die Inschrift “Prof. Dr. Heinrich Obersteiner” trägt und noch von Richard Kauffungen selbst angefertigt wurde.[2] Unterhalb der Inschrift ist ein antik anmutendes, umlaufendes Blättermuster zu erkennen. Die Maße der Büste inklusive dem Büstensockel betragen 28 x 23 x 70 cm.

Abb. 4: Richard Kauffungen, Denkmal Heinrich Obersteiner, Detailansicht der Büste, 1907 errichtet, 1997 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. Foto: Carola Auer.

Die Büste Heinrich Obersteiners wurde frontal auf die Granitstele gesetzt, jedoch dreht der Porträtierte den Kopf leicht nach links (Abb. 4). Der Blick richtet sich etwas nach oben und verleiht der Büste einen ruhigen und zugleich nachdenklichen Ausdruck. Das Gesicht ist von Falten gezeichnet, sehr markant treten die buschigen Augenbrauen sowie der Bart in Erscheinung. Die Geheimratsecken am Haaransatz könnten auf einen bereits betagteren Herrn hinweisen. Der Porträtierte trägt einen Anzug, auch ein Hemdkragen ist zu erkennen. Unter seinem Sakko scheint er ein zugeknöpftes Gilet zu tragen und bei genauerem Hinsehen würde man vermuten, dass auch eine Krawatte angedeutet ist.

Abb. 5: Richard Kauffungen, Denkmal Heinrich Obersteiner, Seitenansicht der Büste, 1907 errichtet, 1997 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. Foto: Carola Auer.

Das besondere am Denkmal Heinrich Obersteiner ist, dass der Künstler Richard Kauffungen, nicht wie sonst bei den übrigen acht Denkmälern, welche er für den Arkadenhof geschaffen hat, am Büstensockel seine Signatur zu finden ist, sondern hinten an der Schulter. Dieser Umstand rührt daher, dass die Büste ursprünglich für das Neurologische Institut angefertigt wurde, in welchem sie sich auch exakt 90 Jahre, nämlich von 1907-1997 befunden hatte. Heute kann man das Vorhandensein der Signatur nur noch Ertasten oder Abpausen. Genauer Wortlaut ist: R. Kauffungen, MCMVII.[3]

Notizen zur dargestellten Person

Im Zuge einer Sitzung der Fakultätskommission, der die Professoren Brücke, Ullik und Lesky angehörten, wurde am 15. Oktober 1964 beschlossen, eine Aufstellung der Büste Heinrich Obersteiners gemeinsam mit dem Denkmal Constantin von Economo in den Arkaden der Universität Wien beim Akademischen Senat zu beantragen. Als Gründe für eine Verlegung der Büste Obersteiners vom Neurologischen Institut in den Arkadenhof wurden einerseits die bahnbrechenden Ergebnisse auf dem Gebiet der Hirnforschung angegeben und andererseits der im September 1965 stattfindende Neurologische Kongress in Wien. Hierfür sollten die beiden bedeutenden Neurologen posthum große Verehrung finden und als Repräsentation im Hinblick auf den Kongress dienen. [4]

Heinrich Obersteiner war Gründer des Neurologischen Instituts in Wien und tat sich zu Lebzeiten besonders durch seine privaten Spenden an das Institut hervor. Er gilt als Begründer der Neuroanatomie sowie der strukturellen Hirnforschung und war Mitglied an Universitäten sowie zahlreichen medizinischen Gesellschaften. [5]

Genauere Informationen zur Biografie sowie dem medizinischen Schaffen können hier abgerufen werden: Heinrich Obersteiner.

Entstehungsgeschichte

Am 23. November 1907, anlässlich des 25-jährigen Gründungsfestes des Neurologischen Instituts des Heinrich Obersteiner widmeten ihm seine Schüler eine von Richard Kauffungen geschaffene Büste. Der Sockel trug folgende Inschrift des bekannten deutschen Schriftstellers Richard Dehmel (* 1863; † 1920): Du hast uns mehr als das Leben, Du hast uns aus dem Geist, der das Leben speist, eine Welt gegeben. [6]

In einem Schreiben vom 26. November 1964 übermittelte der Dekan der medizinischen Fakultät Wien dem Akademischen Senat den Antrag des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät auf eine Genehmigung zur Aufstellung der Marmorbüsten Heinrich Obersteiners und Constantin von Economos im Arkadenhof der Universität Wien.[7]

Bereits am 18. Dezember 1964 wurde der Aufstellung der Marmorbüsten stattgegeben und die Kunstkommission unter Leitung von Prof. Eichler beauftragt, die Denkmäler zu besichtigen.[8] Nach erfolgreicher Besichtigung des Arkadenhofes in Begleitung der Professoren Lesky und Gall im Hinblick auf die geplante Aufstellung, erhebt Prof. Eichler auch keine Einwände bezüglich der Denkmäler selbst. [9] Aufgrund nicht näher erwähnter Umstände wird jedoch der Antrag zur Aufstellung des Denkmals Heinrich Obersteiner vom Professorenkollegium der medizinischen Fakultät im Oktober 1965 zurückgestellt.[10]

Abb. 6: Richard Kauffungen, Denkmal Heinrich Obersteiner, Detailansicht mit Inschrift, 1907 errichtet, 1997 in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. Foto: Carola Auer.

Bis zur feierlichen Enthüllung des Denkmals ist die Aktenlage sehr undurchsichtig, weshalb auch keine näheren Informationen zum Verbleib der Büste gefunden werden konnten. Da das Neurologische Institut im Jahr 1993 in das Allgemeine Krankenhaus eingegliedert und somit der ursprüngliche Standort aufgegeben wurde, veranlasste man nun endlich die Überführung der Büste in den rechten Arkadengang der Universität Wien. Dieser stimmten sowohl die Kunstkommission als auch der Akademische Senat zu. [11] Anlässlich des 150. Geburts- und Todestages des berühmten Neurologen Heinrich Obersteiner wurde das Denkmal 1997 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie enthüllt. [12] Die aus dem Jahr 1907 stammende Inschrift wurde durch folgende ersetzt: Heinrich Obersteiner Geb. 1847 Gest. 1922 Gründer Des Neurologischen Instituts Heute Klinisches Institut Für Neurologie. An welchem Tag die Enthüllung stattgefunden hat, ist bedauerlicherweise nicht in den Akten vermerkt. [13] Das Denkmal mit der Katalognummer 120 befindet sich heute im Arkadenhof der Universität Wien (Abb. 2).[14]

Abb. 7: UAW, Baelz, Heinrich Obersteiner, Lithographie, o.J. Bildrechte: Archiv der Universität Wien.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die vom Bildhauer Richard Kauffungen geschaffene Porträtbüste des Heinrich Obersteiner ist eine naturalistische Plastik, welche einem klassischen Muster folgt. Die idealisierte Gestaltung des Porträts im Arkadenhof der Universität Wien kann als Stilmittel des Bildhauers angesehen werden, welches auch bei den übrigen acht Denkmälern des Arkadenhofs zur Anwendung kam. Ein Vergleich der Obersteiner-Büste mit Fotografien und Lithographien zeigt kaum vergleichbare Ähnlichkeiten (Abb. 4 und 7). Somit ist der Betrachter auch auf die Inschriftentafel angewiesen, in welche der Name des Wissenschaftlers eingraviert wurde. Eine Replik dieser Büste wurde 1908 in einer Ausstellung des Künstlerhauses gezeigt und trug die Nummer 37. Versichert war das Porträt im Wert von 1.400 Kronen. Angefertigt hatte sie der Bildhauer Kauffungen für den privaten Gebrauch des Professors selbst. [15]

Das Obersteiner-Denkmal kann mit dem Denkmal Moriz Kaposi verglichen werden, welches im Jahr 1954 enthüllt wurde. Zwar unterscheiden sich die Denkmäler in Aussehen und vor allem in der Größe, jedoch wurden beide aus weißem Marmor geschaffen. Die roten Granitstelen, auf denen die Büsten der Wissenschaftler ruhen, gleichen einander völlig. Sowohl die Maße der Sockel als auch die Platzierung und Größe der Inschriftentafeln stimmen überein. Die Denkmäler des Heinrich Obersteiner und Moriz Kaposi rahmen das Reliefdenkmal des Hermann Nothnagel, welches 1910 enthüllt wurde. Dabei ist anzumerken, dass die Obersteiner-Büste von Richard Kauffungen stammt, das Denkmal Moriz Kaposi hingegen von Johannes Benk. Wie bereits Julia Strobl in ihrem Aufsatz zum Denkmal Moriz Kaposi vermerkt, wurde der bei der Erstaufstellung schwarze Sockel der Büste zu einem unbekannten Zeitpunkt durch einen neuen ersetzt. Dieser besteht nun aus rosa-schwarz gesprenkeltem Marmor wie jener des Obersteiner-Denkmals. Bedauerlicherweise konnten in den Akten keinerlei Informationen bezüglich eines Sockelaustausches gefunden werden.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Im Jahr 2006 musste das Denkmal aufwendig und mit einer speziellen Reinigung von roten Lackspuren befreit werden, da es vandalistischen Tätigkeiten zum Opfer gefallen war. [16]

Quellen

  • UAW, Senatsakten, S 222.42, Schachtelnummer 562.
  • UAW, GZ 99 aus 1989/90 (aus Datenschutzgründen noch nicht öffentlich zugänglich).
  • UAW, GZ 129 aus 1996/97 (aus Datenschutzgründen noch nicht öffentlich zugänglich).

Rezeption in der Presse

Beitrag über die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Neurologischen Institutes und die Enthüllung des Obersteiner-Denkmals, 1907, abgerufen am 16.5.2013.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. Stieglitz 2008, S. 315.
  3. Stieglitz 2008, S. 315.
  4. UAW, Senat, S 222.42, Schreiben des medizinischen Dekanats an die medizinische Fakultät vom 26. Oktober 1964.
  5. Roth 1977, S. 194.
  6. Wiener Medizinische Wochenschrift, 29.11.1907.
  7. UAW, Senat, S 222.42, Schreiben des Dekans an den Akademischen Senat vom 26. November 1964.
  8. UAW, Senat, S 222.42, Schreiben des Rektors an den Dekan vom 18. Dezember 1964.
  9. UAW, Senat, S 222.42, Schreiben des Vorsitzenden der Kunstkommission an den Akademischen Senat im Jänner 1965.
  10. UAW, Senat, S 222.42, Amtsvermerk vom 28. Oktober 1965.
  11. UAW, Auskunft Herr Mag. Maisel.
  12. Stieglitz 2008, S. 315.
  13. UAW, Auskunft Herr Mag. Maisel.
  14. Maisel 2007, S. 10, S. 90.
  15. Stieglitz 2008, S. 300, 315.
  16. Stieglitz 2008, S. 315.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Roth 1977: Gerhard Roth, Obersteiner Heinrich, in: Österreichisches Biografisches Lexikon 1815-1950, Band 7, Wien 1977.
  • Stieglitz 2008: Olga Stieglitz (u.a.), Der Bildhauer Richard Kauffungen (1854-1942). Zwischen Ringstraße, Künstlerhaus und Frauenkunstschule, Wien (u.a.) 2008.
  • Wiener Medizinische Wochenschrift 1907: Wiener Medizinische Wochenschrift, 57. Jg., Nr. 49, 29.11.1907, Sp. 2385-2386, ANNO-Datenbank der ONB, abgerufen am 16.5.2013.

Carola Auer, 2013

Zuletzt redigiert und bearbeitet im SS 2014.