Denkmal Heinrich Lammasch

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Denkmal für Heinrich Lammasch. Arkadenhof der Universität Wien.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 19, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Porträtbüste: Heinrich Lammasch (1853-1920). Humplik, Josef. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 19. 1953 enthüllt.[1]
Abb. 4: Signatur des Künstlers Josef Humplik. Foto: Verena Göbel.
Abb. 5: Seitenansicht Denkmal Heinrich Lammasch. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Verena Göbel.
Abb. 6: Seitenansicht Denkmal Heinrich Lammasch. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Verena Göbel.
Abb. 7: Einladungskarte zur Gedenkfeier für Prof. Heinrich Lammasch, 1953. Quelle: Archiv der Universität Wien. [2]

Das Denkmal für den Juristen und letzten Ministerpräsidenten der Monarchie Heinrich Lammasch (1853-1920) wurde vom Künstler Josef Humplik (1888-1958) im Jahr 1953 für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und vom Bundesministerium für Unterricht finanziert.[3] Die feierliche Enthüllung fand am 10. Dezember 1953 statt.

Beschreibung

Der Porträtkopf ist aus nicht geglätteter Bronze gefertigt und stellt den Politiker bis zum Brustansatz dar. Der Kopf ist etwas überlebensgroß und voluminös. Einzelne charakteristische Elemente des Porträtierten, wie der Bart oder die hohe Stirnpartie, sind dargestellt. Durch die raue Oberfläche der Bronze erfährt das Porträt jedoch eine gewisse Abstraktion von der Natur. Die Büste ist am Hals nicht gerade abgeschlossen, sondern berührt nur mit der Vorderseite die Steinbasis. Betrachtet man das Denkmal von der Seite, so fällt auf, dass der Nackenbereich stärker gekürzt wurde und nicht mit dem Stein verbunden ist.

Der Porträtkopf ist auf einer dreiteiligen Stele aus unterschiedlichen Gesteinen montiert. Auf dem unteren Postament ruht ein hoher Pfeiler mit der Inschrift. Darüber erhebt sich ein massiver Block, der den Eindruck erweckt, als wäre er nachträglich eingefügt worden, auf dem sich schließlich die Büste befindet. Die Inschrift lautet schlicht:

HEINRICH
LAMMASCH
21. MAI 1853
6. JÄNNER 1920

Der Künstler Josef Humplik übermittelte die Ausmaße an den Dekan: "Meines Erinnerns ist die Büste ung. 0,44 oder 0,45 u. die Höhe des Sockels 1,40" (Anmerkung: Meter).[4] Das Gewicht des Porträts betrug laut Rechnung der Metallwerke Wien 19,5 kg.[5] Der Bildhauer hat seine Signatur in Großbuchstaben links am unteren Ende der Halspartie angebracht (Abb. 4).

Das Denkmal steht im Arkadenhof der Universität Wien zwischen dem Denkmal für Franz Hofmann und dem Denkmal für Karl Ludwig Arndts von Arnesberg.

Notizen zur dargestellten Person

Heinrich Lammasch war ein österreichischer Jurist sowie letzter k.k. Ministerpräsident.[6] Er erlangte große Anerkennung für seine Mitarbeit an der Ausarbeitung eines neuen Strafgesetzbuches.[7] Lammasch war in der scheidenden Monarchie unter Kaiser Karl maßgeblich für den friedlichen Übergang zur Republik Österreich verantwortlich.[8]

Entstehungsgeschichte

Nach den Richtlinien des Akademischen Senates für die Aufstellung von Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien vom 30.06.1926, in denen festgelegt wurde, dass die Ehrendenkmäler frühestens zehn Jahre nach dem Tod der Person in Auftrag gegeben werden dürfen sowie mindestens drei ordentliche Professoren einen Antrag einreichen müssen, wurde vom Professorenkollegium am 09.01.1952 ein Denkmal für die Prof. Hussarek und Lammasch beschlossen.[9] Antragsteller waren die Professoren Verdroß, Adamovich und Plöchl der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.[10] Nach dem Entschluss Ehrendenkmäler zu errichten, wurde das Anliegen seitens des Dekans an den Akademischen Senat weitergeleitet, der der Errichtung in einer Sitzung am 25.04.1953 zustimmte.[11]

Im Folgenden wandte sich das Bundesministerium für Unterricht an zwei Künstler, die einen Kostenvoranschlag einreichen sollten: Prof. Michael Drobil sowie Prof. Josef Humplik.[12] In einem Schreiben des Bundesministers Kolb vom 13.03.1953 wird bei beiden Künstlern die Herstellung einer "Porträtbüste für Prof. H. Lammsch oder für Prof. M. Hussarek-Heinlein" angefragt, wobei Josef Humplik schließlich den Auftrag bekam Heinrich Lammasch zu porträtieren, während Drobil die Büste Max Hussarek von Heinlein fertigte.[13] Für die Auswahl der Künstler war a. Prof. Dr. Otto Demus verantwortlich, der vom Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät damit beauftragt wurde, da er sich sowohl als Kenner der Arkadenhof-Architektur als auch der Denkmalpflege auszeichnete.[14] Die Kosten für das Denkmal wurden aus dem Kunstförderungskredit des Bundesministeriums für Unterricht bezahlt, da die Fakultät "nicht in der Lage war die Kosten zu tragen".[15] Als Voraussetzung für die Übernahme der Kosten geht bereits aus einem Schreiben des 09.01.1952 hervor, dass es sich um junge, förderungswerte österreichische Bildhauer handeln sollte.[16]

Die Tochter Lammaschs, Marga Lammasch, hatte im Vorhinein bereits vorgesehen, eine Marmorbüste ihres Vaters aus privatem Besitz für den Arkadenhof bereitzustellen.[17] Im Zuge der finanziellen Förderung durch das Bundesministerium bot Marga Lammasch die bereits vorhandene Büste zum Studium für den jungen Künstler an, da es sich um ein "ausgezeichnetes Porträt" handele. Bei Josef Humplik wurde schließlich am 08.05.1953 eine Bronzebüste um den Preis von 14.000 Schilling in Auftrag gegeben, der das Künstlerhonorar, den Gips- und Bronzeguss sowie dessen Überarbeitung, den Steinsockel, die Montagearbeiten und die Transportkosten beinhaltete.[18] Am 28.10.1953 war das Porträt bereits vollendet und die Bronze befand sich schon in der Erzgießerei.[19] Humplik antwortete auf die Bekanntgabe des Textes für den Sockel (Heinrich LAMMASCH 21. Mai 1853 - 6. Jänner 1920) durch den Dekan, dass der Stein dafür nach der Mitteilung über den Text entschieden werden kann. Des Weiteren scheint es zu Verzögerungen in der Ausführung gekommen zu sein, da Humplik nach eigenen Angaben krank war.[20] Am 19.11.1953 war die Büste fertiggestellt und stand zur Abholung in den Metallwerken Wien III. A.G. bereit, auch der Steinmetzmeister Franz Bamberger war mit dem Sockel fertig.[21]

Im November 1953 beschloss der Akademische Senat schließlich die feierliche Aufstellung und Enthüllung des Denkmals am 10.12.1953 vorzunehmen.[22] Auf der Einladungsliste standen vor allem hochrangige politische Persönlichkeiten, wie Bundeskanzler, Vizekanzler und Justizminister. Aus den Archivunterlagen geht jedoch hervor, dass viele Persönlichkeiten ihr Erscheinen kurzfristig abgesagt haben.[23] Am selben Tag fand auch die Feier für das zeitgleich in Auftrag gegebene Denkmal für M. Hussarek-Heinlein statt. Fälschlicherweise wird das Denkmal für Prof. Lammasch des Öfteren Michael Drobil zugeschrieben. Diese Verwechslung kommt durch die Anfrage an beide Künstler zustande.[24]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 8: Porträtbüste: Hans Kelsen (1881-1973). Welz, Ferdinand. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 17. 1984 enthüllt. Unidam der Universität Wien.[25]
Abb. 9: Josef Humplik, Büste von Anton Webern. Quelle: Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 8.[26]
Abb. 10: Josef Humplik, Büste von Georg Trakl. Quelle: Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 9.[27]
Abb. 11: Josef Humplik, Büste von Ludwig Ficker. Quelle: Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 6.[28]

Bei einem Treffen des Rektors der Universität und Professor Walter wurde festgestellt, dass "die Kelsen-Büste in Art und Größe der von Prof. Lammasch ähnlich ist"[29] Es fällt jedoch auf, dass das Denkmal Hans Kelsen (Abb. 8) glatter gearbeitet ist, während die Lammasch-Büste eine ungeglättete Oberfläche besitzt. Es handelt sich dabei um ein künstlerisches Ausdrucksmittel, welches Humplik gerne für seine Arbeiten verwendet hat. Die von Höhen und Tiefen geprägte Oberfläche lässt den Dargestellten durch Licht-und Schatten-Brüche zwar weniger idealisiert, dafür umso lebendiger aussehen, als die geglättete Bronze. Des Weiteren fällt auf, dass Kelsen mit wenigen einfachen Linien charakterisiert wurde. Die Augenbrauen wirken in ihren Wülsten stilisiert. Das Lammasch-Porträt hingegen ist grob gearbeitet und setzt sich aus vielen kleinteiligen Erhebungen und Vertiefungen zusammen. Der Gedanke an die Vorbildhaftigkeit von Rodins Oberflächenbehandlung liegt nicht fern.

Andere Werke Humpliks, wie die Büsten für Anton Webern (Abb. 9) oder Georg Trakl (Abb. 10), besitzen eine ganz ähnliche Materialbeschaffenheit und Oberflächenbehandlung wie das Denkmal für Heinrich Lammasch. Die Köpfe werden weniger naturalistisch, als viel mehr beseelt und von einem inneren Ausdruck geprägt, dargestellt. Die eigenen Charakteristika der abgebildeten Personen werden deutlich hervorgehoben - so die markante Augenpartie Trakls - und durch die aufgeraute bronzene Oberfläche unterstützt. Im Vergleich zu Webern ist deutlich erkennbar, dass die tief liegenden Augen ähnlich zu denen Lammaschs sind.

Während die Lammasch-Büste einen angedeuteten Übergang zum Torso aufweist, sind die meisten anderen Büsten nur bis zum Hals dargestellt und dann hart abgeschnitten. Es scheint, als wäre das Porträt Lammaschs einige Jahre später entstanden als beispielsweise die Büsten für Ludwig Ficker (Abb. 11) oder Georg Trakl, denn Humplik schafft ein stärker abstrahiertes Abbild des Politikers. Die Gesichtszüge sowie Haare und Bart sind weniger hart abgegrenzt und bilden einen fließenden Übergang der Formen. Es lässt sich trotzdem sagen, dass Humplik es geschafft hat individuelle Züge darzustellen - Lammasch wirkt ganz wie der besonnene Staatsmann, der er war.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Aufzeichnungen bekannt laut denen das Denkmal für Prof. Lammasch demontiert oder entliehen wurde. Aus den Unterlagen geht jedoch hervor, dass am 26.11.1984 Dipl.-Ing. Dr. Franz Skacel der Universität Wien eine Anfrage an den Universitätsdirektor schickte bezüglich des Datums der Errichtung des Denkmals. Skacel bezieht sich in seinem Schreiben auf die Enthüllung des Denkmal Hans Kelsen, anlässlich derer Führer durch die Universität gedruckt worden sind, und sämtliche juristische Denkmäler aufgelistet wurden.[30]

Quellen

  • Universitäts-Archiv Wien: J Cur 237, Schachtel 4.
  • Universitäts-Archiv Wien: Senat S 222.21, Schachtel 562.
  • Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  • Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 6.
  • Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 8.
  • Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 9.
  • Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 2, Wien 2004.
  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemitteilungen oder Zeitungsartikel bekannt.

Einzelnachweise

  1. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  2. J Cur 237, Einladungskarte zur Gedenkfeier für Prof. Heinrich Lammasch, 1953.
  3. J Cur 237, Auftrag an J. Humplik durch das Bundesministerium für Unterricht.
  4. J Cur 237, Schreiben Humpliks an den Dekan.
  5. J Cur 237, Rechnung vom 27.08.1953.
  6. Maisel 2007, S. 39, S. 40.
  7. NDB 13 (1982), S. 447.
  8. ÖBL, 815-1950, Bd. 4 (Lfg. 20, 1969), S. 415f.
  9. J Cur 237, Richtlinien für die Aufstellung eines Denkmals in den Arkaden der Universität.
  10. J Cur 237, Schreiben des Dekans an den Akademischen Senat der Universität Wien.
  11. J Cur 237, Schreiben des Prorektors an den Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.
  12. J Cur 237, Schreiben im Akt.
  13. J Cur 237, Schreiben an Prof. Drobil sowie Prof. Humplik.
  14. J Cur 237, Schreiben des Dekans an Otto Demus.
  15. J Cur 237, Schreiben des Dekans an das Bundesministerium für Unterricht.
  16. J Cur 237, Antrag betreffend Errichtung von Ehrendenkmälern für H. Lammasch und M. Hussarek-Heinlein.
  17. J Cur 237, Brief von Marga Lammasch an die Rechtswissenschaftliche Fakultät.
  18. J Cur 237, Auftrag an J. Humplik durch das Bundesministerium für Unterricht.
  19. J Cur 237, Schriftstücke im Akt.
  20. J Cur 237, Schreiben von J. Humplik an den Dekan.
  21. J Cur 237, Schriftstücke im Akt.
  22. J Cur 237, Brief des Dekans an M. Lammasch.
  23. Senat 222.21.
  24. J Cur 237, Schriftstücke im Akt.
  25. Unidam der Universität Wien, Stand: 17.05.2014.
  26. Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 8.
  27. Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 9.
  28. Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930, S. 6.
  29. Senat S 222.61, 08.11.1983.
  30. Senat 222.21, Schreiben von Prof. Skacel an den Universitätsdirektor.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 2, Wien 2004.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Franz Ottomann, Josef Humplik, in: Österreichische Kunst. Monatsheft für bildende Kunst, H.8, Jg. I, Juni 1930.

Weblinks


Verena S. Göbel, Sarah Lange, Barbara Buder