Denkmal Hans von Arnim

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträtbüste: Hans von Arnim (1859-1931). Barwig, Franz d. Jüngere. Arkadenhof der Universität Wien. Nr. 40. 1948 enthüllt. Unidam der Universität Wien.[1]
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 40, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[2]
Abb. 3: Denkmal für Hans von Arnim. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Abb. 4: Sockel mit Inschrift. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Abb. 5: Seitenansicht der Büste Hans von Arnims. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Abb. 6: Denkmäler im Arkadengang der Universität Wien. Arkadenhof der Universität Wien. Foto: Barbara Buder.
Abb. 7: Einladungskarte zur Gedenkfeier am 29.01.1948.[3]

Das Denkmal für den Altphilologen Hans von Arnim (1859-1931) gehörte zu den frühesten Denkmälern, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt wurden. Der Porträtkopf wurde von der Familie von Arnim zur Verfügung gestellt. Der Bildhauer ist nicht namentlich bekannt, vermutlich handelt es sich um Franz Barwig den Jüngeren. Die feierliche Enthüllung fand am 29. Januar 1948 statt.

Beschreibung

Das Denkmal für Hans von Arnim befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien an der Wand des linken Arkadengangs und ist nach der Katalogisierung Maisels mit der Nummer 40 versehen (Abb. 3).[4] Die Maße des bronzenen Hohlgussporträts betragen in etwa 22,5 cm (Breite) x 49 cm (Höhe) x 32 cm (Tiefe).

Die Porträtbüste des Hans von Arnim ist auf einen hohen Steinsockel (ca. 54,5 cm x ca. 149 cm x ca. 39 cm) gestellt, der eine eingravierte goldene Inschrift mit dem Namen des Dargestellten, seinen Lebensdaten und den Datumsangaben seiner Lehrtätigkeit beinhaltet: "HANS VON ARNIM 1859 - 1931 PROFESSOR DER KLASSISCHEN PHILOLOGIE ; 1900 - 1914; 1922 - 1930" (Abb. 4).

Die schlicht gehaltene Porträtbüste zeichnet sich durch den äußerst knapp gehaltenen Ausschnitt aus. Sie setzt bei den Schlüsselbeinen an und spart die Wiedergabe der Schultern aus. Der Kopf des Porträtierten wird nicht frontal wiedergegeben, sondern leicht zur Seite geneigt dargestellt. Zudem ist der Kopf leicht in die Höhe gerichtet wiedergegeben, wodurch ein heroischer Ausdruck vermittelt wird, zumal der Sockel des Denkmals sehr hoch ist, was ebenso zu der erhabenen Wirkung der Büste beiträgt, da der Betrachter somit gezwungen wird zu dem Kopf aufzublicken (Abb. 5).

Hans von Arnim wird in der Büste zudem ohne Gewandansatz dargestellt, die Wiedergabe eines Kragen etwa bleibt aus, was zu einer relativ puristischen Wirkung führt. Dadurch, dass der Porträtierte damit ohne Bekleidung präsentiert wird und sein sehr sehnig herausgearbeiteter Hals zum Vorschein tritt, wird die erhabene Wirkung des Porträts etwas relativiert. Dafür aber trägt dieser entblößte Brustansatz durch seine naturalistische Wiedergabe zu einer sehr realistisch wirkenden Darstellung bei.

Der sehr hell gehaltene Steinsockel kontrastiert mit der dunkel gehaltenen Portätbüste des Hans von Arnim. Auch hinsichtlich der Materialbehandlung sind die beiden Denkmalsstücke sehr verschieden und ergeben kein harmonisches Gesamtbild, während nämlich in der Büste die Physiognomie sehr fein und exakt modelliert wurde, fällt demgegenüber sofort die nur rohe und große Behandlung des Sockels auf. Darüber hinaus fällt dem Erscheinungsbild nach der Sockel deutlich zu groß aus, er dominiert im Grunde das Denkmal, während die ohnehin schon zierliche Büste demgegenüber in den Hintergrund tritt (Abb. 6).

Notizen zur dargestellten Person

Hans von Arnim war ein Klassischer Philologe und lehrte sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Hans von Arnim gelang es, anhand einer eingehenden Analyse mittels der sprachstatistischen Forschungsmethoden, eine ungefäre Chronologie der Schriften Platons zu geben und damit die zeitliche Entwicklung des philosophischen Gedankenguts Platons näher zu klären. Darüberhinaus verfasste Hans von Arnim eine umfassende Darstellung der antiken Philosophie sowie eine gesamte Übersetzung von insgesamt zwölf Tragödien des Euripides. Hier geht es zu einer ausführlichen Biographie von Hans von Arnim.

Entstehungsgeschichte

Am 14. August 1947 wird beim Professorenkollegium der philosophischen Fakultät die Aufstellung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien für den am 25.5.1931 verstorbenen Professor der klassischen Philologie Hans von Arnim beantragt. Hierbei wird erwähnt, dass die Familie von Arnim eine Büste von ihm besitzt, welche als für die Platzierung im Arkadenhof geeignet angesehen wird. Die Familie Arnim, so geht aus dem Schreiben hervor, würde jene Büste als Denkmal für Arnim der Universtität Wien übergeben.[5] Indem also lediglich noch ein angemessener Sockel zu besorgen war, sparte man in diesem Fall die Kosten für die Erstellung eines neuen Denkmals für Professor Arnim. Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass jene bereits vorhandene Büste sich nicht nur hinsichtlich der Art der Ausführung gut in den Arkadenhof eingliedern würde sondern auch die künstlerische Qualität der Büste ausreichend hochwertig ist, sodass diese als Denkmal im Arkadenhof der Universität verwendet werden kann.[6]

Ein Protokoll einer Senatssitzung vom 11.10.1947 gibt schließlich Auskunft über die Bitte des Hofrates Prof. Meister, einen Betrag von 2300 Schilling für die Anschaffung eines Sockels für das Denkmal des Hans von Arnim auszahlen zu dürfen. Jener Betrag soll aus dem Wiederaufbaufonds bezogen werden, welcher unter der Verwaltung eben jenes Hofrates Prof. Meister steht. Die Genehmigung für jene Bitte wurde noch am selbigen Tage erteilt.[7] Die Gedenkfeier im Sitzungssaal des akademischen Senats sowie die feierliche Enthüllung des Denkmals für Hans von Arnim fand vormittags, am 29.1.1948 statt. [8] Die Festrede auf Prof. Hans von Arnim wurde vom Hofrat Prof. Meister gesprochen, der auch für die Finanzierung eines Sockels für das Denkmal eintrat. Zur Gedenkfeier sowie der darauffolgenden Denkmalsenthüllung wurden sowohl das Unterrichtsministerium als auch die Akademie der Wissenschaften sowie einige Schüler des verstorbenen Professors eingeladen (Abb. 7).[9].

Am 15. April 1948, also knapp drei Monate nach der Enthüllung des Denkmals verfasst der Rektor der Universität, Prof. Sölch ein Schreiben, in dem er Prof. Meister, als Vorsitzenden des Universitäts - Gebäudeausschusses bittet, 250 Schilling aus dem Universitäts-Kanzleifonds aufzuwenden um damit eine Erhöhung des Sockels des Arnim - Denkmals zu finanzieren.[10] Eine Antwort auf dieses Schreiben liegt nicht vor, womit nicht eindeutig geklärt werden kann, ob tatsächlich eine Änderung der Sockelhöhe vorgenommen wurde. Nachdem im aktuellen Zustand die Höhe des Denkmals allerdings jener Höhe der übrigen Denkmäler, die dieses flankieren entspricht, ist es naheliegend, dass die Höhe des Denkmals tatsächlich angeglichen wurde (Abb. 7).

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Für eine Analyse des Denkmals ist ein Hinweis in den Akten zum Denkmal für Hans von Arnim relevant. In einem Schreiben von 14. August 1947 wird eine bereits vorhandene Büste genannt, die sich im Besitz der Familie von Arnim befindet. Dabei wird explizit erwähnt, dass sich jene Büste nach der Art ihrer Ausführung gut in den Arkadenhof eingliedern würde.[11] In der Tat findet jene Büste mit dem knappen Brustansatz Entsprechungen in bereits bestehenden, nicht unähnlichen Büsten, die allesamt im linken Arkadengang ihre Aufstellung fanden. Die Büste Hans von Arnims weicht allerdings dahingehend von den übrigen Porträtbüsten ab, dass sie nur einen sehr knappen Ausschnitt des Porträtierten bietet und zudem im Gegensatz zu den meisten Büsten, keinen profilierten Piedestal besitzt, weshalb sie sich aufgrund ihrer Schlichtheit von den sie umgebenden Büsten, absetzt. Die vergleichsweise kleinen Ausmaße der Büste, beziehungsweise der so schmal gewählte Ausschnitt lassen sich dadurch erklären, dass die Porträtbüste ursprünglich für die Familie von Arnim, und damit für einen rein privaten, wohl häuslichen Rahmen erstellt wurde, weshalb die repräsentative Wirkung im Vergleich zu den übrigen Porträtplastiken des Arkadenhofes, gering ausfällt.

Dennoch wurde zumindest versucht mittels dem, für die Büste zu bestellenden Sockel, eine Einheitlichkeit mit den übrigen Büstendenkmälern herzustellen. Mit dem 149 cm hohen Sockel ist das Denkmal exakt auf gleicher Höhe mit den übrigen Büstendenkmälern, die dieses flankieren. Dass die Angleichung dieses Denkmals mittels des Sockels ein großes Anliegen darstellte, bezeugt das kurz nach der Enthüllung aufgekommene Ansuchen um eine Erhöhung des Sockels für die Büste Hans von Arnims.[12]

Hinsichtlich der Frage nach der Ähnlichkeit der Porträtbüste mit der realen Person Hans von Arnim, fällt die sehr genaue Übernahme der physiognomischen Merkmale des Professors auf. Die Darstellung zeichnet sich durch einen hohen Grad an Realismus auf, was etwa bei der sehr sehnigen Wiedergabe der Halsmuskulatur eklatant ist. Auffällig ist überdies, dass es in der Porträtbüste zu einer leicht plastischen Darstellung der Pupillen kommt, sodass dem Dargestellten eine Blickrichtung gegeben wird, was in Folge zu einer starken Verlebendigung der Porträtbüste führt. Diese Tatsache bei Porträtbüsten Pupillen darzustellen, ist keine Selbstverständlichkeit, oftmals wird der Porträtierte "blind" wiedergegeben, wodurch eben jener wache und gezielt gerichtete Blick, der hier so offensichtlich wird, niemals derartig erzielt werden kann.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat S 222.4.
  • Unidam der Universität Wien (Stand: 17.05.2014).

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Einzelnachweise

  1. Unidam der Universität Wien (Stand: 17.05.2014).
  2. Maisel 2007, S. 10.
  3. UAW Senat S 222.4, Einladungskarte zur Gedenkfeier.
  4. Maisel 2007, S. 50.
  5. UAW, Senat S 222.4, Schreiben vom 14.8.1947.
  6. UAW, Senat S 222.4, Schreiben vom 14.8.1947.
  7. UAW, Senat S 222.4, Auszug aus dem Protokoll für die 2. Sitzung des Akademischen Senats am 11.10. 1947, GZ aus 1944/45 Senatsmitteilung.
  8. UAW, Senat S 222.4, Schreiben des Rektors und des Dekans der philosophischen Fakultät der Universität Wien.
  9. UAW, Senat S 222.4, Schreiben über die Gedenkfeier für Hans von Arnim.
  10. UAW, Senat S 222.4, Schreiben des Rektors vom 15.4.1948, GZ aus 1947/48.
  11. UAW, Senat S 222.4, Schreiben vom 14.8.1947.
  12. UAW, Senat S 222.4, Schreiben des Rektors vom 15.4.1948, GZ aus 1947/48.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 2004, S. 161.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 50.

Caroline Mang, Barbara Buder