Denkmal Gustav Riehl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Arnold Hartig, Denkmal Gustav Riehl, 1954, Bronzemedaillon (Dm.: 46 cm) auf polierter Marmorplatte (106 x 70 x 5 cm), Arkadenhof der Universität Wien.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 92, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Arnold Hartig, Denkmal Gustav Riehl und Einblick in rechten Arkadengang, 1954, Bronzemedaillon (Dm.: 46 cm) auf polierter Marmorplatte (106 x 70 x 5 cm), Arkadenhof der Universität Wien.

Das Denkmal für den Mediziner Gustav Riehl (1855-1943) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig (1878-1972) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 22. September 1954 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 4: Medaille Gustav Riehl, 1925, Bronze, Dm. 60 mm.
Abb. 5: Arnold Hartig, Denkmal Gustav Riehl, Detail Signatur des Künstlers: "A. HARTIG", 1954, Bronzemedaillon (Dm.: 46 cm) auf polierter Marmorplatte (106 x 70 x 5 cm), Arkadenhof der Universität Wien.
Abb. 6: Arnold Hartig, Denkmal Gustav Riehl, Detail Inschrift, 1954, Bronzemedaillon (Dm.: 46 cm) auf polierter Marmorplatte (106 x 70 x 5 cm), Arkadenhof der Universität Wien.

Das Denkmal für Gustav Riehl besteht aus einer steinernen Tafel mit bronzenem Porträtmedaillon und befindet sich am Ende des rechten Ganges des Arkadenhofes gegenüber Stiege 10 (Abb. 3). Auf der Gedenktafel aus hellem polierten Marmor mit den Maßen 106 x 70 x 5 cm ist das Porträtmedaillon aus Bronze (Hohlguss) mit einem Durchmesser von ca. 46 cm befestigt (Abb. 1). Die Reliefhöhe entspricht etwa 3 cm. Riehl ist in strengem Seitenprofil nach links dargestellt. Das Porträt umfasst Kopf und Hals des Gelehrten, welche im Zentrum des Medaillons positioniert sind. Der Hals schließt innerhalb des Medaillons mit deutlichem Abstand zum Medaillenrand in zart geschwungener Kurve ab. An der Kontur des unteren Halses macht das Relief eine Kehrtwende Richtung Reliefgrund, eine Gestaltungsweise, die sich bei zahlreichen Medaillenbildnissen des Arkadenhofs beobachten lässt. Knapp unterhalb dieser Reliefrückführung befindet sich die Signatur des Medailleurs: "A. HARTIG" (Abb. 5). Die Oberfläche des Bronzemedaillons weist leichte, witterungsbedingte Oxidationsspuren am Ohr und am unteren Rand des Medaillons auf. Die Marmorplatte trägt die folgende eingravierte und vergoldete Inschrift: "DR. GUSTAV RIEHL / PROFESSOR / DER DERMATOLOGIE / 1855-1943" (Abb. 6). Das Licht fällt von rechts aus dem Innenhof auf die Gedenktafel und lässt das Relief besonders plastisch wirken.

Das Porträt Riehls ist in deutlicher, vom Grund abgesetzter, Kontur klar umrissen. Lediglich entlang des Bartes, nicht jedoch entlang des Kopfhaars, ist die Kontur aufgeweicht. Die Stelle des Mundes ist leicht verunklärt. So ist nicht ganz deutlich, ob Riehls Mund geschlossen oder leicht geöffnet ist. Letzteres ist bei genauerer Betrachtung jedoch wahrscheinlicher. Der Blick des Gelehrten ist gerade nach vorn gerichtet, zart sind Pupillen angedeutet. Ein dichter Vollbart, sowie am Ansatz bereits leicht schütteres Haar kennzeichnen den Gelehrten. Ausgehend vom sichtbaren Auge zeichnen sich Falten im Bereich des unteren Lides, sowie im Schlupfwinkel des Auges ab. Auch die Stirn weist leichte Falten auf. Auffallend ist die vom Auge ausgehende strahlenförmige Bewegung der Falten. Es scheint, als wären sie von Hartig zugunsten eines harmonischen Linienspiels und eines wohlgestalteten idealisierten Gesichtsausdrucks geformt. Die Front des Gesichts zeigt eine deutliche Anordnung der Gesichtszüge entlang einer Linie. In Fortsetzung der Schrägen, die an der Stirn ansetzt und von der Nase weitergeführt wird, ist auch die Neigung des Vollbartes ausgeführt. Leider ist kein Porträt Riehls im Profil erhalten, anhand dessen wir sagen könnten, ob seitens des ausführenden Künstlers die Front zugunsten einer Geraden optisch geglättet wurde. Die Übergänge von Bart / Kopfhaar zum Gesicht sind aufgeweicht und fließend. Die Binnenstruktur des Barts ist von schwungvollem Linienspiel gekennzeichnet. Leicht höhere und tiefere Stellen führen bei natürlicher Beleuchtung zu einem realistischen Eindruck von Behaarung. Die blockhafte Kontur des Barts hingegen presst das aus der Binnenstruktur ersichtlich gewellte Barthaar in eine klare Form.

Notizen zur dargestellten Person

Gustav Riehl (* 10.2.1855 in Wiener Neustadt, + 7.1.1943 in Wien) war Professor für Dermatologie und Syphilidologie in Leipzig und Wien. In Wien schuf er die erste Radiumstation zur Behandlung von Hautkrankheiten. 1914 wurde er in die artische Kommission des Akademischen Senats gewählt, die für die Errichtung der Denkmäler im Arkadenhof zuständig war und übernahm im gleichen Jahr auch den Vorsitz bis zu seinem Rücktritt 1937. Von 1920 bis 1921 amtierte er als Rektor der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Dem üblichen Prozedere entsprechend wurde der Antrag zur Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof von der jeweiligen Fakultät gestellt. Als Denkmalkommission fungierten im Falle Riehls die Antragsteller Dr. Leopold Arzt, Dr. Ernst Lauda, Dr. Hermann Chiari und Dr. Albert Wiedmann.[1] Der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Brücke berichtete in einem Brief an die artistische Kommission des Akademischen Senats der Universität Wien vom 25. Juni 1954 von der ungewöhnlich knappen Abstimmung innerhalb des Professorenkollegiums: "In der Sitzung vom 23. Juni 1954 hat das Professorenkollegium beschlossen, einem Antrag zur Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof zuzustimmen, obwohl bei der Abstimmung die erforderliche Dreiviertelmehrheit um eine Stimme unterschritten wurde."[2] Das Stimmenverhältnis betrug sechzehn Ja- zu drei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Die Ehrung des verstorbenen Professors und ehemaligen Rektors der Universität Wien (1921/22) Gustav Riehl, der von 1914 bis 1937 auch Vorsitzender der artistischen Kommission gewesen war, war offensichtlich nicht unumstritten. Der Beschluss des akademischen Senats zur Errichtung eines Denkmales für Prof. Dr. Gustav Riehl war hingegen einstimmig.[3] Der Medailleur Arnold Hartig erhielt den Auftrag ein Porträtmedaillon herzustellen, vermutlich weil er bereits eine Gedenktafel zu Lebzeiten Prof. Riehls angefertigt hatte.[4] Das bestätigt der Künstler auch mit eigenen Worten in seiner Autobiographie, die 1964 erschien: "Vom Rektorate der Universität Wien erhielt ich den Auftrag, für Riehls Hörsaal eine Gedenktafel mit dessen Kopf überlebensgroß anzufertigen. Die Sitzungen erfolgten in meinem Atelier, wo er mir interessante Begebenheiten erzählte. Einmal sei in seinem Wartezimmer ein bärtiger Mann erschienen, der ihn dringend bat ihn gründlichst zu untersuchen. Hofrat Riehl aber sah, daß jede ärztliche Kunst vergebens war. Es war Hans Makart, der an einer gefürchteten Krankheit unheilbar litt. [...] Zehn Jahre nach seinem Tode wurde im Arkadenhof der Wiener Universität meine zweite Gedenktafel mit seinem überlebensgroßem Porträt feierlich enthüllt."[5] Das angeregte Gespräch mit dem Modell war Teil seiner künstlerischen Praxis, so erreichte er ein möglichst naturgetreues und lebhaftes Porträt. Hartig berichtet in seinen "Betrachtungen über die Porträtkunst", dass die Anforderung an den Künstler dabei in der Aufgabe liege, ins Geistes- und Seelenleben der darzustellenden Persönlichkeit einzudringen.[6]

Laut den im Universitätsarchiv erhaltenen Akten wurde mit der Wahl des Aufstellungsplatzes der Gedenktafel Prof. Dr. Leopold Arzt und der Vorsitzende des Univ.-Kunstausschusses Präs. Prof. Dr. Richard Meister betraut.[7] Die Steinmetzarbeiten übernahm die Steinmetzfirma Eduard Hauser, die künstlerische Ausstattung Prof Müller.[8] Da der Bildhauer Prof. Josef Müllner wie auch der Medailleur Arnold Hartig später auf der Einladungsliste zur Denkmalenthüllung angeführt wurden, handelt es sich beim Namen "Müller" vermutlich um einen Schreibfehler.[9] Die Übernahme der Kosten, die Rechnung des Steinmetzmeisters Eduard Hauser betrug 984,30 Schilling, verursachte teilweise Unklarheiten. Schließlich wurde der offene Betrag "[…] für die Anfertigung der Schriftplatte am Denkmal für Professor Dr. Gustav Riehl aus dem Univ.-Kanzleifonds" überwiesen.[10] Die Gedenkfeier für den Geehrten und die unmittelbar darauf folgenden Enthüllung der Gedenktafel mit dem von Hartig geschaffenen Relief fand am 22. September 1954 statt.[11]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die Gedenktafel mit Gelehrtenportät in Form eines Medaillons, das an Medaillen- und Münzporträts erinnert, ist ein im Arkadenhof der Universität sehr häufig gewählter Typus. Auch der Medailleur Arnold Hartig schuf einige Denkmäler dieser Art, genannt seien hier nur die 1951 von der Katholisch-Thologischen Fakultät initiierten Denkmäler für Rudolf von Scherer und Franz Martin Schindler sowie die 1961 gegen Ende seiner Schaffensperiode enthüllte Gedenktafel für den Nobelpreisträger Karl Landsteiner (Abb. 7-9). Alle Beispiele wurden von Hartig in der selben Technik als Hohlguss ausgeführt und danach auf eine helle Marmortafel mit Inschrift montiert, die von einem Steinmetz, nicht vom Medailleur selbst, bearbeitet wurden. Auch die eher schlichten Inschriften, mit Titel und Namen der Geehrten, Beruf und Lebensdaten, sind in ähnlicher Schrift und Größe ausgeführt und entsprachen möglicherweise dem Wunsch der artistischen Kommission nach Vereinheitlichung. Doch während die beiden Theologen Schindler und Scherer in Dreiviertelansicht dem Betrachter zugewendet sind, wurden die Mediziner Riehl und Landsteiner in strengen Seitenprofil porträtiert. Scherer und Schindlers Porträts zeigen jeweils einen knappen, bekleideten Büstenausschnitt, der sie als Geistliche kennzeichnet. Karl Landsteiner trägt einen hohen, steifen Kragen. Nur Gustav Riehl ist in antikisierender Weise nackt, der Kopf im Linksprofil mit langem Hals ohne Büstenausschnitt dargestellt. Sein Bildnis erinnert an einen antiken Philosophen.

Das Medaillon für Gustav Riehl zeigt große Übereinstimmung mit einer im Universitätsarchiv aufbewahrten Medaille (Abb. 4). In beiden weist der Künstler den Dargestellten im Profilporträt und ohne Kleidung aus. Die im Durchmesser 60 mm große Medaille wurde von Hartig anlässlich des 70. Geburtstages von Gustav Riehl im Jahr 1925 gefertigt und trägt die Signatur des Künstlers, sowie den Namen des Porträtierten.[12]

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse und Veränderungen in der Aufstellung des Denkmals seit der Enthüllung bekannt.

Quellen

  • UAW 106.I.2128: Gustav Riehl mit seinen Mitarbeitern um 1905, Foto Elfriede Hanak-Broneder, Wien, o.J.
  • UAW Senat S 88.1: Wahl von Gustav Riehl in die artistische Kommission, 1914.
  • UAW 106.I.2678: Riehl, Gustav (10.02.1855-07.01.1943; Dermatologie, Syphililogie), Foto, 1921/22.
  • UAW Senat S 89.30: Porträtierung von Mitgliedern des Lehrkörpers der Universität Wien, Prof. Dr. Gustav Riehl 1927/28.
  • UAW 105.P.232: Anton Hans Karlinsky, Rektorenporträt Gustav Riehl, Öl auf Leinwand, 1927, Universität Wien (Foto aus: Günter Natter, Die Gemälde der Universität Wien, Wien 1988).
  • UAW 106.I.963: Riehl, Gustav (10.02.1855-07.01.1943; Dermatologie, Syphililogie), Robert Fuchs, Einzelportät Gustav Riehl, 1935, Foto aus: Neue Freie Presse.
  • UAW Senat S 91.11: Rücktritt Riehls als Mitglied der artistischen Kommission, 1937.
  • UAW Senat 265.4.125: Riehl, Gustav, 1942.
  • UAW Senat 265.4.126: Riehl, Gustav, 1942.
  • UAW 105.P.233: Porträt Gustav Riehl, Öl auf Leinwand, O.J (vor 1943), Universität Wien, Foto aus: Günter Natter, Die Gemälde der Universität Wien, Wien 1988.
  • UAW Senat S 305.77: Gustav Riehl, gestorben 7.1.1943, Nekrolog.
  • UAW Senat S 304.1051: Personalakte, Gustav Riehl, gestorben 7.1.1943, Nekrolog für Gustav Riehl von F. Puhs.
  • UAW Senat S 222.23: Riehl, Gustav, Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1954.
  • UAW 106.I.2704: Einzelportät Gustav Riehl, Foto Max Schneider, o.J.
  • UAW 102.3.7.: Medaille Gustav Riehl, Bronze, Dm. 60 mm. o.J.

UAW: Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Literatur

  • Hartig 1964: Arnold Hartig, Aus meinem Leben. Vom Bauernjungen zum Künstler. Erlebnisse mit Porträtierten Persönlichkeiten, Wien 1964.
  • Prokisch 2005a: Bernhard Prokisch, Der Nachlass des Medailleurs Arnold Hartig (1878–1972), in: Mitteilungsblatt 30/2005, hg. v. Inst. f. Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, S. 20-31.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007, S. 77.
  • Hölbling 1998: Lothar Hölbling, Medaillen der Wissenschaft. Die Sammlungen des Archivs der Universität Wien, (Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien, 13. Band, Hrsg. von Kurt Mühlberger und Franz Skacel), WUV Universitätsverlag, Wien 1998, S. 15

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 222.23.
  2. Schreiben des Dekans der med. Fak., Prof. F. Brücke an die artistische Kommission des akademischen Senats vom 25. Juni 1954, UAW Senat S 222.23.
  3. Brief des Rektors an den Dekan, Franz Brücke vom 1. Juli 1954, UAW Senat S 222.23.
  4. vgl. Hartig 1964, S. 50
  5. ebd.
  6. Er kritisiert die Praxis mancher Kollegen während der Porträtsitzungen stumm zu arbeiten. Dadurch könne das Modell leicht einen ermüdeten Ausdruck einnehmen. Für jede zweistündige Sitzung bereitete er daher dem Geistesleben des zu Porträtierenden entsprechend Gesprächsthemen vor: "Je lebhafter sich die Unterhaltung gestaltet, umso mehr findet der Künstler Gelegenheit, die mimischen Veränderungen kritisch zu studieren". Hartig 1964, S. 67.
  7. Brief des Rektors vom 10. Juli 1954, UAW Senat S 222.23.
  8. Brief des Rektors Schönbauer an die Fa. Eduard Hauser vom 10.7.1954 UAW Senat S 222.23.
  9. Amtsvermerk: Einladungsliste mit handschriftlichen Ergänzungen - u.a. Medailleur Hartig, Prof. Josef Müllner, Liste der Mitglieder der Dermatologischen Gesellschaft, UAW Senat S 222.23.
  10. Amtsvermerk Prof. Tappeiner; Weisung: "Die Univ.-Quästur wird auf Grund beiliegender Rechnung Nr. 251 vom 25. August 1954 angewiesen, der Firma Eduard Hauser, Steinmetzmeister, den Betrag von S 984,30 zu überweisen.",UAW Senat S 222.23.
  11. UAW Senat S 222.23.
  12. Hölbling 1998, S. 108

Julia Strobl, Katharina Schmidt