Denkmal Grete Mostny-Glaser

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Karin Frank, Denkmal Grete Mostny-Glaser, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 158, 2016 enthüllt.

Das Denkmal für die Archäologin Grete Mostny-Glaser (1914-1991) wurde von der Bildhauerin Karin Frank (*1972) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 30. Juni 2016 enthüllt.

Beschreibung

Grete Mostny-Glasers Denkmal befindet sich im Mittelgang des Arkadenumganges und ist an der Wand eines der Arkadenpfeiler an der Hofseite montiert. Es trägt die Nummer 158.[1] Das Denkmal besteht aus einem aus Bronze gegossenen, lebensgroßen Porträtkopf, der nach der Schulterpartie in eine stelenartige Platte übergeht. Diese Zusammensetzung erinnert an Hermen aus dem Bereich der Architektur, bei denen es sich um Pfeiler mit darauf ansetzendem Kopf und einer Schulterpartie handelt. Mostny-Glaser wird lächelnd und den Betrachtenden anblickend dargestellt. Eine Schwarzweißfotografie, die sie im reifen Alter zeigt, diente hier als Vorbild.[2] Darauf zu sehen ist eine lächelnde Grete Taussky-Todd, die eine geblümte Bluse trägt. In die stelenartige Platte des Denkmals sind im oberen Bereich und nach rechts unten auslaufend an Petroglyphen – durch Schaben oder andere Techniken in Stein gebrachte Abbilder aus prähistorischer Zeit – erinnernde Einkerbungen eingearbeitet, die auf Grete Mostny-Glasers Tätigkeit als Archäologin verweisen und spezieller auf ihre Beschäftigung mit Petroglyphen, etwa in der Tarapacá Region im Norden Chiles.[3] Bei den in die Bronze eingearbeiteten "Ritzungen" handelt es sich vornehmlich um schemenhafte Darstellungen von Menschen und Tieren beziehungsweise von Jagddarstellungen, die sich in ihrer Form stark an Originalen aus prähistorischer Zeit anlehnen. Im oberen Bereich, dem angedeuteten Schulterbereich, sind, statt der Menschen und Tiere, Blumenumrisse eingekerbt, die Frank von der Bluse aus der fotografischen Vorlage übernommen hat. Der Übergang der Schulter in die stelenartige Platte wird so expliziter ausbuchstabiert, wodurch beide Elemente miteinander in Verbindung treten. Die Oberfläche des Bronzegusses weist insgesamt Unebenheiten und Bearbeitungsspuren auf, die auch in die Darstellung der Hautoberfläche übergehen und in Verbindung mit dem Lächeln einen lebensnahen und offenen Eindruck Mostny-Glasers entstehen lassen. Im Kontrast dazu steht die genau ausgeführte und sich in deutlicher Größe auf der Platte befindende Einritzung des Namens, des Geburts- und des Sterbejahres, sowie der Profession der Porträtierten.

Notizen zur dargestellten Person

Grete Mostny-Glaser (* 17. September 1914 in Linz, Österreich; † 15. Dezember 1991 in Santiago de Chile) war eine bedeutende Archäologin.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Grete Mostny-Glaser entstand anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurde am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt. Neben Mostny-Glaser wurden sechs weitere Wissenschaftlerinnen mit Denkmälern geehrt: Charlotte Bühler (1893-1974), Marie Jahoda (1907-2001), Berta Karlik (1904-1990), Lise Meitner (1878-1968), Elise Richter (1865-1943) und Olga Taussky-Todd (1906-1995). Die detaillierte Entstehungsgeschichte wird in einem gesonderten Artikel behandelt: Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Karin Frank verbindet in ihrem Denkmal für Grete Mostny-Glaser auf inhaltlicher und auf formaler Ebene das Porträt der Geehrten mit deren Tätigkeit als Archäologin. Der Künstlerin war es wichtig, bei der Ausarbeitung eines Denkmals neben dem Porträt – das in ihrem Schaffen ein Hauptmotiv bildet – auch durch die Form auf die Forschungsleistung der Geehrten zu verweisen.[4] In ihrer Forschung beschäftigte sich Mostny-Glaser intensiv mit chilenischen Petroglyphen und veröffentlichte 1983 gemeinsam mit Hans Niemeyer Fernandez das Buch “Arte rupestre chileno“, in dem ihre Forschung zu Petroglyphen dargelegt wurde. Durch die Einkerbungen in der Bronzeplatte des Denkmals wird eben auf jenen Schwerpunkt Mostny-Glasers hingewiesen. Dass sich die Form des Denkmals und die inhaltliche Ausarbeitung aufeinander beziehen und sich in gewisser Weise auch determinieren, ist an der Abstimmung der Elemente aufeinander zu erkennen. So wirkt es, als ähnele die Bronze in dem Bereich, auf dem der Name und die Daten zu lesen sind, eher einer steinernen Struktur, womit die petroglyphenartigen Einkerbungen, deren Vorbilder eben in Stein gearbeitet waren, in ihrem Untergrund auf ihren Ursprung verweisen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Bildhauerin Karin Frank ausschließlich Holz als Ausgangsmaterial für ihre Skulpturen verwendet und diese oft bemalt. Mit dem Denkmal für Grete Mostny-Glaser, sowie dem Denkmal Olga Taussky-Todds arbeitet sie so zum ersten Mal mit Gussverfahren.[5] Folgt man der Aussage Franks, dass sie den Lebenslauf der Geehrten recherchiert und dieser in ihren Entwurfsprozess miteinfloss,[6] könnte man die stelenartige Platte mit dem daraus “wachsenden“ Porträtkopf auch in Verbindung mit ägyptischen Skulpturen bringen, bei denen beide Elemente miteinander verschmolzen sind.[7] Grete-Mostny selbst hielt sich 1939 zum Studium der Ägyptologie in Kairo auf, sodass diese biografisch konnotierte Lesart eine Grundlage hätte.

Quellen

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. Die Nummerierung der Denkmäler des Arkadenhofes wurde von Thomas Maisel 2007 eingeführt und nachfolgend im Jahr 2017 ergänzt. (vgl. Ingeborg Schemper-Sparholz/Martin Engel/Andrea Mayr/Julia Rüdiger (Hg.), Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa, Köln/Weimar/Wien 2017, S. 381-386.)
  2. https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/grete-mostny-mostny-glaser-profdr, aufgerufen am 18.01.2019.
  3. https://books.google.de/books?id=lIyoDQAAQBAJ&pg=PT543&lpg=PT543&dq=petroglyphen+grete+mostny&source=bl&ots=pf608YWEQb&sig=ACfU3U0b-Cev0j300_XiE79wOF1uKUD2pw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwj586yRjJXgAhUI1-AKHfx-C5sQ6AEwCXoECAMQAQ#v=onepage&q=petroglyphen%20grete%20mostny&f=false, aufgerufen am 12.01.2019.
  4. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaft-gesellschaft/detailansicht/artikel/wissenschafterinnen-ein-denkmal-setzen/, aufgerufen am 15.01.2019.
  5. https://oe1.orf.at/artikel/444423, aufgerufen am 27.02.2019.
  6. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaft-gesellschaft/detailansicht/artikel/wissenschafterinnen-ein-denkmal-setzen/, aufgerufen am 15.01.2019.
  7. https://www.khm.at/objektdb/detail/322768/?pid=2278&back=275&offset=13&lv=listpackages-855, aufgerufen am 23.01.2019

Charlotte Reuß