Denkmal Gerard van Swieten

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Denkmal Gerard van Swieten gesamt, Franz Xaver Messerschmidt, Original 1769, Bronzekopie 1927, Arkadenhof der Universität Wien
Lage des Denkmals, Nr. 36, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Gerard van Swieten (1700-1772) wurde von dem Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) im Auftrag von Kaiserin Maria Theresia für den Hörsaal der medizinischen Fakultät der Universität Wien geschaffen. Im Jahre 1889 wurde die Büste in den Arkadenhof der Universität Wien verlegt. 1904 wurden die Büsten für van Swieten, Nikolaus Joseph von Jacquin und Jan Ingen-Housz zu einer Gruppe in der heutigen Form zusammengefasst.

Beschreibung

Abb. 2: Denkmal Gerard van Swieten, Büste, Franz Xaver Messerschmidt, Original 1769, Bronzekopie 1927, Arkadenhof der Universität Wien

Das Denkmal van Swietens befindet sich in der Mitte einer Dreiergruppe (Abb.5) und ist mit einem erhöhten Sockel besonders prominent hervorgehoben. Dieser Sockel ist aus massivem rotem Marmor gefertigt und besitzt eine breite Basis, welche eine konvexe Krümmung aufweist, die zu den Enden flacher wird. Darüber erstreckt sich ein schmälerer Quader, der eine goldene Inschrift auf einem dunklen Feld beherbergt. Darüber befindet sich ein kleines Gesims, darüber allerdings ein erheblich breiteres und höheres Gebälk.

Die lateinische Inschrift lautet: „GERARDI LIB. BAR. VAN SWIETEN ARCHIATROR SACRI PALATII COMITIS COLL. CENSURAE LIBROR. REIQUE MEDICAE PRAESIDIS AUGUSTALIS BIBLOTHECAE PRAEFECTI OB PROCURATAM SCIENTIARUM ARTIUMQ. INSTAURATIONEM OB PATRIAE MATREM, AUGUSTAMQ. FAMILIAM AB IPSO ARTIS OPE SERVATAM DE UNIVERSA RE AUSTRIAE PUBLICA OPTIME MERITI EFFIGIEM IN EXEMPL. QUOD POSTERI IMITENTUR POSUIT MARIA THERESIA AUGUSTA INQUE SALUTARIS ARTIS COLLEGIO EJUS CONSILIIS SAPIENTER CONSTITUTO ILLUSTRAROQUE COLLOCARI JUSSIT MDCCLXIX. ANT STÖRK VINDO. STUD. UNIVERS. RECTORE“.

Die Büste selbst steht auf einem weiteren kleinen aufgesetzten halbkegelförmigen Sockel, der an den Enden mit Voluten verziert ist und sich nach oben hin verjüngt. Beinahe lebensgroß wird uns der dargestellte Gerard van Swieten in fortgeschrittenem Alter und nach links gewandtem Haupt gezeigt. Das flache, fleischige Gesicht wirkt aufgrund der Schattierungen äußerst ausdrucksstark. Die Augen sind verhältnismäßig klein gegenüber Mund und Nase. Seine langen, lockigen Haare lassen eine Perücke vermuten, dessen Tragen im 18. Jahrhundert üblich war. Der Büstenausschnitt reicht bis unter die Brust und schließt die Schulteransätze rechts und links mit ein. Das locker über die Schultern fallende Gewand ist beim Kragen steif nach oben gezogen. Der Frack hat einen mit Pelz besetzten Kragen, der sich von der rechten Schulter weit ausschwingend bis über die linke Schulter zieht. Um seinen Hals trägt er ein Ordensband, an dem sich das Kreuz des St. Stephansordens befindet.[1] (Dieses ist auch beim Original abgebrochen.) Die Porträtbüste ist noch der Formensprache des österreichischen Rokoko verpflichtet. [2] Die gesamten Einzelheiten der Büste sind sehr bewegt modeliiert und werden nicht durch harte Konturen voneinander abgegrenzt. Die Konturen verschmelzen in ihren weichen Übergängen ineinander zu einem harmonischen Ganzen.

Abb.3: Denkmal Gerard van Swieten, Sockel, Franz Xaver Messerschmidt, Original 1769, Bronzekopie 1927, Arkadenhof der Universität Wien

Notizen zur dargestellten Person

Gerard van Swieten wurde 1745 als kaiserlicher Leibarzt von Kaiserin Maria Theresia nach Wien berufen. Er war Präfekt der Hofbibliothek und Praeses der medizinischen Fakultät. [3] Van Swieten trägt ebenfalls die Verantwortung für die Errichtung eines Witwen- und Waisenfonds.

Entstehungsgeschichte

Die Büste wurde von Kaiserin Maria Theresia für den Hörsaal der medizinischen Fakultät der Universität Wien zu Ehren von Gerard van Swieten bei Franz Xaver Messerschmidt in Auftrag gegeben. Es handelt sich dabei um eines der wenig erhaltenen Werke, die direkt von ihr beim Künstler in Auftrag gegeben wurden. [4] Anhand eines Schabblattes von J.G. Haid (Abb. 4) kann die ursprüngliche Aufstellung der Büste veranschaulicht werden. Das Denkmal stand in einer nach oben hin halbkreisförmigen, abgeschlossenen Nische auf einem konvex gewölbten Sockel. Das Werk war direkt auf dem kegelförmigen Abschluss des Sockels aufgesetzt. Das Größenverhältnis zwischen Sockel und Büste war wesentlich kleiner als es bei der heutigen Aufstellung im Arkadenhof der Universität Wien (Abb.1.) ist. Somit wirkte das Antlitz des Dargestellten prominenter, wobei die schlicht gestaltete Nische diesen Eindruck unterstützt.

Abb.4, Aufstellung der Büste Gerard van Swieten von F. X. Messerschmidt im medizinischen Hörsaal der Wiener Universität, J.G. Haid, Schabblatt, nach 1769

Von diesem Standort wurde das Denkmal in den Festsaal des Allgemeinen Krankenhauses Wien verlegt und kam schließlich 1889 in den neuerrichteten Arkadenhof der Universität. [5] Zur Aufstellung im Arkadenhof geht aus den Quellen hervor, dass Karl Köchlin selbst an der Planung beteiligt war und seine Vorschläge für den Platz der Artistischen Kommission vorlegte. [6] Der genaue Standort, an dem sich die Büste nach der Überstellung vom Allgemeinen Krankenhauses Wien in den Arkadenhof der Universität befand, ist jedoch nicht nachweisbar. Im selben Jahr wurde auch die Übertragung vom Denkmal Josef Quarin und dem Denkmal Andreas Josef von Stifft aus dem Rektoratszimmer der Altem Universität Wien und die Austellung vom Denkmal Josef Hyrtl und dem Denkmal Franz Schuh beantragt. [7]

Abb. 5: Die Gruppe um das Denkmal Gerard van Swieten, Franz Xaver Messerschmidt, Original 1769, Bronzekopie 1927, Arkadenhof der Universität Wien

1904 wird in der Artistischen Kommission beschlossen, dass die drei Büsten von Gerard van Swieten, Nikolaus Josef von Jacquin und Jan Ingen-Housz zu einer Gruppe (Abb.5) zusammengeschlossen werden sollen. Zu diesem Zweck wurde die Van Swieten-Bsüte von der Medizinerseite in den linken Arkadengang verlegt, der nicht nur für die Juristen, sondern auch für die aufstrebenden Naturwissenschaftler bestimmt war. Die Zusammengehörigkeit der drei Büsten wird durch eine einheitliche neobarocke Sockelgestaltung ausgedrückt. Die Sockel wurden laut Angaben in den Quellen von der Steinmetzfirma Eduard Hauser nach Entwürfen des Architekten Carl König angefertigt. [8] Im Zuge der Zusammenstellung zu einer Denkmalgruppe wurden alle drei Büsten renoviert. Die daraus resultierenden Mehrkosten von 523 Kronen übernahm das k.k. Ministerium für Bildung und Unterricht. [9] Diese Gruppe wurde schließlich 1905 in der heutigen Form im Arkadenhof der Universität Wien aufgestellt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb.7, Porträtbüste Gerard van Swieten, Franz Xaver Messerschmidt, Marmor, 1770-1772, 40 cm, Kunsthistorisches Museum Wien

Zu einem kunsthistorischen Vergleich eignet sich besonders gut eine zweite Büste von Franz Xaver Messerschmidt, die ebenso den Leibarzt Gerard van Swieten darstellt und sich im Kunsthistorischem Museum Wien befindet (Abb.7). Die Büste ist, im Gegensatz zu der aus Bronze gefertigten, aus Marmor gearbeitet und hat einen knappen Halsausschnitt mit einem würfelartigen kleinen Sockel mit der Inschrift: „GERARDUS L. B. VAN SWIETEN“.

Diese beiden Werke kennzeichnen die Veränderung von der barocken Formensprache zu einer dem Klassizismus angenäherten Ausdrucksweise im Werk Messerschmidts. Beim Denkmal im Arkadenhof folgt der Aufbau noch der barocken Konvention, die bei repräsentativen Porträts üblich war. Das erhobene und in einer heftigen Bewegung nach links gedrehte Haupt mit dem pelzbesetzten großen Büstenabschnitt drückt Erhabenheit aus. Der Marmorkopf im Kunsthistorischen Museum, dagegen ist streng frontal ausgerichtet, wodurch jede Bewegung ausgeschaltet wird. Die malerische Masse der Kleidung entfällt beim zweiten Bildnis. Hierbei wird gar keine Kleidung mehr angedeutet. Die Gesichtsformen sind klarer erkennbar und verschmelzen weniger im Gesamtbild des Gesichtes. Es kann angenommen werden, dass die starken Unterschiede auch daher rühren, dass es sich bei der ersten Büste Gerard van Swietens um einen offiziellen Auftrag der Kaiserin Maria Theresia handelt und der Stil des Barocks ihrem Kunstgeschmack eher entsprochen hat.[10] Über das zweite Porträt gibt es keine näheren Angaben zur Auftragslage und es dürfte sich daher um ein eher privateres Werk handeln.

Der Umschwung in der Kunstauffassung in Österreich kann anhand dieser zwei Werke illustriert werden. Dabei wird ein Romaufenthalt Messerschmidts eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Akademiereform kündigt sich an.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Die Direktion des Allgemeinen Krankenhauses Wien hat 1907 die Anfertigung eines Gipsabgusses der Büste angesucht, die darauf vom Rektor der Universität auf deren Kosten bewilligt wurde. Eine weitere Bedingung war, dass die Herstellung des Abgusses zu einer Zeit geschehen soll, in der der Arkadenhof eine besonders geringe Frequentierung an Leuten aufweist. [11]

Abb.6, Porträtbüste Gerard van Swieten, Franz Xaver Messerschmidt, 1769, Blei-Zinn Legierung, vergoldet, Belvedere Wien, Leihgabe der Universität Wien seit 1927

Das Werk von Franz Xaver Messerschmidt (Abb.6.) wurde Anfang des 20. Jahrhundert angeblich gestohlen und 1922 durch einen bronzierten Gipsabguss aus der Akademie der Bildenden Künste ersetzt. [12] Dieser Gipsabguss wurde von Arbeitern, die elektrische Leitungen im Arkadenhof legten beschädigt, wobei nichts von der Masse der Büste zerstört wurde, sondern lediglich ein Teil der Bronzierung abgeblättert ist. [13] Die Porträtbüste wurde wiederaufgefunden und im Jahr 1927 als Leihgabe an die Österreichische Galerie im Belvedere übergeben. Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich seitdem eine Bronzekopie nach einem Gipsabguss der Büste. [14]

Einzelnachweis

  1. Wurzbach 1880, S. 45.
  2. Pötzl-Malikova 1982, S.35.
  3. Maisel 2007, S.48
  4. Pötzl-Malikova 1982, S. 35.
  5. Pötzl-Malikova 1982, S. 230.
  6. UAW S. 87.1.14
  7. UAW S. 87.1.17
  8. UAW S. 87.2.42
  9. UAW S. 87.3.2
  10. Pötzl-Malikova 1982, S. 43.
  11. UAW S. 96.11
  12. Pötzl-Malikova 1982, S. 230.
  13. UAW S. 89.2
  14. Pötzl-Malikova 1982, S.229.

Quellen

  • UAW, Senat S 87.1.14: Büsten: Gerhard van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.17: Aufstellung von 5 Portrait-Büsten im Arkadenhof: Van Swieten, Stifft, Quarin, Hyrtl, Schuh.
  • UAW, Senat S 87.1.1: Leihgaben (Büsten, Gemälde) für Ausstellung der Genossenschaft der Bildenen Künste Wiens.
  • UAW, Senat S 96.11: Van Swieten, Gerhard, Denkmal im Arkadenhof
  • UAW S.87.3.2: Kommissionssitzung, 11.7.1905, Van Swieten - Denkmal, Hanslick-Büste
  • UAW S. 87.3.7: Kommissionssitzung, 10.3.1905: Deckengemälde für den großen Festsaal, Ingen-Housz-, Jacquin-, Van Swieten-Denkmäler
  • UAW S. 87.3.10: Kommissionssitzung, 9.12.1904, Wiedel-, Van Swieten-, Jacquin-, Ingen-Housz- Denkmäler
  • UAW S. 89.2: Beschädigung des Gipsabgusses der Van Swieten-Büste
  • UAW S. 87.2.42: Denkmäler: Van Swieten, Jacquin, Ingen-Housz, Winiwarter, Vergrößerung des Fenster in der Universitätsbibliothek

Rezeption in der Presse

Unter dem Titel Die neuen Monumente der Wiener Universität wird die geplante Aufstellung von drei neuen Denkmälern im Arkadenhof erwähnt. Darunter wird auch die Büste von Gerard van Swieten erwähnt, diese soll mit zwei weiteren zu einer Gruppe zusammengeschlossen werden.

  • Wiener Bauindustrie Zeitung, 7, 1889, S. 77.

In der Bauindustriezeitung werden die jüngst aufgestellten Denkmäler von van Swieten, Quarin, Hyrtl, Schuh, Glaser, Eitelberger und Ferstel erwähnt. Diesen sollen bald wieder neue Denkmäler hinzugefügt werden. Dazu äußert man sich kurz über die variablen Formen der Werke.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Pötzl-Malikova 1982: Maria Pötzl-Malikova, Franz Xaver Messerschmidt, (Veröffentlichung der Österreichischen Galerie, Wien), Wien 1982.
  • Wurzbach 1880: Constatin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, Einundvierzigster Teil – Susil – Szeder, Wien 1880.

Weblinks


Cigdem Özel, Johanna Petrovitsch, Sabine Panzer